Erfahrungen mit stationärer Therapie bei Postnataler Depression

    • (1) 17.12.17 - 12:36

      Hallo,
      Seit der Geburt meines zweiten Kindes ging es mir psychisch sehr schlecht. Die ersten 5Wochen waren gut aber dann....
      Ich fühlte mich überfordert, die Kinder waren oft krank und es gab große gesundheitliche Probleme.
      Es eskalierte immer mehr, so dass ich sehr grob und unbeherrscht gegenüber den Kindern wurde. Ich hatte Angst ihnen was anzutun.
      An anderen Tagen heulte ich nur, lag rum und machte keinen Handgriff im Haushalt.
      Mein kleines Kind ist für mich eine Belastung, ich wollte sie auch gerne weggeben damit sie in einer Familie ist, die ihr sonniges Gemüt und ihre pflegeleichte Art mehr zu schätzen weiß.
      Ich finde sie auch süß aber ich habe keine enge Beziehung zu ihr.
      Ich fand das aber nicht so schlimm, sie liegt halt rum und spielt und soll einfach ruhig sein und mich nicht nerven.
      Ich habe mir Hilfe gesucht, im Alltag und jetzt auch eine Therapeutin.
      Nächste Woche einen Termin beim Neurologen der mir Medikamente verschreiben soll und mich ggf in eine Klinik einweisen soll um eine Mutter Kind Therapie zu machen um die Bindung zu fördern. (Meine Therapeutin sieht es als postnatale Depression.)
      Ich weiß aber nicht ob es was bringt.
      Ich habe das Gefühl dass meine wenigen gefühle fürs zweite Kind normal/angemessen sind.
      Alle bestätigen mir dass ich mich doch gut kümmere und keine schlechte Beziehung hätte. Es sei normal dass man sich über Kinder mal ärgert. Es ist einfach eine anstrengende Phase. Andere Mütter spielen auch nicht ständig mit ihren Kindern....
      Außerdem denke ich, die Kleine leidet doch noch mehr wenn sie dann auch ihren Papa nicht mehr sieht. Ich würde mein größeres Kind (bessere Beziehung) auch sehr vermissen:-(.

      Außerdem kann ich mich ja schon um meine Kleine gut kümmern, und mit ihr spielen aber es macht mir einfach keinen Spaß und ist anstrengend finde ich.
      Es ist auch nicht immer so schlimm. Wenn mein Mann da ist oder wir im urlaub sind fühlt es sich wie eine ganz normale glückliche Familie an.
      Eine stationäre Therapie könnte ich wegen fehlender Betreuung nur während der Elternzeit meines Mannes machen.
      Dann könnten wir aber keinen urlaub machrn. Macht das nicht die Familie noch mehr kaputt?
      Bessert sich eine postnatale Depression nicht auch von alleine irgendwann? Und die Beziehung muss ja nicht zu jedem Kind gleich inning sein?
      Was denkt ihr, wer hat Erfahrung?
      Lg und bitte keine Vorwürfe, es ist sehr schwer sich Hilfe zu suchen wenn man kaum noch Kraft hat!!!

      • sie liegt halt rum und spielt und soll einfach ruhig sein und mich nicht nerven.

        Wenn das ein Dauerzustand ist, dann wird es für das Kind kein guter Start ins Leben. Die Mutter interessiert sich nicht für das wunderbare Kind, es ist eine Belastung für die Mutter.
        Das Kind braucht BEZIEHUNG - nicht nur spielen mit leblosem Spielzeug.

        Das ist auf jeden Fall nicht normal und ermöglicht keine normale Entwicklung. Wenn es keine Liebe (liebevolle Zuwendung) erfährt, wird es später auch wahrscheinlich keine Liebe geben können.

        • Ja aber ich füttere und wickel sie ja auch und lasse sie nicht schreien. Zum spielen hoffe ich halt dass sie da von ihrer Schwester und Papa profitiert (und Familienhelferin) und da mehr Liebe bekommt. Wenn ich eine stationäre Therapie mache nehme ich ihr das ja alles weg:-(

      na ja, ein Kind spürt durchaus, wie es der Mutter geht.
      Versorgen ist gut und wichtig. Dennoch kann der Unterschied gemerkt werden.
      Als später Nachzügler hatte meine Mutter Phasen, in denen sie Probleme damit hatte. Auch wenn sie zwar alles drumherum machte, das Gefühl nicht erwünscht zu sein, kam in der Zeit öfter auf. Die großen Geschwister drehten in den Zeiten dann ebenfalls am Rad bzw. gaben dann mir die Schuld, dass es Mutter so schlecht geht. Auch wenn sie diese ebenfalls versorgte, anders war es schon.

