ADHS?

Hier sind ja viele, die Erfahrungen mit Diagnosen haben, vielleicht kann mir mal jemand einen Tipp geben.

Ich habe mich schon mal intensiv mit dem Thema befasst und dachte, dass das möglicherweise auf mich zutreffen könnte, dann aber hier gelesen, wenn man sich bspw. noch Listen für Aufgaben schreiben und die dann abarbeiten kann, könnte ADHS nicht zutreffen.

Mein Problem ist, dass ich oft mit einfachen Aufgaben überfordert bin, wenn ich alleine bin. Also, in der Schule, bei der Arbeit, wenn jemand sagt "mache mal dies" oder ich meine Aufgaben kenne, kann ich sie abarbeiten.
Zu Hause geht es, wenn ich Routinen habe, aber ich falle extrem schnell aus den Routinen wieder raus - mal ein bis wenige Tage nichts gemacht, wird es wieder schwer, reinzufinden.

Sehr oft kommt/ kam folgendes vor: Ich kaufe etwas Neues, lege entweder die Tüte auf den Boden oder packe sie aus - und dann liegt der Kram dort bis zu 14 Tage, weil ich jedes Mal denke, es würde Stunden dauern, das wegzuräumen. Das passiert auch oft bei marignaler Unordnung. Bücher im Bett oder auf dem Sofa gelesen, daneben gelegt - die bleiben dann da tagelang liegen, weil immer die Fragen im Kopf sind: Wohin damit? Wie lange dauert das?
Kürzlich hatte ich meine Küchenschubladen ausgeräumt und gesäubert und dabei festgestellt, dass Gläser für Nudelsaucen und Marmeladen viel Platz wegnahmen. Also habe ich die rausgeräumt und wollte sie in ein Regal im Keller stellen. Das ging aber mit bloßer Hand nicht in einem Lauf. Also lagen die da wieder bestimmt 3 Wochen, bis ich mir mal bewusst gesagt habe "ich lege die jetzt in einen Korb, trage sie in 2 Läufen runter, das dauert maximal 10 min" - und dann ging es. Bis dahin lagen sie aber auf der Arbeitsfläche und wurden zum Arbeiten runtergeräumt und hinterher wieder rauf.

Anzufangen ist immer extrem schwierig. Ich helfe mir da oft mit Timern, Vorgaben usw. - das geht dann auch, ABER, meist klappt es nicht, dass ich bspw. sage "morgen, 17 Uhr, wird eine Stunde aufgeräumt". GENAU um 17 Uhr habe ich dann eine bleierne Schwere, extreme Abneigung und oft verlasse ich dann entweder das Haus, Daddele am Computer oder lege mich ins Bett (no joke!). Oft geht es dann später, aber unter der Prämisse "du wolltest das heute noch machen und MUSST jetzt noch mindestens 15 min etwas machen, bevor du ins Bett gehst". Dann wird es wieder entweder sehr spät oder ich zögere das so lange raus - weil ich auch immer müder werde - bis ich es an dem Tag nicht mehr schaffe.

Vor einiger Zeit hatte ich dann folgendes Phänomen: Freier Tag, ich wollte DREI Aufgaben schaffen. Etwas aufräumen, einkaufen, etwas (Stillleben innen) fotografieren.
Und dann habe ich von 15 bis 17:30 Uhr auf dem Sofa gegessen und mir überlegt, mit was ich anfangen soll, ob ich noch alles schaffe - und bin dann um 17:30 Uhr einkaufen gegangen, war danach "so geschafft", dass ich den Rest des Tages nichts mehr gemacht habe. (Einkaufen geht irgendwie immer, daher auch die ganzen Gläser in der Küche....).
Meine Vermutung ist, dass Einkaufen immer geht, weil ich dann einen Plan habe, was ich mit den Sachen machen möchte (meist LM) und weil die im Supermarkt so schön geordnet liegen. Wenn ich dann etwas kaufe, vergesse ich es oft in der Schublade. Daher lege ich bestimmte Sachen schon immer schön sichtbar auf die Arbeitsplatte und habe anfangen mit Listen vorhandener Lebensmittel nach Priorität (was verdirbt zuerst).

Das ander Phänomen ist manchmal eine extreme innere Unruhe. Witzigerweise konnte ich mir darunter früher nichts vorstellen. Die Unruhe fängt oft an, wenn ich mit etwas anfangen möchte und sieht so aus. dass ich das Gefühl habe, ich müsste SOFORT raus und mich bewegen (gehen), einfach raus, weg! Also, es hilft dann nichts, zu sagen, ich räume eine Stunde auf oder so, was ja auch Bewegung wäre.

WENN ich dann mal anfange und zwar früh genug am Tag, schaffe ich meistens auch etwas, also bleibe eine Weile dabei.
Aber das Anfangen fällt halt wirklich extrem schwer.
Auch schwer fällt es, Aufgaben zu machen, die klein sind. Also, das Bad wird erst geputzt, wenn es wirklich deutlich unordentlich und dreckig ist. Wenn ich gestern den Boden gewischt habe, denke ich heute nicht, "das MUSS ja noch nicht geputzt werden", sondern "da gibt es ja gar nichts zu putzen, was soll ich denn hier machen?" Das geht dann die nächsten Tage wieder so, bis der Zustand wieder so schlimm ist, dass ich keinen rein lassen könnte.

