Was ist Unterschicht

    • (1) 29.10.09 - 11:11

      Hallo

      Ich lese immer von der sogenannten Unterschicht. Nun frage ich mich natürlich ab wann fängt Unterschicht an?

      Mein Freund geht jeden Tag 12h arbeiten, bringt ende des Monats knapp 870€ mit heim. Zus. Erhalten wir erg. Alg2, wo wir einen Monatseinkommen mit Kindergeld(328) auf ca 1500€ kommen. Das man mit dem Einkommen keine großen Sprünge machen kann, ist klar.
      Wir rauchen nicht, wir trinken,nicht auch so denke ich das wir es ganz gut schaffen unseren Kinern ordentliche Vorbilder und Menschen zu sein. Auch halten wir viel davon, das unsere 2 ordentlich gefördert werden ( und das kann man auch ohne wenig geld), haben viele Bücher, Lernspiele etc.

      Also klärt mich bitte auf, ab wann beginnt bei euch Unterschicht ( ich finde dieses Wort übrigends schon 2Klassengesellschaftsmäßig) ?

      • (2) 29.10.09 - 11:23

        Dein Mann verdient ja unglaublich wenig. Als was arbeitet er denn? Hat er mal um eine Gehaltserhöhung um ... hm, 800,-€ gebeten? ;-)

        Selbst, wenn er (netto) das doppelte verdienen würde, währt ihr dann vielleicht gerade eben so aus dem Bereich raus, an dem es Zuishüsse wie Wohngeld oder Kinderzuschlag gibt.

        Aber - ja, Einkommensmäßig seid ihr "Unterschicht".

        (3) 29.10.09 - 11:38

        Hallo!

        Für mich hat der Begriff "Unterschicht" gar nicht mal soviel mit dem Geldbeutel zu tun.

        Für mich macht sich das vor allem an folgenden Dingen fest:

        - (Allgemein-)bildung!!!!!!!
        - Schulabschluss/Berufsausbildung vorhanden? Wenn nicht, warum nicht?
        - wie geht die betroffene Person mit der finanziell schwierigen Situation um (trotzdem rauchen, trinken usw. Bemühung was an der Situation zu ändern vorhanden? Trotzdem gepflegtes Auftreten etc)
        - versucht die betroffene Person/Familie ihre Kinder trotzdem vernünftig zu erziehen, nimmt sich Zeit, verteilt Liebe, versucht ein Vorbild zu sein, Werte zu vermitteln und seinem Kind nach besten Möglichkeiten Bildung und Sozialkompetenz zu vermitteln, um dem Kind die Chance zu schaffen für sich selbst einmal ein "besseres Leben" zu haben

        Beispiel: Jemand, der nach besten Kräften versucht seinen Lebensunterhalt zu bestreiten aber einfach zu wenig verdient oder trotz intensiver Bemühung keinen Job findet und deshalb mit ALGII aufstocken muss, gehört für mich nicht zur "Unterschicht".
        Das kann man dann ausschließlich einkommenstechnisch so betrachten.

        Im Gegenzug zähle ich einige Leute zur sogenannten "Unterschicht", obwohl sie gar nicht (mehr) von Sozialleistungen leben müssen.
        "Geiste Unterschicht" eben.

        Alles in allem finde ich das Wort "Unterschicht" aber ohnehin nicht wirklich gut.
        Was hat man da vor Augen, wenn man es hört?
        Familiengeschichten, wie RTL sie uns als "normal" verkaufen will?
        Hochhaus, Mami und Papi mit Fluppe vorm TV, die 5 Kiddies von 4 Vätern vor der Playstation und "Jaqueline komm wech von die Äpfel, wir hatten Schokolade ausgemacht"?

        Ich bin gegen dieses permanente Pauschalisieren in der Gesellschaft und deshalb bin ich auch dagegen eine komplette Gesellschafts - oder Einkommensschicht unter einer Begrifflichkeit zu vereinen.

