Kinderwunsch trotz (selbstdiagnostizierter/begründeter?) Tokophobie/Schwangerschaftangst

    • (1) 03.04.19 - 13:57
      Inaktiv

      Liebe Forumsmitglieder,

      nachdem ich total froh beim Googeln endlich auf diesen Begriff gestoßen bin, ist meine Motivation noch größer etwas dagegen zu tun. Der Gedanke, dass das was ich empfinde nicht etwas einmaliges ist, sondern viele Menschen betrifft, ist unglaublich erleichternd und befreiend.
      Das heißt auch, dass ich noch andere Menschen finden kann, die mir vielleicht weiterhelfen können und/oder mehr Ressourcen kennen als ich oder mir (noch besser) von ihren Erfahrungen und Bewältigungen dieser Thematik (hoffentlich) berichten können

      Ich möchte kurz die Hintergründe meiner Problematik schildern.
      Ich bin 28 Jahre alt und in den Endzügen meines Studiums. Bald werde ich wohl viel soziologisch forschen und darauf freue ich mich sehr. Im Großen und Ganzen bin ich ein sehr lebensfroher Mensch... aber dennoch habe ich einen größeren Knacks, der oft völlig unberührt von allem anderen ist, was mir Freude bereitet...

      Letztes Jahr im Frühjahr wurde bei mir bei einer Kolposkopie festgestellt, dass ich nach mehreren PAP3-Abstrichen im Zeitraum von einem Jahr eine CIN3-Krebsvorstufe hatte (Eine nähere Erklärung hierzu findet sich beispielsweise hier: https://www.netdoktor.at/krankheit/cin-7490) und mir dringend zu einer Konisation geraten wurde. Ich war wie gelähmt vor Angst. Das Jahr, was dem ganzen vorausgegangen war, war auch nicht schön. Ich habe leicht hypochondrische Züge, nicht insofern, dass ich denke, ich könnte krank sein, sondern dies dringend verhindern möchte. Ich hatte eine HPV-Impfung (aber leider nicht die richtige und wohl auch zu spät...) Das ganze Jahr davor hatte ich auch nicht Angst davor, Krebs zu bekommen. So religiös und regelmäßig wie ich zum Arzt gegangen bin und was ich alles versucht habe, um es loszuwerden, war ich mir ziemlich sicher, dass man das immer rechtzeitig entdecken würde, bevor es dazu kommen würde.

      Nein, das Jahr vorher hatte ich ziemliche Angst vor der Konisation und der empfundenen Stigmatisierung. Das war es, was ich unbedingt verhindern wollte. Die Folgen, die diese OP haben könnte für Kinderwunsch etc. und am allerschlimmsten eine OP (noch dazu eine, die ich als absolut widerlich empfand). Ich hatte als Kind eine OP nach einem Knochenbruch, die falsch ausgeführt wurde und mir eine Karriere Profisportlerin unmöglich machte. Schon vor der OP war daher mein Vertrauen in jede Art von Eingriff, bei der ich nicht bei Bewusstsein wäre, minimal.
      Dies konnte auch mein Partner (der selbst Assistenzarzt in einer anderen Fachrichtung ist) nicht völlig durchbrechen. Mir wurde also gesagt, ich bräuchte die Konisation dringend. Während der Dysplasiesprechstunde (bei der die Kolposkopie durchgeführt wurde) sagte die Ärztin allerdings bei einer CIN3 sollte man erstmal nichts tun und den Kinderwunsch erfüllen. Diese Vorstellung hat mir dann aber auch ungeheure Angst eingejagt. Mein Partner und ich sind in die Uniklinik, in der er arbeitete und ich sollte laut ihm die unfairste und allerbeste Behandlung bekommen - "die Angehörigen von Personal-Behandlung". Das Aufklärungsgespräch war allerdings völlig unbefriedigend, viele Fragen wurden nicht beantwortet und die Ärztin nahm auch nicht Bezug auf die Aussage ihrer Kollegin in der Dysplasiesprechstunde. Weiterhin wurde mir eine örtliche Betäubung von Anfang an versagt, da dies kontraproduktiv wäre, wenn jemand Angst hätte und sie dies generell nicht an der Klinik für diesen Eingriff machen würden. Und da hätte ich anders reagieren sollen, aber ich fühlte mich unter Druck gesetzt. Ich wollte meinen Partner, das nicht länger aushalten lassen und dachte mir, dass haben doch schon ganz andere hinbekommen...

