Dankbarkeit der Kinder? Lang!

    • (1) 23.10.07 - 12:16

      Da gibts etwas, was mich seit Tagen beschäftigt.

      Ein guter Bekannter, inzwischen verwitwet, hat zwei Kinder. Einen Sohn und eine Tochter. Mein Bekannter und seine Frau sind keine Akademiker, haben aber stets alles daran gesetzt, ihren Kinder alle Zukunftschancen zu eröffnen. Nachhilfe, musische und sportliche Förderung (Musikschule, Sportvereine, regelmäßige Besuche von Konzerten, Theater usw.). Die Kinder besuchten das Gymnasium, machten beide ein gutes Abitur und begannen zu studieren. Welch enormer finanzieller Aufwand dafür nötig war, kann sich vielleicht jeder vorstellen. Die Eltern haben zugunsten der Kinder auf die Erfüllung so mancher eigener Wünsche verzichtet. Gerade während des Studiums ihrer Kinder mussten sie oft wirklich kämpfen, um die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen.

      Der Sohn ist Jurist, die Tochter hat BWL studiert und inzwischen auch einen gut bezahlten Job. Beide Kinder sind verheiratet. Die Tochter hat zwei Kinder, der Sohn eines. Beide Kinder haben ein großes Haus, beide Kinder beschäftigen eine Putzfrau und Tagesmütter, da die Ehegatten ebenfalls voll berufstätig sind (ebenfalls in akademischen Berufen). Äußerlich betrachtet haben sie also von den Eltern den besten Start ins Leben bekommen, diesen genutzt und es fehlt ihnen an nichts.

      Ich denke, dass die Eltern der beiden an dieser Entwicklung großen Anteil tragen. Oder wie seht ihr das?

      Nun aber zu dem, was mich beschäftigt. Wie schon gesagt, mein Bekannter ist verwitwet. Seine Frau starb vor knapp einem Jahr an einem aggressiven Krebsleiden. Es ging extrem schnell. Krankheit diagnostiziert und schon wenige Wochen später verstarb sie. Das war in der Vorweihnachtszeit vor einem Jahr.

      Dass die dunkle Jahreszeit und gerade dann Weihnachten für meinen Bekannten eine schlimme Zeit ist, kann sich jeder vorstellen. Er fragte jetzt also bei seinen Kindern an, ob er für sich für einige Wochen bei ihnen einladen dürfe. Also den November und Dezember über die Feiertage Weihnachten und Sylvester. Er würde sich, natürlich auch gern zur eigenen Ablenkung, mit seinen Enkelkindern beschäftigen (seine Kinder wohnen in der selben Stadt ca. 300 km von ihm entfern) und eben vor allem an den Feiertagen möchte er nicht allein sein.

      Es kam von BEIDEN Kinder die Absage mit der Begründung, man habe keine Zeit, sich um ihn zu kümmern. #augen Das will er ja auch gar nicht. Er möchte nur nicht komplett allein sein. Er ist noch rüstig, könnte sich beschäftigen, würde gern ein wenig Zeit mit seinen Enkeln verbringen. Mit ihnen einkaufen gehen, basteln, Geschichten vorlesen, Eislaufen gehen usw.usf. Er sagt, er habe den Eindruck, dass sich seine Kinder wegen ihm schämen. Er ist eher schlicht, hat wie gesagt, keine akademische Ausbildung und so.

      Wie können die Kinder so sein? Ich bin voll entsetzt und empört. Alles, was die Kinder in ihrem Leben erreicht haben, haben sie AUCH ihren Eltern zu verdanken, die sich stets "krumm" gemacht haben, um ihren Kinder alles zu ermöglichen. Und sie können in SO einer Situation jetzt nicht mal für ihren Vater da sein?

      Wie seht ihr das? Ist das wirklich zu viel verlangt?

      Ach so - Platz haben beide Kinder genug in ihren großen Häusern, um ihren Vater für ein paar Wochen bei sich aufzunehmen.

      Der Vater, den ich seit vielen Jahren kenne, ist übrigens kein mieser alter Griesgram. Zur Zeit ist er etwas traurig, was ja auch kein Wunder ist. Seine geliebte Frau ist so plötzlich gestorben und ein Jahr ist keine lange Zeit, einen Tod zu verarbeiten - wenn er das überhaupt je kann. Aber müssten sich seine Kinder nicht VERPFLICHTET fühlen, ihm jetzt beizustehen? Wie oft war dieser Vater für seine Kinder da!

