Angststörung / Panikattacken , Trau mich nicht mehr raus ...

    • (1) 29.11.18 - 11:36

      Hallo zusammen, hat jemand erfahrung mit Angststörung und Panikattacken?
      Ich leide schon viele Jahre darunter. Habe 2 Therapien hinter mir und es half soweit, das ich mich wieder raus traute. Aber nur in Begleitung

      Die 3.te Therapie habe ich Anfang des Jahres begonnen. Ich fühlte mich gut und traute mich, mit dem Fahrrad auch mal bisschen alleine raus. Nicht weit aber immerhin.
      Dann hatte ich im Oktober einen Operativen Eingriff. Seitdem wurden die Ängste und Paniken schlimmer.
      Mittlerweile so schlimm, dass ich mich nicht mehr raus traue.
      Zuhause auch nur nervös, unruhig bin und dauernd Ängste und Paniken habe.
      Ich weiß nicht mehr weiter, wie ich diese Angst besiegen kann.
      Atme auch nur noch falsch durch die nervösität etc. und habe das gefühl ich bekomme keine Luft, kann nicht durchatmen
      Wenn ich dann Gähnen möchte oder mit offenen Mund tief einatmen will, funktioniert es nicht .

      Wer hat auch sowas erlebt?

      • Hallo delphinchen,


        ich kenne diese Problematik von einer ehemaligen Bekannten. Diese Ängste und Paniken sind ein Teufelskreis. Sie bauen sich gegenseitig auf. Das Schlimmste ist die Angst vor der Angst. Man hört das kleinste Zeichen das etwas nicht stimmen kann und somit beginnt es wieder von vorn.

        Meine Bekannte konnte das Haus auch nicht allein verlassen und mit Begleitung war es auch nicht immer möglich. Sie war lange in ambulanter Therapie, konnte sich dann durchringen eine stationäre Therapie zu machen. Diese Therapie hat sehr geholfen sie konnte danach das Haus allein verlassen.

        Du hast geschrieben das du nach der dritten Therapie es geschafft mit dem Fahrrad allein raus zu kommen. Ich finde das ist ein sehr großer Erfolg. Das dich die OP zurückgeworfen hat finde ich nicht ungewöhnlich. Ich würde dir raten überlege ob du nicht noch mal eine Therapie beginnen kannst.

        Wie geht deine Familie mit deinen Ängsten um, zeigen sie Verständnis und sie in der Lage dich zu unterstützen und dich aufzufangen?

        Fg blaue-Rose

        • Danke für deine Antwort.
          ja dieser Teufelskreis ist schlimm. Und dann diese Angst vor der Angst.
          Bei mir kommt noch eine Verschluckparanoia dazu. Hat auch seine Gründe.
          Aber auch die hatte ich im Griff. Aber wie gesagt seit der OP hab ich Paniken, Ängste und Verschluckparanoia wie nie zuvor.

          Ich bin noch in Therapie. Hat die letzen Wochen allerdings nicht geklappt, dass ich zu der Therapie kam. Habe den Weg dahin einfach nicht geschafft.

          Mein Arzt hat mir auch eine Überweisung zum Psychiater gegeben. Den termin habe ich bald. Aber ich weiß echt nicht, wie ich es dahin schaffen soll.
          Das Notfallmedikament schlägt auch nicht wirklich an bei mir.

          Meine Familie ( Mann und Kind) kennen es.
          Mein Mann hat mich so kennen gelernt und mein Kind ist quasi mit meinem Problem aufgewachsen. Sie unterstützen mich sehr, nehmen mich ernst und versuchen mir zu helfen.

          Vor einer Stationären Therapie hab ich ehrlich gesagt Angst. Da im Kopf habe, dass es in der ersten Nacht im Krankenhaus wieder anfing

          • Ich glaube dir das du vor einer stationären Therapie Angst hast. Zum Teil sind da die negativen Erfahrungen nach der Op und zum anderen Teil denke ich das man Angst hat vor dem was während der Therapie auf einem zu kommt. Zu oft geistern in unseren Köpfen falsche Vorstellungen über stationäre Therapien rum. In Filmen sieht man oft wie menschenunwürdig es in einigen Kliniken abläuft. Das sind aber Filme und sie entsprechen nicht der Realität. Falls du dich mit dem Gedanken anfreunden kannst eine stationäre Therapie zu beginnen sollte es in den meisten Kliniken möglich sein sich die Klinik vorher anzuschauen und sich dort den Therapieanlauf erklären zu lassen. Das kann in meinen Augen sehr viel Druck nehmen.

