Plötzlich Angst vor dem eigenen Tod nach Geburt

Da es keine eigene Kategorie für Psychische Gesundheit gibt, denke ich, dass ich hier richtig bin.

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll. Ich hatte vor der Geburt meines Sohnes nie Angst vor dem Tod oder vor Krankheiten. Ich bin zwar erst Anfang 30, aber mein Leben bis hier hin war einfach nur so voller Abenteuer und Erlebnisse, dass ich einfach zufrieden hätte sterben können ohne das Gefühl gehabt zu haben irgendwas noch nicht erlebt zu haben und verpassen zu würden. Aber jetzt, wo mein Sohn da ist (er wird bald 1 Jahr) entwickle ich fast eine Hypochondrie. Ein Ziehen im Brustkorb? Lügenkrebs! Übelkeit, Bauchschmerzen, Kreislauf? Herzinfarkt! Es ist wirklich schlimm. Fast jeden Tag beschäftigen mich diese düsteren Gedanken. Ich steh kurz davor ein Ganzkörper CT zu machen auf eigene Kosten so viel Angst habe ich. Manchmal bete ich einfach nur, dass ich wenigstens nicht sterben werde bevor er nicht mindestens 18 ist. Das klingt alles total bescheuert, aber ich hab wirklich wirklich Angst seit Monaten. Das kenne ich so nicht von mir. Hat jemand noch solche Gedanken und Ängste nach der Geburt seines ersten Kindes entwickelt? Wie seit ihr damit umgegangen? Es belastet mich nämlich wirklich.

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Ich bin nicht selbst betroffen, aber ich kann das theoretisch nachvollziehen. Hast du dir Mal Gedanken darüber gemacht was dich am meisten Ängstigt? Also es hat ja offensichtlich mit deinem Sohn zu tun und dass er dann halbweise wäre. Würdest du deinem Mann/deiner Frau (sorry, kann nicht herauslesen ob du Mutter oder Vater bist) die Erziehung ohne dich nicht zutrauen?

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Ich bin eine Mama.

Auch irgendwie. Ja. Mein Mann ist ein toller Papa, wenn er nicht gerade irgendwelche Bedürfnisse hat. Die gehen immer irgendwie vor. Dann geht er nicht mehr so auf unseren Sohn ein und macht nur das nötigste. Er hat auch irgendwie kein gutes Bauchgefühl dafür was für Kinder gut ist oder nicht. Pädagogisch ist er völlig unbewandert und er scheint auch kein Interesse zu haben sich in diesem Bereich zu bilden. Er überlässt das halt mir und verlässt sich da auf mich. Er kommt noch nicht Mal auf die Ideen die Inhaltsstoffe eines Joghurts zu checken bevor er dem kleinen was abgibt. Da kann Alkohol und Honig drin sein. Er merkt es halt nicht, weil er nicht auf die Idee kommt nach zu gucken. Er hat sowas nicht im Hinterkopf.
Also ja, irgendwie könnte es schon auch fehlendes Vertrauen in meinen Mann sein aber auch die Vorstellung, dass mein kleiner Mann ohne Mama aufwachsen muss, mich vielleicht vermisst und traurig ist. Der Vater meiner Cousine ist gestorben als sie 2 Jahre alt war, das hat sie selbst noch als Jugendliche mitgenommen obwohl sie sich nicht Mal an ihn erinnern konnte.

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Ich glaub der erste Schritt aus dieser Angst oder allgemein Krankheitsangst ist die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit. Du wirst sterben, ich werde sterben. Das ist unvermeidbar. Vielleicht morgen beim überqueren der Straße, vielleicht in 60 Jahren im Seniorenheim. Für deinen Sohn, egal wie alt er dann sein wird, wird das immer schlimm sein und er wird dich wahrscheinlich immer vermissen. Gehen wir Mal von einer guten Mutter Kind Beziehung aus. Ich ahne dass du vielleicht Mal mit deinem Mann über deine Ängste reden solltest. Wenn er dir mit dem Lesen des Etiketts eines Joghurts schon mehr Sicherheit geben kann und die Angst so etwas kleiner wird, ist das wirklich kein Aufwand und das sollte es ihm wert sein.

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Hast du mal in Betracht gezogen, dass das eine Form der postnatalen Depression sein könnte? Das war jetzt das Erste was mir in den Sinn kam. Meine Depression hat sich zwar anders geäußert, aber es gab bei mir auch diese starke Veränderung nach der Geburt meine Tochter.

Diese Angst scheint ja auch deinen Alltag fest im Griff zu haben und dich wirklich sehr schwer zu belasten. Du hast ja selber schon erkannt, dass diese Ängste "bescheuert" sind um mal deine Wortwahl aufzugreifen. Geh zu deinem Hausarzt, der kann die psychiatrische oder psychologische Hilfe vermitteln, je nachdem was sinnvoller ist.

Ich hoffe du findest schnell Hilfe und das es dir bald wieder besser geht.

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Hab ich auch schon dran gedacht. Ich erfülle nur gar keine der symptomatischen Punkte bis auf "Ängste". Deshalb hatte ich es wieder verworfen.

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Abgeschickt bevor ich fertig war.