      Es hat mich viel Überwältigung gekostet, aber ich habe mir in diesem Gespräch die Blöße gegeben und der Ärztin gesagt, warum ich solche Ängste hatte. Mein Partner und ich waren der festen Überzeugung, dass auf jeden Fall darauf eingegangen wird, wenn ich ihnen von Anfang an sage, welche Probleme ich habe.
      Op-Tag kam und ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen: Ich habe meine Operateure nie zu Gesicht bekommen und wollte eigentlich den ganzen Tag gehen. Kurz davor war ich schon soweit, alles abzublasen, wenn ich mich nicht von meinem Partner überzeugen hätte lassen und dachte, so schnell kommt das nicht wieder, die Möglichkeit das endlich hinter mich zu bringen. (Ich möchte verdeutlichen, dass meinen Partner hier keine Schuld trifft. Er wusste es nicht besser und ich bin ja diejenige, die letztendlich diese Entscheidung getroffen hat.)
      Ich bin um 9:00 morgens auf die Station gekommen und wurde um 19:00 operiert, einen Frauenarzt habe ich in dieser Zeit auch auf Nachfrage nicht zu Gesicht bekommen. Mir wurden angstlösende Mittel versagt vor der OP, vor und nach der OP habe ich meine Operateure wie schon gesagt nicht kennengelernt, nach der OP wurden meine Schmerzen (ich bin in dem Bereich leider recht schmerzempfindlich, anders als andere Frauen) bis 2:00 nachts nicht wirkungsvoll gelöst, obwohl das mit Edding auf meinen Körper geschrieben stand und wir dies vorher ganz oft erwähnt hatten. Die Klinik und die Möglichkeit dort eine Nacht zu übernachten wurde auch von uns gewählt, eben weil wir wussten, wie schmerzempfindlich ich an der Stelle bin. Am Abend vor der OP hat mir eine Freundin (ebenfalls Ärztin) geholfen, meinen Körper an den Stellen, die nicht abgedeckt wurden mit Edding zu beschriften, um auch im bewusstlosen Zustand sagen zu können, dass ich noch Kinder möchte, tierische Angst habe, mich bedanke und mir bei einem bestimmten Schmerzmittel schlecht wird.
      Am nächsten Morgen wurde mir ein Arztbrief in die Hand gedrückt, der eindeutig Copy-und-Paste und ein Fantasiekonstrukt war, weil keine Untersuchung bei Entlassung durchgeführt wurde und auch die Schmierblutungen, am nächsten Morgen nicht existent waren. Ich habe dann noch einmal den Operateur telefonisch kurz danach am Wickel gehabt, weil ich eine Frage zu meinem Pathologiebefund und Arztbrief hatte, extrem unhöflich.

