Meine Mutter hat Krebs - und ich bin so wütend

    • (1) 13.10.17 - 19:51

      Hallo,

      entschuldigt diesen kleinen Ausbruch, aber ich kann die Situation noch nicht wirklich fassen.

      Meine Mutter achtet von je her nicht wirklich auf sich.
      Zu Ärzten geht sie selten, beim Zahn- oder Frauenarzt habe ich sie noch nie gesehen.
      Sie hat eine schlimme Neurodermitis, doktort aber lieber selbst daran herum und wickelt sich die blutenden, nässenden Stellen mit Mullbinden.
      Jeder Versuch, mit ihr zusammen zum Arzt zu gehen, scheiterte. Sie wollte nicht.

      Jetzt kam, was kommen musste: Es ging ihr so schlecht, dass die zur Abklärung ins Krankenhaus musste.
      Diagnose: Darmkrebs im Endstadium.
      Kurz vor Darmverschluss.
      Weitere Tumore auf Gebärmutter und den Eierstöcken.
      In einer großen OP wurden der Haupttumor (20cm Durchmesser), große Teile des Darms, die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernt.
      Außerdem wurde ein Stoma gelegt.
      Zusätzlich musste ihr ein Zeh entfernt werden, weil er so entzündet war, dass er nicht erhalten werden konnte.
      Auch Diabetes wurde diagnostiziert, sie muss sich jetzt spritzen.

      Die Prognose ist sehr schlecht.
      Möglicherweise wird nur noch palliativ behandelt. Eine Chemo brächte lt. Arzt höchstens etwas Aufschub.

      Ich bin so wütend...
      Auch meine Mutter, die sich nicht um sich gekümmert hat (sie ist 69 und keinesfalls gebrechlich), auf mich - vielleicht hätte ich irgend etwas tun können, um sie zum regelmäßigen Arztbesuch zu überreden... Aber hätte ich sie zwingen können? Sicher nicht.
      Ich bin wütend über die Gesamtsituation.
      Meine Mama ist noch jung. Meinen Vater habe ich bereits vor 10 Jahren verloren.
      Es fällt mir so schwer, diese Diagnose anzunehmen.

      Und dann fühle ich mich schlecht, weil ich so wütend bin.
      Weil ich mir egoistisch vorkomme.

      Ach Mann, es ist so vielschichtig, was gerade in mir vorgeht.

      Entschuldigt, das war ein langer Text und ein langer Tag.
      Es tat aber gut, das alles einmal aufzuschreiben.

      LG,
      Tajeetah

      • Hallo,

        meine Mutter hat auch Krebs und zwar im ganzen Körper. Sie bekommt keine Chemo und lebt nun schon seit 3 Jahren damit. Sie leidet viel und ihr Leben ist nicht schön. Ich weiß nicht, ob ich meiner Mutter wünschen soll, dass sie noch ewig so weiterleben muss. Manchmal ist es besser man lebt so nicht.

        Die Ärzte werden Deine Mutter solange wie möglich am Leben erhalten. Das geht heute auch ganz gut aber nicht ohne Qualen.

        Die Mutter meiner Freundin ist damals mit 65 Jahren nach 5 Jahren Krebes gestorben, zum Schluss mit Morphium. Eine andere Freundin meiner Mutter ist nach fast 8 Jahren Chemo etc. gestorben.

        Deine Mutter wird nicht geheilt aber sie wird dann noch lange mit dem Krebs leben müssen.

        Natürlich hat man Angst und man weint als Tochter viel. Es gab Zeiten, da war ich fix und fertig. Mittlerweile sehe ich es anderes. Ich wünsche meiner Mutter nicht, dass sie noch 10 Jahre so leben muss. :-(

        Mittlerweile hat sie große Probleme den Urin zu halten, sie ist in einem Pflegeheim und es vergeht kein einziger Tag ohne Schmerzen.

        Krebs kann jeder bekommen, egal ob er sich viel um sich gekümmert hat oder nicht. Meine Mutter war immer beim Arzt. Die Mutter meiner Freundin hat auch immer gesund gelebt. Deine Mutter hat am Krebs keine Schuld. Denk mal drüber nach.

        Es geht nicht um Dich, sondern um Deine Mutter und wie es ihr geht.

        LG

        Carola

        • Danke für deine Antwort.

          Ich weiß, dass meine Mutter keine Schuld an ihrem Krebs hat.
          Bei regelmäßiger Vorsorge hätte man aber evtl früher reagieren können und ihr wäre vielleicht einiges erspart geblieben.

          Wie auch immer, es spielt jetzt auch keine Rolle mehr.
          Du hast recht, wichtig ist, wie es ihr jetzt geht.