        LG

        • (4) 29.10.09 - 11:49

          Hallo

          Schulbildung, Ausbildung ist natürlich hier alles vorhanden. Wie wir mit der Situation umgehen. Unglücklich sind wir nicht, im gegenteil ich bin eigentlich glücklich, weil wir ja 2 gesunde Kinder haben, die wir sehr lieben, denen das auch zeigen ( okay manchmal sind die kleinen auch was anstrengend)
          Bildung der Kinder ist mir wichtig, wie gesagt Bücher, Lernspiele, sollche Vorschul/Lernhefte haben wir. Gibt ja auch KInder die noch nie ein Buch in der Hand hatten#kratz Aber mir ist das wichtig, weil was die Kinder einmal wissen, kann einen niemand mehr nehmen.


          Ansonsten Danke für deine Antwort

        • Das sehe ich auch so!

          LG
          M

          (6) 29.10.09 - 13:06

          Hallo

          Für mich sind alle, die diese schrecklichen Assisendungen auf RLT & Co.schauen und das dann 1 zu 1 auf alle ALG 2 Empfänger ummünzen, Unterschicht.
          Ganz egal, wie hoch das Gehalt dieser ... ist.
          Einige Meinungen hier erschüttern mich zutiefst.
          Teilweise wirklich menschenverachtend.

          Ivonne

      Hallo

      Ja was EInkommen betrifft sind wir Unterschicht, aber das sind leider in Ostdeutschland nicht die wenigsten. Er arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma, stundenlohn 6,42€.

      Ja 800€ mehr wäre nicht schlecht, aber glaube die zeigen ihn dann nen Vogel. Dennoch ist er froh ne Arbeit zu haben und wenn dann das 3te kind hier geschlüpft ist und im Kiga ist, würde/werde ich sicher für den selben Stundenlohn arbeiten gehen. Weil nur zu Hause sitzen und vom Staat kassieren ist mir auch nicht wirklich angenehm. Zumal das zu hause rumsitzen einen auch nicht wirklich fördern tut, außer Wohnung putzen

      (10) 29.10.09 - 12:37

      Das ist leider Traiflohn bei Zeitarbeitsfirmen. Echt traurig. Kann verstehen, dass ihr froh darum seid, wenigstens Arbeit zu haben. Euch würden ja auch Sanktionen drohen, würde dein mann solche Jobs niht annehmen, aber es ist halt wirklich schon schamlos niedrig. Dafür könnt ihr aber nichts.

    (12) 29.10.09 - 22:06

    > Mein Freund geht jeden Tag 12h arbeiten, bringt ende des Monats knapp 870€ mit heim.

    > Er arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma, stundenlohn 6,42€


    Ich muss echt an meiner Rechenschwäche arbeiten.

    Ich komme bei 12 Stunden Arbeit und unterstellter 5-Tage-Woche und 6,42 € ums Verrecken nicht auf 870 € im Monat.

    • (13) 30.10.09 - 08:34

      Er bekommt ja noch zuschläge, wie Fahrgeld, verpflegungsgeld. Es variiert auch jeden Monat. ALso sind nicht immer 870€ mal mehr mal weniger. Wie die Firmen nun den Lohn ausrechenen, weiß ich auch nicht. Kann nur das nehmen, was auf LOhnzettel oder Kontoauszug steht.

      • (14) 31.10.09 - 13:32

        Ich versuche es nochmal:

        > Mein Freund geht jeden Tag 12h arbeiten, bringt ende des Monats knapp 870€ mit heim.

        > Er arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma, stundenlohn 6,42€

        12 Stunden x 22 Tage x 6,42 €

        Ergebnis: 1.694,88 €

        Lohnsteuer dürfte bei Klasse 3 nicht anfallen.
        Sozialversicherung ca. 20 % = 340 €

        Sollte netto um die 1.350 € ausmachen.


        > Wie die Firmen nun den Lohn ausrechenen, weiß ich auch nicht. Kann nur das nehmen, was auf LOhnzettel oder Kontoauszug steht.

        Dann solltet ihr mal kritisch nachrechnen.

