Warum beklagen sich Lehrer so häufig?

    • (1) 04.12.08 - 09:02

      Hallo,

      erstmal vorab: ich möchte auf keinen Fall den Lehrerberuf diskreditieren und hoffe, dass die evtl. Diskussion auch dahin nicht gleitet. Ich frage mich nur seit Jahren (viele Lehrer in Familie und Freundeskreis): Warum jammern Lehrer so laut und vehement über ihren Job?

      Zweifelsohne ist es ein sehr anstrengender Beruf. Aber das sind andere Berufe auch (Altenpfleger, Fluglotse, Erzieher, usw. usw.). Nur mit dem Unterschied, dass der Lehrerberuf im Beamtenstatus sehr, sehr viele Vergünstigungen hat (12 Wochen frei im Jahr, unkündbar, sichere Pension, von Möglichkeiten wie "Sabbat-Jahr" usw. will ich jetzt gar nicht reden).

      Ich gönne jedem Lehrer diese Vergünstigungen. Mich nervt es aber, dass nur schlecht seitens der Lehrer (natürlich nur die ich kenne, nicht allgemein gültig!) über ihren Job geredet wird und die Vergünstigungen gerne runtergespielt werden.

      Nun meine Frage an euch? Könnt ihr mir erklären, warum das so ist? Ist der Lehrerberuf denn so schlimm oder haben manche einfach den falschen Job? Ich habe gestern meine Lehrerfreundin -nach ihrem Jammern- gefragt, da bekam ich nur die Antwort, dass der Lehrerberuf der anstrengenste Beruf sei, den es gäbe....und ich könnte wohl keinen Beruf finden, der mit der Anstrengung vergleichbar wäre. Als ich sie dann nach den Vergünstigungen fragte, sagte sie, dass sie rechnerisch gar nicht mehr Urlaub hätte und das mit der Pension sei doch auch vergleichbar.

      Also, vielleicht ist meine Wahrnehmung schief. Ich freue mich auf eure Kommentare.

      LG
      christina

      • Kenne selber einige Lehrer und da gibt es dann halt auch so Gespräche über den Job.

        Ganz oft wird gesagt, dass es negativ ist, dass sich viele Eltern gar nicht dafür intressieren was ihre Kinder so in der Schule machen. Termine zu Gesprächen werden nicht wahrgenommen und man hat den eindruck, dass die Kinder egal sind.

        Dann geht es weiter,dass viele Kinder keinen Respekt mehr vor Erwachsenen haben und auch Lehrer gewissen "Anfeindungen" seitens der Kinder ausgesetzt sind.

        Und dann erkläre mal den Eltern das ihr süßer Sonnenschein andere Kinder verhaut, Kraftausdrücke kennt die einem selber fremd sind und der Meinung sind der Unterricht ist zum spielen mit Handy & Co da.

        Ich kann die Lehrer teilweise wirklich verstehen und würde selber diesen Job nie machen wollen.

        LG

        Hallo Christina,

        Deine Wahrnehmung ist sicherlich nicht falsch und auch ich möchte den Beruf an sich nicht herabwürdigen. Es mag nicht einfach sein, sich mit Jugendlichen im pupertären Alter auseinanderzusetzen, aber das weiß man, wenn man den Studiengang dafür wählt. Fort- und Weiterbildungen gibt es auch in anderen Berufsgruppen.

        Allerdings bin ich auch der Meinung, dass es durchaus noch anstrengendere, nervenaufreibendere Berufe, als den des Lehrers gibt. Vielleicht wollen sich die Lehrer mit der Aussage, des enormen Stress nur rechtfertigen für ihre Vergünstigungen. :-p
        Ich kenn ein Exemplar, welches trotz Halbtageseinsatz (auch mal nur 2 Stunden hat oder gar ganz frei) sich über einen 5 Stunden Tag beklagt. Bzw. sich wegen Kopfweh krank schreiben lässt. Meist vor oder nach Feiertagen. In meinen Augen ist das ein Hohn gegenüber Selbständigen und Angestellten, die den Status eines Beamten nicht genießen dürfen. Wo "blau" machen Konsequenzen mit sich bringt.
        Ich kenne aber auch aus Schulzeiten Lehrer, die es mit Leib und Seele sind!