          • >>Bei regelmäßiger Vorsorge hätte man aber evtl früher reagieren können und ihr wäre vielleicht einiges erspart geblieben. <<

            auch das kann man SO nicht sagen. Erstens handelt es sich nicht um Vorsorge, sondern besten falls um Früherkennung und zweitens wäre ihr eine Unterleibs-OP, auch bei einer Früherkennung, mit Sicherheit nicht erspart geblieben. Alles hätte eben früher statt gefunden, deine Mutter wäre früher eine Patientin geworden.
            Nur mal so zum Nach denken
            Alles Gute für euch

      🙋

      Ich kann nachvollziehen wie es Dir geht 😏

      Meine Mutter hat ein ähnliches Schicksal. Ausser den Zähnen war ihr nichts wichtig. Sie hatte mit Anfang 50 eine Totalopetation und war der Ansicht, dass es dadurch keines Besuchs beim Frauenarzt mehr bedarf. Seit ca 2012 ging es körperlich massivst bergab, ständig bakterielle Infektion, Probleme mit dem Darm. Meinen Rat endlich zum Arzt zu gehen hat sie abgewunken.

      Im März 2016 kam sie dann wegen einer Lappalie ins Krankenhaus. 8 Tage und 10 Untersuchungen später war die Diagnose: Darmkrebs mit Metastasen in Lunge und Leber und Brustkrebs.
      Auch bei ihr war es kurz vor dem Darmverschluss, deswegen wurde sie am 9ten Tag nach Einlieferung operiert und bekam auch ein Stoma. Fünf Wochen später wurde ihr die Brust abgenommen und weitere 4 Wochen später begann die Chemo. Der Onkologe sagte ganz klar, dass es keine Heilung gibt, nur eine Lebensverlängerung.
      Nach 8 Chemos war dann ein Kontroll CT und die ergab, dass die Chemo überdurchschnittlich gut angeschlagen hat und deswegen wurden die Metastasen in der Leber und Lunge in zwei weiteren OPs entfernt. Aktuell ist sie tumorfrei und es geht ihr gut.

      2016 war für mich das schlimmsteJahr meines Lebens. Ich habe mehr Zeit in Krankenhäusern und bei Ärzten verbracht, als sonst was.
      Ich war sauer auf meine Mutter, weil sie so wenig auf sich geachtet hat, sauer auf mich weil ich sie nicht zum Arzt gezerrt habe, denn was den Darm angeht hatte ich schon so einen Verdacht usw.
      Aber es ändert nichts an der Tatsache mit der man sich auseinandersetzen und abfinden muss.

      Durch diese Erfahrungen habe ich mich zum Hypochonder entwickelt, war letztes Jahr 14 x bei irgendwelchen Ärzten 🙈. Das Schlimme ... Wenn irgendwas zwickt und zwackt denke ich immer dass es Krebs ist.

      Meine Mutter hatte 🍀 ... denn die Prognose war, dass sie jetzt nicht mehr bei uns ist.

      Bitte gebt die Hoffnung nicht auf.

      LG

      Zu früh abgeschickt 😅

      Natürlich weiss ich dass wir auf einer tickenden Zeitbombe sitzen und es jeden Tag anders sein kann.
      Meine Mutter wird nicht mehr gesund 😣, umso mehr genießen wir jeden Tag mit ihr.

      Ich habe Angst vor dem Ende, Angst dass sie lange leiden muss ... Aber dieses Schicksal kann einen auch ohne Diagnose Krebs ereilen.

    • Hallo!

      Es tut mir sehr leid.

      Aber: Darmkrebs kann man nur rechtzeitig feststellen, wenn jemand alle paar Jahre zur Darmspiegelung geht. Und die ist echt kein Spaziergang, dazu gehört einfach, einen Tag lang nichts Essen zu dürfen und gleichzeitig Abführmittel nehmen zu müssen, es geht einem also richtig schlecht. Und wirklich angenehm ist es trotz Sedierung nicht.

      Glaubst Du wirklich, du hättest deine Mutter zu so einer Prozedur überreden können, wenn sie schon wegen 10 Minuten Untersuchung beim Frauenarzt nicht wollte?

      Weder Du noch sie brauchen Dir Vorwürfe machen.

      Und den entzündeten Zeh MUSS sie bemerkt haben, sie hat sich ja irgendwie Socken angezogen. Aber nicht mal das hat dazu geführt, dass sie zum Arzt ist.

      Vorwürfe sind da wirklich fehl am Platz und den Schuh musst Du Dir echt nicht anziehen.

      Ich wünsche Dir einfach nur viel Kraft.

