Mehrwöchiger Klinikaufenthalt wegen Essstörung

    • (1) 27.12.18 - 11:15

      Hallo,

      Ich bin 27 und Mama meiner 2jährigen Tochter. Seit ca. 1 Jahr habe ich eine Essstörung entwickelt und bin seit einem halben Jahr in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung. Diese zeigt leider wenig Wirkung, weil zwischen den Terminen minimum 2 Wochen liegen und ich zu Hause nicht genügend Zeit und Ruhe für die Aufgaben und die Genesung finde. Es Ist kompliziert. Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, dass mir die ambulante Therapie nicht wirklich weiter hilft, im Gegenteil wird es immer schlimmer. Deshalb käme für mich ein stationärer Aufenthalt in Frage. Allerdings zweifle ich daran, ob das eine gute Entscheidung wäre. Ob ich meiner Tochter nicht zu sehr fehlen würde? Um die Betreuung mache ich mir keine Sorgen, sie hat eine enge Beziehung zu Papa, Oma und Opa, da wäre sie gut aufgehoben. Außerdem geht sie in die Krippe. Aber würde sie meine Abwesenheit psychisch belasten? Ich will ihr nicht schaden 😢 Andererseits braucht sie ja auch eine gesunde Mama, deshalb wäre meine Genesung wichtig...
      Wie seht ihr das? Hat jemand vielleicht Erfahrung damit? Ich bin noch sehr unsicher und werde mich auf jeden Fall noch von meinen Ärzten beraten lassen.

      Lg

      • (2) 27.12.18 - 18:27

        Hallo,


        ich finde es gut das du eine stationäre Therapie in Betracht ziehst. Deine Zweifel sind in meinen Augen berechtigt. Du hast aber selbst geschrieben das deine Tochter eine gesunde Mutter braucht.
        Diese Therapie wird für alle nicht einfach. Aber diese Therapie kann auch für alle ein Gewinn sein. Ich denke deine Tochter wird die Zeit in der du in der Klink bist gut überstehen. So wie du schreibst habt ihr ein sehr gutes soziales Umfeld welches deine Tochter auffangen kann.

        Sprich mit deinen Ärzten über die stationäre Therapie. Im meinen Augen kann eine stationäre Therapie schneller und sicher zum Ziel führen.


        FG blaue-Rose

        (3) 27.12.18 - 18:47

        "Ich will ihr nicht schaden 😢 Andererseits braucht sie ja auch eine gesunde Mama, deshalb wäre meine Genesung wichtig... "

        Was ist wohl besser:

        jetzt in gut organisiertem Rahmen, planbar, mit Besuchszeiten (evtl. je nach Ort und Klinik), weiterhin geregeltem Tagesablauf und BEZUGSpersonen!

        oder wenn du weiter vor dich hin kränker wirst, sie deine Verhaltensweisen übernimmt (unbewusst), deine Unsicherheit spürt
        und du letztlich zusammenbrichst. Spontan in IRGENDeine Klinik musst, weil es nicht anders geht.

        Großeltern zu dem Zeitpunkt vielleicht selbst gerade Probleme haben
        oder Partner wegen Jobwechsel oder Stress auf Arbeit auch teilausfällt
        dein Krankenhausaufenthalt sich aber nicht verschieben lässt?


        Beides im Bekannten und Freundeskreis schon erlebt.
        Selbst war ich auch schon krank.
        Es ist eine sch*** Situation.

        Die Frage ist: was ist das kleinere Übel. Langfristig.
        Wie kann man das "kleinere" Übel so gestalten, dass es für euch am besten passt?

        Den richtigen Zeitpunkt wird es im Grunde nie geben, wenn man darauf wartet. Wenn sie 18 ist, braucht sie dich auch noch
        und/oder hat bis dahin viel von deinem Essverhalten abgeschaut

        oder du bekommst kalte Füße
        oder oder oder


        Besprich dich mit dem Arzt
        mit der Klinik
        bereite alles soweit vor wie es geht

        und wenn es betreuungsorganistorisch jetzt super passt, würde ich nicht zu lange warten.

        Medizinische Mühlen mahlen langsam. Bis Plätze frei sind usw.

        Informiere dich auch, wie die Klinik arbeitet. Gibt es Tipps für das Familienleben? Wie du wieder Kontakt aufbauen kannst?


        Evtl. kannst du auch bei Genesung nach der Klinik eine Mutter-Kind-Kur machen.

        Nicht sofort! Sondern wenn du gesund wieder zu Hause bist.
        Die Kur als wieder Aufbau mit deinem Kind.
        Oder ambulant Erziehungsberatung für eure Situation.
        In der Klinik fragen, wie du bzw. deine Familie mit der Situation umgehen können. Wieder zueinander finden.

        (4) 28.12.18 - 07:17

        Ich war mal ein halbes Jahr in einer Klinik, das ist wohl eher der Zeitrahmen bei einer Essstörung, das hat meinem Sohn damals sehr geschadet. Er war damals 5.

        Ich würde es nicht mehr machen, warst du schon in einer Selbsthilfegruppe? Overeaters Anonymous oder so?

      • Hallo,

        meine Kinder waren zwar bei meiner ersten Reha etwas älter, aber es hat ihnen nicht geschadet. Im Gegenteil, ich finde es war sogar gut. Der Papa hat gemerkt was alles so anfällt als Mama daheim und die Kinder hatten mehr von ihrem Papa da er eher von der Arbeit heim musste usw.

        Das Problem war eigentlich nur ich!
        Ich hab gedacht dass ohne mich die Welt zusammenbricht, dass die Kinder ohne mich nicht können, dass mein Mann überfordert sein könnte usw.

        Wenn du ein gutes Netzwerk hast, dann kann ich es nur empfehlen drei bis vier Wochen nur für sich zu nehmen auf ner Reha. Es ist einfach so dass man neben den Therapien Zeit für sich hat. Man lernt neue Leute kennen, man merkt dass man nicht allein ist mit seinen Problemen und kann anderen helfen uns selbst Hilfe annehmen.

        Einfach abends auch Mal ohne Verpflichtungen Fernseher schauen, spazieren gehen usw.

        Ich war die letzten zwei Jahre zwei Mal auf Reha, meine Kinder sind mittlerweile schon wirklich groß 13+16, aber sie vermissen mich jetzt mehr als damals.
        Es steht bei mir jetzt ne fünf Wochen Schmerztherapie an, dieses Mal Versuch ich es ambulant. Aber ich weiß jetzt schon dass es mich mehr stressen wird als wenn ich nach den Therapien einfach ins Bett plumpse und Musik höre oder den Fernseher anschalte.

        Deine Tochter hat so viele Bezugspersonen, ich kann nur sagen, mach das für dich! Deine Tochter wird davon profitieren 😊.

        Alles Gute dir und uns allen hier!

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