Mircos Mörder...

    • (1) 27.01.11 - 21:54

      Hallo ihr Lieben,

      wenn das, was ich jetzt schreibe schonmal gepostet wurde, verzeiht es mir bitte, aber ich habe nicht alle anderen Threads gelesen.

      Wir sind vermutlich alle von Herzen betroffen und und wünschen Mircos Familie alle erdenkliche Kraft, um mit dieser "Geschichte" weiterleben zu können. Niemand wird ihren Schmerz nachempfinden können, der nicht Ähnliches erleben musste.

      Aber die Frage, die ich mir schon den ganzen Nachmittag stelle ist, wie geht die Familie des Täters bitte mit so etwas um?

      Es heißt, der Mörder sei Vater zweier Kinder und Nachbarn beschrieben ihn als "absolut unauffällig".

      Meine beiden Großen (6 und 3 Jahre alt) haben im September mitbekommen, dass Mirco verschwunden ist und gerade mein Sohn (6) hat hin und wieder gefragt, ob Mirco wieder da ist. Beide waren heute sehr erleichtert darüber, dass der "böse Mann geschnappt" wurde und auch sehr betroffen, dass Mirco nicht mehr lebt.

      Aber das heißt ja auch, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Kinder des Täters die Suche etc. mitbekommen haben. Sagt man ihnen nun die Wahrheit oder wie erklärt man ihnen jetzt, wo ihr (vermutlich geliebter) Papi abgeblieben ist? Ich weiß es nicht...

      Ich glaube, ich würde in einem solchen Fall umziehen...

      Und dann lebt der Täter keine 10 km von uns entfernt und vielleicht ist er uns schon x Mal beim Einkaufen begegnet. Schrecklich.

      Nachdenkliche Grüße
      Gaia

      Hallo Gaia

      ich sitze hier auch schon die ganze Zeit und denke nach! Ich habe heute die Nachrichten nur am Rande verfolgen können. Somit habe ich mich jetzt gerade übers Netz mal detailliert informiert.

      Ich bin tief entsetzt, traurig, wütend, ängstlich und einfach nur erschrocken.

      Ich gehe jetzt mal davon aus, dass dieser Familienvater der Täter ist und Mirco getötet hat - ob er ihn auch missbraucht hat lassen wir mal dahingestellt!

      Hat dieser Familienvater mit seiner Familie Weihnachten gefeiert?
      Hat er seinen Kindern Geschenke gekauft?
      Sind alle zusammen über die Weihnachtsmärkte der Gegend geschlendert und haben gemeinsam Glühwein getrunken?
      Gab es zu Silvester ein Glas Sekt und einen Anstoss auf das neue Jahr?
      Hat die Ehefrau was gewusst oder geahnt?
      Wohnt in meiner Nachbarschaft auch so ein Mann#zitter#zitter?
      Weiss dieser Mann was er der Familie von Mirco angetan hat?
      Er müsste es doch wissen - schliesslich ist er selbst Vater!
      Welche Strafe ist gerechtfertigt?

      Bestimmt kann keiner den Schmerz nachempfinden, den die Eltern und Familie von Mirco jetzt durchleben. Ich möchte den Gedanken, dass unseren Jungs so was passieren könnte garnicht zu Ende denken.

      ... meine Gedanken kreisen die ganze Zeit.

      Einfach ohne Worte! Einfach grausam!

      Fassungslose Grüsse
      Beate

      • Liebe Beate,

        hast Du mal den Link gelesen, den gingerbun in der Antwort vor Deiner eingestellt hat?

        Die Fragen, die Du stellst, habe ich mir zum Teil auch schon gestellt, unterm Tannenbaum gesessen und so getan, als wäre alles gut.

        Und am Allerschlimmsten ist der Gedanke, das sseine Frau anscheinend nichts gemerkt hat, ich will ihr um Gottes Willen keinen Vorwurf machen, aber am Abend der Tat hat ihr Mann sich vermutlich ganz normal neben sie ins Bett gelegt, welch ekelige Vorstellung. Und welche Schuldgefühle werden sie jetzt plagen, wenn sie (ehrlich) nichts gemerkt hat. Und die Kinder... da fehlen mir komplett die Worte.