        LG Chen

        Ehrlich gesagt denke ich die Lehrer haben Recht heutzutage.
        Gibt genügend Kinder die nicht nicht unterrichten wollte.
        Und die Eltern sind auch nicht besser, sieht man ja selber hier bei Urbia, jede Kleinigkeit wird rumkritisiert.
        Habe vor 3 Wochen noch mit einem alten Schulfreund geredet, der ist auch Realschullehrer.
        War immer sein Wunsch, und er ist auch völlig geeignet dafür.
        Aber selbst der sagte mir er wird es wohl nicht übrstehen bis zur Rente Lehrer zu sein, und interessanterweise wegen den Eltern. Die drohen heute wegen Nichtigkeiten mit Anwalt, weigern sich Lektüren zu bezahle und und und.
        Wie soll ein Lehrer da noch Spaß am Beruf haben?
        Mal abgesehen von dem verhalten der Schüler heutzutage.

        (7) 04.12.08 - 09:26

        Das ist natürlich die andere Seite.
        Von daher bin ich der Meinung, dass es wie in großen Firmen auch, einen Schulanwalt geben sollte, der die Lehrer vertritt, mit dem notwendigen Hintergrundwissen. Würde vielleicht einige Eltern davon abhalten mit Rechtsmitteln zu drohen, wenn es noch nichtmal angebracht ist.

        • (8) 04.12.08 - 10:26

          Und genau das ist das armselige daran
          Geht heute nichts mehr ohne Anwälte im Nacken?

          Und ich behaupte jetzt das zu meiner Schulzeit noch alles anders war.
          Hat sich ein Kind daneben benommen oder sonstwas haben die Eltern das so akzeptiert und Maßnahmen ergriffen, da wurde nichtmal dran gedacht einen Anwalt einzuschalten.
          Wenn ich dann noch höre das es heute noch nichtmal leicht ist Schüler von der Schule zu verweisen dann frag ich mich wieso.
          Benehmen sich wie die letzten, aber die Lehrer müssen diesen "Schrott ertragen.

          • (9) 04.12.08 - 10:36

            Stimmt... und deshalb sollte es ne Möglichkeit geben, wie Lehrer auch in solchen Situationen zu ihrem Recht kommen. Und wenn es nur darum geht, den Eltern und Schülern zu symbolisieren, dass man sich nicht alles erlauben kann. Weil das muss niemand akzeptieren.
            Offensichtlich gehört heutzutage ein Anwalt zum "guten Ton". Wenn man damit drohen oder prahlen kann ist man doch schnell raus aus ner Unannehmlichkeit, ohne sich selbst Gedanken zu machen, die zur Lösung eines Konfliktes beitragen.

            (10) 04.12.08 - 11:51

            Hallo,

            Kinder und Jugendliche als Schrott zu bezeichnen finde ich aber derb daneben.

            Naja so reden meist Leute, die sich für was Besseres halten und wo nichts dahinter ist.

            Würde mich mal interessieren, was du in der Kinder und Jugendarbeit leistest?
            Beschäftigst du dich mit Kindern und Jugendlichen?
            Hörst du dir ihre Sorgen und Nöte an?
            Oder gehörst du nur zu denen die nur vor ihrer eigenen Haustüre kehren und denen anderer Leute Kinder am Poppes vorbei gehen ?

            Ich beschäftige mich gerne mit dem "Schrott".
            Denn wenn man ihnen zuhört, sie respektiert und sie ihnen eine Aufgabe gibt, dann bekommt man auch Respekt
            Wenn man jemanden vorverurteilt und schon als "Schrott" betitelt muß man sich nicht wundern....wie es in den Wald hineinschallt - gelle!!!!!!

    Hallo,

    ein Grund warum sich Lehrer häufig beklagen, ist dass die meisten Menschen ein völlig falsches Bild von diesem Beruf haben.