      Es ist jetzt ein Jahr her, aber all das belastet mich immer noch ungemein. Und die meiste Zeit fühle ich mich sehr alleine damit.
      Es ist dann leider im letzten Jahr noch schlimmer gekommen: Ich machte einen Verhütungsfehler und bin schwanger geworden. Die allgemeine Empfehlung in Deutschland ist ein Jahr nach der Konisation nicht schwanger zu werden. Dennoch gibt es immer wieder Frauen, denen dies passiert und die das dann mutig durchziehen. Mir war jedoch von Anfang an klar - trotz riesigem Kinderwunsch - dass ich nicht dazugehören würde. Zu meiner Entscheidung mit der Abtreibung stehe ich komplett. So merkwürdig es klingt: Es war für mich eine befreiende Erfahrung, selbst zuhause und alleine mit Tabletten abzutreiben. Einem Arzt und einer OP konnte ich nicht vertrauen. Und auch wenn das jetzt so positiv klingt, war es natürlich keine einfache Sache. Ich konnte dies meinen Eltern nicht erzählen und es hat auch in einigen Fällen, in denen ih Freundinnen davon erzählt habe, einen spürbaren Keil zwischen uns getrieben. Abtreibung ist eben kontrovers und es gibt viele Meinungen dazu... Diese Entscheidung hat mich in mancher Hinsicht noch einsamer gemacht und ich fühle mich auf gewisse Weise noch stigmatisierter (und auch selbstbestimmt und erleichtert, ja).
      Natürlich war es allein MEINE Entscheidung, die auf meiner Interpretation der vorangegangenen Ereignisse beruht. Aber ich bin mir sicher, wenn meine Erfahrung im Krankenhaus vor, nach und während der Konisation eine positivere gewesen wäre, hätte ich mich anders entschieden. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, ich wäre mehr gewesen, als nur eine Fallpauschale, ein dreckiger Muttermund, der leider auch noch redet - aber sonst nichts weiter, dann hätte ich das glaube ich durchgezogen mit der Schwangerschaft. So habe ich mich nur gedemütigt gefühlt, dass ich diesen Menschen von meiner Angst erzählt habe. Weiterhin wurde zunächst nicht alles "im Guten entfernt", sondern laut Arztbrief nur davon ausgegangen, dass die anschließende Koagulierung den Rest an veränderten Zellen entfernt hätte. Deswegen musste ich kurz danach nochmal zu einer Dysplasiesprechstunde. Dieses Mal bin ich aber zu einer Spezialarztpraxis von einem sehr netten, älteren Herrn gegangen. Dieser stellte fest, dass in Punkto Zellen alles in Ordnung war, er den Schnitt aber nicht gelungen findet und der Narbe noch ein bisschen länger Zeit geben würde.
      Sicherlich gibt es Menschen, die mich für die Entscheidung der Abtreibung verurteilen, aber ich stehe dazu. (Ich finde generell, dass das eine legale und krankenkassengetragene Entscheidung jeder einzelnen Frau ist.)
      Über die Abtreibung bin ich auch größtenteils hinweg und mehr froh, als traurig.

      Mein Problem ist jetzt folgendes: Ich kann mir nicht mehr vorstellen, schwanger zu sein. Manchmal habe ich Angst, dass ich auch zukünftige Schwangerschaften trotz Kinderwunsch abtreiben möchte.
      Bei Kreissaalschließungen, gehäuften Berichten über Gewalt in der Geburtshilfe und dem Zwang dann dieser Berufsgruppe vertrauen zu müssen, sind meine Zweifel nicht weniger geworden. Ich habe vor der Konisation eine Therapie in Anspruch genommen (um genau diese Ängste von abnehmender Gesundheit, Stress und Angst vor der Konisation zu bewältigen) und auch nach der Abtreibung bin ich zu regelmäßigen Beratungen gegangen (um meine Gründe zu verdeutlichen und uns als Paar zu stärken), aber jetzt komme ich immer mehr zu dem Schluss dass sich meine tatsächlichen Probleme nicht wegdiskutieren lassen. Mein jetziger Frauenarzt ist ebenfalls Verhaltenstherapeut und ich versuche alle Angebote so gut es geht zu nutzen, denn ich möchte irgendwann Kinder. Nur schwanger zu sein und zu gebären, stelle ich mir als schier unlösbare Zerreißprobe vor. Ich habe absolut kein Vertrauen mehr: Zum Einen wird mir da gesagt "Es wurden nur 10 mm abgeschnitten, das ist so marginal, da haben Sie wirklich kaum mehr zu befürchten als andere schwangere Frauen" und zum Anderen sagen dann Vertreter der gleichen Berufsgruppen, dass eine gute HPV-Impfungsrate erheblichen Einfluss auf die Anzahl an Frühgeburten/Abgängen hätte (https://www.zeit.de/2019/10/hpv-impfung-gebaermutterhalskrebs-meinungen). Ich finde das verwirrend und überfordernd und auch mein Partner aus einer anderen Fachrichtung kann mir nicht wirklich aus dem Dschungel helfen. Wie können denn zwei Sachen gleichzeitig wahr sein? Wie sollen sich denn die Frauen fühlen, die diesen Schritt der Konisation gehen müssen, wenn zwei diametral unterschiedliche Dinge von der gleichen Berufsgruppe gesagt werden? Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob die Konisation, die richtige Entscheidung war. Als Vergleich: Ich hatte mal einen Studentennebenjob im Hotel, da hat meine Chefin mir immer gesagt: "Wenn du etwas nettes oder einen Extraservice für Gäste tust, dann sag ihnen auch, dass das ein Extraservice aus reiner Nettigkeit war, sonst wissen die das am Ende gar nicht." Keiner von den Ärzten im KH hat mir deutlich ins Gesicht gesagt, dass das etwas Gutes gewesen ist. Die zwei unterschiedlichen Meinungen sind immer im Raum geschwebt.

