War das im Westen auch so?

    • (1) 23.08.08 - 19:32

      Hallo!

      Ich bin ein DDR-Kind und gerade zum ersten und letzten Mal Mutter geworden. Da ich mein Kind natürlich nach Bedarf stille, darf ich mir bei jedem Besuch bei "unseren Müttern" anhören, wie es zu DDR-Zeiten war. Also, aller 4h stillen und nachts erst wieder nach 8h. Außerdem waren die Babys im Krankenhaus dauerhaft im Kinderzimmer (mind. 20 Kinder) und wurden nur zum Stillen gebracht.
      Väter durften ihre Kinder im KH gar nicht/nur durch die Glasscheibe sehen.

      Jetzt meine Frage: War das vor ca. 25/30 Jahren auch in West-Deutschland so?

      Freu mich auf Antworten!

      Viele Grüße, Mel

      • Hallo!

        Hmmmm... meine Nichte ist 23 Jahre alt. Als sie geboren wurde gab es Rooming in (oder wie das heißt).
        Baby war tagsüber mit bei der Mutter im Zimmer, nachts aber im Kinderzimmer. Die Mütter wurden nachts zum stillen geweckt.
        Besuchen durfte jeder, auch der Vater ;-), der übrigens sogar bei der Geburt anwesend war.

        Ich hoffe, dir ein bischen weitergeholfen zu haben :-)

        LG Petra

        • Oh ja, danke!

          Also ganz anders als hier. Wie schön für die Kinder und Mütter.

          Boar, ich kann das irgendwie gar nicht fassen, was damals hier gemacht wurde.

          Ich bin froh, jetzt Mutter geworden zu sein.

          Danke für Deine Antwort!

          LG Mel

      Hallo Mel!

      Ich bin auch ein DDR-Kind. ;-)

      Meine Eltern haben mir erzählt, dass den Vätern (die ja nicht bei der Geburt dabei sein dürften) nicht mal am Telefon erzählt wurde, ob es ein Junge oder Mädchen ist. #schock
      Das nach Bedarf stillen gab es nicht, nur feste Zeiten. Meine Mutter hat mich trotzdem nicht geweckt, da ich gern die Mahlzeiten verpennt habe. #schein

      #blume

      LG
      Ina

      • Ja, genau diese Geschichten kenne ich auch. Ist das nicht schrecklich? Ich fühl mich gleich komisch bei dem Gedanken daran, dass mit meinem Kind so machen zu müssen. Naja, heutzutage ist ja zum Glück alles anders.

        Danke für Deine Antwort!

        LG Mel

        • Die Geschichten stimmen.
          Ich weiss noch wie entsetzt ich war, als meine Kusine mein Patenkind vor 20 Jahren entbunden hat und ihr Mann nicht dabei sein durfte und nicht mal das Geschlecht erfahren hat.

          Entfremdung des Kindes von der 1. Minute an zur Erfüllung des Plans und des höheren Wohls. Kinderkrippe nach 4 Wochen. Alles mit System.

          • Ja, ich weiß, dass die Geschichten stimmen. Mich lügt ja keiner an, denk ich.

            Es ist einfach nur schrecklich. Furchtbar.

            LG, Mel

            Uups... gabs denn in Berlin nicht das Babyjahr?
            Also, im ehemaligen Bezirk Frankfurt/Oder und Karl-Max-Stadt schon... in letzterem wurde mein Sohn vor gut 25 Jahren geboren.

            Komisch.. wo ihr in Berlin doch sonst immer alles hattet... ;-)

            Ich hätte damals das Babyjahr nehmen können (1 Jahr mit Kind zu Hause, Bezug in Höhe des Krankengeldes), wollte aber nicht.
            Mein Sohn kam mit 4 Monaten in die Krippe, ich habe weiter studiert.

            Dass man den Vätern am Telefon nicht das Geschlecht des Kindes mitteilte, hat seinen Grund, wie man mir im Krankenhaus erzählte:
            Damals (1983) wurde nur in seltenen Fällen Ultraschall gemacht, das Geschlecht des Kindes wurde also erst bei der Geburt festgestellt.
            Und es soll Väter gegeben haben, die dann gar nicht mehr ins Krankenhaus kamen oder sich vor der Tür umdrehten, wenn sie von Dritten das Geschlecht des Kides erfuhren und es nicht das Gewünschte war.
            Ich weiß nicht was dran ist an der Geschichte...

