Kinderfuß und Kinderschuh - Infos zum Einkauf

    • (1) 23.08.08 - 09:24

      Aus gegebenen Anlass – es ist Kinderschuhkaufzeit und Studien haben mal wieder gezeigt, dass ein großer Teil der Kinder zu kleine Schuhe trägt – möchte ich Euch mein Plädoyer für richtige Kinderschuhe hier einstellen. Ich habe es im letzten Jahr zur Schulung meiner Mitarbeiterinnen und für meine Pekip-Truppe zusammengeschrieben. Dabei hab ich Infos aus verschiedenen Fachveröffentlichungen und eigene Erfahrungen verwurstet. Ich weiss, es ist ziemlich lang, aber vielleicht gibt es ja doch noch Menschen, die Wert auf gute und passende Kinderschuhe legen …


      Kinderfuß und Kinderschuh

      Der Kinderfuß ist besonders empfindlich, weil …

      …er noch weich und formbar ist, denn die Knochen sind noch nicht so stabil, sondern eher wie Knorpel.
      Der Fuß lässt sich deshalb in unpassende Schuhe zwängen und passt sich diesen leider sogar an – so kommt es gerade bei Kindern schnell zu Deformationen. Achtung Kinderfüße wachsen erstens sehr schnell und zweitens sehr plötzlich: Entweder regelmäßig im Geschäft nachmessen lassen oder – wenn möglich – die Einlegesohle herausnehmen und den Fußabdruck darauf überprüfen.
      Mehr als die Hälfte aller 3-6jährigen trägt regelmäßig zu kleine Schuhe ohne zu klagen!

      …er noch nicht so schmerzempfindlich ist, denn die Nervenbahnen sind noch nicht so verknüpft.
      Kinder merken deshalb nicht selber ob Schuhe passen. Weder beim Kauf, nach wenn sie sie tragen. Lieblingsschuhe passen auch 3 Nummern zu klein noch. Besonders schwierig sind im Verkauf deshalb Eltern, die ihre 2 bis 3jährigen fragen: Passen die Schuhe?

      … er besonders weiche Haut hat, denn der Fuß hat noch keine Hornhaut.
      Und wer sich selbst schon mal in neuen Schuhen Blasen geholt hat, weiß, wie schnell das geht. Deshalb idealerweise Lederinnenfutter oder weiche Polsterung, möglichst wenige Nähte. Passende Schuhe, die an der Ferse nicht schlupfen.


      Deshalb braucht er besonders flexible, weiche, passende Schuhe, die die Bewegungsfreiheit möglichst wenig einschränken und von innen möglichst wenig Nähte oder potentielle Druckstellen haben.

      Ergänzung: Entwicklung des kindlichen Beines

      Immer wieder wissen Fremde es besser: ‚Oh, das Kind hat aber O-Beine bzw. später X-Beine.’
      Schnell landet man verunsichert beim Orthopäden und kommt mit monströsen Einlagen nach Hause, die das Bein wieder in die richtige Richtung korrigieren sollen. Sicher gibt es Fälle, in denen die Diagnose korrekt und eine Einlage notwendig ist. Aber: Das kindlich Bein streckt sich i.d.R. bis zum 10 Lebensjahr. Eine Entwicklung vom O-Bein übers X-Bein zum gestreckten Bein ist normal.

      Siehe auch: http://www.paediatrie-hautnah.de/archiv/2000/12/ph0012_496.pdf

      Im Übrigen sind nur 2 % aller Fußschäden angeboren, der Rest ist erworben durch unpassendes Schuhwerk, Bewegungsmangel oder den Versuch, den Kindern möglichst früh das Laufen beizubringen (Gehfrei).


      Wozu braucht man überhaupt Schuhe?

      …zum Schutz vor Kälte und Nässe.
      Geeignet sind atmungsaktive, anpassungsfähige Materialien. Allen voran Leder, das besonders anschmiegsam ist und hervorragend Fußfeuchtigkeit speichert. Im Winter ergänzt durch Tex-Membranen (auf Leder oder Textilbasis), die wasserfest, aber dennoch atmungsaktiv sind (Strümpfe!).
      Zu viel Schaumstoffpolster und Synthetik verführen zu Käsefüßchen.

      …zum Schutz vor Verletzungen.
      Leider liegen gerade in Haushalten mit Kindern desöfteren Gegenstände auf dem Boden, auf die zu treten keinen Spaß macht …

      …um weichen Auftritt zu gewährleisten.
      Ideal wäre regelmäßiges Barfußlaufen im Sand oder auf dem Rasen. Leider sind die wenigsten Wohnungen damit ausgestattet. Und auch in der Stadt gibt es leider viel zu viel Steinböden. Deshalb sollten die Sohlen aus einem weichen, nachgebenden Material sein, dass dem natürlichen Auftritt nachempfunden ist.