      Mein Partner hat mittlerweile zugegeben, dass er darüber auch nicht mehr weiß als ich, weil ich so ziemlich jede im Internet veröffentlichte Doktorarbeit, PupMed-Veröffentlichung etc. gelesen habe. Als Soziologin kann ich quantitative und qualitative Studien relativ gut verstehen. Natürlich bleibt mein Verständnis sehr abstrakt und ich bleibe persönlich betroffen - das führt zu keiner wirklich objektiven Sicht.
      (Habe auch gesehen, dass meine Operateure zu Angststörungen bei Patienten vor operativen Eingriffen haben. Das hat mich ziemlich verwirrt, ob der bescheidenen Betreuung ihrerseits. Irgendeinen Arzt hätten sie doch vorbei schicken können, wenn sie selbst keine Zeit haben. Es war überhaupt nicht mein Bedürfnis irgendjemandem Stress zu bereiten und wahrscheinlich ein Fehler das nicht zu tun. Gleichzeitig war ich lange sauer auf meinen Partner, der wirklich nur als Partner und nicht als Angestellter der Klinik dort war.)

      Ich habe das Gefühl, mich mit einer Schwangerschaft nur von einem Eingriff, den ich nicht möchte zum nächsten zu hangeln. Erst war es die Konisation, später dann das Zunähen meines Muttermunds (Cerclage).

      Meinem Körper geht es jetzt sehr, sehr gut. Ich bin super sportlich, esse gesund und möchte diese Illusion der Kontrolle irgendwie gerne beibehalten. In Vorbereitung auf eine mögliche Schwangerschaft, trainiere ich schon wie blöd alle möglichen Muskeln, die eine Haltefunktion latent übernehmen könnten (das macht ja tatsächlich wirklich nur der Muttermund... aber Beckenboden und transverser Abdominus werden auch empfohlen.)
      Aber das ist keine schöne Sache. Ich möchte so nicht mehr leben, jeden Fachartikel lesen und fanatisch Muskeln trainieren für einen Zustand, der noch gar nicht eingetreten ist. Ich möchte so gerne in meinem Leben zwei Schwangerschaften haben, die nicht von Nervosität geprägt sind und bei denen ich mir erlauben kann, mich nicht erst nach dem sechsten Monat zu freuen. Ich will nicht, dass das eine Mammutaufgabe ist, ein zweiter Job, ein Zwang und dass irgendwelche Ängste, die Oberhand nehmen. Diese Art von Mensch bin ich eigentlich gar nicht. Ich habe bereits in Afghanistan und Kolumbien gelebt, hatte schon immer einen Entdeckergeist und unbändige Freude wenn meine Neugier Antworten findet. Leider lässt sich das nicht auf diese Sache übertragen.

      Ich weiß, es gibt Beleghebammen, Geburtshäuser und viele andere Ressourcen, die man im Ernstfall nutzen kann, wenn man Krankenhäusern nicht traut. Gerade bin ich an einem Punkt, an dem ich mir nicht mehr vorstellen kann, dass jemand, der dafür bezahlt wird, mir helfen kann. Ich fühle mich einfach geprellt und misstrauisch. Und die Angst, dass während der Schwangerschaft Dinge übersehen werden, in Schwangerschaft und Geburt über meinen Kopf entschieden wird (was ja vollkommen ok wäre im Notfall), aber ohne vorher oder nachher mit mir zu sprechen, ist riesengroß. Ich will nicht endmündigt werden und mein Körper soll nicht "kaputt gemacht werden".

      Tut mir sehr leid für diesen langen, stream-of-consciousness-artigen Roman.
      Hattet oder habt ihr ähnliche Probleme? Kennt ihr jemanden, dem es ähnlich ergangen ist oder der ähnlich empfunden hat? Habt ihr diese oder ähnliche Dinge überwunden? Oder andere Erfahrungsberichte, die mir Mut machen könnten?