Genauso bei Lernaufgaben: Freiwillig bei Motivation geht das super, aber mit Vorgabe - selbst mit EIGENER Vorgabe - ist da eine extreme Sperre. Ich habe mir schon oft Listen gemacht "x Seiten pro Tag lesen, jeden Tag ein Kapitel im Buch Y, 20 Begriffe am Tag lernen" - und mache dann nichts. Dafür steigere ich jeden Tag das Pensum. Irgendwann waren es dann mal 500 Seiten jeden Tag lesen und 200 Begriffe pro Tag lernen - was natürlich extrem überfordert.
Dann schreibe ich so Listen wie "x Seiten im Buch y pro Tag lesen, z Begriffe auswendig lernen - nach einer Woche sind dann a Seiten gelesen, nach 2 Wochen b Seiten, nach einem Monat ist das Buch gelesen, dann kommt das nächste Buch dran" - und dann fange ich mal an, merke, dass ich mit meiner Seitenzahl dramatisch unter der Planung bleibe, mache das vielleicht 3 Tage - und finde drei Monate später die Liste, was ich bis jetzt alles hätte lesen sollen.


Andere machen sich einen Plan, fangen an, schauen, wie weit sie kommen, sind dann nach 3 Monaten natürlich deutlich weiter als ich, weil sie das DURCHZIEHEN!

Manchmal klappt es bei mir ja auch, aber das ist eher die Ausnahme.

Das Ganze bezieht sich auch auf Aufgaben, die ich gerne mache.
Ich hatte ein Cello geliehen, die ersten 12 Monate der Miete wären auf den Kaufpreis angerechnet worden. Wollte mir das dann autodidaktisch beibringen, was auch klappte (10 Jahre Geigenunterricht).
Anfangs hatte ich leichten Widerstand dagegen, habe dann immer gesagt, "okay, du zahlst Miete, 5 min müssten jetzt geübt werden" und war dann bei 30 min. Irgendwann hörte ich auf - der Widerstand war jeden Tag da! - und merkte dann, dass ich 2 Monate gar nicht geübt, aber weiter gezahlt hatte. Ich zwang mich dann wieder zum Üben und kurz vor dem Rückgabetermin war ich dann soweit, dass ich das tägliche Üben brauchte. Aber bis dahin war sehr intensiv dieses Gefühl da von „oh nein! Jetzt muss ich üben! Ich WILL das nicht, mir ist übel, ich kann das jetzt nicht, ich muss raus!“


Ich habe bspw. in der Oberstufe mir auch Fachbücher gekauft, freiwillig, die auch teilweise gelesen - aber immer abends, bevor ich ins Bett sollte, für 20 min oder so. Da war dann die Motivation da, aber die Zeit wieder zu knapp, um richtig einzusteigen. Die 14 Tage vor der Abiprüfung, die wir frei hatten, hätte ich nutzen können, um das ganze Fachbuch zu lesen, aber ich verbrachte sie damit, zu planen, wie viele Seiten ich jetzt noch täglich lesen müsse und am Ende fast gar nichts gelesen zu haben, also vielleicht 10 Seiten (Prüfung trotzdem bestanden, ich hatte ja nooch Schulunterlagen, aber Zeit halt total verplempert).

Auch klassisch: Ich nehme mir eine Sache für morgen vor, habe die dann morgen vergessen, nehme mir sie für übermorgen vor, habe sie dann auch vergessen - es fällt mir immer erst kurz vor dem Schlafengehen ein.

Oder ich wollte etwas für den Geburtstag meiner Schwester machen. Das war dann zu knapp und ich habe ihr das gesagt und sagte, ich würde die Sache nachreichen. War kein Problem für sie. Aber dann habe ich es über einen Monat immer wieder vergessen, über TAGE, also, ich wusste nicht mehr, dass das noch auf meiner To-do-Liste stand und es fiel mir immer erst ein, wenn ich an der schon gekauften Geburtstagskarte auf dem Tisch vorbei kam. Über Tage bis Wochen entfiel mir aber immer wieder, dass ich das überhaupt geplant hatte.


Ist das so etwas wie ADHS oder kann man das irgendwie erklären?

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Kann adhs sein muss aber nicht. Ich bin mir selber nicht sicher ob ich überhaupt adhs habe, da der Arzt meinte, dass ich irgendwo auf der Grenze lag. Meine Tochter hingegen hat extremeres adhs und nimmt auch Medikamente.

Das Problem mit neurologischen Krankheiten wie adhs oder auch Autismus war immer für mich, dass es ein Spektrum ist und keine klare Antwort gibt, die man mit Ja oder Nein beantworten kann. Bei Krankheiten wie Diabetes da hast du es entweder oder nicht. Ich persönlich finde ja, dass viele „ein bisschen adhs“ haben, kommt nur auf den Schweregrad an.

Aber wenn du dir Gedanken darüber macht, empfehle ich dir definitiv den adhs Test zu machen. Habe den damals selber vor 20 Jahren während meiner Schulzeit gemacht

Das Problem ist auch, dass ads also ohne Hyperaktivität meistens gar nicht bemerkt wird. Bei adhs erkennt man das meiner Meinung nach schon sehr, da das einfach viel leichter auffällt. Meine Tochter hat ads was man ihr von außen kaum ansieht, besonders wenn man sie noch nicht so lange kennt. Allerdings hat ihre beste Freundin adhs und das ist mir direkt beim ersten Treffen aufgefallen. Es ist schwer zu beschreiben wie aber wenn ein Kind alle 2 Minuten aufsteht und sich „komisch“ rum bewegt besonders mit 15 Jahren, fällt das einfach auf.

Bearbeitet von Jenny672