      … und natürlich um gut auszusehen !
      Wobei Geschmack relativ ist und m.E. aufgrund der Bedeutung der Passform nachrangig ist.
      Höhere Absätze für kleine Mädels gibt es deshalb bei uns nicht.

      Der gesunde kindliche Fuß braucht an sich keine Unterstützung, Hilfestellung oder Korrektur.


      Wann machen die ersten Schuhe Sinn?

      …wenn das Kind anfängt zu laufen und auch draußen und auf sehr festem Untergrund läuft.
      In der Praxis haben wir aber auch schon Kinder erlebt, die deutlich besser mit Schuhen liefen bzw. erst mit Schuhen lernten zu laufen. Vielleicht wegen des harten Untergrunds? Vielleicht weil die Festigkeit Sicherheit gibt?

      Allerdings werden die Muskeln und Bänder am besten trainiert, wenn die Beweglichkeit des Fußes möglichst wenig eingeschränkt wird.

      Ein guter Kinderschuh lässt sich nicht nur im Ballenbereich knicken, sondern ‚verwringen’, d. h. er ist auch seitwärts biegsam.


      Wie finde ich heraus, ob ein Schuh passt?

      Was macht unpassende Schuhe eigentlich so schlimm? Im Gegensatz zu unpassender Kleidung sind unpassende Schuhe nicht nur unangenehm für den Moment, sondern können einem die Füße fürs Leben versauen.
      Die gute alte Daumendruckmethode hat zwei deutliche Haken: Erstens haben die meisten Schuhe Vorderkappen, durch die man die kleinen Knubbelzehen kaum fühlen kann. Zweitens ziehen viele Kinder die Füße beim Druck unbewusst ein, so dass der Zeh weg ist.

      A) Die Länge:
      Bei neuen Schuhen: Fußlänge+Schubraum+Zuwachsraum
      Zuwachsraum: Kinderfüße wachsen im Jahr durchschnittlich um 2-3 Größen, je nach Alter. Sie wachsen jedoch i.d.R. nicht kontinuierlich, sondern schubweise, manchmal auch erst der eine, dann der andere. Oder nur in der Länge und dann mal wieder nur in der Breite …
      Eine Größe / Länge ist beim WMS-System als 6 2/3 mm.
      Praxistipp: Zuwachsraum ca. 6-8 mm.

      Wenn der Schubraum wegfällt, sind die Schuhe zu klein!
      Schubraum: Der Fuß schiebt sich beim Gehen / Abrollen nach vorn. Ist dafür kein Platz, dann stoßen die Zehen bei jedem Schritt gegen die Vorderkappe und werden gestaucht.
      Praxistipp: Zuwachsraum ca. 6-8 mm.

      Achtung: Die Längen-Zugabe (Schub+Zuwachs) hängt auch etwas vom Alter des Kindes ab: Bei den Laufanfängern ist eine zu große Zugabe hinderlich, weil die Kinder leicht stolpern. Lieber einmal öfter neue Schuhe!

      Praxistipp: Füße (sind i.d.R. nicht gleich!) auf ein Stück Pappe stellen, einmal rumzeichen und an der längsten Stelle 12-17 mm dazurechnen, das ergibt die korrekte Länge in mm. Ihr könnt nun die Schablone ausschneiden und mitnehmen ist Geschäft. Das erspart viel Anprobiererei und Nerverei.

      So ist die Länge ausreichend:

      1. Nach WMS-System. Füße messen. Die Schuhe nach WMS garantieren entsprechende Größen. Praxiserfahrung: Leider stimmt das irgendwie auch nicht immer.
      2. Praxistipp: Füße (sind i.d.R. nicht gleich!) auf ein Stück Pappe stellen, einmal rumzeichen und an der längsten Stelle 12-17 mm dazurechnen, das ergibt die korrekte Länge in mm. Ihr könnt nun die Schablone ausschneiden und mitnehmen ist Geschäft. Das erspart viel Anprobiererei und Nerverei
      3. Bei vielen Schuhen kann man die Innensohle herausnehmen: den Fuß auf die Innensohle stellen – vorne sollen 12-16 mm (Daumenbreite) Platz sein, der Fuß sollte an den Seiten nicht überstehen.