    So z. B. gehst auch du von einigen falschen Dingen aus. Ich werde Lehrerin in MV. Hier wird niemand verbeamtet, die meisten Lehrer unterrichten an mindestens 2 Schulen parallel (können sich somit um die einzelnen Schüler kaum kümmer), arbeiten meist nur Teilzeit (und bekommen natürlich auch nur Teilzeitlohn, wobei der Lohn hier im Osten eh schon geringer ist als im Westen) und gerade junge Lehrer bekommen häufig nur befristete Verträge bis zu den Sommerferien - sie sind dann über die Sommerferien arbeitslos und beziehen in dieser Zeit auch kein Gehalt und hoffen jedes Jahr aufs neue, dass ihre Stelle nicht durch jemand anderes besetzt wird. Außerdem haben Lehrer nicht 12 Wochen Urlaub, sondern auch nur 30 Tage (oder so was in dem Dreh). In der anderen Zeit müssen sie quasi auf Abruf für Fortbildungen, Dienstbesprechungen etc. sein.

    So luxuriös wie du das Lehrerdasein beschreibst, ist es also bei Weitem nicht.

    Außerdem meinen heutzutage viele Eltern ihre Verantwortung am Schultor mit dem Kind abzugeben - Lehrer sollen in erster Linie lehren und nicht erziehen, das vergessen heute viele Eltern. Dadurch ist Lehrerdasein heute eine Art Doppelbelastung.

    Das Schlimmste aber ist, dass beinahe jeder meint, mitreden zu können, was pädagogische Belange angeht, da er schließlich selbst mal vor zig Jahren in die Schule gegangen ist... Wenn das alles so einfach wäre, frage ich mich, warum wir 5 Jahre dafür studieren müssen... #kratz

    Wie auch immer, ich werde trotzdem gerne Lehrerin.

    LG Berna

    • "Lehrer nicht 12 Wochen Urlaub, sondern auch nur 30 Tage (oder so was in dem Dreh). "

      Also, die Lehrer in meinem Umfeld (alle verbeamtet) haben:

      6 Wochen Sommerferien (abzüglich 2-3 Randtage)
      2 Wochen Herbstferien
      2 Wochen Weihnachtsferien
      2,5 Wochen Osterferien

      macht insgesamt 12 Wochen +/- ein paar Tage. Wie kommst du auf 30 Tage? Fortbildungen/Dienstbesprechungen finden niccht in den Ferienzeiten statt. Ausnahme gelegentliche Ferienrandtage.

      Es würde mich freuen, wenn du mir das erklären könntest. Danke!:-D

      LG
      Christina

      • (13) 04.12.08 - 11:42

        Hallo,

        12 Wochen Ferien nach Kalender.
        Dann frage ich mich doch warum unsere Lehrer drei Wochen innerhalb der Schulferien in der Schule an zu treffen sind.
        Ein bis zwei Wochen vorher beginnen die Konferenzen.
        Denke nicht das die das per Videokonferenz aus der Karibik
        abhalten.

Das Märchen vom Urlaub hält sich tatsächlich hartnäckig, das einzige was drüber hinausgeht ist noch das "Arbeiten nur Halbtags"-Märchen.

Ein Teil der Anstrengung ist wahrscheinlich einfach das Gefühl, dass man für jeden einzelnen Schüler verantwortlich ist und dessen Zukunft beeinflusst. Und zwar nachhaltig. Man könnte jetzt sagen, dass Fluglotsen das ja auch tun aber der Vergleich hinkt ein wenig.

Ich glaube man muss es gemacht haben um nachvollziehen zu können wie anstrengend ein Job ist und es gibt nunmal sehr viele Lehrer was den Eindruck erwecken könnte das sie gern jammern.

  • "Das Märchen vom Urlaub hält sich tatsächlich hartnäckig, das einzige was drüber hinausgeht ist noch das "Arbeiten nur Halbtags"-Märchen"

    Wieso ist das mit den 12 Wochen Schulferien = Urlaub ein Märchen?
    Ich würde mich freuen, wenn du mir das erklären könntest.

