Wie komme ich zu einer Diagnose/Therapie?

Hallo,

nur um das vorweg zu sagen: ich finde mich völlig ok, so wie ich bin. An mir ist nichts "falsch".

aber ich bin anders. Nicht nur im gemein gefassten Sinn von "jeder ist anders" (was ja stimmt), sondern wirklich.
die meisten Menschen finden mich irgendwie komisch. Und ich kann das zum Teil auch verstehen. Ich bin nicht gut im Umgang mit anderen.
aber es ist nicht nur das. Meine Mutter sagt immer, mein Denken funktioniert anders. Mein Mann meint, meine Intelligenz behindert mich bei gewöhnlicher Konversation. Mehrere Lehrer fanden meine heftführung sonderbar und faszinierend. Freunde beschreiben mich als sachlich.

naja, jedenfalls habe ich auch Schlafstörungen und ein sehr ausgeprägtes reizdarmsyndrom.

als ich mit 17 meinen Vater verlor, schickte man mich zu Psychologen. hätte ich meiner Meinung nach nicht gebraucht, aber egal.

Jahre später wollte ich dann schon mal meiner Andersartigkeit und eventuellen zusammenhängen zum reizdarm auf den Grund gehen, weil ich irgendwie im Gefühl hatte (und immernoch habe), dass es irgendein ganzheitliches "Problem" war/ist. Man verwies mich an eine psychaterin. Das lief leider gar nicht gut. Sie versteifte sich auf die Geschichte um den Verlust des Vaters und wollte andere Ansätze gar nicht erst in Angriff nehmen. Ich habe das dann sehr schnell abgebrochen.

das ist nun auch schon wieder 'ne Weile her. also war ich jetzt nochmal bei meiner Hausärztin, um es noch mal zu versuchen. Sie sieht die Notwendigkeit nicht und stellt deswegen keine Überweisung aus.

was mach ich denn jetzt? Möchte schon gern wissen, was die Ursache für meine Andersartigkeit ist und vorallem, ob ich lernen kann, besser mit meiner Umwelt zurecht zu kommen. Und ob das Auswirkungen auf meine 2 Kinder hat.
aber einfach so zum Psychiater kommt man ja nicht. Und selbst wenn, wüsste ich nicht zu welchem (Spezialisierung)?!

übrigens habe ich meine vertrauten gebeten "verdachtsdiagnosen" abzugeben. vertreten sind hochbegabung, hochsensibilität/-sensivität, autismus, persönlichkeitsstörung, hypochondrie.

habt ihr bitte Tipps, wie ich nun vorgehen kann/soll/muss?!

danke für's lesen und sorry für die Länge!

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Wie genau äußert sich deine Andersartigkeit denn, abgesehen von deiner Heftführung als Kind/Jugendliche? Hast du Probleme dich im Leben zurechtzufinden? Leidest du unter deiner Andersartigkeit?
Hast du deiner Hausärztin ganz genau dargelegt, welche Situationen/Ängste/Verhaltensweisen dir das Leben schwermachen? Welchen Zusammenhang siehst du zwischen deinem Reizdarm und dem Anderssein?

Ich z. B. bin laut meinem Mann (neben unserem Kind und meinen Eltern mein einziger sozialer Kontakt im Privaten) auch sehr anders als andere Menschen. Er meint, mein Verhalten passt perfekt auf das eines Asperger Autisten. Da ich aber keinen Leidensdruck verspüre, sehe ich keine Grund auf Teufel komm raus irgendwo eine Diagnose herzubekommen. Ich komme meistens recht gut zurecht (mit entsprechend stark ausgeprägten Vermeidungsstrategien) und wenn ich auf Situationen stoße, die ich nicht aushalte, nehme ich mich raus. Das wirkt dann für Außenstehende wie extrem seltsames Verhalten, aber das ist mir egal. Meine Familie weiß, wie ich ticke, meine Kollegen kennen mich inzwischen und wissen, dass ich “komisch” bin und bei Fremden ist es mir pupsegal, was sie denken.

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Hallo, ich wollte im frage post nicht unbedingt zuuu detailliert sein 😅

Leidensdruck habe ich nicht wirklich. aber manchmal wünsche ich mir, dass ich Situationen besser händeln könnte.

mal noch mehr zu mir. Ich habe neben meiner Mutter und Schwester auch "nur" meinen Mann und meine kinder als wirklich enge bezugspersonen. Ansonsten noch Freunde von meinem Mann, mit denen ich sehr offen reden kann. Mir reicht das auch.

aber zb wenn wir bei meiner Schwester zum grillen eingeladen sind und ihre Freunde (kenne ich nun auch schon ewig) auch, komme ich mit denen einfach nicht ins Gespräch. Ich weiß auch nicht, wie ich das ändern kann. Oder wenn doch mal irgendwie ein Gespräch zu stande kommt ebbt es schnell ab.

