Zwei Jahre Depression, jetzt ist die Sonne endlich wieder da!

    • (1) 16.01.19 - 14:12

      Hallo ihr Lieben,

      als stets fröhlicher und optimistischer Mensch, der mit beiden Füßen im Leben stand, hätte ich es nie für möglich gehalten, daß es mich einmal trifft: 2016 - 2017 warf mich eine schwere Depression völlig aus den Fugen. Davor bin ich mit dieser Thematik nie in Berührung gekommen. Man reißt sich halt zusammen, andere schaffen es ja auch. Also schön weiter gemacht, oft über die eigenen Belastungsgrenzen gegangen und alle schleichenden Anzeichen einfach überspielt. Bis nichts mehr ging. Verzweiflung, Selbsvorwürfe, Ängste, Albträume, Schlafstörungen, sozialer Rückzug, Trauer bis zur absoluten Apathie - volles Programm. Mehrere Klinikaufenthalte von insgesamt 5 Monaten, zwei Jahre täglich Pillen. Zum Glück rappelte ich mich langsam wieder auf, dank Therapie, Medikamente und der Zuwendung von einigen ganz lieben Menschen. Heute nach der überstandenen Krise bin ich im Nachhinein dankbar für diese wenn auch schlimme Erfahrung. Fühle mich jetzt viel mehr ich selbst, als je zuvor. Alle Symptome sind komplett verschwunden. Habe wieder die Lebensfreude entdeckt und gelernt mich zu lieben und auf mich zu achten.
      Mit diesem Tread hoffe ich den Akutbetroffenen und Angehörigen etwas Mut, Trost und Hoffnung zu geben um durchzuhalten. Es gibt Licht am Ende des Tunnels.
      Ob Betroffene oder Angehörige, falls ihr Fragen und Interesse am Austausch habt, schreibt gerne eure Kommentare :-)

      • Liebe gerneschwanger, ich freue mich zu lesen, dass Du die Depression überstanden hast :)

        Auch ich hatte bereits Erfahrung mit der Depression gemacht, nun seit der Geburt meiner Tochter habe ich wieder öfter solche Momente.

        Heute Abend wieder. Der Tag war so schön, aber auch anstrengend.
        Jetzt bin ich Zuhause und fühle mich in einem tiefen Loch weil mich diverse Ängste plagen. Mir geht es echt mies und ich habe eine extreme innere Unruhe.

        Was kann ich akut tun?

        • Hallo liebe Sonnenblume,

          Es freut es mich, daß du den Mut hast als Erste auf mein Tread zu antworten und dich deinen Ängsten stellst :-)
          Und beruhigend finde allein schon die Tatsache daß absolut JEDER Ängste hat. Also bist du damit nicht allein.
          Angst ist nichts Negatives, auch wenn es sich doof anfühlt. Die Frage ist nur in wieweit die Angst dein Leben einschränkt und deine Entscheidungen beeinflusst. Angst ist kein guter Berater. Langfristig macht es Sinn sie zu bearbeiten, nach Ursachen zu forschen und möglichst aufs Minimum zu reduzieren (ob allein beim Meditieren oder mithilfe eines Therapeuten)
          Mit Medis zu betäuben ist nur eine kurzfristige Lösung, die nur dann Sinn macht, wenn die Unruhe so stark ist, daß z.B. das Einschlafen akut zum Problem wird und man den Alltag wg. Schlafmangel nicht mehr auf die Reihe bekommt. Bei leichter Unruhe halfen mir auch pflanzliche Mittel (Lasea, Lavendeltee, Baldrian)
          In schlimmen Phasen, wo ich gar nicht mehr zur Ruhe kam, griff ich zu Atosil (auf Rezept) oder bei Panikattacken zu Tavor (mit dem Zeug darf man aber nicht spaßen, weil es übelst abhängig macht, also wurde es mir ausschließlich in Notfällen verabreicht, da war ich aber in der Klinik)
          Ich weiß ja nicht ob du z.Z. ambulant in Behandlung bist, aber professionelle Hilfe zu holen ist es nie zu früh, wenn deine Ängste dich so belasten, daß du das Gefühl hast sie allein nicht unter Kontrolle zu bekommen.
          Ansonsten hat Musik mich sehr beruhigt, hab oft mit Kopfhörern geschlafen, was natürlich nur dann ging wenn die Kinder andersweitig betreut wurden. Atemübungen und Hörmeditationen waren auch hilfreich. Wenn wirklich nix half und der Körper sich nur noch nach Ruhe sehnte, schaltete ich mich mit Tabletten ab, das Blöde ist nur, daß sie Dinger morgens noch wirken - also Müdigkeit und kaum Antrieb am Tag, geschweige schon Autofahren. Aber manchmal war das halt so, und da hieß es nur irgendwie durchhalten, nur nicht aufgeben.
          Es ist alles nur eine Phase, manche sind lang andere kurz, aber sie alle gehen vorbei, auch wenn es dir in dem Moment so scheint sie würden nie enden und dein Leben für immer absolut trostlos bleibt. Tue dir was Gutes, ob Spazieren, ablenken, lesen, wenn s geht und scheue nicht auf "echte" Menschen zuzugehen, den Umarmungen können manchmal Wunder bewirken.
          Alles Liebe

