Komme aus der Depression nicht raus

    • (1) 25.01.19 - 14:54

      Hallo,
      eigentlich habe ich gar keine Frage, sondern möchte nur mal ein bisschen jammern, da ich mein Umfeld nicht mehr damit belasten will.

      Ich bin jetzt schon seit Ende September aufgrund von schweren Depressionen krank geschrieben.
      Es fing ganz gut an (soweit man das so nennen kann #hicks). Neue Ärztin, neue Diagnose, neue Medikamente mit der Hoffnung auf baldige Besserung mit langfristiger Stabilisierung. Dann acht Wochen Psychiatrie, weil zu Hause nichts mehr ging.
      Nach der Klinik hab ich erstmal den Boden unter den Füßen verloren, mir fehlten die Mitpatienten, das Verständnis und auch die vorgegebene Struktur.

      Ich bin seit ca sechs Wochen wieder zu Hause, den Alltag mit Kids und Haushalt hab ich im Griff, verschlafe aber immer noch den halben Tag. Ich bin sehr schnell erschöpft und bekomme auch einfach den Arsch nicht hoch. Die Depression hat mich nach wie vor felsenfest im Griff, auch wenn das Gefühl dabei verändert hat.
      Wo vor der Klinik Todessehnsucht und tiefe Verzweiflung war, sind jetzt Traurigkeit und Lethargie die vorherrschenden Symptome.
      An arbeiten ist immer noch nicht zu denken.
      Ich denke darüber nach, eine Reha zu beantragen, meine Ärztin befürwortet das.

      Ich bin das alles so leid. Seit ich denken kann, leide ich starken Stimmungsschwankungen, meistens sind die Depressionen vorherrschend. Ich habe schon soviel an Medikamenten durch, so viele Therapien gemacht, weiß ganz viel über meine Frühwarnzeichen und werde trotzdem immer wieder überrollt.

      Ich werde mehr und mehr zur Belastung für meine Familie, mein Mann fängt an, mir vorzuwerfen, ich würde mich auf meiner Diagnose ausruhen und gar nicht gesund sein wollen. Manchmal glaube ich das schon selbst, vielleicht bin ich ja gar nicht krank, sondern nur faul?!?
      Außerdem hat er irgendwo recht, ich will nicht mehr kämpfen, ich möchte mich in mein Bett legen und in Ruhe gelassen werden.

      Aber ich stehe morgens auf, ich versorge Kinder und Tiere, ich sorge für anständige Mahlzeiten, ein sauberes Haus und saubere Wäsche.
      Was das für eine Kraftanstrengung für mich ist, versteht niemand :-(

      Ich könnte noch ewig so weiter jammern, leider hilft das aber auch nicht weiter. Vielleicht hat ja hier jemand den ultimativen Tipp, für ne Superwunderpille oder alternativ einfach ein paar aufbauende Worte.

      Lg, mokli

      • Hallo,
        ich habe eure traurige Geschichte damals (ich weiß garnicht mehr wie lange es her ist) mitbekommen.
        Du sagst du leidest schon seit du denken kannst an Depressionen, ich kenne mich mit dem Thema nicht aus, möchte dir aber trotzdem antworten.
        Bist du aktuell in psychologischer Betreuung?
        Wie alt sind deine großen Kinder?
        Wie wäre es wenn du mit den Kindern eine Mutter-Kind-Kur beantragst? Einfach um anzufangen zu lernen dort rauszugehen und mit deinen Kindern zu leben. Nicht nur für sie (und deinen Mann), sondern mit ihnen zusammen zu leben und wieder gefallen daran zu finden.
        Erwarte nicht zu viel von dir.
        Ich wünsche dir alles gute.
        LG

        • Aktuell bin ich nicht in therapeutischer Behandlung, nach mittlerweile 14 Jahren Therapie gelte ich als austherapiert. Ich hab noch eine behandelnde Psychiaterin, die sich um meine Medikation kümmert.
          Meine beiden Großen werden dieses Jahr schon 18, der Kleine wird 10.
          Zur Mutter-Kind-Kur war ich letztes Jahr im Frühling, als ich gemerkt habe, es geht wieder bergab. Das war aber leider nur eine kurze Verschnaufpause, danach ging es schon bald weiter bergab.
          Ich weiß, dass es irgendwann auch wieder besser wird, mir fehlt grad nur die Geduld.

          Danke für deine lieben Worte.

