Magersucht und Gewichtszunahme, Regeneration

    • (1) 29.09.17 - 10:29

      Guten Morgen, liebe Leserinnen.

      Vorab: Nein, das wird kein Thread, in dem ich immer wieder sagen werde, dass ich nicht zunehmen will, im Gegenteil.

      Mir geht es um Austausch und Erfahrungen im Kampf gegen die Magersucht.

      Um die Geschichte verständlicher zu machen, hier ein kleiner Prolog.

      Ich hatte schon immer ein etwa gestörtes Verhältnis zum Essen, war aber größtenteils stets normalgewichtig, bis auf eine kleine Episode 2009. Ich weiß sehr wohl, wo meine Defizite liegen (im Bezug auf psychische Probleme; ich bin sehr reflektiert, was mich angeht - behaupte ich jetzt mal so.) Nach der Entbindung meines Kindes 2015 verselbstständigte sich die Thematik allerdings. Ich trennte mich vom Kindesvater, diverse Personen meines engen Umfelds starben unter zum Teil sehr heftigen Bedingungen, etc. Ich wollte nach der Schwangerschaft unbedingt abnehmen, denn ich hatte verhältnismäßig viel zugenommen. Machte dann sehr viel Ausdauersport (HIIT) kombiniert mit LowCarb-Ernährung. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Ich verschwand immer mehr, erst mein Busen, dann der Rest des Fetts. Ich habe jedoch den "Fehler" gemacht, nie meine Kalorien zu kontrollieren und habe in der Zeit leider nicht einmal meinen Grundumsatz zu mir genommen, die sportliche Belastung gar nicht miteingeschlossen. Zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich blendend und unbesiegbar.
      Im Juni des darauffolgenden Jahres fingen die Probleme an. Meine Libido verschwand von einem Tag auf den anderen, ich hatte ein ständiges Brennen in der Scheide, Infektionen (nicht nur im Intimbereich) häuften sich. Ich bekam meine Periode nicht mehr richtig. (Sie blieb nicht gänzlich aus, aber sie verkürzte sich stark und von einer Blutung kann auch nicht die Rede sein.) Ich ging also zum Frauenarzt, aber mein Hormonstatus war in Ordnung. Es ging mir immer schlechter, aber ich habe nicht daran gedacht, mal wieder normal zu essen oder mal mit dem übertriebenen Sport aufzuhören. Zeitgleich bekam ich leider einen MS-Schub. Dass ich diese Krankheit habe, wusste ich bis dato noch gar nicht. Ich war daraufhin zwei Mal stationär im KH und bekam Kortison. Ich ließ den Leistungssport sein und wandelte über ein halbes Jahr in einer Art Traumwelt. Mein Essverhalten änderte ich aber nicht. Meine Periode wurde jedoch wieder stärker, das Brennen hörte aber nicht auf. Von meiner Frauenärztin bekam ich Oekolp verschrieben; die Creme brachte was, bekämpft ja aber nur die Symptomatik. Ich hatte in der Zeit von Juni 2016 bis jetzt etwa 10 Blasenentzündungen und diverse bakterielle Infektionen. Ich habe jeden Tag Einschlafprobleme, Herzklopfen etc., habe mich oft testen lassen, mein Blutbild ist immer "perfekt".

      Lange Rede kurzer Sinn, vor etwa zwei Wochen zog ich die Reißleine. Ich hatte keine Energie mehr und war dauernd krank, trotz meiner Versuche, mit Medikamenten oder Darmaufbaukuren dagegen zu steuern.

      Ich habe eingesehen, dass ich etwas ändern muss. Ich werde mir auch professionelle Hilfe suchen, daran führt kein Weg vorbei.

      Ich habe zwei Jahre im Kaloriendefizit gelebt. Und es war ein Riesendefizit. Seit zwei Wochen esse ich jeden Tag etwa 2500-3000 Kalorien (grobe Schätzung). Ich versuche, sehr ausgeglichen zu essen, aber verbiete mir nichts, im Gegenteil. Bis jetzt hat sich auf der Waage nichts getan. Dafür bemerke ich Dinge, die mir vorher nicht aufgefallen sind. Ich habe Herzrhythmusstörungen. Wenn ich mal schneller laufe, tun mir die Nieren für ein paar Stunden weh. Ich bin nun ständig aufgebläht und schwitze nachts literweise Wasser. Es gibt jedoch auch positives: Ich friere nicht mehr so schnell und meine Haut ist nicht mehr so trocken. Ich habe auch mehr Energie, welche ich dringend brauche für mein Kind und meinen Beruf.

      Meine Frage ist nun: Gibt es hier Menschen, die den Weg aus der Magersucht gemeistert haben und deren Körper sich wieder regeneriert hat? Mich interessiert vor allem die hormonelle Lage, denn das ist es, was mir am meisten zu schaffen macht.

      Ich bedanke mich fürs Lesen und würde mich sehr über Antworten freuen.

      Falls es von Interesse ist: Ich bin 28, 163 cm groß und wiege 44 Kilo. (Das soll kein Ansporn sein- es ist nicht schön!)

      Dufttier

      • Hallo,

        ich war vor über 15 Jahren magersüchtig und habe mich sehr gut regeneriert. Alle körperlichen Beschwerden und Erkrankungen sind binnen 5 Jahren verschwunden. Auch bei mir hatte es psychische Probleme.