            Eine stationäre Therapie hat in meinen Augen Vorteile gegenüber einer ambulanten Therapie. Die Therapie ist intensiver. Du bist die ganze Zeit in einem geschützten Umfeld und du musst nicht zusehen wie du irgendwo hinkommst. Meist ist alles in einem Haus oder in einem engen räumlichen Rahmen. Es sollte dort auch alles auf freiwilliger Basis ablaufen.

            FG blaue-Rose

            • ich bekam ja schon im Krankenhaus ein schlechtes Gewissen meinem Mann und Kind gegenüber, dass ich sie jetzt im Stich lasse.
              Besonders meinen Mann, da der Haushalt und Kochen immer komplett meines war. Auch als ich bis Anfang des Jahres noch Arbeiten war. Und nun sollte er das nach Arbeit noch alles schaffen.
              Wenn ich an die Klinik denke, kommt noch mehr der Gedanke und das schlechte Gewissen, ich lasse Ihn und mein Kind im Stich,
              Habe sogar jetzt immer noch ein schlechtes Gewissen, wenn er nach Hause kommt und ich es nicht schaffe zu kochen, wegen den Ängsten und er das dann machen muss.

              • Hallo,
                bitte nimm mir meine Worte nicht übel, aber solange sich alles um die Angst dreht, lässt Du Deine Familie jeden Tag im Stich.
                Stell' Dir vor, es wäre nicht Angst, sondern ein gebrochenes Bein oder der Blinddarm, da würdest Du dich doch auch behandeln lassen und zwar sofort.
                Also sprich mit Deinem Arzt, Deinem Therapeuten und Deinem Mann und macht einen Plan, wie es mit Dir jetzt weitergeht. Der Rest organisiert sich anschließend drum herum.
                Tu es für Dich und für Deine Familie!
                Alles Gute.

              • Delphinchen,


                ich kann verstehen das du ein schlechtes Gewissen gegenüber deiner Familie hast. Das was dein schlechtes Gewissen auslöst ist eine einseitige Betrachtung deiner Probleme. Das Ziel einer Therapie sollte ja sein das du wieder deine Alltagsaufgaben besser erledigen kannst. Wenn du durch die Therapie wieder mehr Aufgaben zu hause übernehmen kannst, ausgeglichener bist und auch wieder allein das Haus verlassen kannst ist es ein deutlicher Gewinn für dich, aber auch ein Gewinn für deine Familie.

                Solltest du bereit sein eine stationäre Therapie zu beginnen, wirst aber von deinem" schlechten Gewissen" davon abgehalten, dann setzt euch zusammen, redet über eine mögliche Therapie und klärt ab ob deine Familie bereit ist diesen Weg mit dir zu gehen und dich auch dabei unterstützt.

                Es kann auch gut möglich sein das deine Familie sich sogar wünscht das du diesen Weg gehst, dich aber nicht unter Druck setzen möchte und dich daher nicht darauf angesprochen hat.

                Redet gemeinsam.


                Fg blaue-Rose

          Hallo

          ich lebe auch mit dieser Angst- und Panikstörung seit fast 20 Jahren.

          Ich verstehe Dich so, dass es Dir schon etwas besser ging und Du dann ins KH musstest. Und Du schreibt in der ersten Nacht im KH fing es wieder an...

          Kennst Du die Ursache deiner Panikattacken? Hast Du in den Therapien damit gearbeitet?

          Bei mir ist es Verlustangst durch den plötzlichen frühen Tod meiner Mutter an einem Herzinfarkt und ich bin jedes Mal wieder in ein tiefes Loch mit schlimmen Attacken gefallen, wenn jemand aus der Verwandtschaft starb.

          Ich habe drei Therapien gemacht in Abständen, dazwischen ging es mir mal besser mal schlechter, aber bei der dritten merkte ich, dass der Therapeut gar nicht weiterkam und ich auf einem Level blieb.