      Ich würde mich wahnsinnig freuen, davon zu hören.

      Herzliche Grüße und besten Dank,

      Lena.

      • Hi . Also ich habe aufgehört zu lesen nachdem du geschrieben hast, Gewalt in der Geburtshilfe. Ich bin total schockiert und finde das dein Bericht NICHT hier her gehört ( Meine Meinung)
        Vorallem deine Abtreibung mit Tabletten ohne vorher mal mit einem Arzt gesprochen zu haben .
        Es tut mir sehr leid aber ich rate dir dringends dir so schnell wie möglich professionelle Hilfe zu holen.
        Ich wünsche dir trotzdem alles gute !

        • (3) 03.04.19 - 14:26

          Natürlich war ich bei einem Arzt und bei einer Beratungsstelle vor meiner Abtreibung. Man kann in keiner Apotheke in Deutschland die entsprechenden Tabletten bekommen. Diese gibt es nur bei den wenigen Frauenärzten, die medikamentöse Abtreibungen durchführen. Anders ist das in Deutschland nicht straffrei möglich. Da ich dachte, dass dies eindeutig wäre, habe ich es nicht erwähnt, aber da das sonst eine Straftat wäre, muss ich das richtigstellen.

            • (5) 03.04.19 - 15:09

              Sorry, das war ziemlich unklar.
              Ein medikamentöser Abbruch war für mich die einzige Sache, die ich mir vorstellen konnte. Im Gegensatz zu einem operativen Eingriff, bei dem ich einen Arzt noch mehr vertrauen hätte müssen.
              Sorry, das war unverständlich und ich wollte deine Gefühle auch nicht verletzen, dadurch dass ich ins falsche Forum gepostet habe. Ich war mir sehr unsicher, wo ich es posten sollte und finde immer noch es passt nirgends so richtig rein.

      Hallo Lena,

      ich dann Deine Ängste nicht nachempfinden, aber ich verstehe Dein Problem. Für dich sind deine Gefühle und Befürchtungen real. Für die meisten anderen sind sie wahrscheinlich völlig unverständlich.
      Mach dir keine Gedanken über Kind ja oder nein. Dann erst musst du mit dir selber im Reinen sein um für einen Schützling dann sogar da sein zu können.
      Lass dir selber helfen und dann werden sich deine Befürchtungen Ängste auflösen.
      Das ist viel Arbeit, aber der einzige Weg der langfristig erfolgreich ist. Ich wünsche dir alles Gute.

    • Liebe Lena,
      du hast deine ganze Biografie bis zu diesem Punkt ja genau durchleuchtet und vielleicht ist genau das Problem. Du gehst komplett verkopft an das Thema Schwangerschaft heran und leitest aus deinen negativen Krankenhauserfahrungen gemischt mit Zeitungsberichten mögliche Komplikationen für dich her -du scheinst also von vornherein davon auszugehen, dass alles schwierig bei dir wird und du mit inkompetenten Menschen zu tun haben wird. Dabei gibt es viele tolle Ärzte und Hebammen, denen es auch nicht darum geht, dich abzuzocken. Wenn du schon weißt, dass du/ihr über ein Kind konkreter nachdenkt, könntest du dich vielleicht im Vorfeld schon auf die Suche machen nach Fachleuten, bei denen du dich wohl fühlst. Therapeutische Hilfe hattest du ja schon in Anspruch genommen, auch schon um diese konkreten Ängste zu besprechen?
      Liebe Grüße
      Fluribum (38.SSW)

      • (8) 03.04.19 - 15:13

        Hallo Fluribum,

        dir und allen anderen vielen Dank für deine Anteilnahme!
        Ich bin jetzt nach einem Jahr eher an dem Punkt, dass Beratungen nichts mehr bringen... Ich bin ziemlich müde geworden und das Ganze hat mich auch schon sehr viel Energie gekostet.

