Spenden?

    • (1) 20.04.19 - 00:15
      Ja oder nein

      Hallo
      Ich hatte heute eine Diskussion mit einer Freundin, es ging um das Thema Organspende/Knochenmarkspende.
      Sie war der Meinung, dass ein Mensch "vollständig" begraben werden muss. Dabei ist sie gar nicht gläubig. Wenn jemand streng gläubig ist, könnte ich es zumindest ein Stück weit verstehen.
      Ich sehe es so, dass ich nichts mehr brauche wenn ich tot bin und es doch schön ist, anderen noch zu helfen. Gerade weil man selbst dafür auf nichts verzichtet. Ob die Organe nun in der Erde vergammeln oder im besten Fall noch 10 Leuten das Leben retten, ist für mich ein riesen Unterschied. Und ich bin auch gläubig und ich glaube nicht, dass ich in meinem nächsten Leben noch Dinge meines jetzigen Lebens brauchen werde.
      Bei der Knochenmarkspende könnte so viel schief gehen und man wüsste ja nie was passiert. Ja es kann was schief gehen. Aber ich kann auch morgen blöd stolpern und unglücklich fallen und bin auch tot. Das Leben ist lebensgefährlich.

      Man sieht so oft Aufrufe in sozialen Medien wo Stammzellspender gesucht werden und ich denke dann immer, hoffentlich trifft es uns niemals dass wir jemanden suchen müssen. Und wenn doch, wie kann ich von anderen erwarten etwas zu tun, wozu ich selbst nicht bereit bin?

      Also würden diejenigen die selbst nicht Spenden möchten auch für ihr Kind eine Spende ablehnen wenn dadurch sein Leben gerettet werden kann?

      • (2) 20.04.19 - 00:38

        Hallo,

        ich trage einen Organspendeausweis mit mir, das Kreuz habe ich bei "Nein" gesetzt. Nicht weil ich "komplett" begraben werden möchte, sondern weil ich die Chance haben möchte, beim Sterben in den Armen gehalten zu werden. Gleiches gilt für meine Kinder. Ich möchte sie ggf. in meinen Armen halten, wenn sie sterben. Ist man Organspender, ist das nicht möglich.

        Mit der Lebendspende habe ich auch so meine Probleme. Ich würde für Menschen, die mir nahestehen, meinen Mann oder meine Kinder spenden. Für Fremde würde ich das gesundheitliche Risiko nicht auf mich nehmen.

        Ich selbst möchte keine Spenderorgane von Fremden. Ob ich das für meine Kinder ablehnen würde, weiß ich nicht. Ich habe schon oft darüber nachgedacht. Da würde ich mich wohl in einer extremen Zwickmühle befinden. Im Zweifelsfall würde ich mich wahrscheinlich für eine lebensrettende Spende entscheiden. Aus dem Bauch heraus. Weil ich auch nur ein Mensch bin. Zudem werden die Organe ja niemandem entnommen, der sich gegen eine Spende entschieden hat.

        LG

        • (3) 20.04.19 - 10:13

          Selbstverständlich ist es auch einem Organspender möglich, beim Sterben in den Armen gehalten zu werden. Erschreckend, wie uninformiert manche sind!

          • (4) 20.04.19 - 10:37

            "Erschreckend, wie uninformiert manche sind!"

            Das kann ich nur zurückgeben. Du solltest dich informieren.

            Als Spender muss man an Maschinen am Leben erhalten werden. Ist man erst mal tot, werden die Organe ja nicht mehr durchblutet. Somit sind sie unbrauchbar.

            • (5) 20.04.19 - 10:49

              Aber wenn dann die Organe entnommen sind, werden die Maschinen abgestellt, und der Spender stirbt. Warum sollte er dann nicht in den Arm genommen werden können, wenn die Angehörigen das wünschen?

              • (6) 20.04.19 - 10:52

                Ich merke grad, dass ich Schwachsinn geschrieben habe. Selbst krank und ein krankes Kleinkind zu Hause ist ne blöde Kombi....

