Die Chemo tötet, nicht der Krebs...

    • (1) 07.10.17 - 18:32

      Worte einer Intensiv Schwester nach dem Tod meiner Mutter.
      Alles fing mit einem winzigen Tumor in der Brust an, rund 2cm.
      Meine Mutter hatte schon im Vorfeld Copd und wog nur knappe 60 Kilogramm. Der Tumor konnte restlos entfernt werden und Lymphknoten waren keine befallen.
      Man hat ihr geraten 6 Chemos (AC) zu machen, falls doch mal eine Zelle entkommen ist. Ich habe ihr weder dazu geraten, noch habe ich ihr gesagt das sie es nicht machen soll. Nach der 3 Chemo bekam sie einen Lungeninfekt, konnte kaum noch atmen geschweige denn laufen.
      Dennoch hat der Onkologe ihr die 4 Chemo gegeben..ich frage mich die ganze Zeit warum?. Ist denn Geld soo wichtig in unserer Gesellschaft geworden, das wir es lieber in Kauf nehmen ein Menschenleben zu verlieren anstatt die Chemo einfach abzubrechen? Leider kenn ich mittlerweile mehrere solcher Fälle, daher holt euch im Falle eines Falles immer eine zweite Meinung. Mit Chemotherapie werden Jährlich Millionen verdient und ich glaube oft wäre sie einfach überflüssig.
      Meine Mutter würde ohne Chemotherapie vermutlich noch Leben.

      • Hallo!

        Nein, ich denke nicht, dass man das so uneingeschränkt behaupten darf.

        Jeder ist für sich allein verantwortlich. Wenn deine Mutter keine Chemo hätte haben wollen, dann hätte sie sie ablehnen können. Gegen ihren Willen hätte man sie nicht behandeln dürfen, was du sicher weißt. Man darf das Handeln von Ärzten kritisch sehen und nachfragen und sich natürlich eine zweite oder dritte Meinung einholen. Letztendlich war es die Entscheidung deiner Mutter. Da du Krankenschwester bist, hättest du ihr gut beratend zur Seiten stehen können. Das ist schwierig, wenn man selbst mit betroffen ist und will, dass Mutter wieder gesund wird bzw. sich der Zustand wenigstens nicht verschlimmern soll. Du wolltest als Tochter nicht "Schuld" daran haben, wenn es ihr schlechter geht und hast ihr deshalb nicht von der Chemo abgeraten. Genauso wenig hat das ihr Arzt aus denselben Gründen getan. Ärzte sind keine Heiligen, aber dass sie ausschließlich nur ans Geld denken, kann ich so nicht erkennen.

        Für mich hoffe ich, dass ich für selbst den Zeitpunkt finde, an dem ich keinerlei kurative Therapie mehr haben möchte. Ich wünsche mir dann Freunde oder Kollegen, die offen mit darüber reden und mit denen ich verschiedene Sichtweisen abgleichen kann. Die letzte Entscheidung treffe dann hoffentlich ich oder der/diejenige, der/die die Vollmacht dazu haben wird.

        In meinem Job sehe ich öfter mal Krebspatienten, die keinerlei Behandlung hatten. Sei es, weil sie das konsequent nicht wollten oder weil sie wirklich bis fast zum Schluss alles ignoriert haben. Da gibt es Verläufe, die sind echt gruselig. Die Leute würden mit Chemo sicher auch an ihrer Erkrankung sterben, aber mit einem abgeschwächten Verlauf. Deshalb halte die Äußerung, dass die Chemo tötet und nicht der Krebs für gefährlich.

        Ich verstehe, dass du traurig bist und jetzt jemanden verantwortliche machen möchtest. Für eine Weile ist das auch okay so, nur wird das für dich keine dauerhafte Lösung sein können.

        Alles Gute!

          • Hallo!

            Was genau ist denn dabei deine Fragestellung?

            LG

            • ich beziehe mich auf diesen Satz von dir, den du geschrieben hast
              >>Wenn deine Mutter keine Chemo hätte haben wollen, dann hätte sie sie ablehnen können. Gegen ihren Willen hätte man sie nicht behandeln dürfen, was du sicher weißt. <<

              wenn ich M. Wasmeier so lese, was er berichtet, dann scheint es nich so ganz leicht zu sein, eine Behandlung ab zu brechen oder zu verweigern.
              Oder ist es so, wenn man einmal ja gesagt hat, dann muss man weiter machen?
              Es interessiert mich wirklich

              • Hallo!