      Bitte sei nicht böse auf Deine Mutter. Es gibt Fälle, in denen Menschen laufend bei irgendeinem Arzt sind und trotzdem Gravierendes nicht erkannt wird.
      Mein Mann war in den letzten 10 Jahren wirklich laufend bei diversen Ärzten, auch stationär in Krankenhäusern - und letztendlich starb er an Bronchialkrebs, der erst 6 Tage vor seinem Tod diagnostiziert wurde bei der Bronchoskopie. Lungenröntgen, Blutbilder eine Woche zuvor - alles unauffällig. Er starb mit dem Blutbild eines gesunden Fünfzigjährigen! (O-Ton Chefarzt). Ich selber bin auch kein Ärztefreak, gehe zwar alle 2 Jahre zur Mammografie und wenn es irgendwo richtig klemmt, geh ich schon. Sollte gemäß Hausärztin schon lange zur Vorsorge-Darmspiegelung, aber ich habe meinen Mann 4 Monate vor seinem Tod noch durch zwei begleitet. Er hat bei der elenden Abführerei sehr gelitten und tat mir unendlich leid. Ich mag mir das nicht antun, vielleicht siegt mal die Vernunft, aber sicher bin ich nicht.
      Gebärmutter ist nicht mehr vorhanden, den US der Eierstöcke muss ich selber bezahlen, der Wert ist umstritten - also ein Frauenarzt sieht mich auch nicht.
      Ich hoffe sehr, dass Du mit Deiner Mutter Frieden schließen kannst und euch noch eine einigermaßen gute Zeit bleibt. Dieses Aufrechnen und Wenn und Aber bringt nichts mehr und macht euch nur das Herz schwer.
      LG von Moni

      Hallo!

      Ja, blöde Situation. Ich verstehe deine Wut ein bisschen, weiß aber, dass die dir nicht helfen wird. Das Verhalten deiner Mutter kann ich nachvollziehen.

      Ich denke, es gibt zwei Sorten von Menschen. Die, die zu jeder Früherkennungsuntersuchung (Es geht immer um Früherkennung, nicht um Vorsorge!) rennen und hoffen oder denken, sie sind damit auf der sicheren Seite. Und es gibt die, die ihr Leben nicht mit falsch positiven Befunden belasten wollen oder die es vorziehen zu verdrängen oder die eine schwere Erkrankung annehmen und die Konsequenzen, die damit verbunden sind, in Kauf nehmen.

      Es gibt da kein richtig oder falsch. Du wärst auch wütend, wenn deine Mutter zu all den Untersuchungen gegangen und jetzt trotzdem krank wäre. Du bist wütend auf die Erkrankung selbst, nicht auf deine Mutter. Deine Mutter ist schon immer so wie sie ist. Die änderst du nicht mehr.

      Ich kenne Leute, die jede Art von Therapie mitgemacht haben und am Ende doch sterben. Sie sind durch die Therapien am Ende nicht unbedingt in einem besseren Zustand als die, deren Krankheit zu spät erkannt wurde -warum auch immer- und/oder die keine Therapie mehr zugelassen haben.

      Die Erkrankung ist nun da, die Folgen sind auch klar. Damit solltet ihr irgendwie umgehen. Jetzt ausschließlich voller Wut und Vorwürfe zu sein, bringt gar nichts. Auch du hast keine Schuld. Du bist nicht dafür verantwortlich, dass deine Mutter ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Ich würde meinen Kindern wahrscheinlich auch eher einen Vogel zeigen, wenn sie mich irgendwo "hinschleppen" wollten. Ich würde schlicht nicht auf sie hören und meinen eigenen Weg gehen wollen.

      Da du jetzt hier hoffentlich einen Teil deiner Wut losgeworden bist, ist der nächste Schritt vielleicht sich an die Akzeptanz der Situation heranzutasten und zu gucken, was ihr noch gemeinsam (!) tun könnt.

      LG

      (10) 16.10.17 - 09:22

      Hi,

      wir erleben gerade die letzten Tage mit der besten Freundin meiner Mutter. Sie kämpft seit gut drei Jahrzehnten. Beide Brüste sind weg, Lymphen, alles mögliche. Ihr Körper ist voller Narben.

      Eine Frau die ihr Leben lang auf sich geachtet hat. Sie isst nur "gut" hergestellte Lebensmittel, kein Fleisch, nur gute Öle, viel grünes und Nüsse. Viel Bewegung an der frischen Luft und bewusste Stressverarbeitung.

      Sie wird ihren 60sten nicht mehr erleben.

      Macht euch frei von Vorwürfen und erlebt die restliche Zeit bewusst und unvergiftet. Gewisse Dinge kann man nicht beeinflussen.