    Das Lehrer nicht halbtags arbeiten ist klar.

    LG
    CHristina

    • Kenne ne Halbtagskraft... die sogar ziemlich unter ihrem berufliches Stress leidet :-[ und sich selbst in den Vordergrund bringen möchte und andere mit einem 10 Stunden Tag herabwürdigt.

      Nichts für ungut, sind nicht alle gleich. Gott sei Dank. Mich wurmt nur explizit dieses Beispiel. Sogar die Teilnahme an Notenkonferenzen wird als anstrengend und kräftezehrend betrachtet.

      Also 6 Wochen Sommerferien haben die Lehrer hier nicht.
      Die sind schon in der letzten Ferienwoche wieder in der Schule.
      Deseiteren finden auch Fortbildungen in den Ferien statt.

      Ofiziell haben Lehrer auch nur 30 Tage Urlaub.

      In den Sommerferien wird in den letzen Beiden Wochen, jedenfalls an meiner Schule gearbeitet. Es wird halt kein Unterricht gehalten.
      Ich kenne einen einzigen Lehrer der in den Ferien nicht an seinem Unterricht feilt oder Klausuren korrigiert.

Hallo,

interessanter Beitrag, ich habe da auch schon drüber nachgedacht. Habe auch mehrere Lehrer in der Familie, die steif und fest behaupten, sie hätten den anstrengendsten Beruf der Welt.

Meine Vermutung:
Leider ist es so (weiß ich aus eigener Erfahrung), dass so gut wie alle, die nach dem Abi nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen -- ein Lehramtsstudium anfangen. Wäre bei mir auch FAST soweit gewesen.
Ist ja auch verlockend: Man kann sich zwei Fächer aussuchen, die einen interessieren (ist also für fast jeden etwas dabei), man denkt "toll, die Schulferien bleiben mir erhalten" #augen ...

Ist das Studium dann aber abgeschlossen, kommt das böse Erwachen. Keine 12 Wochen Ferien, kein "schulfrei" mittags nach der letzten Stunde, sondern ewig lange Klausurenkorrekturen, Fortbildungen, Elternsprechtage, Klassenfahrten .....

Die Diskrepanz zwischen dem Erwarteten und der Realität ist dann so groß, dass alles tausendmal schlimmer aussieht.

Natürlich gibt es auch die, die mit Leib und Seele Lehrer sind und sich den Beruf ganz bewusst mit allen seinen Tücken ausgesucht haben - die beklagen sich aber auch nicht im Übermaß.

Nur meine Meinung, für andere bin ich immer offen.

Liebe Grüße, K.

  • (20) 04.12.08 - 11:49

    "Die Diskrepanz zwischen dem Erwarteten und der Realität ist dann so groß, dass alles tausendmal schlimmer aussieht. "

    That's it! Vor allem auch die hehre Erwartung, die "Welt" durch Erziehung und Bildung verbessern zu koennen, findet sicher sehr schnell seine engen Grenzen.

Ich kenne auch viele Lehrer, die sich nur beklagen. Aber genau diese Lehrer stehen sich - nicht nur beruflich - auch sonst im Leben oft selber im Weg, sind ein wenig weltfremd und kaum belastbar. Lehrer sind nie aus der Schule gekommen. Ich fürchte, dass viele Lehrer, würden sie andere Jobs haben, da ebenso wenig klar kämen.
Ich betone: es gibt Ausnahmen!

LG
Alma

(22) 04.12.08 - 13:43

Hi,
also, ich denke zum einen, dass du wie so viele ein falsches Bild von dem Beruf hast (aber das betrifft ja eigentlich die meisten Berufe, die man nicht selbst ausübt ;-), so richtig Ahnung hat man nicht davon).