        Gestern war der Polizist von der Verkehrserziehung im Kindergarten und ich habe ihm gesagt, dass ich mehr Angst davor habe, dass eins meiner Kinder verschwindet als dass sie einfach auf die Straße laufen. Das Verhalten im Verkehr kann man üben, über das nicht ansprechen lassen und nicht mitgehen kann man nur sprechen, immer und immer wieder.
        Der Polizist hat gesagt, dass man den Kindern nicht sagen soll "Du gehst mit keinem Fremden mit." sondern stattdessen "Du gehst mit niemandem mit, wenn ich das vorher nicht erlaubt habe." Also auch konkret morgens sagen:" Du kommst mit dem Bus aus der Schule und nicht mit einer Mutter / einem Vater / einem Bekannten, der da zufällig vorbei kommt."
        Oft kommen die Täter leider auch aus dem Bekanntenkreis.

        Ich habe heute noch mal ganz gezielt mit meinen Kindern gesprochen.


        Eine Anekdote, die mich allerdings schmunzeln läßt: Unsere Nachbarin hatte zu ihrem damals 6jährigen Sohn gesagt, dass er niemandem die Tür aufmachen darf. Dann hat sein Opa mal auf ihn aufgepasst und beim Müll rausbringen ist ihm die Tür ins Schloss gefallen, er kam nicht mehr rein. Also hat er geklingelt und geklopft, aber der Junge hat die Tür nicht aufgemacht, weil die Mutter es ja verboten hatte. Also hat der Opa zwei Stunden lang von draussen auf den Enkel "aufgepasst", weil er ja nicht mehr rein konnte #winke bis seine Schiegertochter wieder nach Hause kam.

        Geschimpft hat die Mutter nicht, denn ihr Sohn hatte ja nur das getan, was sie ihm gesagt hatte.

        LG
        Gaia

        • Liebe Gaia

          ich habe den Link erst nach dem Verfassen meines Threads gesehen.

          Einfach unfassbar! Das Zitat macht auch mir einfach nur entsetzliche Angst.

          Ich sehe das genau wie Du. Ich habe auch mehr Angst vor so einem Verbrechen als vor dem Strassenverkehr. Zumal bei so einem Gewaltverbrechen der Tod ja fast sicher ist (dem Zitat zufolge ja sogar sicher) und mein Gefühl gegenüber dem Verbrecher unkontrollierbar wäre.

          Ich habe selbst meinen Vater bei einem Verkehrsunfall verloren und es war damals die Hölle. Trotzdem glaube ich, dass so ein Gewaltverbrechen noch schlimmer ist für die Hinterbliebenen, denn es gibt zweifelsohne eine Schuldigen!

          Die Anektote Deiner Nachbarin lässt einen echt schmunzeln. Unsere Kinder sind noch klein (4 + fast 2 Jahre). Mathis hat letztens auch einfach dem Postboten geöffnet, obwohl mein Mann unseren kleinen Sohn ins Bett brachte. Das gab auch eine Diskussion und er soll nun auch niemandem mehr aufmachen. Allerdings ist der Kleine schon so ängstlich und man will ihn ja auch nicht noch mehr verunsichern. Er würde eigentlich (man weiss es sicher nie!) mit niemanden mitgehen!

          Es ist einfach schlimm, dass man niemandem mehr trauen kann! Das macht mich wirklich traurig und ängstlich.

          Gruss Beate

          • "Es ist einfach schlimm, dass man niemandem mehr trauen kann! Das macht mich wirklich traurig und ängstlich."

            Das finde ich auch schlimm, zumal wir hier (und Du wahrscheinlich auch - hab mal in Deine VK geguckt) auf dem platten Land wohnen, wo beinah jeder jeden kennt.

            In Großstätten wie New York werden täglich weiß der Wutz nicht wie viele Menschen jeden Tag ermordet, auch ganz schrecklich und für mich Landei unvorstellbar, aber wir wohnen in einem Dorf mit 2000 Einwohnern, da ist schon das Hören von Martinhorn eine Seltenheit...

            Dass Du Deinen Vater durch einen Unfall verloren hast, tut mir sehr leid, aber wie Du schon schreibst, es war ein Unfall, wenn auch ein tragischer.
            Aber hier hat jemand mit Vorsatz gehandelt...

            Ich frag mich auch oft, wo wir leben, letztes Jahr im Januar wurde in unserer Nähe ein Augenarzt erschossen, mitten auf einem Feld (kam auch bei Aktenzeichen XY - ist bis heute ungeklärt), hat wohl mit Waffen gehandelt und dann fielen Worte wie Russenmafia, etc. Hallo???

            Und jetzt das mit Mirco, das kann doch nicht normal sein.