        Im Moment bin ich eher auf der Suche nach ähnlichen Berichten von Menschen, die vielleicht ebenfalls ähnliche Ängste oder andere zum Thema Schwangerschaft und Geburt haben. Das heißt, das was ich fühle würde ich gerne ein bisschen relativieren, indem ich von anderen Menschen erfahre, die sich davon betroffen fühlen. Eben nicht mehr wie eine seltene Pflanze.
        Wenn ich mal wieder Energie habe, dann gehe ich das Thema Beratung auch mal wieder an. Es ist auch eben anstrengend und Teil meines Problems, mich damit kontinuierlich zu beschäftigen, wenn ich auch viele schöne Dinge erlebe, die mich erfüllen. Eine Therapie/Beratung kostet Energie und die ist - was dieses Thema angeht - gerade wirklich futsch.

        Ganze vielen herzlichen Dank für deine absolut auf den Kopf getroffene Analyse.
        Liebe Grüße,
        Lena

        • Ich wünschte, ich könnte dir besser helfen, z.B. mit einem positiven Beispiel/ einem entsprechenden Erfahrungsbericht. Ich bin wahrscheinlich eher das Gegenteil und traue meinem Gegenüber erst einmal seine fachliche Kompetenz zu - so lange nichts vorfällt, was mich vom Gegenteil überzeugt.
          Ich drücke dir die Daumen, dass du einen Weg findest mit deinen Ängsten umzugehenund auch mal loszulassen.

    Hallo!
    Da hast du dir ja einiges von der Seele geschrieben... tut mir leid was du erlebt hast und dass es dir so zusetzt.
    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob dir jemand hier helfen kann, wenn es selbst dein Therapeut nicht schafft.
    Ich bin nicht in der gleichen Situation wie du. Aber eventuell könnte man grob etwas in der Richtung vergleichen. Meine Geburt war ab betreten des Krankenhauses grauenvoll und ich bin dadurch traumatisiert(könnte ich wählen, Die Zeit zurück zu drehen, würde ich dennoch wieder schwanger werden, um nichts in der Welt könnte ich mir ein Leben ohne meinen Sohn vorstellen!). Wir üben jetzt seid einiger Zeit wieder für das zweite Kind. Im Dezember hatte ich einen frühen Abgang. Also sollte ich noch einmal schwanger werden, werde ich während der Schwangerschaft Angst UM DAS BABY haben und auch vor der Geburt(werde nicht ins Krankenhaus, sondern Geburtshaus gehen)! Ich wünsche mir sehnlichst ein zweites Kind, TROTZ dieser Ängste. Der Wunsch nach einem weiteren Kind überwiegt die Ängste. Genau das ist bei dir eben nicht der Punkt. Du bist scheinbar nicht bereit für ein kind, denn die Angst steht bei dir im Vordergrund.
    Wenn du trotzdem ein Kind willst, wäre vielleicht eine Adoption eine Alternative!? Aber im Bezug auf die kontrolle: die verliert man so oder so mit einem Kind! Das Leben ist nicht vergleichbar mit einem Leben ohne kind.
    Lg und alles gute

    Ein Kind braucht das grundsätzliche Gefühl von Sicherheit. Natürlich kommt kritisches Denken hinzu, aber alles vor dem Gefühl der Sicherheit. Wenn du beim Arzt und generell medizinischen Themen gleich panisch/nervös/unsicher bist, überträgt sich das wahrscheinlich aufs Kind, das spürt das ja bzw. bekommt das mit. Das wollte ich nur zum Thems Kinderplanung ergänzen. Du solltest denke ich erst mal versuchen mehr ins Reine damit zu kommen. Ein bisschen kann vielleicht der Partner kompensieren und niemand ist perfekt, aber im Moment scheint das ja schon ein größeres Problem bei dir zu sein.

