Lebensentscheidende Frage

    • (1) 13.12.18 - 06:24

      Hallo,

      es geht wortwörtlich um Leben und Tod.

      Mein SV ist an Parkinson erkrankt. Wir haben das Gefühl es geht dem Ende zu. Diese Woche hätte er einen Kreislaufkolaps.
      Er wollte auf keinen Fall ins KH. Der dazugeholte Hausarzt hat ihm eine Infusion gegeben und noch weitere aufgeschrieben, welche jetzt vom Pflegedienst verabreicht werden.

      Auf die Frage meines Mannes nach der zukünftigen Vorgehensweise und ob er dann den Rettungsdienst holen soll, hat der Arzt geantwortet, er solle sich überlegen, ob er dies für seinen Vater wirklich möchte, da er dann evtl. an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen werden würde. Wir wissen, dasd mein SV das nicht möchte.

      Mein Mann fragt sich jetzt, wo unterlassene Hilfeleistung anfängt. Wenn man den Rettungsdienst nicht ruft und er würde mit einer Infusion wieder auf die Beine kommen?

      Oh man, dass ist so schwierig. Ich bin froh, dass ich da kein Mitspracherecht habe.

      War jemand in einer ähnlichen Situation? Wie habt ihr entschieden?

      Theresa

      • (2) 13.12.18 - 06:32

        Hallo. Wir hatten eine ähnliche Situation. Wenn es wirklich so schlecht um ihn steht, hat man vielleicht auch die Möglichkeit eines Palliativarztes?! Pflegdienst oder nochmal den Hausarzt fragen. Weiß nicht genau wie es bei der Diagnose Parkinson ist. Wir hatten die Möglichkeit zu Hause.( Pflegestation und Palliativarzt bei Krebs im Endstadium) Weiß nicht, ob dir das Hilft.😐

      (4) 13.12.18 - 09:08

      Hallo,
      das ist eine schlimme Situation und tut mir sehr leid für euch. Inwieweit kann dein Schwiegervater die Situation denn erfassen? Und kann man ihn fragen? Sowohl privat als auch beruflich weiß ich, dass viele Betroffene sehr genau spüren oder erahnen, wie ernst es um sie steht. Und ich finde, dann hätte er auf jeden Fall auch ein Mitspracherecht. Vielleicht könnt ihr mit ihm besprechen, was er möchte? Schließlich geht es ja um ihn. Ich weiß, dass es ein sehr schwieriges Gespräch ist. Ich hatte so ein Gespräch dieses Jahr mit meiner Mutti. Aber andererseits war das für uns alle, also für meine Eltern und mich, auch sehr wichtig. Wenn er so klar sagen konnte, dass er nicht ins Krankenhaus möchte, stellt sich für mich in erster Linie die Frage, ob er auch die Konsequenz erfassen konnte. Nämlich, dass es unter Umständen sein könnte, dass er das dann nicht überlebt. Aber andererseits auch, dass er im Krankenhaus eventuell Dinge über sich ergehen lassen müsste, die er nicht möchte. Wenn er das noch erfassen kann, würde ich mir von ihm zumindest eine grobe Richtung vorgeben lassen und dann immer versuchen in seinem Sinne zu entscheiden. So etwas ist eine furchtbare Verantwortung für die Angehörigen. Und ich glaube, man kann nur versuchen, das Beste - und das heißt in diesem Falle im Sinne des Angehörigen bzw in dem Sinne dessen, was er wollen würde, zu tun. Ich wünsche euch alles Gute!

      • (5) 13.12.18 - 09:14

        Ich muss noch etwas ergänzen: dein Schwiegervater ist ja genau wie meine Mutti in der Situation, dass es für ihn leider nicht mehr viele Auswege gibt. Aber selbst wenn das anders wäre, ist er rein rechtlich berechtigt, Hilfe abzulehnen. Diesen Fall hatten wir bei meiner Großmutter. Sie war bei weitem nicht so krank, das eine Behandlung nicht hätte helfen können. Und trotzdem hat sie jede Hilfe und jeden Arzt und jedes Krankenhaus ... abgelehnt. Ich habe gegen ihren Willen zweimal den Notarzt gerufen, weil mir klar war, dass sie unter Umständen die Situation sonst nicht überlebt, ansonsten aber eigentlich gesund ist. Beide Male wurde mir vom Notarzt gesagt dass er nun wieder gehen muss und nichts machen darf weil sie das nicht möchte. Ich solle mich wieder melden, wenn sie Hilfe bräuchte und diese dann auch wirklich wolle. Ist zwar eine vollkommen andere Situation, hat meine Sichtweise auf Selbstbestimmung und andere Dinge in diesem Bereich aber doch deutlich verändert. Ich will damit sagen, sollte dein Schwiegervater sich wirklich eindeutig gegen Hilfe entschieden haben und keine Behandlung mehr wollen, dann muss man das wohl oder übel akzeptieren.