Thema essen: ich kann nur essen wenn ich mich vorher darauf einstelle. Also, zb ca. 2h vorm Abendbrot überlege ich mir, was ich aufs Brot möchte und stelle mich darauf ein. Wenn dann der geplante Käse unerwartet leer oder verdorben ist, bekomme ich vorhandene Alternativen nicht runter und muss mit dem drauf einstellen von vorne beginnen.
oder wenn ich zu lange kaue, kann ich auch nicht mehr runterschlucken... hinzukommen natürlich Probleme mit konsistenzen usw.

hören: ich höre leiseste Geräusche zb von unserem w-LAN-verstärker. hört niemand, aber mich macht es wahnsinnig. Ich kann auch gar nicht leiden, wenn ich etwas höre UND spüre. zb Elektrische zahnbürste, staubsauger, schnarchender Partner.

schlafen: geht nur bei absoluter Dunkelheit, alleine, richtige Temperatur und sehr wichtig, Ventilator.

denken: ich merke mir viel, auch sehr lange (meist unnützes), ich glaube auch ich bin schneller als andere, meine Orientierung ist sehr gut, Logik auch prima, ich liebe meine Listen und Pläne, habe viele Systeme (zb beim Wäsche aufhängen)

sehen: ich liebe lichter! Weihnachten ist also mein Ding. Weihnachtsmärkte meide ich aber, weil mir das zu wuselig ist.
ich strukturierte mir Dinge gern optisch zb damals bei der heftführung, oder heutzutage der Kleiderschrank oder das Bücherregal. Meine Strukturen darin erkenne allerdings nur ich.

spüren: ich kann meinem Sohn keinen Grashüpfer oder marienkäfer fangen, weil ich das nicht spüren mag. Angst ist das nicht!
Zu Geräusche spüren hab ich ja schon was gesagt.
ich mag es warm, sehr warm. Wenn andere schon dolle schwitzen, darfs für mich gern noch wärmer werden.
gewisse Stoffe würde ich nie anziehen, zb satin, spitze.
ich liebe es auf Schnee zu laufen. weil das hier im Norden nur selten vorkommt, mach ich das dann auch mal nachts um 2, um es nicht zu verpassen.
ich mag nicht angefasst werden. also, familie ist ok. alles andere zu viel. in der Hinsicht ist corona ein Segen.
andererseits hasse ich es, wenn mir was vor der Nase ist. da bekomme ich Panik. egal ob ich nur kurz im strickpulli hängen bleibe, oder der Zahnarzt zu lange an einer stelle hantiert.

sonst noch: ich bin immer sehr sachlich. Alles wird nach faktenlage entschieden. Natürlich unter Berücksichtigung aller möglichen und unmöglichen Optionen. Ausnahme: wenn ein Mensch für mich von Anfang an irgendwie fadenscheinige wirkt, kann ich mich niemals dazu entscheiden, den zu mögen, auch wenn die Fakten was anderes sagen. zb eine Erzieherin in der Kita. Die ist für mich irgendwie negativ besetzt, ohne das es einen ersichtlichen Grund gibt.
bei nicht privaten Kontakten komme ich gut zurecht, zb beim Arzt, oder auf dem Amt.
mein Mann muss für mich allerdings die Termine vereinbaren. Das kann ich nicht. Da ist irgendeine wand/Schranke, die ich nicht überwinden kann.
uvm.

zum reizdarm: ich wurde mehrfach komplett untersucht und es ist keinem Arzt tgelungen, "meine" Reize zu bestimmen. Klar gewisse Lebensmittel muss ich meiden und ich muss ausreichend schlafen. Aber ansonsten weiß niemand, was schlimme Phasen auslöst. zb Prüfungsangst ist in gewissen Maß vorhanden...

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Du magst es vielleicht nicht hören, aber daran empfinde ich nichts sonderbar. Aber wirklich überhaupt nichts. Aber ich denke mal, dass Du gerne eine crazy Diagnose hast, damit du dich besonders fühlen und als besonders bezeichnen darfst. Kannst du auch so machen. Sofern du aber nicht darunter leidest würde ich Therapieplätze für jene Menschen lassen, die diese wirklich nötig haben.

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