Kindstötungsprozess

    • (1) 25.11.09 - 12:05

      Hallo,

      ich habe ein Verständnisproblem.

      http://www.tagesspiegel.de/berlin/Brandenburg-Biesenthal-Kindstoetung;art128,2957892

      Man glaubt der Frau, dass sie ihre Schwangerschaft erfolgreich verdrängt hat. Man klagt sie aber an, ein Kind getötet zu haben, dessen Existenz ihr gar nicht bewusst gewesen sein kann. (Selbst wenn du weißt, dass du schwanger bist, kannst du die Kinderzahl ohne Frauenarzt oder Hebamme nicht bestimmen)

      Das zweite Kind hat laut unserer Gesetzgebung (bitte um Korrektur, falls dies falsch ist) noch nicht gelebt - da es nicht geboren war.

      a) Darf die Mutter auf dieser Grundlage überhaupt wegen Tötung belangt werden?

      b) Wie kann man ihr die Tötung überhaupt vorwerfen? (da ihr die Existenz nicht bewusst gewesen sein dürfte)

      c) Warum glaubt man den Vätern immer, dass sie auch nichts bemerkt haben?

      Danke für die Aufklärung!

      Marion

      • Hu hu,

        Soweit ich weiß, kann von Kindstötung erst ab Beginn der Geburt die Rede sein, also entweder in der Geburt oder nach der Geburt. Ich denke das hängt aber nicht damit zusammen ob man weiß das man schwanger ist.

        LG

        • Bei dem ersten Kind ist es klar....Aber beim zweiten ist mir das völlig unklar.

          (Ich war mit Zwillingen schwanger und ich kann dir sagen, dass du nicht merkst, wie viele Kinder es sind.)

          Das heißt, dass die Mutter gar nicht wusste, dass sie das Kind in ihrem Bauch tötet, da sie lediglich und allerhöchstens davon ausgehen konnte, dass die Plazenta noch festhängt....

          • Deswegen sage ich ja, das man von Kindstötung erst spricht wenn man das Kind unter oder nach der Geburt tötet. Ich habe nicht mal gemerkt das da noch Plazenta kommt nachdem meine Tochter geboren war. Ich finde den ganzen Vorfall einfach nur schreklich und spekulieren ob es nun als Tötung oder nicht bezeichnet werden kann ist auch irgendwie sinnlos, da das Kind dadurch nicht wieder lebendig wird, klar hat sie es getötet und wie wir alle wissen schützt Unwissenheit vor Strafe nicht. Man kann es vielleicht Rechtlich gesehen nicht als Tötung bezeichnen, aber defakto war es eine Tötung, und das ist extrem schlimm. Vielleicht hatte sie schmerzen und hat sich deshalb auf den Bauch gehauen, vielleicht war sie traumatisiert durch die 1. Geburt... vielleicht vielleicht vielleicht... ich maße mir nicht an zu befinden welche Strafe angemessen wäre oder wie man das nennen darf oder nicht, ich finde es nur sehr sehr erschreckend das sowas immer und immer wieder passiert, trotz Aufklärung wo man geht und steht, trotz Babyklappen, trotz behüteter Kindheit....

      Eine Tötung eines Menschen setzt als "Tatobjekt" einen Menschen voraus.

      Wann man "Mensch" wird ist strafrechtlich etwas anders als zivilrechtlich.

      Strafrechtlich wird man "Mensch" mit Beginn der Geburt (Eröffnungswehen). Zivilrechtlich erst mit Vollendung.

      Wenn die Geburt also angefangen hat kann man strafrechtlich einen "Menschen" töten.

      Deshalb können sich Ärzte, die Fehler während der Geburt machen wegen fahrlässiger Tötung bzw. Körperverletzung strafbar machen.

      Passt vielleicht nicht ganz, ist aber vielleicht doch interessant:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Altersstufen_im_deutschen_Recht

      LG, H.H.

      • hmm, sehr interessant...

        Meine Frage beantwortet dies jedoch nicht... Wenn ich gar nicht weiß, dass da noch ein Baby ist, ... und ich verletze MICH und töte dabei "unabsichtlich" ist es dann nicht eher ein Unfall?

        • "Wie kann man ihr die Tötung überhaupt vorwerfen? (da ihr die Existenz nicht bewusst gewesen sein dürfte) "

          Um eine Tötung vorwerfen zu können muss das "Tatobjekt" ein Mensch sein. Daher die Ausführungen.
          Ohne Menschsein auch kein Tötungsdelikt.

          Würde sie das "Kind" im Mutterleib auch nur eine Sekunde vor Beginn der Eröffnungswehen töten liegt selbst bei Vorsatz kein Tötungsdelikt vor (sondern "nur" ein strafbarer Schwangerschaftsabbruch).

          Der Versuch des Schwangerschaftsabbruch ist für die Schwangere straflos (also wenn der erfolg des Abbruchs ausbleibt).