      Ungeeignet sind folgende Methoden: Daumendruck (Kinder ziehen die Zehen automatisch ein), Fuß nach vorn schieben, hinten sollen zwei Finger reinpassen (völlig unsicher), von unten messen (Außenlänge ist nicht gleich Innenlänge und Fuß ist nicht unter Belastung)

      B) Die Weite
      Hier wird’s kompliziert, weil sich die Weite aus der Ballenbreite und der Spannhöhe zusammensetzt und sich damit kaum noch standardisieren lässt.
      Zu enge Schuhe verformen den Fuß. In zu weiten Schuhen rutscht der Fuß nach vorn in den Schubraum hinein. Außerdem geben zu weite Schuhe keinen Halt und führen dazu, dass das Kind die Füße verkrampft. Außerdem können Schuhe, die zu weit sind unangenehme, scheuernde Gehfalten bekommen.

      Leiern Kinderschuhe aus? Wenn sie passen nicht – denn ein Schuh gibt nur so viel nach, wie er Druck bekommt. Ist er weit genug, dann tritt er sich auch nicht aus.

      In der Praxis werden zwar unterschiedliche Weiten empfohlen, wir haben jedoch immer wieder die Erfahrung gemacht, das zwei Paar Schuhe, die nach dem WMS mit der gleichen Weite ausgezeichnet sind, dennoch unterschiedlich weit wirken. Das liegt insbesondere daran, dass die Spannhöhe nicht standardisiert ist. Hier sind Kinderschuhe i.d.R. ja auch verstellbar (Schnürung oder Klette).

      Deshalb: Immer Schuhe kaufen, die man ausreichend verstellen kann (Derby-Schnitt besser als Blattschnitt.) Im Zweifel kann man die Weite durch eine Einlegesohle ausgleichen.

      Ob Schuhe in der Weite passend sind, kann man beim Probieren erfühlen und sehen.

      Das WMS-System (Weiten-Maß-System oder Weit-Mittel-Schmal) ist ein freiwillige Vereinbarung verschiedener Hersteller bestimmte Standards einzuhalten. Das betrifft Länge und Breite, aber auch Höhe im Spannbereich und im Großzehbereich. Und: Auch bestimmte Standards hinsichtlich der Lederqualität und Schadstoffminimierung.



      Markenschuhe oder No Names?

      Markenschuhe bieten folgende Vorteile:
      Einhaltung der empfohlenen Zugaben bei den Größen, d.h. Markenschuhe sind groß genug. Achtung: Auch Sportschuhe (Nike, Addidas etc.) fallen i.d.R. deutlich kleiner aus!
      Besonderes Augenmerk auf die Lederauswahl, d.h. die Zulieferer müssen schadstoffarme Leder liefern. Auch bei Klebern und Farbstoffen werden möglichst verträgliche Materialien gewählt.
      Immer wieder fallen Billigschuhe bei solchen Tests unangenehm auf. Meist braucht man dazu allerdings keinen Test: Solche Schuhe stinken häufig zum Himmel.
      Die Produktion findet meistens in Europa statt – für Billigschuhe gilt häufig: Von Kindern gemacht – für Kinder gemacht.

      Welche Marken gibt es? Was sind die Spezialitäten der Marken?

      Klassische Kindermarken aus Deutschland und Österreich (WMS-Marken):
      Superfit (http://www.superfit.at/ )
      Machen besonders weiche flexible Schuhe, ideal für die ganz Kleinen.

      Richter ( http://www.richter.at/ )
      Allrounder unter den Kinderschuhen. Ist sehr engagiert bei der Weiterentwicklung des WMS.

      Ricosta (http://www.ricosta.de/ )
      Ebenfalls ein Allrounder. Lauflernmarke heißt Peppino. Fallen eher etwas schmaler aus.

      Elefanten (http://www.elefanten.de )
      Eine Traditionsmakre, die leider bei Deichmann gelandet ist.

      Däumling (http://www.daeumling-kinderschuhe.de/index_.html )
      Sehr gute Qualität. Ausschließlich Lederfutter. Herausnehmbares Fußbett mit Größenkontrolle. Besonders stark in ‚Schmal’

      Italienische Kinderschuhmarken (sehr stylisch, sehr schön, kein WMS)

      Geox (http://www.geox.com/ )
      Eine Marke, die sich in den letzten Jahren etabliert hat (z.T. durch massive Werbung in Kinderprogramm!). Können besonders gut Jungs-Schuhe. Sind durch im Boden eingearbeitete Membran besonders atmungsaktiv. Sind gerade böse bei der Öko-Test durchgefallen.

      Naturino (http://www.naturino.com/ )
      Wunderschöne italienische Kinderschuhe. Kein WMS. Nicht ganz günstig …

      Primigi (http://www.primigi.it/tedesco/index.html )
      Ähnlich wie Naturino. Etwas günstiger. Schöne Mädchenschuhe.