Ich hab sowas nämlich auch in einer aber wohl eher leichteren Form. Lag eventuell daran, dass ich Wochenbettfieber hatte da kam es das erste Mal auf. Bei mir ist es immer dann wenn ich tatsächlich was habe dass diese Gedanken kommen. Nicht konstant. Könnte das trotzdem in die Richtung Depression gehen? Muss das nicht zwingend einer tatsächlichen Depression ähneln?

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Mein erster Gedanke ging auch Richtung Postnatale Depression.

Ich bin Nachts aufgeschreckt, hatte Ängste und Ähnliches. Bei mir war es eine Postnatale Depression. Sprich mal mit deinem Hausarzt oder deiner Frauenärztin darüber.

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Kenne ich. Geht mir ganz ähnlich, seitdem meine Tochter (9 Monate) auf der Welt ist. Der Gedanke, dass ich mit ihr zuhause bin, plötzlich umkippe und sie über Stunden hinweg alleine ist, bis mein Mann nach Hause kommt. Früher war ich gern alleine, mittlerweile habe ich ein diffuses Angstgefühl entwickelt. Ich denke mir manchmal: Wenn ich plötzlich umkippe, ist hoffentlich jemand zuhause, der die Kleine übernehmen kann. Als ich mal so ein ganz, ganz komisches Ziehen in der Stirn hatte, durfte ich mich einen Tag lang bei meiner Schwiegermutter einquartieren, weil ich ein blödes Gefühl hatte, das mich einfach übermannte.
Es gefällt mir natürlich nicht, aber ich kann es eben auch nicht abstellen.
Ich weiß zumindest, woher diese Angst kommt: Vor zwei Jahren ist die Tante meines Mannes wegen eines gerissenen Aneurysmas im Kopf urplötzlich umgekippt, als sie auf ihre Enkelin aufgepasst hatte. Das lässt einen nicht mehr los. Ich denke oft daran. Leider zu oft. Ich habe mein Handy für den Notfall immer in Griffweite, wenn sonst niemand zuhause ist, denn die Tante hatte zumindest noch die Möglichkeit, ihrer Enkelin ihr Handy zu geben und den Notruf zu erklären.
Seit diesem Vorfall ist meine Unbeschwertheit irgendwie passé, und seitdem meine Tochter da ist, hat sich dieses diffuse Angstgefühl intensiviert. Man hat ja schließlich Verantwortung für so einen kleinen Wurm. Es ist nicht so, dass mich die Panik auffrisst und meinen Alltag beeinträchtigt oder so, aber im Hinterkopf wabert der Gedanke halt immer mit.
Ich versuche, diese Angst zu verdrängen, denn wenn ich die Gedanken zu sehr an mich herankommen lasse, zieht es mich zu sehr runter. Ich wünschte, es wäre anders, und die Unbeschwertheit von früher wäre wieder da.
Naja, das ist jetzt keine Hilfestellung für dich, glaube ich... Aber du bist mit solchen Gedanken jedenfalls nicht alleine.

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Hallo!

Das hört sich ganz nach postnataler Angststörung an, diese hatte ich nach meinen beiden Schwangerschaften.
Ich hatte ständig Angst vor Krebs und Herzinfarkten. Jedes Ziehen hat in mir Panik ausgelöst.

Man kann es therapieren, ich habe mich aber sehr geschämt das einem Arzt zu offenbaren (ziemlich dumm im Nachhinein betrachtet).

Ich habe mir dann sämtliche Statistiken durchgelesen bzgl Sterberate von Menschen meines Alters bei den Krankheiten vor denen ich Angst hatte, habe mich meiner besten Freundin anvertraut (und es hat einfach schon geholfen ihr meine Gedanken mitzuteilen) und habe einfach jede Vorsorge wahrgenommen, die ging.

Meine zuletztgeborenen werden nun 2, die Angststörung hab ich soweit in den Griff bekommen. Manchmal denke ich jedoch, dass ne Therapie sinnvoll wäre … weil ich manchmal an manchen Tagen vor lauter Angst nicht lebensfähig war. Ich habe Angst, solche Ängste je wieder durchstehen zu müssen.

Hol dir Hilfe!

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Schön zu lesen das es noch mehr Menschen mit diesen Gedanken gibt!

Eine sehr gute Freundin von mir ist vor 4 Jahren an Magenkrebs gestorben. Ihre Kinder waren 4 und 6 Jahre alt.

Das hat mich so aus der bahngeworfen das ich von einer Krankheitsangst in die nächste geschlittert bin. Am Anfang habe ich es noch versucht mit Entspannungsübungen in den Griff zubekommen. Im Dezember 2020 war es dann so schlimm das ich mich um eine Therapie gekümmert habe.

Ganz weg sind meine Ängste nicht aber ich habe gelernt damit umzugehen. Dadurch wurden sie dann auch irgendwann weniger.

Allerdings war ein Inhalt der Therapie sehr viel mit meinem Mann zu sprechen wie denn der worst case aussehen würde. Das hat es dann irgendwann erträglicher gemacht bzw der Gedanke nicht mehr dazu sein war nicht mehr ganz so schlimm. Haben in der Therapie auch ganz oft gesprochen wie realistisch was sein kann. Auch das hat gut geholfen.

Nimm es in Angriff und lass dir helfen bevor die Situation unerträglich für dich wird.

Alles gute für dich!