Dann adoptiert halt ein Kind....

    • (1) 19.12.10 - 21:48

      Da ja weiter unten viele Antworten zum Thema künstliche Befruchtung gepostet wurden und dort immer wieder auch das Thema Adoption angesprochen wurde, hier mal ein paar Zahlen dazu.
      Auch wir haben unsere Tochter nur dank ICSI bekommen (ICSI Nr. 3) und sind überglücklich.
      Doch auch uns wurde immer wieder gesagt, wir sollen doch ein Kind adoptieren, es gäbe ja soooo viele Kinder, die auf neue Eltern warten...

      Die Zahlen sprechen leider eine andere Sprache.

      Zahlen zur Adoption in Deutschland
      Das Statistische Bundesamt hat am neunten August 2007 im Rahmen einer Pressemitteilung einmal Zahlen zur Adoption in Deutschland veröffentlicht. Schauen wir uns diese Zahlen doch einmal an:

      * Im Jahr 2006 wurden insgesamt 4748 Kinder und Jugendliche adoptiert. Das entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres und bedeutet für die Adoption in Deutschland das zumindest vorläufige Ende eines Abwärtstrend: Im Zeitraum von 1993 bis 2005 sank die Zahl der Adoptionen in Deutschland um ganze 45%.

      * Etwa 59% der Kinder, die im Rahmen einer Adoption neue Eltern bekamen, wurden von Stiefeltern oder Verwandten angenommen.

      Ungefähr 40% der Kinder kamen zu ihnen bisher fremden Eltern.

      * 29% der Adoptionen in der offiziellen Statistik betrafen Kinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit; allerdings gibt es hier eine gewisse Dunkelziffer, da nicht jede Adoption eines Kindes aus dem Ausland von den Vermittlungsstellen registriert wird.

      * Zur Adoption vorgemerkt waren am Ende des Jahres 2006 in Deutschland 889 Kinder und Jugendliche; gleichzeitig gab es zu jener Zeit 9 154 Adoptionsbewerbungen. Grob gerechnet kommen damit auf einen zur Adoption freigegebenen Minderjährigen zehn Adoptionswillige.

      Insbesondere die letzte Zahl zeigt, dass es mitunter schwierig werden kann, sich den Wunsch zu erfüllen, ein Kind zu adoptieren.

      • (2) 19.12.10 - 22:46

        Ich frage mich auch immer, ob wirklich so viele Deutschland mit einem 2. oder 3. Welt Land verwechseln, in dem die Kinderheimer übervoll sind und keiner sich diese Kinder leisten kann.

        Aber vielleicht meinen ja solche Menschen auch, dass man genau von dort ein Kind adoptieren sollte und nicht aus dem eigenen Land #kratz

        Außerdem schätze ich, dass viele zur Pflege freigebene Kinder mit den zur Adoption freigegebene Kinder verwechseln und gedanklich dazu gerechnet werden. Und das sind ja deutlich mehr Kinder als "richtige" Adoptivkinder.

        • Hallo!

          Also meine Freundin hatte das Glück und hat inzwischen 3 ( damals Neugeborene) Kinder adoptiert...alle aus Deutschland.

          Aber das ist sicher nicht die Regel...

          lg tina

      (4) 20.12.10 - 03:34

      Danke für deinen Beitrag.

      Ich bin es inzwischen auch Leid, mir immer wieder anhören zu müssen, dass man statt künstlicher Befruchtung doch adoptieren kann. Und wenn nicht im Inland, dann doch einfach im Ausland. Aber gerade Auslandsadoptionen sind meistens sehr teuer und oft auch mit Auflagen verbunden, wie mehrere Monate mit dem Kind im Land bleiben zu müssen.

    • (5) 20.12.10 - 07:24

      Hallo La1973,

      ganz unabhängig davon, wie hoch die "Erfolgschancen" einer Inlandsadoption sind:

      die Annahme eines Kindes darf keine halbherzige Notlösung sein.
      Man muss sich schon im Klaren darüber sein, dass ein angenommenes Kind die gewünschte Schwangerschaft und die gewünschte Leiblichkeit niemals ersetzen kann und ein abgeschlossener, leiblicher Kinderwunsch ist eine der Grundvoraussetzungen zur Adoption.


      Adoptivkinder sind keine Statistik, sondern Menschen, die "weggegeben" wurden - aus welchem Grund auch immer.