Von 12 Wochen frei im Jahr kann nicht wirklich die Rede sein. Denn wer den Beruf ernst nimmt (und wie in allen Berufen findet man auch bei Lehrern solche "Exemplare") hat dann neben den auch innerhalb der Ferien liegenden Anwesenheitszeiten noch einen Berg an Unterrichtsvorbereitung. Es steht natürlich den Lehrern zumindest teilweise frei, einen Teil dieses Berges auch an Wochenenden, Feiertagen usw. abzuarbeiten...

Halbtags arbeiten heute die wenigsten, volle Stundenzahl haben bedeutet auch Vollzeitjob.

Verbeamtet werden heute ebenfalls die wenigsten. Angestelltenverhältnisse sind gang und gebe, mit Konsequenzen, die - wenn es nicht die ungeliebte Spezies Lehrer betreffen würde - eigentlich zu permanenten Aufschreien in der Bevölkerung führen würden. So wurde den Lehrern in einem Bundesland die Wahl gestellt, dass entweder ein großer Teil der jungen, natürlich nicht verbeamteten Kollegen gekündigt werden würde - oder alle "freiwillig" ihre Stundenzahl reduzieren könnten, natürlich gleichzeitig auch das Gehalt. Komisch, wenn Autobauer derartige Ankündigungen machen geht das durch die Medien, und freuen tun sich erstaunlicherweise die wenigsten.

Daraus ergibt sich natürlich auch, dass das "unkündbar" längst nicht mehr für den Großteil der Lehrer gilt.

Dazu hast du es i.d.R. mit ca. 30-60 Menschen zu tun, die es garantiert alle besser wissen als du. Und damit meine ich nicht die Schüler, sondern die Eltern. Du triffst haufenweise Eltern, die ihre Kinder durchs Gymnasium "prügeln", obwohl die Schüler bestenfalls auf der Realschule gut aufgehoben wären. Auch Hauptschulempfehlungen werden konsequent ignoriert. Ob das die Interessen der Kinder trifft interessiert doch eigentlich die wenigsten Eltern. Und so ist es eigentlich grundsätzlich bei allem egal, was die Lehrer anmerken und kritisieren, kaum Eltern lassen Kritik (auch sinnvolle, gut gemeinte, hilfreiche) an ihrem Sprößling gelten. Sorry, aber den Fluglotsen möchte ich kennenlernen, der noch Spaß an seinem Beruf hat, wenn jeder einzelne Pilot, mit dem er kommuniziert erst mal anfängt, mit ihm darüber zu diskutieren, ob die gegebenen Anweisungen so wirklich richtig sind. Na ja, und diese Diskussionen dann natürlich grundsätzlich abends um 20:00 stattfinden, denn wer sagt eigentlich, dass Lehrer irgendwann Feierabend haben?

Wenn du was ernsthaftes zu sagen hast, droht dir die Klage. Es gibt Dunkelziffern, die davon ausgehen, dass ca. jedes 10. Kind mit Gewalt (auch sexueller) in Kontakt kommt. Heißt, in einer typischen 30-Kinder-Klasse sind es im Durchschnitt 3. Aber wehe, der Lehrer hat einen Verdacht, wer davon betroffen sein könnte und will was unternehmen - dumm, wenn es sich dann später nicht beweisen lässt, dann ist der Lehrer u.U. der Dumme und riskiert massive Konsequenzen. Ebenfalls dumm, wenn sich irgendwann herausstellt, dass der Lehrer richtig lag, er aber nichts unternommen hat - denn dann ist das Geschrei natürlich groß, und alle zetern rum: das hätte man doch mitbekommen müssen.

Oft genug hast du als engagierter Lehrer einen Maulkorb von oben. So wie Lehrer meines alten Gymnasiums, die einfach die Anweisung hatten, dass es in der Schule keine Drogen geben würde und damit basta. Dass das anders war - dafür hätten die niedergelassenen Ärzte nicht mal ihre Karteikarten wälzen müssen. Durften sie natürlich nicht laut sagen, denn die Rechte von irgend jemandem mussten ja immer geschützt werden. Und so konnten ohne irgendwelche Eingriffe durch die Lehrer wunderbar schon an 7-Klässler dubiose Tabletten verkauft werden.