          • Ich bins noch mal Sonnenblume, finde gerade auch wenig Schlaf, das ist aber nur vorübergehend - muss Einiges verarbeiten. In solchen Momenten ist es wichtig den Focus wieder auf sich zu richten. Alles was geht absagen, Kind auch wenn für paar Stunden zu den Großeltern, Tanten, Freunden und auf Sparflamme schalten. Das hab ich die Tage nämlich vor. Keine Vorwürfe deswegen, denn wenn du erschöpft bist, musst du dich um dich kümmern, keiner macht es sonst. Kein Vortschritt ohne Rückschlag.
            Zur Unruhe noch mal ist mir eingefallen - Achtsamkeitsübungen. Die helfen mir jedesmal. Die versetzen ins Jetzt. Die Angst ist meist eine Projektion negativer Erfahrungen aus der Vergangenheit (die nicht existiert) auf die Zukunft (die ebenfalls nicht existiert). Demnach ist die Angst also eine komplette Illusion und damit NICHT existent. Im JETZT was gerade real stattfindet ist ALLES GUT. Achtsamkeit und Meditation verschiebt den Fokus aufs Jetzt - das einzig Reale.
            LG und gute Nacht
            Aljöna

      Hallöchen....

      ich habe vor einiger Zeit auch etwas über Depressionen geschrieben. Leider bin ich noch nicht so weit wie du. Aber ich freue mich für dich!!! Niemand kann es fühlen wie es ist an einer wirklichen Depression erkrankt zu sein. Ich habe jetzt ca. ein Jahr Therapie hinter mir. Leider keine gute Kindheit, Familienverhältnisse usw..Eine Tochter mit Handicap usw...es würde jetzt den Rahmen sprengen! Da fragt man sich wo wohl meine Depressionen her kommen. Versuche es grade zu bearbeiten. Es ist nicht einfach und es gibt leider oft noch Rückschläge! Habe auch Medikamente hinter mir, was teilweise meine Depressionen wieder verschlimmert hat. Dazu noch mein Diabetes worauf ich aufpassen muss. Dazu noch andere Körperliche Beschwerden usw...Ja es ist noch ein langer Weg. Mal sehen! Dein Beitrag macht mir Hoffnung aber so ganz kann man es von einem selber nicht glauben. Vielen Dank für deinen Beitrag. LG#winke

      • Hey :-D Schön von dir zu lesen! Das hört sich nach ein paar Baustellen an, aber wie auch bei mir - kaum ist ein Loch gespachtelt, reißt es am anderen Ende wieder auf. Und so ganz abgeschlossen ist es nie und Word ja auch nie sein, wäre ja auch langweilig, weil man sonst nix mehr zu tun hätte Hihi
        Mache auch kleine Trippelschritte - einen nach dem Anderen wie bei Momo: nicht an die ganze Straße denken, sondern nur das Stück fegen, was man vor den Augen hat. Ein Schritt vor, zwei zurück. Es ist wie es ist.
        Letztendlich wird man nach einer Depriphase nie wieder der alte, aber will man das überhaupt? ? Sich für Fremde verausgaben, die dich nur ausbeuten, sowie meine Ex Chefin: hab ihr mehrmals gesagt, daß ich nicht jedes WE einspringen kann und auch mal dringend Pause brauche. Wir hatten uns oft in den Haaren, also hab ich's durchgezogen um den Job nicht zu verlieren. Während sie dann im Sommer mit ihren Kindern auf Malle war, saß ich ohne meine in der Klapse. Kann es nur betonen, wenn man sich nicht selbst schützt, die netten Kollegen von der Arbeit machen es definitiv nicht. Aber zu deiner Beerdigung würden den schönsten Kranz aussuchen...
        Sorry, bin heute etwas sarkastisch :-)

      • ...achja, bin vorhin vom Thema abgekommen.
        Genau das ist es: wenn du mal traurig bist, lenkst du dich ab und findest irgendwas was dir Freude macht.
        In der Depriphase ist es so wie du es beschreibst - NICHTS macht Freude, egal auch was und das über Wochen so daß die Hoffnung verschwindet, daß es überhaupt jemals besser wird.
        Genau da - stur durchhalten, weil es tatsächlich vorbei geht.
        Schöne Grüße
        Aljöna

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