Leidet ihr unter Angststörungen?

    • (1) 09.09.19 - 21:05

      Hat hier jemand mit Phobien oder Panikattacken etc. Zu kämpfen?

      Ich leide seit 2014 unter Emetophobie, habe also panische Angst zu erbrechen. Mittlerweile ist es nicht mehr die Angst vor dem Übergeben, sondern die Angst vor der Angst.

      Durch meine sehr lebhafte Fantasie kann ich mir schnell Dinge einbilden und habe seit meiner Kindheit abends Bauchschmerzen, die keine organische Ursache haben.

      Die Angst kommt manchmal ohne Auslöser, beim Autofahren, auf der Arbeit oder im Fahrstuhl. Meist aber, wenn ich nicht fliehen kann.

      In Bezug auf meiner Tochter wird es bei jedem Übergeben besser.

      Aber manchmal bin ich am Boden und halte es nicht mehr aus. Ich habe manchmal mehrere Panikattacken am Tag und dann immer diese eingebildeten Bauchschmerzen. Ich will dann einfach nicht mehr.

      In Therapie war ich schon sehr oft seit meiner Kindheit.

      Dadurch und durch meine Ausbildung bessert sich immer mehr der Umgang mit Mitmenschen. Früher war mir alles peinlich, ich hatte sehr starke Angst, etwas falsch zu machen/sagen. Allerdings habe ich immer noch Angst vor Kritik und wenn ich auf der Arbeit mal kritisiert werde, bin ich sehr aufgewühlt und manchmal verschwinde ich dann auf die Toilette und Weine.

      Welche Ängste habt ihr und habt ihr Strategien zur Bewältigung?

      • (2) 09.09.19 - 21:16

        Meine Strategie gegen Ängste ist :
        1. Ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen
        2. Mich fragen. Was die Angst mir sagen will.
        3. Mich ernsthaft fragen, was das allerschlimmste wäre, was passieren könnte. Und ob ich damit umgehen könnte. Meist könnte ich das oder hab es schon.

        So komplett irrationale Ängste hab ich daher seit ich daran arbeite nicht mehr. Meine Lebensqualität ist enorm gestiegen.

        Was ist so schlimm am Erbrechen? Ich sage mir, das ist eine normale körperliche Reaktion, die mich vor einer Vergiftung o.ä. schützt. Danach geht es mir in 99% der Fälle viel besser als vorher.

        • (3) 10.09.19 - 06:20

          Danke und es freut mich, dass du diese Strategien für dich nutzen konntest 🙂

          Beim Erbrechen ist das Problem der Kontrollverlust und das andere es sehen könnten und mich bloßstellen. Ich verstecke generell, wenn ich krank bin, da ich nicht schwach sein möchte.

          • (4) 10.09.19 - 08:49

            Ich bin kein Psychologe und auch kein Mediziner, aber, wenn dein Problem der Kontrollverlust ist, dann müßte man ja da ansetzen und nicht beim erbrechen, oder?

            Also, wenn man nun sagt, man hat Angst vor Ohnmacht, weil man Angst vor Kontrollverlust hat, dann klingt das für mich logisch, weil dann verliert man ja wirklich die Kontrolle.

            (Aber Ängste sind ja oft nicht logisch)

      Strategie: kleine Schritte vorwärts und stolz sein drauf.
      Fals eine Panikattacke Auftritt versuchen durchzuatmen und daran denken was man schon geschafft hat.

    (7) 09.09.19 - 21:33

    Ich habe Angst vor lautem Knallen, nennt sich in Fachsprache Ligyrophobie...

    Ganz schlimm ist es an Silvester, da würde ich mir am liebsten eine Decke über den Kopf ziehen und dort bleiben... Wir feiern meistens nur unter uns, ab 23 Uhr gehe ich nach Möglichkeit nicht mehr raus und das Feuerwerk schauen wir aus den Dachfenstern aus dem Schlafzimmer an, das ist mein sicherer Hafen... Nur so geht es... Nur arbeite ich in der ambulanten Pflege, was natürlich bedeutet, dass ich auch mal an Silvester arbeiten muss... Bisher wurde es akzeptiert, dass ich dann keinen Spätdienst mache, ich hoffe, das bleibt auch so...

    Durch meine Angst wachsen unsere Kinder auch nahezu frei von Luftballons aus, die könnten schließlich platzen... Ab und zu schaffe ich es nicht, einen geschenkten Luftballon zu verhindern, den müssen die Kinder dann aber in ihrem Zimmer beherbergen und er darf nicht in meine Nähe kommen... Ich werde starr und vergrabe meinen Kopf vor lauter Angst...