        Oder hast du mit den 12h ein wenig übertrieben? Sind es vielleicht doch eher 8h?

        Wobei ich gestehen muss - 4 Stunden Anfahrtsweg für € 6,42 pro Stunde würde ich mir verkneifen. Ein so schlecht bezahlter Job sollte auch wohnortnäher zu finden sein.

(15) 29.10.09 - 11:59

Wir haben doch schon eine 2 Klassengesellschaft ;-)

Für mich bedeutet " Unterschicht "das Menschen NICHT arbeiten wollen,ALG 4 kassieren und nix dagegen tun um dies zu ändern!Den ganzen Tag nur rumlungern,aussehen wie .....,Bier trinken,vorm Ferseher hocken und ihre Kinder vernachläßigen!

Das ist für mich die "Unterschicht" !!!

lg sas

Klar klingt das nach Zweiklassen- Gesellschaft. Ich sehe sogar drei Schichten:
"Unterschicht", "Mittelschicht" und "Oberschicht".
Der Politiker, der aktuell in den Nachrichten ist, hat gut erklärt, was er mit Unterschicht meint.
Dass man das nicht finanziell sehen soll, sondern nach der Art und Weise, wie manche Eltern ihre Kinder behandeln.
Jede Familie, in denen die Kinder leiden, wo man sich nicht um sie kümmert, sie nicht fördert etc. bezeichnet er als Unterschicht. Familien, in denen jede Stunde wo das Kind nicht zhause ist, ein Segen für das Kind ist. Und er hat mehrfach betont, dass es diese Unterschichten in allen Klassen der Gesellschaft gibt.
Und ich sehe das genauso.
LG,
Sandra

Hallo,

wie kommt es, dass du denkst, du seist soziale Unterschicht?

LG

  • Ich denke nicht, das ich soziale Unterschicht bin, eher was das EInkommen betrifft. Soll bei uns aber nicht ein Dauerzustand werden, das nur einer Arbeiten geht.

    Ich lese nur immer Unterschicht und da stellte sich mir die frage, ab wann fängt Unterschicht an.

    • Ich definiere Unterschicht anders. Bist du sicher nicht, auch wenn ihr wenig verdient.


      Bei meiner Tochter in der Klasse waren 2 Mädchen, deren Eltern waren Unterschicht.

      Die sind im Winter nur in Pullover gegangen, Sachen zu klein, kaputt, waren immer schmutzig. ihr Frühstück in der Schule bestand aus Chips, Süsskram und Cola. kaum Schulmaterialien. Der Vater nur betrunken und hat sie regelmäßig verprügelt, die Mutter nur mit Kippe im Mund aber ohne Zähne, ungepflegt und die stank extrem!

      Die kinder mussten in der Umgebung Pfandflaschen sammeln, egal bei welchem Wetter.

      Meine Tochter war dort mal zum Geburtstag eingeladen (da waren die Leute gerade neu zugezogen), ich hab sie hin gebracht und aus der Wohnung stank es dermaßen penetrant nach Kneipe, dass ich sie wieder mitgenommen habe.

      Während dieser Geburtstagsparty hat der Vater mehrmals seine Kinder geschlagen! Die haben in Anwesenheit der Geburtstagsgäste gepöbelt, getrunken und geraucht. ich war froh, dass ich mein Kind wieder mitgenommen hab.

      Das ist Unterschicht!

      LG

(20) 29.10.09 - 12:56

Hey

Unterschicht...hmmmm.....

Mein Mann arbeitet Vollzeit,ich bin noch im Elterjahr, muss aber einen Job suchen ab Januar, da ich kurz vor der Schwangerschaft arbeitslos wurde..
Auch wir müssen das Gehalt meines Mannes aufstocken lassen durch die ARGE....

Ich würde uns , nur weil wir ALG2 bekommen, niemals in diese Schublade drücken lassen...

Mein Mann und ich haben ne gute Bildung genossen,haben beide eine gute Berufsausbildung,haben keine Schulden etc....
Kommen so super im Leben klar..eben nur das wir ohne staatliche Hilfe zur Zeit nicht über die Runden kommen...
Das ist doch gar keine Seltenheit mehr...