      Daneben gibt’s natürlich eine Menge Sportschuhmarken, die Kinderschuhe anbieten, da kann ich über die Qualität nicht viel sagen.

      Gebrauchte Schuhe?
      Gängige Meinung ist: Ja, wenn sie noch richtig gut in Schuss sind und gut passen. Wenn die beste Freundin also noch einen Fehlkauf stehen hat, den Junior so gut wie nie getragen hat, spricht nix dagegen. Von ausgetretenen Schlappen ist abzuraten.
      Grundsätzlich gilt: Besser gute Gebrauchte, als schlechte Neue.
      Vorsicht allerdings bei EBAY. Schließlich müssen Schuhe probiert werden.

      Wo man sparen kann!
      Kinderschuhe werden nur kurze Zeit getragen und erscheinen vielen Kunden deshalb teuer. Sparen kann man, wenn man im Fachgeschäft nach Vorjahresmodellen oder Paaren mit kleinen Fehlern fragt (Wen stört schon, wenn der Sandkastenschuh verschossen ist?). Sparen kann man getrost auch bei den Sonntagsschuhen, die nur 3 Mal getragen werden. Kauft so was meinetwegen in preiswert und investiert das Geld lieber in die Schuhe, die die Kinder regelmäßig tragen.


      Wer bis hier gekommen ist, dem danke ich ganz herzlich für sein Interesse!

      Lotte - :-D - Bundy

      • Was sagt uns das?
        Zieht Euren Kindern XXL Schuhe an.
        Ich kann nur aus Erfahrung sagen ,das manch Verkäuferin keine Ahnung hat.
        Beim Schuhe kaufen mit meinem Kind musste ich feststellen das aus einer Gösse 25 meines Kindes im Laden plötzlich eine 29 wurde#schock.
        Ich Handhabe das so das ich Schuhe anprobiere 2 cm platz ist ausreichend ,danach werden Neue gekauft.

        • Ähhhm, ich glaube etwas mehr und differenzierter sagt mein Beitrag das schon aus. Wenn man es so auf den Punkt bringen könnte hätte ich das getan.

          Trotzdem danke für die Rückmeldung. Ich weiss, das mein Beitrag nicht viel Diskussionsgrundlage bietet. Freue mich aber dennoch festzustellen, das jemand reingeguckt hat.

          Lotte

      Danke für die ausführliche Aufklärung :-)

      Aber was meinst du mit:
      >> ... Immer Schuhe kaufen, die man ausreichend verstellen kann (Derby-Schnitt besser als Blattschnitt.) ... <<


      LG Mona

    • Hallo Lotte,

      ich hab's durch und dem eigentlich nichts hinzuzufügen bis auf die Anmerkung, dass ich 2 Söhne mit sehr breiten Füßen und hohem Spann habe und wir seit Anbeginn ihrer "Laufzeit" vor 11 bzw. 3 Jahren nur Schuhe von Ricosta kaufen, weil die die beste Passform haben.
      Und die kaufe ich auch schon mal bei e***, wenn ich ihre aktuelle Größe kenne.

      LG, Gabriele

      Hallo,
      vielen Dank für die Mühe die du dir gemacht hast, vielleicht wird ja so mancher doch noch aufgeklärt.
      Wir kaufen immer im Fachgeschäft, die Schuhe sind grotten-teuer, eben Däumling oder Richter, Ricosta... aber die Schuhe passen immer.
      Wir bekommen oft einen Vogel gezeigt wenn die Leute erfahren was wir für die Schuhe zahlen. Aber in diesem Geschäft wird man richtig gut beraten, die kennen sich gut aus (verkaufen z.B. keine Schuhe an Kinder die nicht WIRKLICH selbständig laufen können...), und haben eben auch die guten Marken.

      Ich verstehe auch nicht wie manche Schuhe an die Füße von Kindern kommen...

      LG
      22

    • Huhu

      Danke für deinen beitrag.

      Wir haben seit einiger Zeit das Problem dann unsere Tochter ihre füße nur als "aua" bezeichnet.. egal welche schuhe.

      ich werde wohl nächste woche mal zum arzt gehen.

      laufen kann sie in nicht allen schuhen, sie stolpert gerne. momentan haben wir sportturnschuhe in nike. gr 22. die hatte sie vorher schon in 21 und das sind die einizigen in denen sie gut laufen kann


      werde aber nächste woche mal neue kaufen ....

      Hallo,

      ist zwar länger her aber bei uns steht gerade das Thema Schuhe an und bin dir sehr dankbar für diesen guten und qualifizierten Beitrag. Er hat mir sehr weiter geholfen.
      Danke und lg
      ela

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