        Durch eine Therapie bei einer Tiefenpsychologin konnte ich das sehr gut und nachhaltig aufarbeiten. Heute habe ich damit keinerlei Probleme mehr.

        Wichtig ist, dass Du möglichst auf Süßkram und Zucker verzichtest. Also Obst ja, aber keine Speisen, die raffinierten Zucker oder andere Zucker enthalten. Auch keine Lightprodukte mit Zuckeraustauschstoffen.

        Das stört den Hormonhaushalt nämlich sehr stark.

        Gut ist nachhaltig, fettreich (die richtigen Fette, nicht Sonnenblumenöl usw, sondern Olivenöl, Leinöl usw.) und vollwertig (Vollkornbrot, "echtes" Müsli mit frischen Früchten usw.) zu essen.

        Dann bekommt Dein Körper alles, was er braucht und kann sich wieder regenerieren und aufbauen. Wie viel Du verträgst, musst Du ausprobieren. Mit der Zeit wird sich aber Deine Darmschleimhaut wieder gut aufbauen und dann wird auch die Verträglichkeit gut.

        Auch moderat Sport ist hilfreich. Denn damit zeigst Du Deinem Körper, dass Du aktiv bist, er also Muskeln aufbauen muss.

        Die gleichen Methoden, die beim abnehmen wichtig sind, sind auch beim zunehmen wichtig ;-).

        Und ansonsten:

        SCHMEISS DEINE WAAGE WEG!

        Alles Gute Dir!

        LG

        • Hallo!

          Vielen Dank für Deine Antwort. Darf ich fragen, wie lange Du Dich malträtiert hast? Die fünf Jahre haben mich nämlich gerade etwas erschreckt.

          Und danke auch für die Tipps. Von Zuckeraustauschstoffen lasse ich ohnehin die Finger; das kann einfach nicht gesund sein. ;) Ich denke, dass ich ernährungstechnisch ziemlich gut fahre, aber ich komme beruflich auch aus der Ecke. Wie paradox eigentlich.

          Das macht es für mich umso unverständlicher, dass ich vor dieser Problematik so die Augen verschlossen habe.
          Schön, dass es Dir wieder gut geht.

          LG

          • Hallo,

            ich war 2 Jahre magersüchtig und hatte danach 1 Jahr Bulimie.

            Die 5 Jahre waren mein "Genesungszeitraum". Es gab einige gesundheitliche Entwicklungsprobleme, weil ich bei EInsetzen der Magersucht erst 15 war.

            Diese haben sich innerhalb der folgenden 5 Jahre komplett erledigt. Ich habe aber nicht so lange "gelitten".

            Alles Gute Dir.

            LG

          • "Ich denke, dass ich ernährungstechnisch ziemlich gut fahre, aber ich komme beruflich auch aus der Ecke. Wie paradox eigentlich.

            Das macht es für mich umso unverständlicher, dass ich vor dieser Problematik so die Augen verschlossen habe."

            so unverständlich ist das gar nicht. Anders gesagt, das scheint häufiger zu sein.
            Das Sprichwort "Ärzte sind oft die schlechtesten Patienten" kenne ich aus verschiedenen Berufen.

            Grade weil man sich so gut auskennt, kennt man (unbewusst!) auch die Schlupflöcher, wie man sich herausreden kann. Der innere Schweinehund hat die Infos, um Ausreden plausibel erscheinen zu lassen ;-)

            Sich bewusst werden, was du an fachlichem Wissen hast und das FÜR dich (statt gegen deinen Körper) einzusetzen, ist schon mal ein guter Weg. vielleicht sogar einer von Vorteil. Dir bewusst gutes tun (sofern du das zulassen kannst). Lass dich nicht abschrecken, wenn es vielleicht lange dauern kann. Der Weg ist das Ziel.
            Ich komme zwar aus einer anderen Ecke Krankheiten, kenne das mit der Zeit aber auch. soooo lange und so. Im Grunde ist jede noch so kleine Besserung ein großes Stück Lebensqualität. Selbst wenn es mir nicht mehr wieder so gut gehen sollte, wie es gesund wäre. Jede noch so kleine Besserung ist tolles Leben #verliebt
            und an meinem Kind sehe ich das auch. An meinem Kind sehe ich ebenfalls wie sich meine jede noch so kleine Besserung bei ihr im Guten auswirkt. (auch dann wenn ich mit mir selbst unzufrieden bin, weil es MIR nicht schnell genug geht)

            Gute Besserung
            das Erkennen und sich Hilfe holen ist ein guter Schritt
            gib dir die Zeit und genieße die Momente, die es dir bis dahin schon besser geht, Stück für Stück

        >>SCHMEISS DEINE WAAGE WEG!<<
        Ein sehr wichtiger, erster Schritt!

    Hallo,

    Du hast Dein Problem selbst erkannt. Es wird nicht leicht, es wird sicher auch Rückschläge geben, das gestörte Verhältnis zum Körper kommt immer wieder mal durch. ABER, der Vergleich, krank und gesund zu leben, gesund zu sein, glücklich zu sein...unbezahlbar und sehr hilfreich. Man lernt, gesund zu werden und damit um zu gehen, man lernt seinen Körper wieder zu mögen, ab und an sogar zu lieben, aber mit dem Willen und vorallem Lebenswillen kann man das schaffen.

    LG und alles Glück der Welt, Du bist auf einem guten Weg #klee

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