Depression und starke Vorwuerfe

Hey, ich muss das nun mal loswerden, ich hab das Gefühl, dass mich niemand richtig ernst nehmen kann. Mein Partner hat sich daran gewöhnt, dass ich viel weine und meine Psychotherapeutin sieht auch immer nur Momentaufnahmen von mir, sie hat total das Gefühl, dass bei mir alles im grünen Bereich sei. Ich weiß, dass solche Online-Depressions-Tests nicht immer glaubwürdig sind, aber es kommt überall raus: schwere Depression.Meine Symptome: am schlimmsten die extreme Erschöpftheit, selbst wickeln ist teilweise zu viel, ich liege so oft ich kann herum; immer wieder Zwangsgedanken, dass mein Kind (9 Monate)mit mir nicht glücklich ist und woanders besser aufgehoben wäre, ich gebe zwar mein Bestes, aber es reicht (für mich) bei Weitem nicht, ständiges Weinen, kompletter Libidoverlust, Schlafstörungen, Berufsleben funktioniert gerade nicht mehr.Mein Partner hilft zum Glück momentan viel und ich will einfach nur die Zeit mit meiner Kleinen genießen, was jedoch nicht gelingt. Langsam steigt auch eine Art Hypochondrie hoch, weil ich manchmal denke, es könnte durch eine Krankheit so extrem sein. Gerade bei diesem Leistungsabfall, den ich verspüre. Manchmal habe ich Panikattacken, weil ich mir etwas einbilde (zB Leukämie). Nun merke ich, dass das alles nicht mehr lange so laufen wird, jeder Tag zieht sich endlos lang. Ich habe den nächsten Termin bei meiner Psychologin Mitte April, das ist noch hin. Ich habe bei einigen Ärzten Termine gemacht, um ggbf. Krankheiten ausschließen zu lassen. Habt ihr noch Ideen, was man machen kann, wenn es akut wird? Ich habe den Verein ,,Licht&Schatten"gefunden, da sind niedergelassene Psychologen in meiner Stadt. ABER: Ich habe schon eine und kann keine zweite Therapeutin bekommen. Meine scheint mir auf dem Gebiet (Depression) leider ziemlich unfähig. Ich denke, dass ich unbedingt Antidepressiva ausprobieren sollte, ich kann es quasi nicht mehr erwarten, irgendetwas zu bekommen, was evtl. Linderung verschaffen kann. Familie hilft auch wo sie kann, aber ich traue mich ihnen nicht mitzuteilen, dass es zumindest für mich nicht ausreicht.Vielen Dank vorab.

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Achso: Gibt es Kliniken oder Kuren, die von der Kasse bezahlt werden? Ich bin schon am überlegen, in eine Tagesklinik oder so zu gehen - aber bitte dann mit meinem Baby.

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Hast du eine Hebamme?
Wie gut kennt sie sich mit Wochenbettdepressionen aus? Kann sie dich an eine Kollegin vermitteln, deren Spezialgebiet das ist?

Hat deine Frauenärztin einen Tipp?

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Länger nicht mehr und die hat mich auch nicht ernst genommen. Da wir in einer - ich sag mal gut betuchten Gegend leben - nahm sie das glaube ich null Ernst. Sie hat sich krank gelacht, als ich einmal sagte, ich will die Fanilienhilfe des Jugendamtes kontaktieren. Nach außen hin wirke ich halt selbstbewusst und stark, keiner würde so schnell glauben, wie es mir geht. Wenn es um mein Kind geht, legt sich auch schnell ein Schalter um. Weil ich einfach nicht will, dass sie mir weggenommen wird oder so...sprich, dass was ich hier geschrieben habe, wird mir unfassbar schwerfallen, auszusprechen.FA Termin kriege ich momentan nicht. Total dreist, hab nämlich auch ein anderes Problem seit letzter Woche und ich kann mir jedes Mal anhören, dass wegen Corona keine Termine frei wären.

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Und meinst du, das kann nach 9 Monaten noch eine Wochenbett-Depression sein?

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Bitte lass dich zuerst körperlich durchchecken !

Ich musste nach den Kindern immer Eisen hochdosiert nehmen !
Nehme auch jetzt noch immer Nahrungsergänzungsmittel.

Auf die Psyche kann man es immer noch "schieben "

LG

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Vielen Dank (-:

Nach der Geburt war mein Eisenwert nur noch bei 5. Habe jetzt immer sehr regelmäßig ferro sanol genommen und dachte dadurch, dass es mit meiner Trägheit nicht am Eisen liegen könne...aber vllt war es ja doch die Dosierung...?!?
Ja, auf die Psyche kann man es ja wirklich immer noch ,,schieben".(: Ich war zwar ohnehin schon vorbelastet, sodass es jetzt keine Überraschung ist mit der Depression...aber bei der noch viel stärkeren Schlappheit, denke ich mir, dass da etwas aus dem Gleichgewicht sein MUSS. Bluttest wurde heute gemacht und paar andere Termine stehen jetzt wenigstens auch an. Mal sehen.