    Donner und knallende Türen gehen mittlerweile, Silvesterknaller und Luftballons sind wirklich am schlimmsten...

    Dann habe ich noch unerklärliche Angst vor Feuer... Ich kann zwar zu Lager- oder Osterfeuer gehen, gehe dann aber nicht dicht ran und ich weiß 100%, dass ich dann nachts Albträume davon habe, teilweise sogar, wenn ich irgendwas mit Feuer im Fernsehen sehe... Als wir in unser Haus gezogen sind, stand hier ein Kaminofen, der war so ziemlich das erste, was zu Kleinanzeigen ging... Niemals würde ich mit einem Kamin heizen, ich würde keine ruhige Nacht mehr verbringen...

    Erbrechen kann ich auch nicht wirklich ausstehen, aber eher, weil ich mich dann direkt daneben stellen könnte #schein Es ist nicht direkt Angst, sondern eher Ekel davor... Damit kann ich leben, unsere Mittlere ist zwar sehr empfindlich mit dem Magen, macht das alles mittlerweile aber überwiegend allein, wenn ihr schlecht wird... #schein Sie weiß, dass ich sonst gleich mit einsteigen würde...

    Ich mache bisher nichts gegen meine Ängste, außer die Auslöser möglichst zu vermeiden... Allerdings schränkt mich das auch nicht großartig im Alltag ein, es sind ja wirklich größtenteils vermeidbare Dinge, vor denen ich mich fürchte...

    LG

    • (8) 09.09.19 - 21:37

      Ich finde ja das unkalkulierbare knallen vor dem Silvester Abend viel nerviger, als die knallerei an 12. Da kann man sich ja drauf einstellen.

      • (9) 09.09.19 - 21:42

        Ich an sich auch, ich fühle mich draußen auch überhaupt nicht wohl, aber was tut man nicht alles für die Kinder?

        Ich stehe, wenn ich denn rausgehe, meistens so, dass ich irgendwas im Rücken habe, damit nichts unverhofft von hinten ranfliegen kann... Unsere Kinder beschränken sich auf Kinderknallerei und sobald ich eine Menschengruppe draußen sehe, bin ich sofort drin... Wir wohnen zum Glück in einem recht ruhigen Wohngebiet...

        Sollte es doch mal so sein, dass wir irgendwo eingeladen werden, habe ich immer die "Der Hund fürchtet sich!"-Ausrede, die arme Olle kann ja schließlich nicht allein bleiben... #hicks Hat bisher immer funktioniert...

    (10) 09.09.19 - 22:54

    Warst du schon mal in Therapie? Mich würde nämlich interessieren woher diese panische Angst vor Feuer kommt. Ich hatte damit auch etliche Jahre zu kämpfen. Ich lag abends im Bett und hatte panische Angst, dass es brennen könnte und habe überall Brandursachen gewittert. Ich habe nie irgendwelche schlechten Erfahrungen mit Feuer gemacht oder etwas traumatisches in die Richtung erlebt. Mittlerweile ist diese Angst bei mir völlig verschwunden, ohne, dass ich irgendwas gemacht habe. Dennoch interessiert es mich woher das gekommen ist. Ich hatte das bestimmt über 10 Jahre.

    • (11) 10.09.19 - 07:56

      Ich habe auch nie was mit Feuer erlebt, ich kann gar nicht sagen, woher das kommt... Als Kind habe ich auch oft im Bett gelegen und geweint, weil mein Eltern geraucht haben und ich Angst hatte, dass dadurch was passiert... Vielleicht kommt es daher, keine Ahnung...

      Nein, in Therapie war ich bisher nicht, da ich ja auch sowas vermeiden kann... Wie gesagt, der Kaminofen flog umgehend raus, aufs Osterfeuer gehe ich zwar, aber bleibe eben in einem für mich akzeptablen Sicherheitsabstand und in den letzten Jahren hatte ich durch unsere Kleinste da auch wieder die perfekte Ausrede, die ist nämlich ein Wirbelwind und wenn die ans Feuer rennt... #schein

      Wir waren letztes Jahr im Urlaub in Dänemark, da konnten wir sogar mit dem Kamin heizen... Ansonsten hätten wir mit Strom heizen müssen und das ist natürlich irre teuer, daher ging es... Da unsere Lütte auch krank war, war ich vielleicht auch abgelenkt und hatte andere Sorgen, vielleicht lag es auch daran... Aber dauerhaft mit Kamin heizen könnte ich nicht, ich würde vor Panik kein Auge zu kriegen...