      Letztendlich geht es jedoch bei einer Adoption immer darum, die "besten" Eltern für ein weggegebenes Kind zu finden.
      Glücklicherweise ist hierzulande das Auswahlverfahren sehr engmaschig, so dass diese Kinder zu Eltern kommen können, die sie "ganz" annehmen und nicht nur als Notlösung für das "eigene" Kind adoptieren oder im Hinterkopf haben: "Da haben wir halt adoptieren müssen."


      Grüße von
      Claudia, Adoptiv- und Pflegemama

      • (6) 20.12.10 - 09:56

        #pro

        Ich stimme dir vollkommen zu.

        Es sagt sich immer so leicht, adoptiert halt, aber da müssen die Eltern auch dahinter stehen.
        Bei kleinen Babys, wie es sich die Eltern oft wünschen, sind die Chancen ja sehr schlecht.

      • (7) 20.12.10 - 13:05

        vielen dank für diesen Beitrag.

        gerade bei der adoptions- diskussion bemerke ich imemr wieder den kalten schauer, der mir über den rücken läuft, wenn hier drüber gesproche nwird, daß man doch
        - auch aus dem ausland eines holen kann
        - doch nicht erst ein Pflegekind will
        - wenn man halt selbst kein kind bekommen kann- gäbns ja noch diese möglichkeit
        - doch einem armen kind die möglichekit geben soltle, heir im tollen, reichen deutschland i nder uper tollen familie aufzuwachsen

        daß es hier um menschen mit wurzeln geht bleibt mir be idem thema viel zu oft ungesagt- daß es hier nicht um sachen geht, die man einfach mal wo anders hinstellen kann.

        lisasimpson

    (8) 20.12.10 - 12:25

    Hallo

    Freunde von uns wollen ein Kind adoptieren - und was mich echt schockiert hat, daß kann man hier ( Bayern ) wohl nur Neugeborene.
    Und die werden ja nicht so oft gleich zur Adoption frei gegeben.

    Viele überforderte Mütter entscheiden sich ja erst dazu wenn sie es selbst probiert haben zu dem Entschluß, es frei zu geben.
    Dann ist aber nur noch eine Pflegschaft möglich, die eventuell mal nach Jahren auf eine Adoption raus läuft ..... oder eben nicht, und die Mutter will ihr Kind wieder.
    Das gilt auch für "weg genommene" Kinder.

    Ich verstehe das nicht - sie würden ein Kind bis zu 2,5 Jahren adoptieren und das ist eben hier nicht möglich.
    Nur Neugeborene, die dann innerhalb von Tagen sofort aus dem Krankenhaus abgeholt werden müssen.

    Deswegen gehen auch viele ins Ausland


    Grüße Silly

    • "Ich verstehe das nicht - sie würden ein Kind bis zu 2,5 Jahren adoptieren und das ist eben hier nicht möglich. "


      dir ist aber schon klar, daß diese 2,5 jährige Kind keine kleine katze ist, oder?!
      es HAT eine mutter- natürlich kann es nicht von heute auf morgen adoptiert werden.
      natürlich braucht die leibliche mutter bedenkzeit.
      natürlich sollte IMMER das kindeswohl im mittlepunkt stehen (und nicht deien freundin, die auch ne gebrauchte katze nehmen würd, wenns den nSOFORT geht)

      ja- das ist so, wenn es um MENSCHEN geht!

      lisasimpson

      • Hallo

        ja durchaus - ich bin mehr in der Problematik als du ahnst
        Verstehe was du meinst aber ich rede von den Müttern die ihre Kinder aus freiem Willen zur Adoption freigeben würden.


        mein Mann hat im Kinderheim gearbeitet und hat das Los von den Kindern dort erlebt -
        da möchte man nicht einmal seinen Hund lassen


        Es geht ja um Mütter die ihre Kinder auch freiwillig abgegeben haben, meiner Meinung nach ist es sinnvoller die Kinder Menschen geben die sie wirklich wollen als in einem Kinderheim untergebracht zu werden.

        Dort wechseln ständig die Bezugspersonen, denn kaum jemand hält es lange da aus. Sei es wg. den Arbeitsbedingungen, der Kinderschicksale, ect.