      Stationäre Therapie ist nicht das schlechteste. Alleinerziehend war ich mit Kind, da ich selbst krank war. Zwar was anderes, aber dennoch notwendig.
      Als ich krank war, war mein sonst fröhliches, wirbelwindkind sehr still, zurückgezogen, mehr als brav. Sie hatte Angst, dass sie mir zu viel wird, wo es mir doch sowieso schon schlecht geht.
      Da es keine andere Betreuung gab, war sie bei mir in Reha dabei.

      Als es mir deutlich besser ging, kamen die Wutattacken und Verhalten sehr wild. Pendelte sich dann aber wieder ein.
      Das was sie an überbrav kompensiert hatte und spürte, dass sie es nicht an mir auslassen konnte, kam eben danach.
      Jetzt hat es sich wieder eingependelt und geht ihr wieder gut. Klar, die Zeit hat sie schon auch geprägt. Aber wir sind beide sehr froh, dass ich wieder für sie da sein kann.

      Viele meinten zu mir, ich dürfe das nicht oder ich solle warten, bis mein Kind 18 ist :-(
      Bullsh***
      Dadurch dass ich mir direkt habe helfen lassen, geht es mir UND meinem Kind wieder besser. Mein Kind hat wieder eine Mutter, die wirklich da sein kann. Nicht nur essen hinstellen, trösten. Sondern von Herzen, mit Kraft, mit Momenten wo wir streiten und sie mir ihre Meinung sagen kann (ohne Angst, dass ich deswegen zusammenbreche oder ins Krankenhaus muss), aber auch Momente wo sie einfach durch Blicke spürt, sie wird geliebt, ist willkommen.

      Nicht sie muss mich versorgen, sondern ich kann wieder für sie da sein. Ohne dass sie Angst hat.

      Auch wenn du deine Große liebst, irgendwann kommt der Punkt (wenn unbehandelt bleibt), wo sie in der Zwickmühle steckt. Mama schützen, kleine Schwester lieben, kleine Schwester vor Mama schützen oder Mama vor Schwester schützen. Wird sie wütend auf sie oder auf sich selbst? Das kann keiner wissen, dennoch zieht es langfristig Kreise, auch innerhalb der Familie.

      Wenn du die Chance hast, dir helfen zu lassen, wirkt sich das auch auf die Familie aus. Im Guten ;-)

      Später, wenn Therapie gelungen ist und ihr weiter seid, könntest du immer noch überlegen auch eine Mutter-Kind-Kur dann mit beiden Kindern zu machen. Damit die Große auch mal mitkann bzw. es gibt Kliniken, wo dann die Kinder auch einzeln betreuut werden, damit Mama mal für das eine mal für das andere Kind Zeit hat. Das aber als spätere Schritte in ein oder zwei Jahren. Die Grundtherapie ist zuerst wichtig! Damit du überhaupt bereit dafür bist.

      In einer guten Klinik kannst du dir auch Tipps holen, wie du das deiner Großen erklären kannst. WIe ihr als Familie damit umgehen könnt.
      Es geht dabei nicht darum der Großen die Mama weg zunehmen.
      Sondern darum dich wieder selbst als Mensch zu finden, um dann im zweiten Schritten BEIDEN Kindern weiterhin eine Mama zu sein, die die Kraft hat auch emotional für sie dazu sein. Für beide Kinder, AUCH deiner Großen, weiterhin ;-) und deiner Kleinen.

      Wenn es unbehandelt schlimmer wird, wird auch deiner Großen ihre Mama fehlen. Die, die sie schon kannte.