              • Aber die Angehörigen dürfen doch nicht mit in den OP und bei der Entnahme dabei sein, oder? #kratz

                Die Maschinen laufen, bis die Entnahme vollendet ist (im OP). Wenn der Leichnam aus dem OP raus kommt ist er endgültig tot. Wie und wann sollte man ihn da als Angehöriger begleiten können? #gruebel

                • In den OP wird bereits ein Leichnam gebracht, die Organe werden nur weiter künstlich weiter erhalten. Der Mensch selbst ist längst tot, sonst dürfte man keine Explantation durchführen, der Hirntod wurde vorher festgetellt und damit ist der Mensch bereits verstorben.

                  • Das ist mir schon klar, dass der Mensch in diesem Moment als LEICHNAM gesehen wird.
                    Aber, wer sagt mir, dass nicht doch noch irgendwo im Hirn ein Funke Schmerzempfinden "wach ist"?
                    Warum werden in manchen Kliniken während der Entnahme Narkosemittel verabreicht - in anderen widerum nicht?#zitter

                    Das ist halt MEINE Angst. Kann auch nichts dafür. Und ich denke, dass es die selbe Angst ist, die die vielen anderen Menschen von einer Spende abhalten.

                    Mit "Glauben" hat das m.E. nichts zu tun. Bin zwar nicht bibelfest, aber ich wüsste nicht, wo es stehen würde, dass man keine Organe spenden dürfte.#gruebel

                    (10) 20.04.19 - 12:08

                    Das ist eben umstritten. Du schreibst das so, als sei das eine unangefochtene Tatsache, dabei sind sich nicht mal Experten einig und immer feinste Messgeräte bringen Hinweise ans Licht, die bestätigen, was so mancher Experte schon immer vermutet hat.

                    Für mich ist ein Mensch erst tot, wenn sein Herz nicht mehr schlägt, dir reicht die Diagnose Hirntod. Das ist in Ordnung für mich, so lange du mir meine Meinung lässt.

                    Es ist wie bei der Frage nach dem Beginn menschlichen Lebens. Was für den einen "nur" ein Zellhaufen ist, ist für den anderen schon Leben.

                    • (11) 20.04.19 - 12:22

                      Das heißt umgekehrt ist ein Mensch mit einem Berlin Heart (Kunstherz) tot weil sein Herz ja nicht mehr schlägt?

                      In der Tat ist FÜR MICH das was einen lebenden Menschen ausmacht nicht ein Muskel der regelmäßig vor sich hinzuckt, sondern tatsächlich sein Empfinden, welches vom Hirn koordiniert wird. Das ist, was ich nach doch einigen Jahren Arbeit mit Intensivpatienten mitgenommen habe. (Sowohl diejenigen betreut, die hirntot waren als auch diejenigen, die lange verzweifelt auf Organe gewartet haben, an verschiedenen Orten allerdings). Übrigens mit einem Chef, der absoluter Experte ist und auch an Leitlinien etc. mitarbeitet, also doch ein bißchen Ahnung von der Materie hat. Welche feinsten Messgeräte sind das denn?

                      • (12) 20.04.19 - 15:08

                        Ach Mensch, vielleicht drücke ich mich einfach zu ungenau aus. Natürlich lebt ein Mensch auch mit Kunstherz. Ein Mensch, dessen Herz nicht mehr schlägt, egal ob nun das eigene, ein Kunstherz oder ein Spenderorgan. Ein Mensch der nicht mehr atmet. Eben ein Mensch, der nicht mehr lebt.

                        Jemand der an Maschinen hängt und am Leben erhalten wird, ist für mich nicht tot. Das ist doch gar nicht so schwer zu verstehen, oder? "Am Leben erhalten" impliziert doch schon, dass derjenige nicht tot ist. Hirntod vielleicht, aber eben nicht tot so wie ich das verstehe.

                        Ich sage auch nicht, dass ein Hirntoter etwas fühlt, aber es ist nicht 100% sicher. Selbst Mediziner sind sich da nicht einig. Natürlich findest du auch Experten, die von der Todesdefinition des Hirntodes überzeugt sind. Diese Definition wurde ja nicht Bauarbeitern eingeführt. Es gibt aber auch Mediziner, die diese Definition ablehnen.