          Ich kam mir vor, als säße ich auf einem Berg, unten im Tal tost das Leben, an dem ich ohne Einschränkung teilhaben möchte. Ich wusste genau, wie ich da hin komme, aber mir hat der Mut gefehlt, auch nur in die Richtung zu gehen...

          Ich hatte quasi das Rüstzeug und konnte nicht mit umgehen vor lauter Angst, dass auch ich einen Infarkt bekomme, einfach umkippe und meine Familie ist allein. Ich konnte nicht mal das Wort Herzinfarkt lesen, dann kam schon eine Attacke...

          Ich bin mit meiner Familie nach Frankreich in den Urlaub gefahren, einige Wochen zuvor war unser Hund gestorben. ich saß die ganzen 7 Stunden weinend und zitternd im Auto, denn den Urlaub konnten wir ja nicht mehr absagen...


          Durch Zufall bin ich dann auf eine Therapeutin (Heilpraktikerin für Psychotherapie)gestoßen, die EMDR Therapie macht. Dort bin ich hin und gleich in der Praxis hatte ich das Gefühl, dass da der Durchbruch kommen wird. Ich konnte zu der Zeit keine 5 km mit dem Auto fahren (als Beifahrer und selbst schon mal überhaupt nicht). Sie hatte ihre Praxis auf dem Dorf knapp 10 km von uns und die Fahrt war die Hölle...
          Erst einmal war die Therapie einige Male noch nicht mit der EMDR Methode, sie musste mich erst einmal kennenlernen und ich sie.
          Aber von Mal zu Mal ging es mir etwas besser. Die Ansätze waren komplett anders als ich es bisher von meiner Therapie gewohnt war. Aber gut.

          Dann begann das EMDR und es war genial. Ich muss dazu sagen, ich kam Ende März damals zu ihr und im September hatten wir eine Einladung nach Wien. WIEN, wie sollte ich da hinkommen??? Ich, die nicht mal 5 km mit dem Auto ohne Angst fahren konnte??

          Ich kam hin. Ganz ohne Angst, ohne Panikattacken vorher und währenddessen. Die seither letzte richtige Attacke hatte ich vor 5 Jahren auf dem Rückweg von Wien nach Hause, gleich hinter dem Ortsschild von Wien! Und dann ging es. Ab und an seither mal kleine Anflüge von Angst aber sonst nichts.

          Ich bin dann noch zwei Jahre lang bei besagter Therapeutin in eine Gruppentherapie gegangen wovon ich immer dachte, das ist nichts für mich. ABER ich finde das mittlerweile genial, denn man lernt so viel von den anderen und findet sich in Thematiken wieder, wovon man vorher dachte, alles ist gut. Und daran kann man arbeiten und somit wird man wieder angstfrei.

          Stationär war ich nie, der Antrag in meiner schlimmsten Zeit wurde von der Krankenkasse abgelehnt - ich sei nicht krank genug und könnte die Therapiemaßnahmen vor Ort nutzen...

          Es war ein harter Weg und mittlerweile bin ich wieder im Tal angekommen - ich lebe mein Leben so wie ich es möchte, Autofahrten sind kein Problem mehr und wenn ich merke, ich werde unruhig, dann schalte ich einen oder auch zwei Gänge zurück.
          Ich mache seit einem knappen Jahr Yoga und Pilates und das tut mir sehr gut.

          Was ich damit sagen will ist, dass DU es schaffen kannst. Sei nicht wütend auf Dich, dass Du nicht zur Therapie gehen konntest. Nimm es hin und wage einen neuen Anlauf. Zwing Dich aus dem Haus zu gehen, fang mit einem Gang in den Garten an den Du ausdehnst. Und wenn es nur bis zum Nachbarn geht, dann geht es am nächsten Tag schon bis zum übernächsten Nachbarn. Jeden Tag, Schritt für Schritt. Wer sagt, dass es für Dich mit 7 Meilen Stiefeln voran gehen soll? Niemand. Geh in Deinem Tempo, setz Dir kleine Ziele und belohne Dich dafür.

