Warum eigentlich obdachlos ???

    • (1) 17.01.09 - 17:47

      Hallo Ihr Lieben!

      Vielleicht wisst ihr´s ja....

      Ich frag mich immer, warum und weswegen es hier bei uns in Deutschland so viele Obdachlose gibt.

      Auf den ersten Blick ne komische Frage, ich weiss aber es gibt ja nunmal das ALGII und sonstige, sozialen Unterstützungen. Dazu gibts noch eine nette Sage: in Deutschland verhungert KEINER...

      Mich interessiert einfach, warum wirklich so viele auf der Strasse leben.

      Sicher muss man sich für Arbeit bereit stellen, wenn man z.B. ALGII bezieht etc. aber sollte man dieses nun nicht tun, kann man dann echt auf die Strasse gesetzt werden, von Vater Staat? Ist es vielleicht DAS ?

      Ich weiss nich.... ich fands nur grade jetzt wieder sehr auffällig, bei der Eiseskälte, da wurde ja auch sehr viel darüber im TV gesendet.

      Ich bin z.B. von der Struktur hilfsbereit und seitdem ich denken kann, gebe ich immer den gleichen Obdachlosen in der Stadt einen Euro bzw. kaufe denen auch öfter mal was zu essen. Wenn ich dann so nach hause fahre, überleg ich oft: warum machste das eigentlich? Die können doch selbst auch mal arbeiten gehen, sich bemühen aus dem ganzen Drama rauszukommen. Bei mir schellt ja auch keiner an der Tür und sagt: hier Frau XX, ein Essen um sonst, weil die wirtschaftliche Lage schon schwer genug ist. Da spaltet sich so mein Gefühl wenn ihr irgendwie nachvollziehen könnt, was ich meine.

      Ich glaub ich hab grad nicht so das Talent, es auf den Punkt zu bringen aber ich hoffe, ihr wisst, was ich meine ;-)

      Also, was denkt ihr, woran´s liegt?

      Lg
      Sunny

      • Ich geb Dir mal jetzt ein paar Stichworte, vielleicht kannst Du Dir (D)einen Reim darauf machen.

        *Schulden
        *Sucht
        *Aussteiger
        *Arbeitsunlust
        *Nase voll von Vater Staat...

        Die Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig!

        muemel

        • Ja ja, das ist schon so weit einleutend aber gibt´s dann noch einen guten Grund, diesen Menschen zu helfen?

          Es heisst doch so schön: Jeder ist des eigenes Glückes Schmied.

          Das viele da unverschudlet reigerutscht sind, das unterstreiche ich aber warum hilft man sich dann nicht wieder auf die Beine, also warum nimmt man keine Hilfe an, um eben wieder aúf die Beine zu kommen?

          Ich glaube einfach nicht, dass man obdachlos sein MUSS.

          Kann sein, dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne aber das ist meine Ansicht.

          Lg
          Sunny

          • Wie gesagt, lies mal nach bei sueddeutsche.de

            http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27824

            sicher kannst du immer sagen: "Das ist doch nicht notwendig, warum stehen die nicht wieder auf, so etwas passiert vielen, und die sind alle NICHT obdachlos." Aber es ist eben nicht für jeden Menschen leicht, "einfach" wieder aufzustehen, sich Hilfe zu holen, sich einzugestehen, dass es aus eigener Kraft eben NICHT funktioniert.
            Ich denke, eben für solche Menschen sollte die Gesellschaft da sein: Um sie aufzufangen, ihnen zu helfen, sich selbst helfen zu können. Aber meist wird nur gesagt: "Der soll sich mal tüchtig anstrengen, dann klappt das auch schon."
            Nach dem Motto: "Mir doch egal, wie es den anderen geht, hauptsache, mir gehts gut."

            Naja, ich bin anders, bin nicht umsonst Sozialarbeiterin. Bin übrigens dafür da, Obdachlosigkeit zu vermeiden... keine leichte Arbeit.

            L G
            Gunillina

      Nicht jeder in Deutschland bekommt soziale Unterstuetzung. Es gibt immernoch Situationen, in denen man durch das soziale Netz faellt! Leider.

      Zunächst einmal: Die Obdachlosen leben nicht auf der Straße, weil es ihnen Spaß macht oder damit sie nicht arbeiten müssen. Auf der Straße leben heißt jeden Tag wieder ums Überleben kämpfen.