            Gerade wurde genau die Frage in der Vorschau vom RTL Nachtjournal aufgegriffen, was einen 45 Jahre alten Mann, der Familie hat und einen sicheren Arbeitsplatz, dazu treibt, eine solche Tat zu begehen. ich bin mal gespannt.

            Liebe Grüße
            Gaia



    Hallo,
    vielleicht beantwortet Dir dieser Auszug von SPIEGEL online einige Deiner Fragen:

    ""Hätte dem Umfeld des Täters etwas auffallen müssen?

    In der Regel gelten solche Ansprachen aber auch dem Umfeld eines Täters. Es ist selten, dass Angehörige oder enge Bekannte keine Veränderungen im Verhalten eines Mörders wahrnehmen. Deshalb vermuteten die Ermittler auch im Fall Mirco, dass der Entführer von seiner Familie gedeckt werden könnte.

    "Manche tun das bewusst, manche unbewusst", sagt Andreas Borchert, Dozent an der Polizeiakademie Niedersachsen. Für Familien, aus denen solch ein Täter stamme, breche erst eine Welt zusammen, wenn es zu einer Festnahme kommt. "Dann muss sich das Umfeld die Tat eingestehen und dann erst realisieren viele, dass hinter ihrem Ehemann, Vater, Sohn, Onkel ein ganz anderer Mensch steckt, als sie vermutet haben."

    Der Vater des 26-jährigen Jan O., der in Bodenfelde zwei Teenager tötete, gab zum Beispiel nach dessen Festnahme zu, dass er von Anfang an seinen Sohn im Verdacht hatte. Auch Jans Mutter hatte ihrem Sohn die Tat sofort zugetraut, als sie davon hörte. Gemeldet hatten sie sich trotz massiver Fahndung nicht.

    Kriminaldirektor Borchert unterscheidet zwei Gruppen von Angehörigen, die einen Täter schützen: die einen, die eine Tat selbst nicht für so schwerwiegend halten. Und die anderen, die in erster Linie an die Folgen für sich selbst denken, wenn sie ihr Schweigen brechen.

    "Eigentlich muss dem Umfeld immer eine Veränderung des Täters auffallen - egal, ob er die Tat im Vorfeld geplant oder spontan gehandelt hat", sagt Borchert. Hat der Täter die Entführung explizit geplant, Mirco vielleicht sogar bewusst ausgewählt, dann musste er seinen Plan quasi nur abspulen. Dann hat er alles zig Mal durchgespielt - erst vorsichtig, dann perfektioniert, bis die Umsetzung nur noch ein kleiner Schritt ist.

    Hatte sich der Täter Mirco explizit ausgesucht?

    "Entsprechend leicht kann so ein Täter zur Tagesordnung übergehen und sich in sein Familiengeflecht einfügen. Die Vorbereitung und Verarbeitung der Tat muss dennoch auffallen."

    Ebenso, wenn der Täter spontan gehandelt haben sollte. "Dann fehlt die Phase der Planung. Diese gedankliche Vorbereitung muss der Täter nachholen", so Borchert. "Ein spontaner Täter kann nicht ohne spürbare Veränderungen in sein gewohntes Leben übergehen. So kaltblütig ist niemand."

    Nicht nur das veränderte Verhalten eines Täters müsse Angehörigen auffallen, oft sind es auch materielle Veränderungen - wie beispielsweise der Verkauf des Familienkombis.

    Im Fall Ronnie R., der in den neunziger Jahren zwei Mädchen entführte, missbrauchte und tötete sowie weitere Kinder vergewaltigte, hält die Ehefrau bis heute zu dem Mann, der als einer der brutalsten Täter der deutschen Justizgeschichte gilt. Seit Jahren besucht sie ihn regelmäßig in der JVA Celle und bringt ihm Zigaretten. Ihr Cousin glaubt bis heute nicht, dass sie nichts vom Doppelleben ihres Ehemanns ahnte."

    C.

    • Ja, da geht es wahrscheinlich um Selbstschutz und Angst vor dem, was passiert, wenn es rauskommt, wobei ich das nur sehr schwer nachvollziehen kann. Aber wahrscheinlich ist es ähnlich dem Stockholmer Syndrom, wo sie Geiseln plötzlich mit den Motiven der Täter identifizieren.