    Puuh also zu ersteinmal ich kann dich leider nicht nachvollziehen. Ich denke das ist auch schwierig weil ich einfach nicht diese Ängste habe. Ich bin aber auch kein Typ der alles immer unter Kontrolle haben muss und bei dir kođmt mir das aber so rüber. Es tut mir auch leid das du die Erfahrung machen musstest. Ich bin jetzt in meinen beiden Schwangerschaftten total entspannt rein ohne irgendwelches Training von Muskeln oder Geburtsberichte und ähnliches zu lesen. Ich weiß genau negative Berichte würden mir nur Angst machen und ich würde mich versteifen.
    Meine erste Geburt war im Krankenhaus und ich wurde 10tage über Termin eingeleitet. Alles ohne Probleme und die kleine war wirklich schnell da. Die Wehen taten seeeeehr seeeeehr Weh aber immerhin waren sie nicht lang. Als Gewalt habe ich nichts empfunden, dafür aber andere Frauen die
    im gleichen Krankenhaus entbunden haben schon. Teilweise ganz schön unverschämt wie mit Ihnen umgegangen ist.
    Meiner erste Schwangerschaftt total Komplikationslos und die zweite Toilette toi toi bis jetzt auch obwohl ich nur 6 Monate nach der Geburt meiner Tochter wieder gewollt schwanger wurde. Die entbindende Ärztin hat mir zwar gesagt ich soll ein Jahr warten aber naja ich war der Meinung das wenn mein Körper trotz vollstillens schwanger werden kann, ich diese Schwangerschaft auch austragen kann. Ein wenig esoterischer Gedanke, obwohl ich normalerweise so nicht bin. Ich weiß nicht ob ich dir überhaupt weiterhelfen konnte, wollte dir Mut zu sprechen und zeigen das eine Schwangerschaft nicht schlecht sein muss.

    Ich hoffe du bekommst deine Gedanken in Richtung Schwangerschaft positiv hin sonst wird es keine schöne Schwangerschaft, falls du dich überhaupt in der Lage fühlst diese auszutragen, wenn es soweit ist.


    LG

    Hallo,
    ich lebe seit über 10 Jahren mit einer Angststörung und nehme auch Medikamente dagegen. Im Dezember 2016 wurde ich spontan schwanger, was mir am allermeisten Angst gemacht, weil ich dachte, die Umstände und ich selbst würden nicht passen. Daraufhin hörte in der 9. SSW das Herz auf zu schlagen und ich hatte eine Ausschabung. Wahrscheinlich hatten meine negativen Gedanken nichts damit zu tun, es vergeht aber kaum ein Tag, an dem ich mir keine Selbstvorwürfe mache. Umso mehr weil es nach 1 jähriger Pause auch nach 16 Monaten nicht mehr klappen will...

    Für mich bedeutet Angst das Gegenteil von Liebe. Du lebst mit deiner Angst, liebst dich selbst nicht und kannst auch die unmittelbare Nähe und Liebe nicht zulassen, weil die Angst immer dazwischen steht.
    Der Moment, wenn du die Angst loslässt oder sie dich loslässt, ist wie aus Fesseln befreit werden. Vor dir liegt plötzlich die Welt, nach der du dich eigentlich sehnst, die dir aber auch Angst machte... Und es fühlt sich schön an.

    Ich habe auch gelernt, dass man manchmal das Risiko eingehen muss, seine Angst zu konfrontieren, damit man im Leben weiter kommt. Quasi eine positive Erfahrung drüber legen, dafür muss man aber ganz sicherlich seine negative Brille abnehmen und selbst etwas positiver werden.

    Ich bin genauso verkopft, weiß aber inzwischen, dass ich keine Angst haben brauche, weil ich mein Kind schließlich lieben werde. Und dafür nehme ich Wege in Kauf, die mir womöglich Angst machen. Das Gefühl von Liebe ist einfach stärker. Und das war im Dezember 2016/Januar 2017 nicht so...

    • (14) 03.04.19 - 22:03

      Ganz vielen herzlichen Dank für die vielen Antworten, vorallem an die letzten Beiden, die geantwortet haben!

      Ihr habt mir - vermutlich gar nicht mal bewusst - einen wirklich wichtigen Impuls und Denkanstoß gegeben, den ich in all dem Chaos fast vergessen hätte.