      Warum man auf der Straße landet:
      Alkohol (oder andere Drogen), Arbeitslosigkeit, Überschuldung (und das kann jedem Deutschen passieren, so viele Kredite und Ratenzahlungen, wie die Menschen am Laufen haben, da wird mir immer ganz schlecht), psychische Erkrankungen, Opfergeschichten (Vergewaltigungen, Mißbrauch, Gewalt ind er Ehe etc.), Traumata usw.

      Jeder geht anders mit Schicksalsschlägen um. Es gibt grad im "Sueddeutschen Magazin" (liegt der Freitagsausgabe bei oder im Netz nachzulesen) einen Artikel über drei obdachlose Frauen. Sehr interessant.

      Und "die sollen doch einfach mal arbeiten gehen, so wie ich auch", das ist einfach gedankenlos dahergesagt.

      Hinter jedem Obdachlosen steckt eine Geschichte. meist eine sehr deprimierende Geschichte noch dazu.

      Und auch wenn man selbst meint, dass so etwas nie mit einem passieren könnte: Genau das haben die auch gedacht, bevor es dann soweit war.

      Momentan müssen Obdachlose sich oftmals entscheiden: Will ich in der Nacht lieber fast erfrieren oder lieber in einem Wohnheim riskieren, ausgeraubt zu werden, verprügelt zu werden, mit Läusen und co. angesteckt zu werden? Niemand stellt sich jeden Abend vor diese Wahl, nur um lieber vom mickrigen Hartz4 zu leben und vor der Arbeit zu entkommen.

      Ach, Obdachlos kann man auch gut werden, weil es kaum noch bezahlbaren (ARGE-fähigen) Wohnraum gibt. Bei uns liegt der Arge-Satz bei ca. 250 Euro Miete für eine Person. Es gibt hier kaum Wohnungen, die eine solch niedrige Miete haben. Und wenn, dann sind es Löcher, die schimmeln, keine Heizung haben etc. Also.

      L G

      Gunillina

    • Viele Gründe, warum Personen auf der Straße landen, sind dir schon genannt worden. Dennoch, niemand MUSS auf der Straße leben. Wer bereit ist, in die soziale Hängematte zurück zu kehren, kann dies jederzeit tun, mit allen Rechten aber auch PFLICHTEN! Daran scheitert es oft, viele haben schlechte Erfahrungen mit Ämtern gemacht, wollen keine staatlichen Leistungen mehr erhalten.

      Junge Leute, die auf der Straße leben, haben oft Angst, zu ihren Eltern zurück zu müssen. Das Argument, dass es keine preiswerten Wohnungen zum Arge-Satz gibt, kann ich so nicht gelten lassen. Obdachlos in München ist sicherlich schwer, in Berlin gibt es genug preiswerten Wohnraum.

      LG H. #klee

      • Ich muss dir wiedersprechen.

        Es gibt Leute, die MÜSSEN auf der Straße leben, weil sie nämlich durch das soziale Netz fallen. Ich habe die Erfahrung leider sammeln müssen. Da ist nicht mal eben einer nett und hilfsbereit, da versuchst du ALLES um da rauszukommen und am Ende scheitert sowas an Bürokratie un dud sitzt erstmal weiterhin auf der Strasse.

        LG

        • kannst du dazu mehr sagen oder vielmehr schreiben? ich verstehe es nämlich noch nicht so ganz...

          mal abgesehen von der ganzen Bürokratie die ganz sicher einige Obdachlose abschreckt und für die ihnen der Staat Hilfe zur Seite stellen sollte...
          Wenn man aber diese Ämtergänge alle durchhält, bekommt doch EIGENTLICH jeder in Deutschland finanzielle Hilfe...sprich ALG2 oder Sozialgeld. Oder bin ich da zu blauäugig? Was gibt es denn da für Raster?

        Ich habe jetzt 10 Jahre Sozi und Arge Erfahrung. Beschreib mir den Fall, der tatsächlich durch das soziale Raster fällt?

        Ich sage, es gibt ihn nicht. Höchstens wenn jemand bei einer Absage oder einer negativen Erfahrung gleich wieder die Biege macht und seine Ansprüche nicht nachdrücklich geltend macht.