      (12) 10.09.19 - 10:17

      Also.... ich glaube daran, dass wir mit unseren Genen auch sowas wie Erinnerungen mit bekommen. Also, ich würde mal nachforschen, ob es jemanden n der Familie gab/gibt, der ein traumatisches Erlebnis mit Feuer hatte...

(13) 09.09.19 - 22:57

Bei mir kommen zu den Böllern und Luftballons auch noch Sektkorken und (klar) Schusswaffen. Witzigerweise liebe ich Gewitter, da darf es ruhig knallen, so viel es will.

  • (14) 10.09.19 - 08:00

    Sektkorken sind auch fies, aber hier trinkt niemand Sekt, das ist also auch okay...

    Zu Schusswaffen habe ich in einer anderen Antwort schon geschrieben, ich geriet letztens in eine muslimische Hochzeit, das war unschön, aber da konnte ich mich auch recht fix fangen und war auch schnell abgelenkt...

    Ich habe da vermutlich den richtigen Weg für mich gefunden, indem ich Situationen vermeide, in denen meine Angst auftritt... Das geht ja leider nicht mit allen Ängsten, da bin ich schon ganz froh, dass es mir so möglich ist...

    • (15) 10.09.19 - 14:29

      Ich machs anders herum, ich bin auch an Silvester schon bewusst rausgegangen und hab selbst eine Rakete gezündet. Nur bei Luftballons in Richtung meines Gesichts werd ich panisch, das krieg ich nicht gebacken. ;-) Hab aber generell keine Lust, mich von dem Blödsinn einschränken zu lassen.

(16) 10.09.19 - 10:22

Schusswaffen... ich meine, das sind ja reale Ängste. Die finde ich ziemlcih normal. Ich hasse es auch, wenn an Silvester mit diesen Schußpistolen gefeuert wird. Abartig finde ich das.

  • (17) 10.09.19 - 14:31

    Böller sind auch real gefährlich, ebenso Sektkorken. Kann einen beides schmerzhaft treffen. ;-) Es geht ja nicht um die Tödlichkeit dabei, sonst wären Luftballons nicht das Problem. Zumindest bilde ich mir ein, dass es da einen Zusammenhang gibt bei mir. PENG - AU!

    • (18) 10.09.19 - 15:35

      Das stimmt.... ich assoziere damit Krieg/Bobenalarm usw. Also ich mag das geknalle und gedonnere auch nicht. Was ich am Feuerwerk mag sind die Leuchtraketen.

      Ich meine, meine Großeltern haben die Krieg noch live erlebt und eben auch viel erzählt, als wir Kinder waren.... die Generation der Jungen Leute kennt ja selten noch jemanden persönlich, der den Krieg überlebt hat und bis heute noch etwas davon erzählen könnte.

      • (19) 10.09.19 - 21:06

        Meine Mutter ist 1940 geboren und saß als Kind im Bunker. Sie hat Probleme, wenn im Dorf die Sirenen losheulen, da zieht sich ihr alles zusammen, es ist aber keine Phobie, nur ein Trigger. Silverster macht ihr nichts aus, da tröstet sie ihren Hund und bleibt sowieso drin, weil sie meistens dann sowieso lieber TV sieht. ;-)

(20) 10.09.19 - 06:22

Danke für deine Offenheit! Von der Angst habe ich noch nie etwas gehört, das muss echt belastend sein, zumal es draußen ja jederzeit knallen kann. Hast du auch Probleme mit Krankenwagen mit Martinshorn? Oder nur ein Knallgeräusch?

Hast du bei den Ballons auch Angst vor dem generellen Platzen? Das kann ich zb. Überhaupt nicht leiden.

  • (21) 10.09.19 - 07:49

    Andere laute Geräusche finde ich nicht schlimm, gerade das Martinshorn ist für mich eher vertraut, ich habe jahrelang neben Krankenhäusern gewohnt... Es beschränkt sich wirklich nur auf Knallgeräusche und da mittlerweile auch fast ausschließlich auf Feuerwerk (wobei ich mir ein gutes gezielt gezündetes Feuerwerk sehr gerne ansehe) und auf Luftballons...

    Wie gesagt, ich fühle mich eigentlich nicht sonderlich eingeschränkt dadurch, da ich die meisten Situationen ja selber vermeiden kann... Klar, wenn es draußen mal irgendwo knallt, bekomme ich auch kurz Herzrasen, aber das beruhigt sich auch schnell wieder...

