Krankmelden, weil man sich "psychisch" nicht gut fühlt?

Hallo ihr,
wollte mir mal ein paar Meinungen einholen.

Ich habe zum Anfang des Jahres einen neuen Job angefangen. Schon seit Jahren geht es mir psychisch nicht wirklich gut. Ich war, aufgrund der anstehenden Verbeamtung, nie deswegen beim Arzt, aber ich habe Phasen, in denen ich morgens kaum aus dem Bett komme und den ganzen Tag nur heule. In diesen Phasen bin ich nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen und habe regelmäßig Angstattacken. Manchmal dauern diese Phasen nur 1-2 Tage. Manchmal aber auch 1-2 Wochen. Dann habe ich wieder ein paar Wochen Ruhe, bis die nächste Phase beginnt.

Gerade bin ich wieder in solch einer dunklen Phase. Ich habe schon Ende letzter Woche gemerkt, dass sich etwas anbahnt. Heute bin ich im Homeoffice und starre seit Stunden meinen Laptop an. Ich fühle mich einfach von allem überfordert, erschöpft und möchte mich am liebsten irgendwo verkriechen.

Kennt ihr solche Phasen und wenn ja, was tut ihr dann? Ich habe eigentlich das ganz dringende Bedürfnis, mich einige Tage krank zu melden und etwas Abstand vom Alltag zu bekommen. Ich traue mich jedoch nicht, da in meiner Abteilung immer gefragt wird, warum man krank sei und ob es einem schon besser gegen würde etc. Ich müsste also lügen oder ehrlich sagen, dass es mir psychisch nicht gut geht. Das möchte ich im Moment aber eigentlich nicht. Zudem denke ich immer, dass ich ja schon irgendwie arbeitsfähig bin. Natürlich deutlich langsamer als an "guten" Tagen. Aber ans Telefon gehen kann ich ja trotzdem. Es ist also nicht gerechtfertigt, dass ich mich krank melde.

1

Leider wird eine pyschische Erkrankung von der Gesellschaft noch nicht so angesehen wie körperliche, die vielleicht auf dem ersten Blick ersichtlich ist.

Aber ganz klares Ja zur Krankmeldung. Hast du schon mal daran gedacht, dir psychotherapeutische Hilfe zu suchen?

2

Hallo,

ich bin zwar kein Spezialist, aber das hört sich nach Depressionen an.

Zum einen kann Dein AG nicht einfordern den Grund Deiner Krankheit zu wissen zu wollen, Du bist zu keiner Angabe verpflichtet (auf einem ärztlichen Attest steht das auch nicht). Am besten gehst Du zu Deinem Hausarzt, erzählst ihm von Deinem Zustand, lässt Dich krankschreiben und an einen Psychologen überweisen.

Gute Besserung

3

Zum Psychologen braucht man keine Überweisung, da kann man direkt hin.

10

Wenn der aber auf Kosten der Krankenkasse starten soll, braucht es eine Überweisung vom Arzt. Ansonsten geht man da zum "Privatvergnügen" hin.

weitere Kommentare laden
4

Wenn es sehr akut ist würde ich mich einen Tag mit Migräne abmelden. Aber grundlegend brauchst du ja einen Plan, ärztliche Beratung…

5

Ich schreibe jeden Tag Leute wg psychischer Probleme krank, das ist eine Ursache für Arbeitsunfähigkeit wir jede andere auch. Deinem Arbeitgeber gegenüber bist du nicht verpflichtet zu sagen weswegen du krank geschrieben bist, du darfst theoretisch auch lügen.
Lass dir helfen, das ist wichtig damit du wieder auf die Beine kommst
Lg

6

Such dir Hilfe. Das ist kein pauschaler Hinderungsgrund für eine Verbeamtung. Du kannst dich akut auch ganz normal vom Hausarzt krank schreiben lassen.

Bin froh, dass bei uns "Ich bin fertig und musste schlafen" ein akzeptierter Grund ist sich krank zu melden.

7

Hey,
in diesem Falle kannst du dir ruhig eine Notlüge zurechtlegen oder halt sagen, dass du über deine Krankheiten nicht sprechen möchtest. Und dann lässt du dich krankschreiben und kümmerst dich ganz schnell um deine Seele.
Hört sich nach einer depressiven Episode an und du solltest schleunigst dran arbeiten. Es nützt dir nichts verbeamtet, aber nicht mehr dienstfähig zu sein. Das wird ja so nicht besser. So etwas mal ein paar Tage oder Wochen zu haben, okay, aber du schreibst von Jahren. Da liegt etwas im Argen und du benötigst dringend Hilfe.
Diese suchst du dir nun ganz in Ruhe, um deine Gesundheit wiederherzustellen. Notfalls auch mit stationärem Aufenthalt.
In welchem Bereich sollst du denn verbeamtet werden?