        LG H. #klee

        • Hallo,

          bei uns war es so: ich war minderjährig und bin mit 16 zu hause raus, wegen massiver körperlicher und psychischer Gewalt (Verhandlungen laufen).
          Ich habe mich gewandt an: Jugendamt,Kinderschutzbund,Biff e.v,Notruf für Opfer häuslicher Gewalt, Polizei, Obdachlosenheim, Arge, Landesamt für soziale Dienste, Arbeitsamt. Weitere Anlaufstellen kannte ich einfach nicht. NIemand hat mir geholfen. Ich sollte doch erstm nach Hause gehen und ein Gespräch führen. Ich habe das versucht. Trotz Morddrohungen. Ich hatte keinen Erfolg. Einen Anwalt konnte ich nicht bezahlen, ummelden konnte ich mich ebenfalls nicht, weil ich dazu hätte volljährig sein müsse. Obdachlosenheime haben zu dem Zeitpunkt keine Frauen aufgenommen und schon gar nicht minderjährige Mädchen. Niemand hat einmal Kontakt mit meinen Eltern aufgenommen um evtl. eine Klärung zu schaffen oder Unterhalt zu bekommen. Mein Vater war zu dem Zeitpunkt sehr sehr guter Verdiener. Meine Mutter war so eingesperrt und verängstigt das sie mir nicht helfen konnte. Sobald sie die Möglichkeit hatte, hat sie es getan. Ihr kann ich keine Vorwürfe machen. Die Arge war nicht zuständig, weil ich ja noch bei meinen Eltern gemeldet war. Un dsomit bicn ich scheinbar komplett durchs System gefallen.

          Mein Mann stand ebenfalls dumm da. Wir sind ja zusammen rausgeflogen (wobei mein VATER vorher super mit ihm zurecht kam, und ihm angeboten hatte einzuziehen). Mein Mann stand etwa 1 Woche auf der Straße und konnte dann vorübergehend in ein Obdachlosenheim. Er hatte ja keine Postadresse und somit w#re er für die Arge nicht erreichbar gewesen, also gabs von denen erstmal auch kein Geld. Mein Mann hat dann beim Landesamt für soziale Dienste einen Vorschuss bekommen können und hat zum Glück als LKW fahrer anfangen können. Von dem Geld bin ich dann losgegangen, und habe minderjährig eine Wohnung angemietet, damit wir wieder ein Dach über dem Kopf haben. Unser Vermieter war Anwalt und hat zum Glück beide Augen zugedrückt.

          An den Wochenende vorher durfte ich zum Glück im Rucksack Hotel schlafen und hab dafür die Nachtrezeption übernommen.

          Ich weiß nicht ob das damals alles so korrekt gelaufen ist, aber ich weiß wie tief es runter gehen kann und ich bin froh hier im warmen zu sitzen.

          Am meisten enttäuscht haben mich damals ARGE, Jugendamt und Polizei.

          Wegen minderjährigkeit konnte ich meinen tollen Vater ja noch nichtmal anzeigen. Das hätte meine Mutter unterschreiben müssen.

          Mittlerweile ist sie allerdings auch von diesem Monster getrennt und mittlerweile verläuft darum alles in einigermaßen geregelten Bahnen, ausser die Krankheit meines Mannes.

          LG

          • Sorry, aber dass man wegen minderjährigkeit keine Anzeige erstatten kann, glaube ich definitiv nicht.

            Allerdings kann ich mir auch nciht vorstellen, dass Du ernsthaft bei keiner der o. g. Stellen Hilfe bekommen hast - vielleicht bist Du irgendwie "falsch vorgegangen", evtl. lag es an der fehlenden Anzeige oder daran, dass Du mit Deinem (älteren?) Freund irgendwo unterkommen wolltest?

            Gruß,

            W

            • Ich war bei mehreren Polizeirevieren und von allen habe ich dieselbe Auskunft erhalten: Keine Anzeige ohne Unterschrift eines Elternteils, solange ich minderjährig bin.

              Natürlich wollten wir irgendwo unterkommen. was denn auch sonst? Ob mein (damals) Freund, jetzt Mann nun älter ist oder nicht ist dabei doch völlig unwichtig.

              Ich habe nunmal von keiner der genannten Stellen Hilfe bekommen. Das Jugendamt hat es NICHT interessiert, das ich misshandelt wurde. Denen tat der Täter sogar noch leid.

              Gruß

              • Und Kinder, die von beiden Eltern geschlagen werden, haben dann gar keine Chance?
                Sorry, das glaub ich Dir nicht.

                Natürlich macht es einen Unterschied, ob ein 16jähriges Mädchen einen (Heim)platz sucht oder ein Pärchen aus diesem 16jährigen Mädchen und einem Volljährigen Partner - den können die Einrichtungen ja gar nicht aufnehmen.

