Postpartale Depression - Mutmacher gesucht!

Hallo,
Wie der Titel schon vermuten lässt, bin ich an einer postpartalen Depression erkrankt. Mein 2. Kind ist nun 4 Monate alt und leider hatte ich von Anfang an die Vermutung, dass es mich diesmal erwischt hat, als das Stimmungstief nicht nach dem normalen Babyblues aufhörte (so kannte ich es von meinem ersten Kind). Da ich aber immer auch gute Tage zwischendurch hatte, habe ich mir eingeredet,dass ich nur Zeit brauche,alle Warnzeichen ignoriert und einfach darauf gehofft dass es besser wird. Das ganze gipfelte dann darin,dass ich eine massive Schlafstörung entwickelt habe,nicht mehr schlafen konnte, nach 3 Nächten ohne Schlaf anfing im Bett zu halluzinieren. Ich habe eigentlich gute Ressourcen und auch Taktiken um mit stressigen und belastenden Situationen umzugehen, nichts hat geholfen,ich war und bin unter Dauerstrom. Ich habe mir dann Hilfe gesucht, zum Glück auch mittlerweile einen guten Psychiater an Hand, der mir übergangsweise was zum Schlafen verschrieben hat, was nicht abhängig macht und nun befinde ich mich im ersten Medikamentenversuch mit Antidepressiva. Außerdem habe ich mich um Psychotherapie bemüht, stehe auf einer Warteliste für eine vielversprechende Therapeutin. Auch stehe ich auf einer Warteliste für eine stationäre Mutter-Kind-Therapie, was für mich aber wirklich nur die Ultima ratio wäre. Ich könnte noch so viel mehr schreiben,aber das sprengt den Rahmen. Lange Rede, kurzer Sinn: ich bin fertig mit der Welt und habe das Gefühl ich werde nie mehr glücklich. Dass ich nun Medikamente brauche,weil es anders einfach nicht geht ist für mich ganz schlimm, ich habe große Ängste vor der Zukunft und will einfach nur wieder glücklich sein. Ich WEIß, dass ich gesegnet bin mit einer wunderbaren Familie, aber ich SPÜRE es nicht.

Hat jemand von euch vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir etwas Mut machen? Ich kenne niemanden,der eine postpartale Depression hatte. Man liest überall es sei gut zu behandeln,auch der Psychiater erklärte mir,dass es doch nochmal was anderes als "normale" Depressionen sei, aber ja. Vielleicht hat ja jemand Lust eine positive Erfahrung zu schildern,das würde mich freuen.

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Liebe Mimaju,

ich habe zwar keine Erfahrung mit der postpartalen Depression, hatte aber vor einigen Jahren vergleichbare Symptome und habe diese auch zunächst ignoriert. Auch ich war auf Medikamente angewiesen. Nach ca. 1,5 Jahren konnte ich diese wieder absetzen. Leider muss ich diese nun wieder nehmen, auf Grund eines schweren familiären Zwischenfalls, der mir die Füße unter dem Boden wegzog. Aber da hatte ich dann schon Erfahrung mit Anzeichen und bin früh eingeschritten, sodass ich nie ganz außer Gefecht war. Ich Ich finde du kümmerst dich wahnsinnig gut, bist psychologisch angebunden sprich in Therapie. Diese Kraft konnte ich bisher nicht aufwenden. Von daher sehe ich super Chancen, dass das mit der Zeit bei dir wieder gut wird und bin mir sicher, dass du von den Medikamenten irgendwann wieder weg kommst. Aber lass dir Zeit damit. Du brauchst deine Kraft für deine Kinder. Warum sollte man, wenn es hilft, nicht die Unterstützung von Medikamenten annehmen? Andere Hilfen würde man ja auch annehmen!

Liebe Grüße

Isy

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Du hast Recht und diese Auffassung teile ich selbst auch. Das ist genau das,was ich auch zu anderen sage. Medikamente können ein Segen sein und trotzdem fällt es mir gerade schwer,das auch für mich so anzuerkennen, aber vielleicht ist das auch gerade Teil der Erkrankung. Dass man alles schwarz sieht...

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Hallo 👋🏻
Ich bin vor 8 Wochen zum ersten Mal Mutter geworden und hab so nach 3-4 Wochen gespürt, dass der Baby Blues irgendwie intensiver wurde. Hab das dann bei meinem Gyn angesprochen, der mir gleich AD verschrieben hat. Die wollte ich nicht einfach so nehmen und bin jetzt in psychologischer Behandlung. Mich macht das alles so unendlich traurig. Ich habe mir das Muttersein so nicht vorgestellt 🙁 Ich sollte diese ersten Monate mit Baby doch genießen, aber ich zähle nur die Tage und warte auf Besserung. Wobei ich gar nicht weiß, worauf ich genau warte...
Wie geht es dir mit den Medikamenten?
LG

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Ich fühle es gerade sehr und kann dir nur sagen,dass ich ja aus der Erfahrung mit meiner ersten Tochter weiß, dass Mamasein auch ganz anders sein kann. Nimmst du denn die AD?
Ich bin psychiatrisch durch einen Arzt angebunden,der in der Psychiatrie auch auf einer Mutter-Kind-Station arbeitet und daher viel Erfahrung mit PPD hat, das hat mir irgendwie Sicherheit gegeben,dass er weiß,was er tut. Nehme die Medis jetzt seit 6 Tagen. Habe zwischendurch starke Unruhe, wie unter Strom, darauf wurde ich aber vorbereitet. Mein Arzt sagte,ich solle versuchen 3 Wochen durchzuhalten, dann erst zeige sich die Wirkung der Medis.
Was bei mir ganz heftig ist, ist dass ich manchmal richtig gute Tage habe. Da kann ich garnicht nachvollziehen wieso es mir an anderen Tagen so mies geht...bis dann wieder die schlechten Tage kommen. Ist das bei dir auch so?