    (6) 13.12.18 - 09:47

    Hat dein Schwiegervater denn keine Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung?

    Rein rechtlich gesehen, wenn er nicht entscheidungsfähig ist im Moment des Notfalls kann und darf der Notarzt ihn mitnehmen/einweisen (auch gegen den Willen von Angehörigen. In der Praxis wird es aber auch manchmal anders gehandhabt) und alle erforderlichen und lebensnotwendigen und auch -verlängernden Maßnahmen einleiten.
    Streng genommen darf dein Mann nichts entscheiden wenn er nicht der rechtliche Betreuer ist.
    In der Regel fragen die Ärzte natürlich die Angehörigen - sollte der Patient nicht mehr dazu in der Lage sein, aber es liegt im Ermessensspielraum des Arztes sich daran zu halten, wenn sie sich auch oft an die Wünsche der Angehörigen halten.

    Wenn er es noch nicht getan hat und noch dazu fähig ist, sollte dein SV schnellstens seine Wünsche schriftlich festhalten. Formulare gibt es im Internet.

    • (7) 13.12.18 - 11:49

      Hallo,

      Nein mein SV hat keine Verfügen angefertigt. Vollmacht hat aber mein Mann und seine Schwester.

      Genau aus dem von dir genannten Gründen hat der Arzt gesagt, dass sie überlegen sollen überhaupt einen Notarzt hinzuzuziehen.

      Theresa

(8) 13.12.18 - 11:44

Hallo,

ein Palliativarzt wird nicht viel bringen, da er keine Schmerzen hat.

Mit ihm sprechen bringt leider auch nicht viel. Er ist dement und weiss nach 5 Minuten nicht mehr was er oder jemand anderer gesagt hat.

Theresa

  • (9) 13.12.18 - 15:39

    Hallo!

    In der Palliativmedizin geht es um Symptomkontrolle, d.h. man behandelt ausschließlich Symptome, die Ursache ist egal. "Draußen" denken dann die meisten ausschließlich an Schmerztherapie. Symptome in der letzten Lebensphase sind aber u.a. Schmerzen (Ja doch!), Luftnot, Angst, Übelkeit, Durstgefühl, Schwäche, Unruhe, Verwirrtheit, Müdigkeit...... Außerdem ein großer Faktor, der ganz gewiss dazu gehört: Begleitung, Betreuung und Einbeziehung der Angehörigen.

    Nicht alles kann man vermeiden, aber das meiste doch erheblich lindern.

    Wenn dein Schwiegervater zu Hause sterben soll und keine kurativen Maßnahmen mehr will, dann ist er ein palliativer Patient. Wenn ihr das zu Hause durchziehen wollt, dann schafft ihr das nicht allein. Ich finde es total legitim keinen Notarzt zu rufen und würde in bestimmten Fällen gar nicht auf die Idee kommen, aber dazu benötigt ihr "Anweisungen", was ihr statt dessen tun könnt:
    Palliarzt anrufen? Pflegedienst um Hilfe bitten. SAPV-Dienste sind rund um die Uhr erreichbar und kommen ggf, auch zu jeder Uhrzeit. Was könnt ihr tun bei Luftnot, Schmerzen, Verwrrtheit? Man wird euch Medikamente zur Hand geben und Verhaltensweisen aufzeigen.

    Ehrlich, kümmere dich bald darum. Pfelgenotstand und so. Es ist nicht immer einfach so was zu bekommen.

    LG

(10) 13.12.18 - 20:26

Kann er seinen Willen noch äußern? Dann erkundigt wg. Patientenverfügung.
Es gibt auch den mutmaßlichen Patientenwillen wenn er das nicht mehr kann. Auch da wird der Arzt oder Pflegedienst euch beraten können. Damit wäret ihr abgesichert.

Hat er denn eine Patientenverfügung?
Im Prinzip ist es auch lebensverlängernd wenn man ihn dann ständig Infusionen gibt um ihn wieder für paar Tage aufzupeppen. Die Frage ist, was er für sich will bzw wollte. Es ist ja irgendwann im Leben der ganz normale Prozess dass man weniger isst und trinkt und dann irgendwann verstirbt.
Unterlassene Hilfeleistung ist das nicht, da ihr ihn ja trotzdem pflegt und einfach seinem Willen nach geht. Unterlassene Hilfeleistung ist wenn ihr ihn nicht behandeln lassen würdet obwohl es eine Heilung gäbe oder er aber auf eine Behandlung bestehen würde und ihr sie ihm nicht gewähren würdet.

Top Diskussionen anzeigen