            Das der Mann nicht bei der Entbindung dabei war, hatte auch einen Grund.
            Wir waren z.B. 6 Frauen im Kreissaal, die gleichzeitig entbunden haben.
            Ich weiß nicht, wie ich mich gefühlt hätte, hätten da noch 5 wildfremde Männer drum herum gestanden und mir bei der Entbindung zugeguckt. Die fand im Übrigen auf einem ganz normalen Krankenbett (nur ohne Fußteil) statt.
            Genauso war es mit Rooming in. Die Räume waren einfach zu klein.

            Fremdwörter waren das auch in der DDR nicht, und es gab Kliniken, die das machten. Das kam zu der Zeit auf, als mein Großer geboren wurde.
            Aber wie auch sonst waren die Mittel für entsprechende Umbauten knapp, also wurden sie nicht gemacht.

    Hi!

    Ich wurde vor 33 Jahren hier in Westdeutschland geboren und wie meine Mutter erzählt gab es da noch kein rooming in (zumindest in dem KH nicht). Die Babys lagen im Kinderzimmer hinter einer Glasscheibe durch die die Besucher (auch die Väter) sie sich anschauen konnten. Für Fotos hat die Schwester mich an die Tür gebracht.
    Auch mit dem Stillen war das so. 4 Stunden zwischen jeder Mahlzeit (nachts weiß ich jetzt nicht), vor und nach dem Stillen wurde dann jedesmal gewogen (habe noch die Aufzeichnungen von meiner Mutter) ob das Baby auch genug getrunken hatte.
    Heute ist es zum Glück ja nicht mehr so (auch wenn man das immer noch als Ratschlag zu hören bekommt).

    LG

    curlysue

    • (10) 23.08.08 - 20:38

      Letztendlich seid ihr aber alle groß geworden.
      Ich kenne das auch noch so das Kinder in etwa alle 4 Stunden was bekommen.
      Meine Kids haben sich glücklicherweise selbstständig dran gehalten.
      Jede Stunde füttern finde ich grausam, da kann man ja gar nichts planen.

      • Hi!

        Das bestreite ich auch gar nicht. Dennoch bin ich froh, dass ich es nicht so strickt nach Plan machen musste und auch roomingin hatte. Mein Sohn kam alle zwei Stunden (anfangs auch nachts#gaehn) Es hat sich dennoch eingespielt und wir waren auch oft unterwegs und haben Besuche und Unternehmungen geplant. Dann wurde halt ne Thermoskanne mit heißem Wasser und Milchpulver eingepackt und genug Fläschen mitgenommen (das Stillen hat bei mir leider nicht geklappt).
        Man wächst da rein.

        LG

        curlysue

        (12) 23.08.08 - 21:50

        Ich bin spontan, ich muss unser Zusammenleben nicht bis ins kleinste Detail planen. Bin schliesslich erst 23 und nicht 90, da macht es mir noch nichts aus hin und wieder umzuplanen.

        (13) 24.08.08 - 12:08

        Wie unterschiedlich man doch denken kann, erstaunlich.. :-)

        Ich wiederum finde es grausam, wenn eine Mutter ihre Bedürfnisse über die des Babys stellt. Und gottseidank musste ich nie füttern, sondern konnte immer (bzw. kann noch) wunderbar unkompliziert und vor allem jederzeit stillen.

        Deswegen find ich solche Beschreibungen wohl auch grausam, wenn Babys schon direkt nach der Geburt zwangsweise von den Müttern getrennt wurden. Ist nix für mich..

    Also war es ähnlich.

    Es ist furchtbar. Vielleicht wären wir andere Menschen, wenn wir die Nähe zu unseren Eltern gehabt hätten. Ich bin irgendwie geschockt darüber und mir fällt es schwer das zu glauben.

    Danke für Deine Antwort!

    Gruß, Mel

    • Hi!

      Für uns heute mag es sich grausam anhören und ich bin selber froh, dass ich es anders machen konnte. Aber damals wusste man es nicht anders. Es geschah auch nur zum Besten des Kindes (nach dem damaligen Wissenstand). Wer weiß was unsere Kinder in 30 Jahren anders machen als wir heute und über was sie geschockt sein werden.

      Meine Geschwister und ich hatten dennoch eine gute Bindung zu unseren Eltern. Die Spannungen zwischen meiner Mutter und mir hatten andere Ursachen und Verhaltensweisen hervorgerufen.

      LG

      curlysue

      Hi!