      Hallo

      Hast du einen Therapeuten aufgesucht, der moderne Nährstofftherapie anbietet. Blut genau unter die Lupe nimmt?

      Es gibt ein Buch von Dr Strunz zum Thema Blut.
      Das ist ein Baustein...von vielen bei dieser Krankheit!

      Und: Du darfst schlafen, wenn der Körper so sehr danach verlangt.
      Aber das weißt du.
      Schwierig, von anderen, was dazu zusagen.

      Hoffe, du findest deinen Weg bald.
      Alles Gute

          • (7) 26.01.19 - 18:37

            Nein, Vitamin D wurde nicht bestimmt. Nur die üblichen Verdächtigen, Eisen und Schilddrüse.

            • (8) 26.01.19 - 21:41

              Das finde ich krass. Ich würde sofort den Arzt wechseln.
              Vitamin D-Mangel kann Auslöser für Depressionen sein. Auch Vitamin B müsste dringend gecheckt werden.

              Grüße

              • (9) 26.01.19 - 22:50

                Das irritiert mich. Ich war im Laufe der Jahre schon bei einigen verschiedenen Ärzten, Hausärzte, Endikronologe, Psychiater und keiner hat danach geschaut, obwohl zumindest die Diagnose Depression ja schon lange bekannt ist.

                Ich werde meinen Hausarzt da definitiv mal drauf ansprechen.
                Danke!

    (11) 25.01.19 - 19:48

    Wenn ich als austherapiert gälte, würde ich vermutlich auch Geld in die Hand nehmen und mich von Strunz durchchecken lassen. Er lässt wohl Blutbilder erstellen, die Dinge untersuchen, die weit über das normale Labor hinausgehen. Ich bin bei ihm immer hin und hergerissen, ob ich ihn für einen Quaksalber halte oder ob der wirklich was kann. Ich kenne aber tatsächlich zwei Leute, die bei ihm waren und denen es durch seine Beratung und Ernährungsumstellung besser geht.

    Ein verwandter Manisch-Depressiver ist deutlich stabiler, seit die Schilddrüsenhormone neu eingestellt wurden.

    Ich habe aber keine Ahnung von Depressionen und plaudere gerade nur aus dem Nähkästchen, was anderen so geholfen hat.

    Es tut mir sehr leid, dass es dir so schlecht geht. Ich hoffe, du findest einen Weg da raus, auch wenn du die Hoffnung darauf vielleicht schon aufgegeben hast.

    • (12) 25.01.19 - 21:50

      Das austherapiert bezieht sich rein auf Psychotherapie, das hat halt nie längerfristig geholfen.
      Den Strunz finde ich unverschämt teuer, aber eine Blutanalyse werde ich wohl mal in Angriff nehmen.
      Die Schilddrüse ist bei mir (jetzt wieder) gut eingestellt. Allerdings hat eine massive Überfunktion letztes Jahr zu einer Hypomanischen Phase geführt und die führt bei mir zwangsläufig in die Depression.
      Mit den neuen Medikamenten hatte ich gehofft, es würde endlich gut werden, aber das wäre wohl zu einfach #schmoll
      #danke

      Hi,

      ja, es wird umfassend (!!) getestet - aber ist SEHR teuer und muss selbst bezahlt werden. Bei mir kam so einiges raus.

      Bei meinem Mann auch so einiges, was nie ein Arzt vorher getestet hatte.

      VG
      Gael

      • (14) 28.01.19 - 15:25

        Ich weiß wie teuer das ist. #zitter

        Hat es dir denn etwas gebracht?

        Ich habe eigentlich nichts bis auf eine sporadisch aufflackerne Angststörung, häufig Kopfweh und ein bisschen Reizdarm, überlege aber immer mal wieder, mich von Strunz einmal durchchecken zu lassen....

        • Hi,

          ja, die ständige Müdigkeit war endlich weg und er hat Wege wegen Lebensmittelallergien aufgezeigt nach dem Motto "verträgst du dass nicht, dann nimm das" usw. Er hat in den Büchern und Foren immer einen SEHR selbstbewussten Ton und nicht alles, was er propagiert findet meine Zustimmung, aber ich finde ihn menschlich voll i. O. und er bemüht sich und tut nicht alles mit Psyche usw. ab.