      Ich hoffe, dass meine Kinder mich später mal nicht so abservieren werden. Oder ist das heute so? Müssen sich Kinder - in bestimmtem Rahmen - nicht für ihre alte Eltern verantwortlich fühlen, so wie sich die Eltern stets für ihre Kinder verantwortlich gefühlt haben?

      Also mich macht das wirklich nachdenklich. Ich kenne ja auch seine Kinder und hätte das NIEMALS von ihnen gedacht. Genommen haben sie immer - geben wollen sie nun nicht! :-(


      • Ja, sie haben studiert, hatten Nachhilfe, musische und sportliche Förderung Musikschule, Sportvereine, regelmäßige Besuche von Konzerten, Theater ...etc....

        Klingt erstmal super, aber:
        Die Bereitschaft, für seine Eltern da zu sein, entwickelt sich aus anderen Gründen. Und ob da eine Grundlage geschaffen wurde, geht aus deiner Geschichte nicht hervor.

        Als Kind sollte man sich nicht verpflichtet fühlen. Das hilft keinem weiter.

        Hier scheint was schief gelaufen zu sein. Interessant wäre es, diese Geschichte aus der Perspektive der Kinder zu hören-

        lg
        lechuga

        • Natürlich kann ich das nicht sicher beurteilen aber ich hatte immer den Eindruck, dass mein Bekannter und seine Frau liebevolle Eltern waren. Sie waren stets für ihre Kinder da, das Verhältnis wirkte (!) immer gut. Natürlich haben sich die Kinder nach dem Auszug von zu Hause entfernt, ihr eigenes Leben aufgebaut. Das war ja auch gut und richtig - auch aus Sicht der Eltern. Aber nun ist die Situation eingetreten, dass der Vater seine Kinder mal bräuchte. Er bräuchte sie, um den Tod seiner Frau besser zu verarbeiten. Er bräuchte sie in der schweren Zeit, in der vor einem Jahr das Krebsleiden seiner Frau diagnostiziert wurde und sie kurz darauf starb.

          Es gibt sicher keine Verpflichtung der Kinder sich um ihre Eltern zu kümmern. Schon gar nicht bis zur Selbstaufgabe. Aber das wird ja auch gar nicht verlangt. Der Vater möchte aus der Umgebung, in der ihn alles an diese schwere Zeit erinnert. Nächstes Jahr sieht das vielleicht/hoffentlich schon ganz anders aus. Aber dieses Jahr ist so schlimm für ihn, dass er einen Hilferuf an seine Kinder schickt - und der wird überhört. :-( Aus reinem Egoismus - so empfinde ich das jedenfalls gerade eben!

          Nein meine Sonne- man sollte sich nicht verpflichtet fühlen. Aber in einer solchen Situation - da könnte man es schon.

          Ich habe meine Ma vor fast 4 Jahren 3 Wochen bei mir gehabt, vor Weihnachten bis ins Neue Jahr ... mein Pa starb Ende November und ich fühlte mich in der Tat dazu verpflichtet, sie nicht allein zuhause sitzen zu lassen. Auch wenn mir diese 3 Wochen in meiner Trauerverarbeitung nicht viel gebracht haben - es war meine Pflicht als ihr Kind.

          Ich denke, heutzutage werden viel zu wenig Kinder "in die Pflicht" genommen. Die Eltern reißen sich den Allerwertesten auf und wenn sie eines der Kinder brauchen hat niemand einen kleinen Funken Pflichtbewußtsein sich um die Elten zu kümmern.


          #kuss

      Kenne so eine Geschichte auch aus meiner Familie. Die Schwester meines Opas hatte einen Sohn. Verwöhntes Einzelkind. Allein in den letzten 10 Jahren bekam er mit Unterstützung der Eltern 5 Autos (!) gekauft. #kratz Als der Vater starb, lernte der Sohn (schon Ende 30) endlich mal eine Frau kennen und zog weg. Die Mutter blieb allein zurück. Von da an liess er sich genau einmal im Monat blicken, um 500 Euro (!) ihrer Rente zu kassieren.

      In all den Jahren war sie vielleicht ein oder zwei Nachmittage zu Besuch bei ihrem Sohn (zu irgendwelchen Festen, wo es für Sohnemann und dessen kleinen Junior natürlich Geschenke gab).

      Als die Tante krank wurde und mehrmals in Krankenhaus musste, liess Sohnemann ausrichten, dass er a) keine Zeit habe, sie zu besuchen und b) macht er sich Sorgen darüber, dass sie ja sterben könnte WEIL er ja dann die 500 Euro nicht mehr bekommt.