        Täter kommen mit Opfern in die Zimmer
        Kindersoldat aus Afrika der für Übergriffe bekannt ist, bekommt ein 2 Jahre jüngeres Mißbrauchsopfer ins sein Zimmer

        Kinder werden am Wochenende heim geschickt, weil kein Personal da ist, obwohl die Eltern die Kinder nur 1x im Monat haben dürfen, wg. häuslicher Gewalt, Drogen, Alkohol

        Die Kinder sehnen sich nach einer Familie, einem Zuhause - nicht nach einem spärlich möblierten Zimmer im Kinderheim.
        Aber sie haben keine Chance weil die Eltern Angst haben diese Kinder wieder hergeben zu müssen.
        Da sind Kinder von 0 bis 16 Jahren gewesen.

        Ich finde, daß man den Kindern die Chance nimmt in einer Familie aufzuwachsen.


        Grüße Silly

        • dann hat dein mann aber in einem sehr schlechten heim gearbeitet- ich hoffe er hat rechtliche schritte eingeleitet?!

          ich habe 13 jahre in der Jugendhilfe gearbeitet (davon 6 jahre im heim)- dies habe ich so nicht erlebt.
          allerdings war das eine sehr professionell arbeitende therapeutische einrichtung.

          und zu deiner freudin: weiß sie, was es bedeuten würde ein verhaltensauffälliges kind aufzunehmen?

          Ich habe eingie Kinder gesehen, die eine lange Karriere an heim- und pfelgefamilienaufenthalte hinter sich hatten- spätestes wenn die küche brannte war für dei meisten das ende der Fahnenstange erreicht

          lisasimpson

          • Hallo

            Freundin sie Sozialpädagogin in einem Integrativen Kinderhaus
            ihr Mann ist Erzieher und hat viele Jahre im Jugendbereich gearbeitet, und leitet jetzt eine Kindertagesstätte mit Krippe, Kindergarten und Hort
            Die wissen was sie tun .............
            sie wollen sich aber nicht auf ein Kind einlassen, was dann eben vielleicht wieder weg genommen wird ........... mit der Angst das Kind wieder ganz zu verlieren kämen sie nicht zurecht.


            Nein, mein Mann hat da zu oft offene Kritik geübt, und als er dann ein Monat Elternzeit wollte, haben sie ihn wegen Unfähigkeit gekündigt.
            bzw. sie wollten ihn dazu bringen, selbst zu kündigen - hat er nicht und das ging bis ins Rathaus.
            Für uns war es eine schlimme Zeit, da ich hochschwanger mit dem dritten Kind war, und meine Mama ins Pflegeheim kam.
            Wir waren froh, die Sache überstanden zu haben, und eben nicht klein bei zu geben. Wir wollten, daß sie ihn kündigen.
            Denn er hatte sich nichts vorzuwerfen.
            Und für die Zimmerbelegung war das Argument - kein anderes Zimmer frei, wir brauchen das Kind für die Belegzahlen, und jemand anderen kann man ja nicht zwingen zu tauschen.
            Das mit dem Wochenende heim schicken war weil sie meinen Mann gekündigt haben, und danach die Betreuung nicht mehr gewährleisten konnten.
            Bevor mein Mann die Stelle übernommen hatte, haben sie 1 Jahr jemanden gesucht, so lange hatten sie niemanden.

            Und solche Geschichten gibt es hier in den Heimen immer wieder, da steht die Zimmerbelegung im Vordergrund, die Auslastung und die Finanzierung.
            Hier in der Gegend gibt es kaum jemand der länger es aushält da zu Arbeiten oder es auch emotional aushält. Der Wechsel vom Personal ist enorm und die Kinder fassen kein Vertrauen mehr.
            Mein Mann z.B. durfte sich nicht einmal von seiner Gruppe verabschieden, in der er ein halbes Jahr gearbeitet hat.
            Was vermittelt das den für ein Bild den Kindern - .......... -

            Die normalen Heime kämpfen mit dem Überleben, Finanzierung, dem Personal und orientieren sich immer mehr daran zu überleben.
            Da geraten Einzelschicksale leider in den Hintergrund, .......... -


            Ich selbst hatte eine schwer drogensüchtige Mutter in meiner Einrichtung, die konnte das Kind nicht versorgen, daß Kind mußte die Mutter aufwecken ect. endlich sollte ihr nach Jahren das Kind weggenommen werden.
            Das sollte bei uns im Kindergarten geschehen ......... die Mutter hat geweint, gesagt wie sehr sie ihr Kind liebt ...... und Jugendamtfrau und Polizei haben ihr dann noch eine Chance gegeben .......... nach Jahren wo nichts geholfen hatte ............
            schließlich ist es doch im Kinderheim gelandet, weil die Oma über die Jahre zu alt geworden war um das Kind aufzunehmen, was die Oma von Anfang an gewollt hätte .....