LG

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Hallo Emmakaese,
Ich kann sehr gut nachempfinden wie es dir geht.
Nach der Geburt meines ersten Sohnes hatte ich eine sehr schwere Wochenbettdepression. Weißt du wann ich diese Diagnose bekommen habe? Da war mein Kind 15 Monate alt.
Solange hat es keiner gemerkt, solange hat mich keiner ernst genommen, obwohl ich schon von Tag eins nach Geburt wusste, irgendwas stimmt nicht.
Aber ich wusste nicht was. Und ich wusste nicht an wen ich mich wenden konnte. Freunde und Familie dachten mit dem Kind ist mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen, ich muss ja nur so sprühen vor Glück. Und ich wollte die Illusion nicht zerstören. Ich habe geschauspielert und alle hielten mich für eine wunderbare Mutter. Aber in mir drin war alles schwarz. Ich konnte einfach nicht mehr, ich war ein Frack, konnte nicht mehr schlafen, konnte nicht mehr aus dem Haus gehen, vor Angst. Vor lauter Schlafentzug habe ich halluziniert, ich habe Insekten gesehen die es gar nicht gab. Ich habe Panikattacken bekommen wenn ein Fenster geöffnet war, weil ich dachte da könnte mein Baby raus fallen weil ich nicht richtig aufpassen kann. Ich dachte wenn ich schlafe, erstickt das Baby weil ich es falsch hingelegt habe. Deswegen Stand ich daneben, die ganze Nacht und habe nicht geschlafen. Ich hatte ständig nur Angst.
Ich sollte dann wieder arbeiten, weil dieElternzeit vorbei war, ich konnte aber keine Leistungen mehr bringen, ich fühlte mich als versagerin, mein Partner entfremdete sich von mir, da habe ich auch versagt.
Dann habe ich ein Buch gelesen, über eine Mutter die eine Wochenbettdepression hatte. (Den Tip hatte ich auch über Licht und Schatten ev gefunden). Sie schrieb, wenn eine Frau denkt, sie hat eine Depression dann ist das auch meist der Fall.
Ich habe dann meine FA angerufen und einfach gesagt das ich eine Wochenbettdepression habe. Sie gab mir eine Nummer von der Notfallambulanz vom Krankenhaus, dort habe ich ganz schnell einen Termin bekommen.
Leider ist es dann erstmal schlimmer geworden als besser. Da habe ich mir selber einen RTW gerufen. Der hat mich in eine Psychiatrie gebracht. Das war ein harter Schritt. Aber da habe ich endlich Medikamente bekommen, konnte wieder schlafen, erstmal alle Verantwortung abgeben und wieder stabil werden.
Ich habe dann noch lange eine Therapie gemacht.
Das ist mittlerweile 9 Jahre her, mein Baby ist jetzt schon ziemlich groß. Und uns geht es allen wunderbar. Wir haben alles unbeschadet überstanden. Und ich bin bis heute stabil geblieben.

Also mein Tipp: wende dich an ein Krankenhaus mit einer Notfallambulanz für psychische Probleme.
Bei uns sieht das so aus:
https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/pso/patienteninformationen/poliklinik/mutter-kind-ambulanz-psychisch-gesund-fuer-zwei201d

Du kannst auch ganz genau da anrufen und fragen welche Nummer sie dir für deinen Ort nennen können. Die sind ziemlich gut vernetzt, Deutschland weit.

Schäme dich nicht dafür, dass du Hilfe brauchst und fordere Sie dir auch ein.
Wenn du Fragen hast, kannst du mich auch gern per PN anschreiben.

Ich wünsche dir nur das Beste🍀
LG Anni.

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Das ist übrigens das Buch. Es hat mir sehr geholfen.

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Dankeschön. Ich habe momentan nicht so oft die Zeit, aber kann mir vorstellen, dass es gut zu meiner Situation passt. Ich habe dennoch Angst, dass es mich immer wieder daran erinnert, dass ich momentan eben nicht so in bester Verfassung und daher nicht in der Lage bin, mein Baby zu halten.

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Wende dich bitte an einen Psychiater. Der kann dich auch in eine Klinik mit Mutter-Kind-Station einweisen. Du brauchst dringend Hilfe von erfahrenen Personen! Für mich klingt das auch nach einer schweren Depression.

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Du brauchst erst eine Diagnostik also einen Arzt. Eine Psychologin arbeitet dann mit der Diagnose. Daher erst zum Frauenarzt oder zum Gynäkologen. Das kann gut eine wochenbettdepression sein. Wenn es nicht mehr geht und der arzttermin noch zu lange hin ist ruf eine Notfallnummer an, z.B. die dir hier genannt wurde. Licht und Schatten ist eine gute Anlaufstelle da findet man auch hilfreiche Tipps.

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Ok, was sage ich dort genau? Also bei meinem FA?
Da habe ich eben für morgen endlich einen Termin bekommen

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Ah wollte in meinem ersten Post Frauenarzt oder Psychiater schreiben... mist

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Hallo,

hole dir schnellstmöglich einen Termin beim Psychiater. Der kann dir helfen und evtl. auch Medikamente verschreiben.

Viele Fachärzte nehmen allerdings keine neuen Patienten mehr auf. Deswegen frage unbedingt nach der "offenen Sprechstunde". Zu der kann jeder gehen und Fachärzte müssen diese anbieten. Alternativ kannst du dir über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung einen Termin beim Psychiater holen. Die TSS hat die Telefonnummer 116 117.

Gute Besserung

Melanie

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Hey, danke dir für den Rat. Brauch ich denn eigentlich dafür eine Überweisung ? Also zum Psychiater...

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Juhu,

eine Überweisung für den Psychiater benötigst du nicht. Sollte es gar nicht mehr gehen, kannst du dich selbst in eine Klinik einweisen.
Auf jeden Fall musst du dir unbedingt Hilfe suchen.

Alles liebe

melanie