          VG
          Gael

    Seine Internetseite wirkt ziemlich unseriös.. Aber ich habe ihn neulich in einem Webinar bzw. Online-Kongress gehört, eine ganze Stunde lang und fand ihn großartig. Ich hätte durchaus Vertrauen zu ihm.

    Meinen Kommentar kann man streichen, ich meinte Ulrich Selz....

Geh zum Endokrinologen und lass mal deinen Hornonhaushalt komplett abchecken. Nicht nur die Schilddrüse, sondern auch die Geschlechtshormone, Nebennierenrinde usw.
Erzähle ihm deine Story und bitte um einen kompletten Check, um endlich Klarheit zu bekommen. Oft sind da kleine Dysbalancen mitverantwortlich.

(20) 26.01.19 - 14:49

Hallo, nicht jeder wuppt Haushalt, Kinder und Job mit links, ohne krank zu werden.

Du kümmerst dich um Haus, Tiere und Kinder (Garten auch noch?), ganz ehrlich, das hat meine Mutter früher auch gemacht und niemand hat gemeckert, dass das zu wenig wäre.

Du solltest stolz sein, was du trotz schwerer und chronischer Erkrankung alles schaffst und dich aufs Sofa legen und schlafen, wenn alle weg sind.

Das wird irgendwann von selber besser, aber wahrscheinlich nicht wieder richtig super, so ist das halt mit chronischen Krankheiten.

Es ist so, wie es ist. Das hat meine Therapeutin immer zu mir gesagt.

Alles Gute!

  • (21) 26.01.19 - 18:45

    Danke!
    Manchmal tut es gut, wenn jemand einem einfach mal sagt, dass man eben doch einiges leistet.
    Da ich schon etliche depressive Episoden hatte, weiß ich ja aus Erfahrung, dass es wieder besser wird.
    Nur mit jeder weiteren Phase ab ich weniger Motivation mich da raus zu kämpfen :-(
    Ich versuche mich in Geduld zu üben und den Optimismus nicht ganz zu verlieren.

Hallo liebe Mokli,

das was du beschreibst kenne ich sehr gut. Leider können die meisten die von Depris nie betroffen waren es nicht nachvollziehen wie man mit einem Wassekocher und einer Dusche völlig überfordert sein kann. Es ist enorm was du trotz deiner Diagnose leistest und Hut ab vor deiner Willensstärke! Wenn du dich aber nicht um dich kümmerst und auf dich achtest, macht es keiner! Seit September ist die akute Phase auch sehr frisch, also kannst du nur kleine Schritte machen und darfst dich nicht übernehmen. Ich kenne den Drang daß man mit aller Kraft versucht so schnell es geht zur Normalität zu finden, aber nimm dir bitte den Druck große Sprünge zu machen, akzeptier deine gegenwärtige Situation und von da wird es kontinuierlich besser. Einen Akku, der gerade einen Balken Energie hat kann man nun mal nicht voll belasten, genau das versuchst du aber jedesmal wo es etwas besser wird. Es braucht Zeit bis dein Akku wieder vollständig regeneriert ist und diese Zeit sollst du auch einfordern, sonst nützt es keinem was.
Hilfreich kann ein gemeinsames Gespräch mit deinem Mann und dem Arzt, der fachmännisch erklärt wie es um deinen Gesundheitszustand steht und was für dir hilft. Der zusätzliche Druck von Aussen oder gar Behauptung du würdest deine Diagnose ausnutzen um faulenzen zu können sind absolut kontraproduktiv. Es braucht viel Verständnis vom Partner um die Sache durchzustehen. Mach ihm klar, dass er nicht der Grund für deine Depris ist, daß es eine ernste Krankheit ist, die jeden treffen kann, die aber gut behandelbar ist. Er kann dir helfen wenn er deine Situation ernst nimmt und keinen Druck aufbaut wie "Wann gehst du wieder arbeiten? " oder "Wie lange wirst du noch brauchen um gesund zu werden". Es gibt auch "Trialog" Veranstaltungen mit Ärzten, Betroffenen und Angehörigen, wo man sich austauschen kann. Oder auch Gruppen nur für Angehörige, falls dein Mann offen für sowas ist (meinem hat es damals sehr geholfen), wo er merkt daß sehr viele Menschen von dieser Krankheit betroffen sind und gute Tipps bekommt.
Falls du Fragen hast, schreib gerne, ich habe eine schwere Depression überstanden, die dauerte fast drei Jahre, und auch wenn man in der Akutphase es nicht glauben kann, es wird tatsächlich besser, nur gaaaaanz langsam, aber es wird!
Alles Liebe :-)