                Entschuldige, aber ich bleibe dabei, dass irgendwas schief gelaufen ist und Du mit Sicherheit hättest Anzeige erstatten oder irgendwo unterkommen können.

                • Ich wollte nicht unbedingt eine Unterkunft mit meinen Mann zusammen haben. Wir hätten auch wunderbar getrennt wohnen können.

                  Nein, solche Kinder haben keine Chance. Wer die Erfahrung nicht gemacht hat, kann da glaub ich auch nicht so drüber urteilen.

                  ich antworte dir jetzt nicht ausführlicher, aus persönlichen Gründen, die ich für mich gerade verarbeiten muss.

          Deine Geschichte ist sicherlich speziell, doch auch bei dir es so, dass du ohne Obdach warst, weil du dich nicht genug durchgesetzt hast bei den Behörden (wobei ich ganz klar sage, es ist eine Schweinerei, dass dir nicht geholfen wurde, eine 16jährige hat kaum die Kraft, sich gegen die "Amtsmacht" zu wehren).

          In einer anderen Stadt an einem anderen Ort wäre die Geschichte vielleicht ganz anders gelaufen...

          Gu, dass du dich nicht aufgegeben hast.

          LG H. #klee

          • Sicherlich hab ich mich nicht genug durchsetzen können. Ich hab ja auch kein Hitergrundwissen oder sowas gehabt mit dem ich hätte "punkten" können.

            Ich wollte einfach nur raus aus dieser Situation und ehrlich gesagt bin ich auch ein bisschen stolz auf das, was ich mir erkämpft habe. Auch wenn es lange gedauert hat und über Umwege war.

            LG

      (19) 18.01.09 - 11:35

      Studenten fallen definitiv durch das soziale Netz!

      • (20) 18.01.09 - 12:43

        Nein, tun sie nicht! Die Eltern sind nun einmal für die Ausbildung zuständig, sofern das Einkommen ausreicht. Ansonsten gibt es BaföG oder man muss nebenbei arbeiten. Geregelt ist es schon, der Staat kann nichts dafür, dass es Eltern gibt, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen wollen.

        LG H. #klee

        • (21) 18.01.09 - 21:29

          Es soll auch Studenten geben, deren Eltern nicht mehr unterhaltspflichtig sind und die keine Anrecht auf BAföG haben. Die müssen sich dann duch einen Nebenjob finanzieren, sofern sie die Zeit dazu haben.

          Klappt das Studienbedingt nicht, gucken sie in die Röhre. Außerdem ist es schwierig sich von einem Nebenjob komplett zu finanzieren (Versicherung, Miete, GEZ, Essen ...).
          Fällt der Nebenjob weg stehen sie ohne Geld da!

          LG
          rotihex

(22) 17.01.09 - 21:56

Ich glaube SUCHT spielt eine ganz große Rolle!

Berufsbedingt "kenn" ich Jemanden der vor kurzem seine Wohnung verloren hat, warum weiß ich nicht, spielt auch keine Rolle!

Ich hab ihn noch nie schnorren sehen, denke er bekommt Geld vom Staat, denn eine gültige KK Karte hat er noch. Sein Kumpel möchte ihn nicht aufnehmen, nun hängt er so rum!

Die Polizei hat versucht ihn unterzubringen, da hatte er keinen Bock drauf, statt dessen sitzt er lieber seine Zeit draußen ab und säuft sich die Hucke voll.

Ich glaube nicht das er auf der Straße leben muß, er scheint mir zu bequem sich zu bemühen, Hilfe hat er genug bekommen!

Glaube kaum das er ein Einzelfall ist!

lg glu

Hallo!

Meine Vorschreiber haben ja schon einiges genannt, ich wollte nur was erzählen.

Ich kannte mal einen Obdachlosen, der eigendlich keiner hätte sein müssen.

Er hatte ein großes Haus und genügend Geld, aber irgendwann hatte er keinen Bock mehr auf die ganze Bürokratie, wurde von Freunden beschissen und die Frau war fremdgegangen, da schenkte er alles seinem Bruder und lebte seither auf der Straße. Als er mir das erzählt hat (bin Krankenschewester und er war Patient) habe ich ihm das nicht wirklich geglaubt, aber die Sozialarbeiterin bestätigte das dann sogar später.

Leider ist er inzwischen verstorben.

Lg grizu99

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