LG 🍀

8

Guten Morgen liebes 🌺 ich kenne deine Situation sehr gut. Ich hatte in 2019 so eine Phase die ein halbes Jahr gedauert hat, weil ich nicht wusste woran es lag. Bei mir war es eine Posttraumatischebelastungs... aufgrund mehrere Vorfälle (Unfälle, Krankheiten im Familienkreis) ich hab lange und schwer mit mir gekämpft, Angstzustände und Panikattaken. Ich konnte nicht arbeiten, kein Auto mehr fahren und sogar nicht einkaufen gehen. Ich hab nur noch im Bett gelegen. Bis dahin wurde ich wegen allem möglichen krank geschrieben, aber nicht wegen der psyche. Als mein Arzt mir dann aber eine Krankmeldung dafür geben wollte, kam der Punkt wo ich da raus wollte. Ich wollte wieder am Leben teil nehmen und ich wollte nicht das dieses in meiner Akte steht, aus Angst es könnte mir irgendwann Steine in den Weg legen, bei anderen Versicherungen oder ähnlichem. Ich habe jeden Tag ein bisschen versucht aus meinem Schneckenhaus zu kommen. Bin immer mal wieder auf die Arbeit, bin mit zum einkaufen und ganz viel spazieren gegangen um mich an der Natur zu erfreuen. Und ganz ganz wichtig war reden. Einfach über alles reden was mich beschäftigt. Ich habe lange gebraucht, aber ich nehme wieder voll am Leben teil. Es gibt immer mal schlechte Tage , aber die lasse ich wieder hinter mir. Du kannst dich auch wegen etwas anderem Krank melden und einfach sagen das du nicht fit bist. Du musst an dich und deine Erholung denken 🌺 ich wünsche dir alles Gute und sorry für den langen Text. Ich drücke dir die Daumen das du deinen Weg findest 🍀

9

Hast Du Dich schon mal körperlich checken lassen? Bei mir hat eine Schilddrüsenunterfunktion diese gleichen Symptome gemacht. Daher vielleicht mal der Tipp hierzu.

Und dann der Weg zum Psychologen.

13

Hallo,
ich kann dich grundsätzlich verstehen, dass du aufgrund der anstehenden Verbeamtung keine psychiatrische Diagnose haben willst. Das könnte nicht nur bei der Verbeamtung hinderlich sein, sondern auch bei der PKV, die zwar jeden - dank Öffnungsklausel - aufnehmen müssen, aber dafür einen Aufschlag von i.d.R. 30% nehmen (nicht jede PKV hat diese Öffnungsklausel, aber zumindest die großen wie z.B. HUK oder DeBeKa).
Lass dich krank schreiben, aber aus einem anderen Grund: Rückenschmerzen (weil verhoben) oder irgendwas anderes, was nicht chronisch ist. Ich weiß nicht, wie deine bisherige Krankengeschichte aussieht, aber alles chronische kann (wie geschrieben) bei der Begutachtung und auch der PKV Probleme machen. Ja, es ist unschön zu lügen, aber leider lässt das System in Bezug auf Verbeamtung und PKV einen manchmal keine andere Wahl.
Diagnosen darfst du weder bei der Begutachtung noch bei der PKV verschweigen (Zeitraum ist je nach PKV abhängig, ambulant meistens die letzten fünf Jahre).

Ich habe vor einigen Jahren die Diagnose MS bekommen und bekam daraufhin eine Depression - ein halbes Jahr lang war mit mir nichts anzufangen. Die MS verläuft bei mir Gott sei Dank sehr mild und auch die Depression kam nicht wieder. Und eigentlich ist so eine Reaktion auf eine solche Diagnose auch normal. Wer steckt sowas schon einfach so weg?
Ich bin dennoch verbeamtet worden: allerdings mit einem Gutachten vom behandelnden Neurologen und mit einem GdB 30. (Ich bin mit Schwerbehinderten gleichgestellt, also muss nur eine Verschlechterung für 5 Jahre unwahrscheinlich sein).
Ich habe sicherlich Glück gehabt, dass ich trotz der MS verbeamtet worden bin. Auch die Depression liegt nun schon einige Jahre zurück.
Wenn du aber einen blöden Amtsarzt hast, kann der dir echt mit einer psychiatrischen Diagnose Steine in den Weg legen - und ins Beamtenverhältnis will man sich nicht unbedingt einklagen.

Alles Gute für dich und nimm dir eine Auszeit, daran ist nichts verwerflich.

14

Noch als Tipp: vielleicht hilft dir der Besuch einer Selbsthilfegruppe, denn die müssen natürlich weder Amtsarzt noch PKV mitgeteilt werden.