          Da im vorliegenden Fall aber ein Mensch bereits als "Tatobjekt" vorlag (Geburt hat begonnen) kommt ein Tötungsdelikt in Betracht.

          Wenn die Täterin nicht weiß, dass noch ein Baby da ist kann sie sich nur einer fahrlässigen Körperverletzung bzw. fahrlässigen Tötung schuldig machen (auch dies aber nur, wenn die Eröffnungswehen bereits eingesetzt haben). Dies setzt voraus, dass sie hätte erkennen können, dass noch ein Baby im Bauch ist.

          Auch bei einem "Unfall" kann man wegen fahrlässiger Tötung belangt werden (wenn der Geschädigte ein Mensch ist (wenn der Täter den Tod fahrlässig verursacht hat).





          • aha

            #danke

            (Die Geburt des Babys hatte noch nicht zwingend begonnen. Wenn das zweite Baby größer ist als das erste, gibt es neue "Eröffnungswehen")

            • Die Frage, wann die "Menschwerdung" des zweiten Kindes erfolgt ist strafrechtlich relevant.

              Ob strafrechtlich zwischen verschiedenen Eröffnungswehen bei Zwillingen unterschieden wird ist mir aber nicht bekannt.

              Da es theoretisch Fälle gibt bei der die Geburt des Zwillings erst Tage später stattfindet könnte man also sehr gut auf erneute Eröffnungswehen abstellen.

              Wie es aber konkret bein Zwillingen aussieht ist mir nicht bekannt.

              Sollte die Geburt unmittelbar hintereinander passieren, dann wird m.E. mit Beginn der Geburt des ersten Kindes auch das zweite Kind zum Menschen.






    Ich finde es unglaublich, wie unsere Justiz mit Frauen umgeht, die in psychischen Ausnahmesituationen ihre Kinder töten. Das zum einen.

    Es gibt eine Menge seltsamer Prozesse, wie z. B. der von Monika Weimar....

    Ein Kind das nicht geboren ist, kann man nicht töten. Sie kann, m. E. nach mit ihrem Körper machen was sie will.

    Wie verzweifelt muss diese Frau gewesen sein?

    Gruß

    manavgat

    • "Sie kann, m. E. nach mit ihrem Körper machen was sie will. "

      Auch wenn das ungeborene Kind das Opfer ist?

      Warum soll eine Frau die ihr Kind im Mutterleib durch Schläge oder ähnliches tötet anders behandelt werden als ein Vater der dies macht (Schuldfähigkeit der Täter vorausgesetzt)?
      Die Verletzung der Mutter einmal aussen vor.

      • Wenn ich mir einen Arm abhacke, ist das mein Problem. Wenn mein Mann dies tut, ist das was ganz was anders.

        • Das die Mutter verletzt wird habe ich ausdrücklich außen vorgelassen. Es ging um die Verletzung des Ungeborenen.

          Wer vertritt, dass die Mutter ungestraft das Ungeborene "töten" darf muss dies auch dem Vater zubilligen.

          Es geht ja hier um die Frage der Strafbarkeit wegen des abtreibung des Ungeborenen.

          Strafe für den Vater kann es dann ja allenfalls nur wegen eventueller Verletzungen der Mutter geben, die diese durch die Tat erleidet.

          Das kann ja wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

          Keiner hat da Recht ein Ungeborenes ab dem 3. Monat abzutreiben. Nicht die Mutter und nicht der Vater.





          • "Keiner hat da Recht ein Ungeborenes ab dem 3. Monat abzutreiben. Nicht die Mutter und nicht der Vater."

            Nee, für gewöhnlich macht das ja auch ein Arzt.

            • Bist Du eigentlich noch bei der Behauptung, dass die Mutter "alles" machen darf was sie will?

              "Nee, für gewöhnlich macht das ja auch ein Arzt. "

              Wir sind aber bei den außergewöhnlichen Fällen, falls dies entgangen sein sollte.

              Falls es ein Witz war ist das Thema hierfür zu ernst.

              • DU hast die Abtreibung ins Gespräch gebracht.

                • Es ging darum, dass behauptet wurde dass die Mutter mit dem Kind im Bauch anstellen könne was es wolle, weil es ihr Körper sei.

                  Auf diesen Zug bist du zumindest bejahend gesprungen.

                  Und wenn eine Mutter sich auf den Bauch schlägt um das Ungeborene zu töten ist das nun einmal eine Abtreibung.

                  Wenn die Mutter nun doch nicht alles machen darf dann stelle das klar. Ansonsten musst Du dich schon mit den Beispielen auseinandersetzen.

    Hallo,

    den Fall "Monika Weimar" kannte ich nicht. Ich habe mich jetzt belesen.

    Verstehe ich das richtig? Es gab nicht einen einzigen Beweis? Nur schwammige Indizien? Dann hast du in der Tat Recht. Sehr seltsam #gruebel

    Gruß Marion

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