      Gruß Ornella

      Hallo,

      meine Tante war ähnlich und im Endeffekt starb sie binnen Minuten an einer Lungenembolie. Sie war stark übergewichtig und genoss Ihr Leben. Ärzte waren ihr fremd.

      Ich habe als Kind eine Verdachtsdiagnose bekommen, die mich seit 25Jahren begleitet - bin dadurch zum Hypochonder geworden. Ich habe gelernt damit umzugehen und mit den Jahren wurde es besser. Aber ich habe zwei große Myome in mir die raus müssen und vor jedem Termin geht es mir schon Wochen vorher beschissen. Als ich zu allem Überfluss eine Lungenentzündung hatte und mein Gyn mich ohne Untersuchung wegschickte mit der Bitte an mich zu denken und einem Kontrolltermin Wochen später war das Kraut ganz schön fett.
      Ich beneide ein wenig solche Leute wie meine Tante und Deine Mutter. Vorsorgeuntersuchungen bedeuten keines Falles dass sich Mann und Frau entspannt danach zurücklehnen kann. Es sind nur Momentaufnahmen und für mich wird der Begriff Vorsorgeuntersuchung viel zu oft fehlinterpretiert.

      Deine Mutter hätte wahrscheinlich durch regelmäßige Besuche beim Arzt die Tumore an der Gebärmutter & Eierstöcken zeitlich eingrenzen können, aber mehr auch nicht. Der Zeh hätte sicher auch eher behandelt werden können aber beim Darmkrebs kannst Du nicht viel machen. Meine ganze Familie ist von der Krebsart betroffen aber die Darmspiegelung ist laut meiner Hausärztin frühestens 20Jahre vor dem ersten Befall eines Familienmitgliedes indiziert. Da alle meine Verwandten im Fortgeschritten Alter kurz vor dem 80.Lebensjahr waren weißt Du was es bedeutet.

      Und so bekloppt es auch klingt. Mein Großvater hatte Darmkrebs im Endstadium - in Kombination mit Leberkrebs. Am Darmkrebs wäre er deutlich später gestorben als an der Lebergeschichte. Das war die Aussage der Ärzte.

      Nutze Die Zeit die Ihr noch habt und frage Dich nicht was wann gewesen wäre.

      Viele Grüße

      Geli

      Ich kann dich irgendwie aich verstehen. Mein Vater ist vor ein paar Jahren auch an Darmkrebs verstorben. Dass allerdings noch recht jung. Er hat ganz normal gelebt, ist aber auch nur zum Arzt gegangen, wenn es nicht mehr anders ging. Als die Diagnose gestellt wurde, gab es für ihn nur noch palliative Möglichkeiten. Künstlicher Darmausgang und Chemo. Ich war nicht wütend auf ihn, sondern einfach traurig. Er hätte seit 6 Jahren eine Kotprobe auf verstecktes Blut abgeben können, hätte die erste Darmspieglung machen können. Das alles hätte aber vermutlich auch nix genützt, da er den Krebs schon Jahre gehabt haben muss. Und ich verstehe es auch irgendwie. Man lebt und denkt, einen selbst trifft es schon nicht.
      Und wenn irgendwelche Zimperchen auftreten,bin ich selbst die letzte die sofort zum Arzt rennt.
      Ich muss aufgrund des famililiären Vererbungsrisikos dieser Darmkrebsart selbst regelmäßig zur Darmspieglung. Das ersten mal war ich mit 30. Alles gut. 5 Jahre später wurden jetzt multiple Darmpolypen gefunden, die alle entfernt wurden. Nun muss ich nächstes Jahr wieder hin.
      Ich weiß gar nicht, warum ich das alles schreibe. Ich glaube was ich sagen möchte ist, dass ich aufgrund der Darmkrebsgeschichte natürlich sensibilisiert bin und die Vorsorgen mitmache. Andererseits lebe ich momentan auch nicht gesund ( viel Stress in der Uni) obwohl ich es tun sollte. Tatsächlich habe ich das Glück, jetzt etwas zu ändern. Mein Vater hatte das nicht. Und ich glaube, deine Mama ist auch noch mit einem anderen Bewusstsein aufgewachsen.

      Mein Therapeut meinte früher mal zu mir: Wut ist leichter zu ertragen als Trauer.

      Der satz hat sich bei mir eingebrannt, weil soviel wahres dran ist. Ich verstehe deine Wut. Aber dahinter stehen ganz viele andere Emotionen.

      ich wänsche Dir für die nächste Zeit ganz viel Kraft. Und deiner Mama auch.

      LG

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