            Grüße Silly

            • "Das sollte bei uns im Kindergarten geschehen ......... die Mutter hat geweint, gesagt wie sehr sie ihr Kind liebt ...... und Jugendamtfrau und Polizei haben ihr dann noch eine Chance gegeben .......... nach Jahren wo nichts geholfen hatte ............ "

              dir ist aber schon klar, daß der entzug des Sorgerechtes/ des Aufenthaltsbestimmungsrechtes nur durch ein familiengericht erwirkt werden kann und nicht nach Gutdünken von Polizei und Ja geschieht..

              Wenn deine freundin und ihr Mann so in der materie sind, dürfte es für sie doch kein großes Problem sein ein Kind zur pflege zu bekommen, bei dem abzusehen ist, daß eine Rückführung eher unwahrscheinlich ist.
              jedoch sollte man sich wirklich gut überlegen, was man da tut- denn wenn es für das Kind am besten wäre, zurück zur leiblichen Familie zu gehen- dann finde ich es doch eher befremdlich so egozentrisch zu sein, daß man dies keinesfalls in kauf nehmen wolle


              lisasimpson

      Hallo

      achja und sie warten seit 3 Jahren auf ein Kind

      würden auch eines mit Verhaltensauffälligkeiten Nehmen, oder mit Handicap - aber es darf nur ein Neugeborenes sein.

      Ich finde es nicht besser, den Müttern schon aus den Krankenhäusern die Babies zu nehmen
      ich finde es sinnvoller wenn sich die Mutter dann entscheidet ein Kind herzugeben.

      Es gäbe ja auch offene Adoptionen mit Kontakt zu den Eltern - es geht nicht darum das Kind weg zu nehmen sondern aufzunehmen, ohne das es Jahre irgendwo zwischengelagert wird.


      Grüße Silly

      • sie darauf jederzeit ein Kind in pflege nehmen- daaus kan nsich durchaus eine adoptoin ergeben WENN es dem Kindeswohl entspricht UND (wie du ja betonst) die eltern zustimmen

        lisasimpson

        • Hallo

          es ist ein schwieriges Thema
          und ich halte Kinder nicht für Katzen .......

          Der Bruder von Freunden hatten ein Pflegekind - 2,5 Jahre kein Kontakt zu leiblichen Mutter obwohl es das Jugendamt wollte - Mutter hatte kein Interesse, danach neuer Mann - Mutter wollte ihr Kind zurück, bekam sie auch, da sich die Lebenssituation geändert hatte.
          Das das Kind mit 3 Jahren da nicht hin wollte brauche ich nicht zu erwähnen.
          Nach einem halben Jahr Trennung vom neuen Lebenspartner, und nicht viel später kam das Kind wieder zurück in die Pflegefamilie.
          Aber es war nicht mehr dasselbe Kind, es war gebrochen ........... -

          Es ist sooo ein schwieriges Thema,
          ich bin bestimmt nicht für leichtfertige Adoptionen von irgendwelchen Kindern, aber manchmal ist es meiner Meinung nach für die Kinder besser in bestimmten Familien nicht mehr zurück geführt zu werden.

          Grüße Silly

(17) 20.12.10 - 18:17

Es gibt leider immer eine Menge Leute, die irgendetwas raten, ohne Bescheid zu wissen.

Inlandsadoptionen sind so gut wie unmöglich, Babys werden selten zur Adoption freigegeben. Bei allen Kindern weiß man nicht, was sie durchmachen mussten, Alkohol- und/oder Drogenmißbrauch während der Schwangerschaft, Mißhandlung, Vernachlässigung und und und. Nicht jeder ist in der Lage, einem solchen Kind gerecht zu werden.

Auslandsadoptionen bergen das Risiko des Menschenhandels, ansonsten haben sie die gleiche Problematik wie die Inlandsadoptionen. Kinder denen man ansieht, dass sie adoptiert wurden (andere Hautfarbe) müssen auch einiges mitmachen (Stichwort Diskriminierung).

Identitätskrisen unter Adoptivkindern sind ebenso häufig ein Problem.



ob alternativ die künstliche Befruchtung/Samenspende/Eispende/Leihmutterschaft sonst was wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, das muss jeder für sich beantworten.

Vielleicht wäre es auch möglich ein erfülltes Leben ohne eigene Kinder zu leben?

Gruß

Manavgat

Top Diskussionen anzeigen