                        Wenn ich hirntod bin, möchte ich übrigens nicht mit Maschinen am Leben erhalten werden. Ich bin gar nicht per se gegen diese Definition. Ich möchte aber, dass meine Familie meine Hand halten kann, wenn sie das möchte, und ich würde die Hand meines Mannes oder meiner Kind halten wollen, wenn die Maschinen abgeschalten werden. Danach möchte ich wenn möglich vielleicht noch Zeit am Bett des Toten verbringen können. Das ist bei jemandem, der Organe spendet nunmal nicht möglich. Daher sind wir keine Spender und das ist doch unser gutes Recht. Ich behalte die Organe nicht, weil ich sie nimand anderem gönne. Wäre eine Entnahme möglich, nachdem die Maschinen abgeschaltet sind und einige Zeit zum Trauern gegeben werden konnte, hätte ich überhaupt kein Problem damit.

                        (13) 20.04.19 - 18:33

                        Hi,
                        Wie läuft es denn ab,wenn die Organe entnommen wurden?
                        Wenn es bei euch gemacht wurde,kannst du es mir bestimmt erklären.
                        Grüße Tanja

            (14) 20.04.19 - 11:34

            Es ist ja nun kein großes Geheimnis, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen irreversiblem Hirnausfall/ Hirntod und künstlich aufrechterhaltenem Durchbluten der Organe gibt! Meine Güte, lies im Internet nach, besorg dir Fachbücher oder sprich mit einem Facharzt. Das ist ja nun nicht so schwer zu verstehen.

            • (15) 20.04.19 - 11:59

              Für mich ist ein Mensch tot, wenn sein Herz nicht mehr schlägt. Dabei macht es für mich keinen Unterschied, ob das aus sich selbst heraus geschieht oder durch Maschinen.

              Der Hirntod wurde von Menschen erfunden, damit man Organe entnehmen darf.

              Selbst unter Medizinern ist der Hirntod umstritten. Es gibt Hinweise, dass Hirntote noch Schmerz empfinden. In manchen Kliniken werden Hirntote vor der Organentnahme unter Narkose gesetzt.

              So klar ist die Sache also nicht. Du musst meine Meinung dazu aber nicht teilen.

              • (16) 20.04.19 - 14:29

                Der Hirntod wurde von Menschen erfunden, um Organe zu entnehmen?
                Ähm ja, wie soll man gegen einen Verschwörungstheoretiker noch mit fachlichen Argumenten ankommen. Egal, es gibt ja auch Menschen, die glauben, dass Elvis noch lebt...
                In diesem Sinne: fröhliche Ostern!

                • (17) 20.04.19 - 14:53

                  Jetzt schießt du dich wirklich selbst ins Abseits. Du hast dich anscheinend wirklich noch nie richtig mit dem Thema auseinandergesetzt, wirfst mir aber Verschwörungstheorie vor. Vielleicht willst du mich einfach auch absichtlich falsch verstehen.

                  Vielleicht drücke ich mich auch einfach zu kompliziert aus. Ich weiß es nicht. Ich habe auch wenig Lust jetzt dieses und jenes rauszusuchen, daher verzeih, wenn ich dir einfach nur Wikipedia zitiere.

                  "Beim Begriff des Hirntods handelt es sich um eine Todesdefinition, die 1968 im Zusammenhang mit der sich entwickelnden Intensiv- und Transplantationsmedizin eingeführt wurde."

                  Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hirntod#Hirntod_als_Tod_des_Menschen

                  Das meinte ich mit "der Mensch hat den Hirntod erfunden". Es gibt verschiedene Todesdefinitionen. Wie viel ein nach heutiger Definition hirntoter Mensch noch empfindet, ist - auch unter Fachleuten - umstritten.

                  Dir auch frohe Ostern ;-)

                  • (18) 20.04.19 - 22:40

                    Es wäre eigentlich lustig, was du schreibst, wenn es nicht so gefährlich wäre, solchen Unsinn zu verbreiten, weil es immer irgendjemanden gibt, der genauso uninformiert ist und den Stuss glaubt.