      LG und herzlichen Dank für Deine Antwort
      Gaia

      Hallo,
      ich finde nicht, dass dieser Artikel auch nur ansatzweise als Erklärungsmodell tauglich ist. Erstens ist mir die viel zu häufige Verwendung des Wörtchens "muss" im Bezug auf Täter-Angehörigen-Interaktion viel zu deterministisch. Das macht auch das angeführte Beispiel nicht besser: Im Gegenteil, das stinkt nach Mitverurteilung der Angehörigen des Täters. Weil die Ehefrau des Mörders Ronnie R. heute noch zu ihm hält, heißt das noch lange nicht, dass zwangsläufig die Ehefrau des Mörders des kleinen Mirko noch zu ihm halten wird. Geschweige denn, dass sie zwangsläufig etwas erkannt oder bemerkt haben muss. Vielmehr bleibt zu fragen, ob sich Gewissenlosigkeit und fehlende Empathie nicht wie ein roter Faden durch das Leben des Mörders von Mirko zieht- aber auch das WEISS niemand.
      Zweitens finde ich es ungeheuer, dass sich einmal mehr ein Magazin, welches doch achso seriös und reflektiert auftreten möchte, schlicht in bislang haltlosen Spekulationen ergötzt, nur um auf der Sensationsgier-Welle ein bisschen mitzureiten.

      Ich hab nur ein Begriff für diesen Artikel: MÜLL!

      • Sehe ich genauso.

        Zumal man ja auch nicht vergessen darf, selbst wenn der Partner anders im Verhalten ist, wer geht denn sofort davon aus, dass sein Verhalten wegen eines Gewaltverbrechens anders ist?

        In welchem Ausmaß finden denn eigentlich diese Veränderungen statt? Nicht jeder wird da gleichermaßen ausgeprägt und "sehr auffällig" sein.

        Und sucht nicht jeder Partner erstmal im beruflichen und privaten Umfeld nach Erklärungsgründen dafür?

        Was wäre ich für eine Ehefrau und was würde das über mein angebliches Vertrauen zu meinem Mann aussagen, wenn mir als Erstes die Möglichkeit, dass er ein Mörder ist, in den Sinn käme?

    Ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank !

    Ich denke auch das sich ein Täter für nahestehende Verwandte und Freunde verändert. Vlt hat die Frau an einiges gedacht, aber nicht wirklich die Tatsache wahrhaben wollen das ihr Mann sowas getan hat.

    Man kann schlecht sagen wie man sich in einer solchen Situation verhält wenn man nicht in ihr war oder ist. Der eigene Partner, Bruder, bester Freund seit Kindertagen, verändert sich merkwürdig nach so einem Fall - nicht großartig, aber zeigt komisches Verhalten, fährt einen Wagen der passen würde ... klar, früher oder später würde er eh überprüft werden, aber würde man dann schweigen oder den Mund auf machen ?

    Wie viele Frauen trennen sich nicht von ihren Männern obwohl sie und die eigenen Kinder misshandelt werden ? Warum ? Weil man meint zu lieben, der Partner die finanzielle Grundlage bietet, man Angst hat es nicht allein zu schaffen ... dazu muss man nur mal kurz in anderen Forumsbereichen schauen. Wie weit ist es dann hergeholt das es Frauen gibt die schweigen würden wenn sie den Verdacht haben der eigene Partner hat soetwas getan ?

    Mir tut es für die Kinder des Mannes leid und unendlich für die Familie von Mirko ! Einen solchen Schmerz und solche Angst ...

    Ich habe die ganzen Monate zwischendurch nachgeschaut, die Artikel aber selten ganz gelesen, gestern laß ich zum ersten Mal von der "Aussage" der Nonnen und mir wurde ganz schlecht ! Wie grausam muss eine solche Aussage dann für die Mutter sein ? Eine Erfahrung die hoffentlich keiner von uns je machen muss !!!

    Was mir aber Angst macht ist; wie viele solche Menschen rennen dadraussen noch rum ? Sind lieb und nett, freundlich, man trifft sie beim einkaufen, plaudert, beim Sport, in der Schule oder im Kindergarten - erwartet nie etwas wie das von ihnen ... man kann den Leuten nur vor den Kopf schauen und das finde ich einen sehr beängstigenden Gedanken.
    Insofern ist einfach nur zu hoffen das Frauen/Männer deren Partner anfangen sich merkwürdig zu verhalten, auch bevor etwas geschehen ist (!) die Courage haben aufzustehen und etwas zu tun und sei es beim Gesundheitsamt (Amtsarzt) ihre Bedenken zu äussern und sich nicht auf "wird schon nichts sein" ausruhen !

    LG

    #kerze für Mirko und all die anderen Kinder !

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