      Habe noch was vergessen. Die Hintergründe, warum diese Entfremdung bei Euch so gemacht wurden (und auch noch, nachdem schon herausgefunden wurde, dass Nähe von Anfang an wichtig ist) finde ich genau wie Du grausam.

      LG

      curlysue

Zwischen 33 Jahren und den letzten Jahren der DDR ist aber ein großer Unterschied.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden totgeschwiegen zum Wohle des Staates.

  • Hi!

    Die TE wollte wissen, ob es das hier im Westen auch gegeben hat. Das habe ich ihr beantwortet.
    Und Du hast Recht. Der Unterschied ist der, dass die Wessis schon früher Rooming in etc. hatten, da die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht zum Wohle des Staates totgeschwiegen wurden.
    Bei uns ist es schon etwas länger her. Aber Zeiten ohne Rooming in und nur Anschauen hinter Glas gab es auch bei uns.

    LG

    curlysue

    • Das ist richtig. Bei uns wurde aus Unwissenheit so gehandhabt.

      In der DDR lag Methode dahinter.

      Nein, sie wollte wissen, ob es zur gleichen Zeit im Westen genau so gehandhabt wurde (habe ich auch erst übersehen).
      Und DAS ist tatsächlich ein großer Unterschied. Meine Nichte ist etwa in dem Alter und war tagsüber komplett bei der Mutter im Zimmer und nachts auf Wunsch. Feste Zeiten gab es nicht zwingend und der Vater war bei der Geburt anwesend und durfte das Kind genau so sehen und anfassen wie alle anderen Besucher aus der Familie.

      LG

(21) 23.08.08 - 20:57

Hallo!

Ich glaube, meine Mutter hat mir erzählt, dass nachts nicht gestillt wurde...

Gruß, F.

Laut meiner Mutter fand da gerade das Umdenken statt. Mein ältester Bruder ist 29 und wurde ihr noch im vier Stunden Rythmus gebracht, der nächst ältere ist 28 und den durfte sie schon auf dem Zimmer behalten.

Bei der Geburt vom älteren war mein Vater noch nicht dabei, das war damals angeblich nicht üblich, beim zweiten dann schon.

Hallo

auch DDR Kind, 6 Wochen zu früh geboren. Meine Mama durfte mich nur einmal sehen, dann kam ich für 6 Wochen auf die Station. Sie hat mich in der ganzen Zeit nur einmal im Arm halten dürfen:-( Sie hat abgepumpt, jeden Tag und mein Papa ist den weiten Weg in die Klinik gefahren damit ich meine Milch bekomme. Mit Sicherheit auch aller 4 Stunden.

Was ich noch viel schlimmer find. Da lag ich, frisch geboren, im Glaskasten ganz allein, wochenlang. Ich hab das Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" Jean Liedhoff gelesen und musste weinen. Ich will gar nicht wissen, wieviele Stunden ich alleine jeden Tag schreien musste.:-(Gewickelt und gefüttert wurde ja streng nach Zeitplan, die restliche Zeit hat sich kein Mensch für die Babys interessiert. Ich bin mir sicher ich wäre ein anderer Mensch geworden, wenn es anders gelaufen wäre!

Meine Mama hat mir auch erzählt, dass die Babys früher zum stillen den Müttern gebracht wurden. Nicht wie heute, jedes in seinem Glasbettchen. Nee 3-4 Babys pro Schwester auf dem Arm#schock oder übereinandergestapelt im Schiebewagen. Eines ist dabei mal runtergefallen und gestorben#heul

Mensch, dass waren echt Zustände#schmoll

Grüßle
Sylvia

Hallo,

bei meiner Schwiegermutter (kommt aus der DDR) war es genauso.

Meine Oma kommt hier aus dem Westen,aber viel anders war es nicht.Sie erzählte mir das die Babys zu festen Zeiten gefüttert und gewickelt wurden.Außerdem mussten sie so Baby Sport machen,also Gymnastik Übungen für Babys...

Alles lief nach einem strengen Zeitplan ab und es war undenkbar das der Vater bei der Geburt dabei war.Bei meiner Mutter,also als wir geboren wurden,war das alles schon gaaaaaaaaaaaaaanz anders.

Hallo!

Ja, bei uns in Wolfsburg war das ganz genauso, wie Du es schreibst!!

Das mit der Glasscheibe ist sogar noch viel kürzer her. Zumindest kann ich mich erinnern, daß ich irgendein Baby auch nur durch die Glasscheibe sehen durfte.

Liebe Grüße, Shakira0619

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