  • Hallo und danke!
    Ich merke grade, wie wichtig nette, verständnisvolle Worte für mich sind und wie wenig ich da zur Zeit von hab.
    Meinem Mann mache ich da keinen Vorwurf. Er geht diesen Weg mit mir seit etlichen Jahren, immer wieder Krankheitsphasen von etlichen Monaten, teilweise mit nur sehr kurzen „gesunden“ Zeiten dazwischen. Er darf die Nase voll haben. Paargespräche bei Therapeuten, Ärzten und auch während der Klinikaufenthalte, er hat immer alles mitgemacht.
    Ernste Krankheit, aber gut behandelbar, das war eine Info, mit der er was anfangen konnte. Leider hat sich im Laufe der fast 17 Jahre, die ich jetzt in Behandlung bin, gezeigt, dass „gut behandelbar“ nicht bei allen zutrifft.
    Eine besondere Schwierigkeit ist vermutlich, dass ich keine unipolare Depression habe, sondern eine bipolar affektive Störung.
    Die depressiven Episoden stehen dabei zwar im Vordergrund, man muss bei der Behandlung aber immer aufpassen, dass ich nicht in die Hypomanie switche.
    Beim letzen Klinikaufenthalt hat zum ersten Mal ein Arzt ganz klar gesagt, dass ich niemals gesund werde, sondern mein Leben meiner Erkrankung anpassen muss.
    Heißt: reduzieren von allen vermeidbaren Belastungen, Stressreduktion, Verkürzung der Arbeitszeit.
    Und dass zu akzeptieren, fällt uns wohl beiden noch schwer.
    Wobei ich bei meinem Mann glaube, dass es kein Anspruch auf Leistung ist, sondern sein Wunsch, dass es mir gut geht und ich wieder gesund werde.

    Das war jetzt ganz schön viel blabla, aber ich wollte auf keinen Fall, dass der Eindruck entsteht, mein Mann wäre ein empathieloser Klotz ohne Mitgefühl 🙈

    Lg, mokli

    • :-) Den Eindruck daß dein Mann ein "empatieloser Klotz" ist hab ich auch nicht, alles gut, ich habe großen Respekt vor Menschen, die trotz allen Schwierigkeiten zu einem halten, und auch die dürfen ihre Schwachphasen haben.
      In der Klinik hab ich Leute mit bipolaren Störung kennen gelernt. Es ist in der Tat nicht leicht immer dieses hin und her zwischen den Extremen.
      Falls es dich irgendwie beruhigt, meine Diagnose hab ich auch für mein Leben, paranoide Schizophrenie gilt ebenfalls als unheilbar. Anfangs machte es mir Angst, aber mittlerweile gar nicht mehr, bin halt ein kreativer Mensch mit einer blühenden Phantasie, und verrückt sind alle Künstler auf ihre Art und Weise. Mein Leben hat sich seit der Krankheit verändert, nach der überstandenen Krise aber nur zum Positiven: hab mehr Zeit für meine Lieben und Hobbys, bin achtsam mit mir und meiner Umwelt, dankbarer und genieße einfach jeden Tag. Der Freundeskreis ist auf genau 2 geschrumpft, aber dafür sind es die Menschen auf die ich mich wirklich verlassen kann und die mich schätzen und lieben ohne wenn und aber.
      17 Jahre ist eine lange Zeit, ich wünsche dir ganz viel Kraft weiterhin durchzuhalten und den Kampf nicht aufzugeben. Es werden ja bekanntlich nicht die schwachen krank, sondern die starken, die ständig über ihre Belastungsgrenzen hinaus gehen und durchhalten.
      Feste Umarmung,
      Aljona

      • Oh je, da hast du ja auch ein Päckchen zu tragen!

        Ich glaube, ich muss mich noch ein bisschen zurecht finden. Der Fokus hat sich von „gesund werden“ auf „gut mit der Krankheit leben lernen“ geändert.
        Es fällt mir noch schwer, den Leistungsdruck abzulegen. Nicht mehr versuchen mich der Welt anzupassen, sondern überall wo es möglich ist, die Welt meinen Bedürfnissen anzupassen.
        Dir scheint das ja gut zu gelingen!

        Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Stabilität und eine guten Blick für dich selbst #herzlich

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