                    Wenn du schon als seriöse Quelle ausgerechnet Wikipedia zu Rate ziehst, solltest du vielleicht deine „Quelle“ komplett lesen und nicht nur die obersten 3 Zeilen! Dort steht nämlich u.a.:
                    „Damit hat der Gesetzgeber keine Definition des Todes vorgenommen, sondern den Gesamthirntod lediglich als notwendige Bedingung für die Organentnahme festgeschrieben.“ Im Folgenden weiter ausgeführt und durchaus lesenswert, wenn du schon keine fachlichen Quellen zu Rate ziehst.

                    • (19) 21.04.19 - 13:02

                      "Wenn du schon als seriöse Quelle ausgerechnet Wikipedia zu Rate ziehst"

                      Du hast anscheinend Schwierigkeiten mit dem Leseverstehen, sonst hättest du das oben zitierte nicht geschrieben.

                      Das, was weiterhin zu lesen ist, ändert auch nichts daran, wie ich den Hirntod bewerte und wie auch andere ihn bewerten. Du willst mich absichtlich falschverstehen und wirst beleidigend. Darauf habe ich keine Lust. Du musst meine Meinung nicht teilen und ich deine auch nicht.

    (21) 20.04.19 - 00:39

    Hallo!

    Ich finde das muss jeder für sich entscheiden. Allerdings sollte man sich wirklich Gedanken darüber machen, wie man selbst entscheiden würde wenn man selbst schwer erkrankt ist oder das Kind, der Ehemann usw.
    Würde man die Hilfe dann annehmen? Ich habe diese Frage für mich mit einem klaren ja beantwortet. Darum habe ich einen Organspendeausweis und bin auch bei der DKMS registriert. Ich finde man sollte von anderen nichts verlangen zu dem man selber nicht bereit ist.
    Aber es ist einfach ein schwieriges Thema und viele haben auch einfach Angst und entscheiden sich deswegen gegen eine Spende.
    LG Laila

    • (22) 20.04.19 - 00:44

      "Ich finde man sollte von anderen nichts verlangen zu dem man selber nicht bereit ist."

      Ich verlange von niemandem etwas, wenn ich Spenderorgane annehme. Jeder entscheidet selbst, ob er spendet oder nicht.

      Bei der Entscheidung für sich selbst ist es noch recht einfach, finde ich. Für meine Kinder zu entscheiden finde ich schon schwieriger. Muss oder soll, ja darf ich ihnen überhaupt Spenderorgane vorenthalten, nur weil ich nicht bereit bin zu spenden?

      • (23) 20.04.19 - 00:52

        Nein so war das auch nicht gemeint. Ich wollte damit nur erklären wie ich zu meiner Entscheidung gekommen bin. Wie gesagt es ist ein sehr schwieriges Thema. Ich habe für mich so entschieden. Mein Mann ist auch kein Spender,er akzeptiert meine Entscheidung und ich seine.

    (24) 20.04.19 - 15:12

    Das denke ich auch! Da man ja in Zukunft per se als Organspender gelten soll wenn man dem nicht wideruft sollte auch gleich klar sein dass die Menschen welche gesund sind und nicht spenden wollen, auch keine Organspende erhalten sollten. Bei kranken Menschen die nicht spenden können ist das wieder anders.
    So fände ich es richtig. Wer Spender sein möchte darf auch empfangen, wer was ablehnt sollte auch nix erhalten!

    Dann gibt es auch keine weiteren Diskussionen mehr und da man ja bald aktiv ablehnen muss wenn man es nicht möchte, gibt es auch gleich ne Datenbank wer eben auch keine Organe bekommen kann!

Hey,

Ich finde, dass auch die Meinung der Angehörigen eine Rolle spielt. Meine Mutter starb als ich 20 war und musste obduziert werden. Diese Vorstellung hat mir ziemlich zugesetzt, so dass ich heute denke, meine Angehörigen sollten das entscheiden können. Das geht aber auch nur, weil es für mich selbst in Ordnung wäre, meine Organe zu spenden. Allerdings kann man ja nun wirklich viele Teile des Körpers spenden bis hin zur Hornhaut des Auges. Und ich weiß genau, dass ich das bei meinen engsten Angehörigen schrecklich finden würde und ich damit länger zu tun hätte.

Liebe Grüße

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