Frustrierend für Lehrer, die gerne dagegen vorgegangen wären (und die gab es auch bei uns - allerdings i.d.R. nicht lange) und dann voll gegen eine Mauer gelaufen sind.

Dazu der Trend, dass immer mehr Eltern offenbar Grundlagen der Erziehungsarbeit auf die Schule abwälzen. Und wenn das dann nicht klappt in einer Klasse mit 25-30 anderen Kindern, was mindestens 6 Jahre lang versäumt wurde - wer ist Schuld? Die Lehrer, wer sonst. Wer traut sich schon, mal den Eltern einen Spiegel vor das Gesicht zu halten...

Eigentlich könnte man die Liste noch endlos fortsetzen. Und nein, ich bin keine Lehrerin, aber ich kenne einige - aus der Familie und dem engen Freundeskreis.

Es reden übrigens bei weitem nicht alle schlecht über ihren Beruf. Den meisten geht es so wie fast allen Arbeitnehmern: sie haben Dinge, die Spaß machen, und Dinge, die frustrieren. Nur sehen halt einige, dass die frustrierenden immer mehr zunehmen. Und sie oft relativ machtlos dagegen sind.

Frustrierend vielleicht auch, dass du als Lehrer riskierst, dass es alle 5 Jahre einen neuen Kurs gibt. Den die einen besser finden, die anderen schlechter - aber eine Sicherheit, dass du etwas aufbaust, unterstützt und es nach der nächsten Landtagswahl noch Bestand hat gibt es nicht.

Aber ein Punkt wurde gerade unter uns Müttern positiv erwähnt am Lehrerberuf: es gibt wohl (nach Aussage "betroffener"!) nur wenige Berufe, die sich so problemlos mit einer Familie kombinieren lassen wie der Beruf eines Lehrers. Wie gesagt, die Aussage kam von Lehrerinnen mit Kindern. Die allerdings allesamt den Vorteil haben, nicht (nur) vom Gehalt ihrer deutlich reduzierten Stundenzahlen leben zu müssen...

Viele Grüße
Miau2

  • (23) 04.12.08 - 14:20

    Da kann ich dir nur Recht geben...Ich habe auch einige Lehrer im Familien - und Bekanntenkreis und genau das sind die Probleme...
    Zumal mittlerweile auch von den Schulen zum Teil vorgegeben wird (besonders Gymnasien),dass sie die Schüler bis zur Zehnten durchschleifen müssen und das bei einem bestimmten Notenschnitt...Wenn ein Schüler eine 4 hat,bekommt der Lehrer nicht nur Ärger mit den Lehrern sondern auch oft mit dem Direktor,da das ja ein schlechtes Bild auf seine Schule wirft...Das das einfach nur eine der Leistung entsprechende Bewertung ist,interessiert keinen...
    Teilweise schreiben die Schüler heute Klassenarbeiten/Klausuren,die wir seinerzeit vom Niveau her 1-2 Jahre früher geschrieben haben - einfach,damit die Noten besser sind...
    Der Druck ist enorm,viele Lehrer sind psychisch krank...
    Dazu kommt die angesprochene Fahrerei zwischen mehreren Schulen...

    Also ich persönlich würde den Job zur Zeit auch nicht wirklich machen wollen...

    LG,Lene

Die verbringen ihren Tag mit jammernden meckernden Schülern - das färbt ab.
Außerdem ist es schon recht frustrierend, wenn man sich standig Mühe gibt und immer auf Gegenwehr stößt. Die Schüler sind oft rotzefrech und man hat keine Handhabe dagegen. Wenn man sich bei den Eltern beschwert, wird man auch noch dumm angemacht und nur selten haben die wirklich Interesse oder unterstützen die Lehrer.
In jedem anderen Beruf würde sich der jenige wegen Mobbing beschweren. So'n Lehrer muß alles in sich rein fressen. Kein Wunder, daß die unzufrieden sind.

Es ist auch nicht jeder zum Lehrer geboren. Nur weil das Wissen da ist, heißt das nicht automatisch, daß man es auch vermitteln kann.

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