                Ach so, deshalb.
                Doch, natürlich kann man jederzeit die Therapie abbrechen und/oder verweigern. Manche Ärzte reagieren dann so, das ist richtig. Das ist doof, aber wenn man sich sicher ist, sucht man sich einen anderen, der mehr Verständnis hat. Niemals darf jemand eine Chemo oder was auch immer anlegen, wenn der Patient "Nein" sagt.Man kommt in Teufels Küche, wenn man das macht. Nur muss derjenige "Nein" sagen und nicht "Vielleicht".

                Ich kann dir "unsere" Geschichte aus dem Sommer erzählen: Mein Mann hatte eine Krebsdiagnose. Zum Glück konnte der vollständig entfernt werden, eine weitere Therapie ist nicht nötig. Er hatte aber eine recht große Wunde, die sich auch noch infiziert hat. Das alles geschah kurz vor unserem Urlaub.

                Da war sie nun,, die infizierte Wunde. Jeden Tag guckte ein anderer Arzt drauf oder auch mehrere. Jeder sagte was anderes, was uns beide total verunsicherte. Der eine sagte, dass wir auf keinen Fall in den Urlaub können, der nächste sagte "vielleicht", der dritte dann, dass alles schlimmer aussähe als es war.
                Wir waren völlig rat- und hilflos, ich habe viel geheult. Und irgendwann hatte ich die Faxen dicke.Verbinden kann ich auch, das ist kein Hexenwerk. Statt zu heulen und unsicher zu gucken, entschied ich mich für einen selbstbewussten Auftritt.
                Der (durchaus freundliche)Arzt eierte rum, dass er uns kein grünes Licht für den Urlaub könne und laberlaber. Ich sagte ihm dann, dass ich das auch nicht erwartete, weil ich weiß, dass er damit im rechtsfreien Raum befände. Ich hätte das jetzt aber zusammen mit meinem Mann entschieden und wir beide wären für uns selbst verantwortlich. Ich habe ihm gesagt, was ich an Verbandszeug brauche, er gab mir seine Mailadresse, damit ich ihm im Ernstfall ein Bild der Wunde schicken konnte. Auf einmal wurden alle ganz kooperativ und hilfsbereit. Wir sind in den Urlaub gefahren und alles ist gut.

                Mein Mann meinte hinterher, ich hätte einen sehr souveränen Auftritt hingelegt. Ohne jemanden "ans Bein zu pinkeln" habe ich unseren Standpunkt und unsere Entscheidung dargelegt.

                Das war nun nicht ganz so ernst als wäre er nun wirklich langfristig an Krebs erkrankt. Das ist mir schon klar. Was ich aber gelernt habe: Wenn man sich seiner Sache ganz sicher ist, dann machen auch Ärzte mit.Der Arzt in deinem Text war angepisst, dass seine Therapie in Frage gestellt wurde. Er war aber von seinem Therapiekonzept überzeugt und wollte auch nur das Beste für seine Patientin. Das sollte man auch immer bedenken.

                Es ist für beide Seiten keine leichte Entscheidung, eine Therapie abzubrechen oder einen anderen Arzt ins Spiel zu bringen. Das sind immer Einzelfallentscheidungen, es gibt keine pauschale Lösung, die für alle passt. Das macht es doch so schwierig.

                Das Problem ist aber schon, dass die meisten ihre Eigenverantwortung an der Krankenhaustür abgeben. Herr Wasmeier war auch erstaunt bis verärgert, dass er nun offenbar verantwortlich sein soll. Ja, wer denn sonst, wenn nicht seine Frau und er? Ich persönlich finde es eher tröstlich, dass ich für mich und meine Entscheidungen verantwortlich bin.Es ist eher meine große Angst, das irgendwann nicht mehr sein zu können.

                Ich habe eine Menge Menschen kennen gelernt, die die Therapie von vorn herein abgelehnt oder abgebrochen haben. Natürlich geht und darf das sein. Man muss sich nur klar darüber sein, was das bedeutet und man muss sich sicher sein.