      Das Ende vom Lied: Tante ist gestorben nach fast einem Jahr Krankheit. Ganz einsam und alleine. Nur ihre Geschwister haben nach ihr geschaut und sie versorgt. Am Tag ihres Todes kam Sohnemann angerast und hat als erstes das Haus nach Bargeld durchwühlt, anschließend das Haus verkauft, und sich damit sein eigenes Luxushäuschen finanziert...

      Was ich davon und von deiner Geschichte halte: Der Teufel schickt jedem seine Rechnung! Auch deinen Bekannten. Ich bin überzeugt, dass sie das, was sie ihrem Vater antun, doppelt und dreifach schlimm von ihren eigenen Kindern zurück bekommen.

      Wenn ich der Vater wäre, würde ich mein Testament zu Gunsten eines gemeinnützigen Vereins ändern und die Kinder dumm gucken lassen!

      Wirklich traurig, sowas zu hören.

    Hallo,

    "Müssen sich Kinder - in bestimmtem Rahmen - nicht für ihre alte Eltern verantwortlich fühlen, so wie sich die Eltern stets für ihre Kinder verantwortlich gefühlt haben? "

    in einem bestimmten Rahmen sollten sich erwachsene Kinder schon für ihre Eltern verantwortlich fühlen, aber ich denke, KEIN erwachsener Mensch ist verpflichtet, seine Eltern (bzw. Elternteil) gleich für ein PAAR WOCHEN #schock bei sich aufzunehmen.

    Wenn Menschen sich für Kinder entscheiden, dann weil es IHR Wunsch ist - Kinder werden doch nicht gefragt, ob sie geboren werden wollen.

    Ich hoffe zwar, daß mein Mann und ich immer ein gutes Verhältnis zu unserem Sohn haben werden, aber genauso wenig, wie ich meine (Schwieger)Eltern ein paar Wochen bei mir aufnehmen wollen würde, würde ich das von meinem Sohn verlangen (obwohl ich das in 30 Jahren wahrscheinlich anders sehen werde, aber auch diese Entwicklung wäre normal).

    Und deine Beschreibung der Kindheit dieser beiden hört sich für mich sehr nach "Alles, was Kinder wollen, kriegen sie in den Allerwertesten geblasen":
    "Musikschule, Sportvereine, regelmäßige Besuche von Konzerten, Theater usw.). "
    Daß so eine Erziehung oft nach hinten losgeht, ist nichts Neues.

    Damit will ich jetzt wirklich nicht das Verhalten dieser "Kinder" entschuldigen, aber genauso wie die Eltern Anteil am beruflichen Erfolg ihrer Kinder haben, haben Eltern einen Anteil daran, wenn ihre Kinder sich zu Egoisten entwickeln.

    Und wie lechuga schon gesagt hat:
    materiell haben diese Kinder alles bekommen, aber wie das sonstige Familienleben war, wissen wir alle nicht.
    Ich fände es auch interessant, die Story aus dem Mind der Kinder zu hören.

    LG,
    J.

    • Natürlich kann ich das sonstige Familienleben nicht wirklich beurteilen aber ich denke, es war ok. Wie bei "normalen" Leuten eben, die ihren Kinder einen besseren Start ins Leben ermöglichen wollen, als sie ihn selber hatten. Wenn Kinder auf Gymnasium gehen, da werden Kursfahrten gemacht, Sportkurse fahren zum Skilaufen ect. Das kostet alles viel Geld und meine Bekannten haben, mit Mühe, alles möglich gemacht. Auch der Auslandaufenthalt für mehrere Wochen war dabei (Australien). Sie haben ihren Kindern nicht alles in den Allerwertesten geblasen aber sie haben versucht, ihnen das zu ermöglichen, was dazu gehörte.

      Ach ich weiß gar nicht wie ich das erklären soll. Es waren normale Eltern, die stolz darauf waren, dass es ihre Kinder mal besser und leichter haben würde, als sie selber. #gruebel

      >>aber genauso wie die Eltern Anteil am beruflichen Erfolg ihrer Kinder haben, haben Eltern einen Anteil daran, wenn ihre Kinder sich zu Egoisten entwickeln.<<


      Dem stimme ich vollends zu.

      Wobei ich auch an den Spruch dneken muss: "Sage mir mit wem Du umgehst und ich sage dir, wer du bist!"

      Vielleicht liegt der Fehler nicht in der Erziehung der Eltern- sondern eher dem Umgang der Kinder - bzw. ihrem Partner.



      sparrow

Aber da muss es noch mehr geben....
Wenn diese Kindern ihren Vater so wahrnehmen würden wie du und die Erziehung tatsächlich ab ausgesehen hat, dann hätten die ihn doch schon längst von selbst eingeladen.

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