    • Hallo,

      was du beschreibst, nennt man emotionale Vernachlössigung und es wird sehr wohl als eine Form der Kind3swohlgefährdung angesehen. Ich habe im Rahmen einer Fortbildung genau zu diesem Thema solche Interaktionen auf Video gesehen und das ging schrecklich unter die Haut.:-(

      Wir haben in Deutschland vereinzelt Einrichtungen, in die eine Aufnahme des Kindes möglich ist. Ich rede von einem Säugling. Wenn sich deine Therapeutin nicht auskennt, kennt sich der Kinderpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes. Sie haben Sprechstunden, in die du ohne Termin kommen kannst. Genauso hat Jugendamt die Verplfichtung zu helfen.

      Du gehst schon richtige Schritte.

      Dieses Thema solltest du meiner Meinung nach ausschließlich mit den Fachleuten diskutieren, da keiner deine Situstion und Sich kennt. Einzig verharmlosen die emotionale Seite darf nicht. Da stehen bei mir die Alarmglocken.

      Viel Kraft wünsche ich Dir auf Deinem Weg! Und Vorwürfe mache ich Dir keine, sollte sich das Lesen so angefühlt haben.

      #winke

      • Langfristig gesehen hast du sicher Recht und es kann zur Kindeswohlgefährdung werden, wenn die betroffene / erkrankte Mutter keine Hilfe findet.
        Die Hinweise, wo man Unterstützung finden kann, finde ich sehr hilfreich, auch wenn ich nicht in der Situation bin.

        LG Judith

    So, wie Du das beschreibst, ist es ganz wichtig, dass Du so schnell wie möglich eine stationäre Therapie machst. Solch eine Klinik, in der Du mit Baby aufgenommen wirst, ist genau das Richtige für Dich und Euch!
    Der Vater kann unbezahlten Urlaub nehmen und wird wärend Deines stationären Aufenthaltes von der Krankenkasse bezahlt. Genau kann Dich da die Diakonie oder Caritas beraten. Dann hat die Ältere halt erst mal eine intensive Beziehung zu Papa, und das wird ihr gut tun. und in der klinik lernt Ihr dann auch, wie es für Euch als Familie am Besten weiter geht!

    Hallo!

    In Phasen größter Erschöpfung hat man manchmal einfach keine Gefühle mehr und funktioniert nur noch irgendwie. Depression und Aggression liegen manchmal auch sehr nahe beieinander. Ich denke, du machst gerade alles richtig! Du nimmst deinen Zustand wahr, holst dir Hilfe und suchst nach Wegen der Verbesserung! Besser kann man es meiner Meinung nach nicht machen. Wege aus der Erschöpfung gibt es, Depressionen können in vielen Fällen gut behandelt werden. Ich wünsche dir, dass du dich auf die Behandlung einlassen kannst. Du schreibst, dass es viel besser ist, wenn dein Mann da ist oder ihr Urlaub habt. Das spricht sehr für eine massive Überforderung! Welche Tätigkeiten/ Dinge würdest du gerne abgeben? Was macht dir keinen Spaß? Was würdest du gerne tun, was gerade nicht da ist? Selbst wenn es das ist, dass du die ganz "normalen" Mama-Tätigkeiten nicht machen möchtest, lass dir gesagt sein, dass es tausende von Frauen gibt, denen es kurzfristig oder auch sehr lange so geht wie dir!
    Vielleicht hilft dir die Idee eines freien Tages pro Woche oder ein freies Wochenende im Monat zur Erholung? Ich habe das als Bedürfnis für mich herausgefunden, diese Me-Time, Zeit nur für mich, und mache so jedes Jahr einen Urlaub alleine und einen Tag jeden Monat. Das hat mir meine Kraft erhalten und motiviert...

    Alles Liebe und Gute!

    Judith

    Hallo ,

    ich war 2015 selber in eine Reha Massnahme in Bad Saulgau (Klinik am schönen Moos),
    mein Kind war als Begleitkind mit, die Betreuung war super ...Ich war selber 7 Wochen dort, es waren andere Muttis in ähnlicher Situation wie du mit dem kleineren Kind dort staionär, die Kinder waren da teilweise abeer Therapiekinder, also hatten selbst auch "Programm" wo sicxh aber die betreuer gekommert haben das Kinder ihren Plan absolvieren, hat gut geklappt. würde ich immer wieder so machen.

    Alles Gute Cora#winke

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