    Eine Situation hatte ich letztens während der Arbeit, da musste ich auch kurz rechts ranfahren und mich wieder beruhigen... Ich stand Samstags Abends an der Ampel und habe schon von weitem durch Hupen gehört, dass eine Hochzeitsgesellschaft von irgendwo kommt... Die fuhren dann auch an mir vorbei, allerdings habe ich nach einigen Autos dann gemerkt, dass es eine muslimische Hochzeit war, direkt neben meinem Auto wurde dann nämlich aus dem Fenster raus mehrfach in die Luft geschossen... #schock Das war dann auch wieder so ein Decke über den Kopf-Moment für mich, aber ich konnte zum Glück recht schnell in den Arbeitsmodus zurückfinden und hatte auch zum Glück nicht mehr viel zu tun, wo ich mich groß konzentrieren musste...

    Solche unverhofften Dinge sind natürlich blöd, weil es unkontrollierbar für mich ist, aber wie oft passiert sowas schon...

Ich habe eine Panikstörung entwickelt durch Herzrasen, was eine Panikattacken immer schlimmer machte woraus schließlich auch die Angst vor der Angst entstand.

Ich bin mit Anfang 20 mit einem Ruhepuls von 170 und einen Blutdruck von 200/120 ins Krankenhaus gekommen: das war wohl meine erste unbewusste Panikattacken, ich dachte wirklich ich sterbe/habe was mit dem Herzen.
Es folgten Behandlungen mit Beta Blocker und etlichen Arztgängen... Bis ich meinen heutigen Arzt getroffen habe und eine tolle Heilpraktikerin und endlich verstand dass es psychische bedingt ist.

Ich hatte irgendwann Angst Sport zu treiben = Herz schlägt natürlich schneller = Panikattacken.
Kinos gingen kaum, Menschenmenge schonmal gar nicht, Urlaube habe ich heimlich nach Orten bzw Hotels geschaut welche immer ein Krankenhaus in der Nähe hatten usw... .

Mein Arzt schickte mich schließlich in die Reha, dort wurde ich komplett durchgecheckt, unter ärztlicher Aufsicht ging es zum Sport und ich hatte ein tolles Programm wo ich meine Körper wieder verstehen lernte.
Die Atemübungen haben mir am meisten gebracht und ich habe eine Entspannungsübung für mich entdeckt: progressive Muskelentspannung.

Ich habe seither sogar meine Flugangst auch in Angriff genommen, habe ein Seminar besucht (bin 16 Jahre nicht geflogen)
Hatte immer Angst im Flugzeug eine Panikattacken zu bekommen, Kontrollverlust, die Höhe....
Hey... bin mittlerweile mit meinem Mann im Urlaub geflogen 😁
Also immer auch wieder die Konfrontation suchen! (Sport, Fliegen, Kinobesuche etc)
In Angstsituationen die Atemübungen machen, vorher eventuell die progressive Muskelentspannung.

Ja ich würde sagen, die Atemubung etc sind Hilfsmittel, aber die Angst besiegt nur die Konfrontation!

Alles Gute. 🍀🍀

  • (23) 09.09.19 - 22:35

    Alles richtig gemacht :-)
    Daumen hoch für dich!
    Das ist nicht überheblich gemeint. Ich versuche täglich meine Angstpatienten soweit zu bekommen und erfreue mich gerade an deinem persönlichen Erfolg.

    Atemübungen sind enorm wichtig, weil eine ruhige regulierte Atmung die körperlichen Symptome wie schneller Herzschlag ect. reguliert. Wer ruhig und gleichmäßig atmet kann keinen schnellen Herzschlag bekommen - das ist physiologisch aufgrund des vegetativen Nervensystems nicht möglich.

    Respekt vor deinem Mut, dich immer wieder den angstauslösenden Reizen zu stellen!
    Da kannst du stolz auf dich sein!

    Ich wünsche dir alles Gute :-)

    • (24) 09.09.19 - 23:00

      Danke dir, das hört man natürlich gerne 😬

      Es ist der absolute Wahnsinn wie sehr man egtl sein normales Leben aufgrund einer Angst einschränken kann 🤷‍♀️

      Schön, dass du "uns" hilfst, auch dafür Daumen hoch 😬👍

Das ist super, dass du das mit dem Fliegen so gut geschafft hast!das gibt mit Hoffnung.

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