                #winke

                • danke für deine ausführliche Antwort. Ja,jeder ist für sich selbst verantwortlich, ich glaube aber, dass auch etliche Ärzte das vergessen. Wollen.
                  Und denken, da sie ja die Fachleute sind, der Patient könne das gar nicht entscheiden. Und viele Ärzte schüchtern ihre Patienten ein, oder versuchen es zu mindest . leider

                  • Moin!

                    "Und denken, da sie ja die Fachleute sind, der Patient könne das gar nicht entscheiden. Und viele Ärzte schüchtern ihre Patienten ein, oder versuchen es zu mindest . leider"

                    Ja, das ist manchmal so, das ist aber auch nur die einer Seite der Medaille.
                    Die andere ist, dass alle so schreckliche Angst vor allen möglichen Erkrankungen und dem Tod habe, dass sie allzu schnell jede Verantwortung und jedes Selbstbewusstsein ablegen und alles vertrauensvoll in die Hand des Arztes legen. Wichtiger wäre, dass man Gespräche einfordert (und wenn der Arzt immer wieder ausweicht, dann eben einen anderen Arzt sucht), dass man sich informiert und laut mitdenkt. Dann weiß so ein Arzt auch schon lange vor einer finalen Entscheidung, was man will und wie man denkt.
                    Es muss auf beiden Seiten ein Umdenken stattfinden.

                    Wenn der von der TE erwähnte Arzt die Chemo nicht angeordnet oder vorgeschlagen hätte und die Mutter wäre an dem Krebs verstorben, wäre auch die Hölle los. Ein Arzt steht wirklich immer mit einem Bein im Gefängnis, wenn Patienten so unmündig sind. Wieso lässt man sich einschüchtern von einem Menschen, der nur einen kleinen Teil von einem kennt?
                    Das alles ist sicher nicht so einfach, wie ich es hier darstelle. Unsere Erfahrung im Sommer zeigt aber, dass Ärzte auch dankbar sind für Patienten und Angehörige, die klar sagen, was sie wollen und denken. Das geht ja auch ohne Vorwürfe oder Zweifel an seiner Kompetenz.

                    LG

                    • Guten Morgen,
                      >>Das geht ja auch ohne Vorwürfe oder Zweifel an seiner Kompetenz. <<
                      >>dass Ärzte auch dankbar sind für Patienten und Angehörige, die klar sagen, was sie wollen und denken. <<
                      ich denke, es geht gar nicht so sehr um Zweifel an der Kompetenz eines Arztes. Ich hab teil weise echt das Gefühl, dass ein Patient, der eben nicht dem Ratschlag eines Arztes folgt, von diesem Arzt als "bockig" ein gestuft wird. Macht jeder so seine eigenen Erfahrungen.

                      >>Es muss auf beiden Seiten ein Umdenken stattfinden. <<
                      das sehe ich genau SO!

        habe gerade gemerkt, dass der Text in meinem Link leider nicht weiter geht.
        Hier scheint es zu funktionieren. Wenn du es noch einmal hier mit Lesen versuchen würdest. (für den Anschluss ein klein wenig hoch scrollen). Sorry, dass das so umständlich ist mit dem Verlinken.
        Danke
        https://books.google.de/books?id=Xsw2DwAAQBAJ&pg=PT228&lpg=PT228&dq=markus+wasmeier+frau+krebs+therapie&source=bl&ots=4IAPjq6zFd&sig=D7NmkzKIrT-NRZwwqg5pWsFeM4U&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiNv8Gny-vWAhUDDMAKHW7FBiEQ6AEIWDAK#v=onepage&q=markus%20wasmeier%20frau%20krebs%20therapie&f=false

    Hallo,

    meine Freundin hat sie in diesem Jahr das Leben gekostet bzw. ihre Lebenserwartung verkürzt. Im besten Falle hätte sie ihr aber noch Lebenszeit geschenkt, da schon bei der Diagnose klar war, es ist unheilbar.

    Ansonsten hat sie einigen in meinem Umfeld schon das Leben gerettet. Von daher würde ich so eine Aussage niemals so pauschal tätigen.

    LG

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