      Meine Ängste entsprechen und wachsen auch häufig, wenn ich denke, dass viele Erwartungen an mich geknüpft sind. Die entstehen beispielsweise beim Anblick meiner vielen Freundinnen (die alle, wie mein Partner etwas älter sind als ich) und die in der letzten Zeit, alle Kinder bekommen. (Auf die ich gerne aufpasse und mich über deren zahnloses Lächeln und Versuche meinen Namen auszusprechen wahnsinnig freue.) Wenn ich dann meinen Eltern vom Kinderhüten erzähle, kommt häufig die Frage "Und wann ist es bei euch denn soweit? Wir würden uns so über Enkelkinder freuen." (Was auch der Tatsache geschuldet ist, dass meine drei älteren Geschwister keinerlei Anstalten diesbezüglich machen und Beziehungen eher meiden). Und mein Partner, der sagt "Ja, ich möchte schon irgendwann leibliche Kinder."

      Auch, wenn ich mir das nicht eingestehen möchte, macht mir das unglaublichen Druck... Irgendwelche festgesetzten Vorstellungen davon, wie eine Familiengründung aussehen soll und dass ich was das angeht, so gar nicht dem Ideal entspreche was gesellschaftlich vorgelebt wird oder ich meine bei meinen Freundinnen zu erkennen.
      Diese Erkenntnis war für mich gerade unglaublich hilfreich. Dass das die Erwartungen von anderen sind und ich diesen nicht entsprechen muss. Und dass mein Kinderwunsch eben über die Erwartungen von anderen hinausgeht, sondern ein persönlicher ist... um es mit meinem übermäßigen Bedürfnis an Kontrolle zu sagen: Etwas, was ich dringend möchte und deswegen willentlich herbeiführe. Es muss nicht aussehen, wie bei anderen. Eigentlich wirklich simpel und von außen betrachter vielleicht unbedeutend, aber ich habe es irgendwie vergessen, weil ich mir selber solchen Druck auferlegt habe, dass das alles was ich denke unnormal ist und gar nicht existieren darf. Das ist schon wirklich mehr, als ich mir erhofft habe, beim Schreiben dieses Beitrags.

      Die Frauenärzte und das Geburtspersonal sind letztendlich nur dazu da, um mir über die Ziellinie zu helfen - auch wenn das Potential für zugefügten Schaden da ist. Und letzteres wohl noch etwas Zeit braucht. Im Moment bin ich mir noch unklar, wie ich die Courage haben soll, dieses Vertrauen wieder zu schöpfen.
      Aber von jemanden anderen zu hören, der seine Angst überwinden konnte, ist unglaublich hilfreich und ich bin über alle Maßen dankbar.

(15) 04.04.19 - 21:53

Liebe Lena,

tut mir leid, ich habe nicht Deinen ganzen Bericht gelesen, war mir zu lang. Ich bin selber vom Fach, da ist es nicht leicht, eine OP zu haben oder kranke Kinder, die auf das Wissen und können von Ärzten angewiesen sind. Auch ich selbst habe schon wirklich seeehr negative Erfahrung mit Ärzten, Schwestern... gemacht. Nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei einem meiner Kinder (das finde ich persönlich noch viel schrecklicher, man kommt sich absolut hilflos vor, fühlt sich als Mutter als absoluter Versager, da man sein Kind nicht beschützen konnte)
Aber ich habe auch das Gegenteil erlebt: Ärzte, die sie viel Zeit nehmen, die für einen selbst und besonders für das Kind kämpfen, Überstunden machen, die Freizeit opfern, auf Kongressen ganz bewusst diese Kollegen ansprechen, die dem Kind Unrecht getan haben...
Wie in jedem Beruf gibt es auch in Krankenhäusern und Arztpraxen A....löcher und Menschen, denen man um den Hals fallen könnte. Ich kann dir nur raten, nicht alle Ärzte, alle Schwestern, alles OP-Personal in einen Topf zu werfen! Mein Kind war nach solch einer falschen Diagnose und falschen Behandlung schwer traumatisiert, hat lange Zeit Psychotherapie gebraucht. Aber wir konnten diese schrecklichen Erlebnisse verarbeiten und hinter uns bringen. Die Angst vor Ärzten ist vorbei, wir haben beide jetzt ein ganz neues, viel intensiveres Selbstbewusstsein. Letztendlich sind wir dadurch stärker geworden.
Lass dich auf solch eine Therapie ein, lass es zu, dies zu überwinden und daran zu wachsen! Alles Andere bringt nicht nur Deine Kinder, sondern letztendlich auch dich um!
Liebe Grüße und viel Erfolg,
Lexa

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