          Was sehr gut hilft, ist Bewegung - als ich nicht rauskonnte, habe ich mir Musik angemacht und einfach dazu getanzt.
          In der Gruppentherapie haben wir zu Beginn immer 10 min Bewusstseinsübungen in Bewegung gemacht: zur Musik bewusst gehen, auf der Ferse, auf den Zehenspitzen und nachspüren wie sich das anfühlt. Wer immer Angst hat, spürt fast nichts mehr außer der Angst... Wir ahben getanzt, gemeinsam, dann wieder für uns allein und haben uns bewusst gemacht, was wir spüren konnten, was ist anders wenn man Berührung und Nähe spürt. Wie is es allein zu tanzen...

          Mit dem bewussten Gehen, lernt man wieder spüren, genau wie mit bewusstem Tanzen und Atmen.
          Tief in den Bauch und durch die halbgeöffneten Lippen wieder laaaangsam und lange auspusten... Und nachspüren nicht vergessen, wie der Bauch sich hebt und senkt. Mit Atmen habe ich vor 3 Jahren die Beerdigung meiner Schwiegermutter überstanden....

          Wenn es mir nun mal nicht gut geht: Musik an und tanzen...

          Vielleicht konnte Dir mein Geschreibsel einige neue Impulse geben, die Du umsetzen kannst.
          Ich wünsche Dir viel Kraft und bin mir sicher, auch Du wirst es schaffen, denn wir "Angsthäschen" sind stärker als es uns bewusst ist


          LG

          • Das raus gehen macht hier keinen Spaß. Großstadt, direkt an der hauptverkehrsstrasse und immer viele Menschen.
            Da fühle ich mich jedesmal beobachtet und gehetzt :(

            Hattest du damals Medikamente genommen oder nur Therapie?

            • Hallo

              ich habe außer Bachblüten, in einer ganz schlimmen Phase, nie etwas genommen. die Bachblütenmischung war speziell auf mich zusammengestellt von meiner Heilpraktikerin.


              ansonsten habe ich keine Tabletten genommen, denn die hätten ja nur die Symptome verschwinden lassen, aber die Ursache bleibt. Klar, es wäre der leichtere Weg gewesen, aber ich habe mich entschieden, dass ich die Ursache aufarbeiten will. Das hat gedauert, aber ich bin froh dass ich diesen Weg gewählt habe.

              Ungeachtet dessen dass Du an der Hauptstraße einer Großstadt wohnst, geh raus. Das ist so wichtig, um nicht noch mehr andere Ängste entwickelst. Wenn Du Dich beobachtet fühlst, dreh den Spieß um, beobachte Du - z.B. zähle die Menschen, die rote Jacken anhaben, oder die Turnschuhe tragen, oder oder oder… Wenn es Schaufenster gibt, nicht nur einen kurzen Blick darein werfen sondern richtig "studieren". Leg den Fokus auf "anderes beobachten" und nicht Dich und Deine Angst.

              Vor allem arbeite nicht gegen die Angst sondern mit ihr. Z.B. wenn Du merkst, dass sie kommt, sag dir laut oder in Gedanken "Hallo Angst, nun bist Du schon wieder da. Was willst Du mir sagen? Ich gebe ja schon auf mich acht; was kann ich mir noch Gutes tun?"
              Wenn Du versuchst, die Angst oder Gefühle zu unterdrücken, baut das noch mehr Druck auf. Druck macht Stress und Stress macht bei uns Angsthäschen oft Angst... Also schön mit Ruhe und ohne Druck.
              Du musst auch nichts, Du kannst, darfst oder möchtest. Das macht die Grundhaltung positiver, alles etwas, das Ängste abbaut.

              LG

    Hallo,
    schreibe mir mal eine PN. Liebe Grüße Katrin

    Hallo

    das ist schlimm ich kenne das auch
    Hast du dir schon mal überlegt in eine Tagesklinik zu gehen?
    Das ist wirklich gut, und du kannst zuhause schlafen?
    Vielleicht wäre es eine Möglichkeit.
    Ansonten ruf doch mal bei der Krankenkasse an ob es Möglichkeiten gibt, dass eine Therapeut/in zu dir nach Hause kommt und da mit dir die Übungen macht bis es dir besser geht?
    Nimmst du Antidepressiva?
    Alles Liebe für dich
    MOni

Ich meinte mit dem kenne ich auch die Panik- und Zwangsattacken

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