Der Begriff an sich ist schon völlig blödsinnig, weil man eine Gruppe an Menschen nur über bestimmte Merkmale definiert#kratz


LG

Schnubbi83

(21) 29.10.09 - 13:03

Was macht dein Mann, um so wenig Geld zu verdienen?

Weight Watchers-Berater in Äthiopien?

  • (22) 29.10.09 - 13:16

    Du, das ist gar nicht selten.

    Ich habe einen super Schulabschluss, Fachabitur und eine gute, abgeschlossene Ausbildung in der Versicherungsbranche.
    Nach meiner Ausbildung wurde ich erstmal nicht übernommen und somit arbeitslos.
    Ich habe dann auch über eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet um überhaupt zu arbeiten und Berufserfahrung sammeln zu können.
    Ich habe als Kundenberaterin bei einem Direktversicherer im Bereich KFZ - Versicherung gearbeitet. 40 Std. Woche, volle Verantwortung für meinen Bereich, volle Kompetenzen in der Firma, gleiche Arbeit wie meine Kollegen: Gehalt: 7,20 brutto die Stunde, 10 Urlaubstage weniger als die Kollegen und auch die 15 min Frühstückspause morgens durfte ich nicht machen. In NRW übrigens, nicht in den neuen Bundesländern.
    Und für diesen Job musste ich auch noch knapp 60 km einfache Strecke fahren.
    Oft musste ich am Ende des Monats in der Familie fragen ob jemand mal eine Tankfüllung für mich spendieren könnte, damit ich überhaupt zur Arbeit kam.
    Nach vier Monaten bekam ich eine sehr schlimme Magen - Darm Grippe. Ging damals rum, hatten viele meiner Kollegen. Ich schleppte mich trotzdem zur Arbeit, wurde aber vom Teamleiter nach Hause geschickt damit ich die Kollegen nicht noch weiter anstecke. Vernünftig, klar.
    Leider bekam ich vier Tage und zwei NACL Infusionen später per Boten die Kündigung der Zeitarbeitsfirma.
    Ich war noch in der Probezeit also ging das ohne Probleme.
    Eine Woche krankgeschrieben = Job weg.
    Zum Glück hab ich kurze Zeit später einen anständigen Job gefunden.

    Glaub mir, wenn sie schreibt das ihr Mann so wenig bei der Zeitarbeitsfirma verdient, dann ist das so.
    Und da ist es egal ob er in der Fabrik tüten klebt oder einen qualifizierten Büro - oder Facharbeiterjob ausübt.

    LG

(24) 29.10.09 - 14:22

Hallo,

in der Stellenausschreibung unseres örtlichen Krankenhauses werden sogar Fachärzte auf 400 Euro Basis gesucht!
Da frage ich mich, wieviel Stunden muss denn ein Chirug arbeiten, um 400 Euros zu verdienen.

Schätze davon kann auch kein Doktore leben.
Wenig Geld verdienen ist hier mittlerweile üblich.

Mitarbeiter, egal ob Büro oder Pflegekräfte werden nur mit Zeitverträgen eingestellt - Stellenausschreibungen laufen das gesamte Jahr.
Findet sich jemand, der für weniger arbeitet, werden die teureren Angestellten enlassen.
Dafür wurde ein Heer an Stationshilfen, die einen Appel und ein Ei verdienen, statt gelernter Pflegekräfte eingestellt. So nach dem Motto nicht drängeln, es kommt jeder mal dran.
Einer Sekretärin wurde der Arbeitsvertrag nicht verlängert. Sicher auch deswegen, weil sie sich erlaubt hatte, einige Tage frei zu nehmen, um sich um ihren Lungenkrebskranken Mann (Nichtraucher) zu kümmern.

In meiner Stadt bekommt man ausschließlich nur noch Jobs auf 400 Euro Basis.;-)
Egal in welchem Beruf

LG
Tina

(25) 29.10.09 - 14:57

Er arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma

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