Als Deutscher in der Schweiz?

    • (1) 07.06.11 - 08:49

      Moin Ihr Lieben,

      wenn man als Deutscher in die Schweiz geht, wie ist das Leben dort im Vergleich??
      Fasst man schnell Fuß?
      Wie viel muss man verdienen um gut leben zu können?
      Wie viel kostet z.B. eine Wohnung 100 qm in der Stadt?
      Wie kinderfeundlich ist die Schweiz (Betreuung? berufstätige Mütter?)

      Wie sieht das aus mit der Deutschenfeindlichkeit - sind es wie bei uns mehrheitlich die dummen Leute, die was gegen Ausländer haben oder zieht sich das auch durch andere Schichten?

      Wäre toll, wenn Schweizer oder Ausgewanderte etwas dazu sagen können!

      Danke, Nele

      • Hallo Nele

        Es kommt darauf an, in welchen Kanton Du ziehen möchtest ...

        Ganz kurz zu deinen Fragen:

        Das Leben in der Schweiz ist anders, disziplinierter, strenger, geordneter, selbst die Kinder sind anders erzogen ... In der "deutschen" Schweiz fasst man schnell Fuss, aber man bleibt ein "Deutscher" und wird erst einmal vorsichtig beäugt.

        Die Gehälter sind im Vergleich zu Deutschland enorm, aber der Lebensstandard ist sehr teuer. Es bleibt unterm Strich, wenn man Kinder hat, nicht sehr viel mehr übrig. So kostet eine Wohnung in der Stadt (ich rede jetzt nicht von den Topstädten wie Zürich) umgerechnet etwa 1'800.00 EUR im Monat. Warum das so ist, kann ich Dir gerne erklären ... Lebensmittel sind extrem teuer. Fleisch ist z.B. 3-fach zu teuer wie in Deutschland.

        Kinderfreundlich ist die Schweiz, ja ... aber .... z.B. gehen die Kinder hier erst ab 5 in den Kiga. Vorher musst Du schauen, dass Du einen Betreuungsplatz findest und die kosten ein Vermögen (bis zu 60 EUR pro Tag !!!), es gibt keine Elternzeit, nach 10 Wochen Babypause musst Du wieder ran, das Kindergeld ist sehr viel niedriger und und und ...

        Du kannst mich gerne über VK kontaktieren. Selbstverständlich auch alle anderen, die Fragen haben :-D

        LG
        T#winkeni

        Moin,

        meine Cousine hat lange in der Schweiz gearbeitet. Sie verbucht es unter: "Keine schöne Erfahrung".

        Als Deutsche sei sie nie richtig angekommen in der Schweiz, fühlte sich oft als Fremdkörper und wurde auch so behandelt. Das, was man oft den Deutschen zuschreibt (Hochnäsigkeit, Arroganz), hätte sie dort um ein Vielfaches stärker kennen gelernt.
        Am Schluss war sie heilfoh, wieder einen Job in Deutschland zu haben - trotz der hohen Löhne in der Schweiz.

        VG

        wir haben auch Freunde, die beruflich in die Schweiz gezogen sind. auch sie sagen, dass sie dort nie richtig angekommen sind. Die Schweizer tolerieren sie, aber richtige Freundschaften sind bisher nicht zustande gekommen. das passiert eher mit anderen zugezogenen Deutschen.

        Alles in allem ist die Schweiz sehr teuer und Betreuungsangebote für Kinder sind sehr kostspielig. Unsere Freunde haben ihren Kinderwunsch zurückgestellt, weil sie es sich unter den derzeitigen Bedingungen nicht leisten können.

      • Liebe Nele,

        wir leben seit bald drei Jahren in der Zentralschweiz.
        Mein Mann arbeitet hier, ich betreue unsere fast 4jährige Tochter.

        Das Leben als Deutscher in der Schweiz ist zum Vergleich zum Leben im Heimatland nicht so schön, da man AUSLàNDER ist ... und solches Misstrauen gegen Ausländer wie hier habe ich sonst nicht nie erlebt, mein Mann ist als Junge aus Polen nach Deutschland gekommen, kennt das Gefühl also und es war damals nichts im Vergleich zu unserer Situation hier.

        Mein Mann arbeitet und hat Arbeitskontakte, Leute, die mit ihm reden (müssen). Ich habe das nicht und obwohl ich mich in einem Mütterverein im Ort engagiere, ist es nicht selbstverständlich, dass man mehr als "Hoi" ("Hi") zu mir sagt !
        Fazit : Man fasst NIE Fuss !
        Gerade gestern habe ich überlegt, hier einen Beitrag einzusetzen, weil es wieder mal so war, dass ich mit anderen Müttern auf der Strasse stand und es zu keinem Gespräch mit mir kam, obwohl ich es mir so sehr wünsche und mich auch bemühe.
        Egal, wo Du herkommst, Du bist "Ausländer" und diesen Stempel wirst Du nie los.
        Die Deutschen werden hier als arrogant und hochnäsig beschrieben (wurde ja schon erwähnt) und das rührt meiner Meinung nach daher, dass die Deutschen einfach oft besser ausgebildet sind, also mehr Wissen haben (wenn man das im Beruf anbringt, ist man arrogant und weiss alles besser) und wir sagen unsere Meinung. Das macht hier niemand direkt, es ist alles immer tiotop, hintenrum regen sie sich aber enorm auf.

        Was die Deutschen/Ausländerfeindlichkeit betrifft, sind es sicher eher die mindergebildeten Leute, die Wissen als Gefahr ansehen und Ausländer nicht mögen. Aber insgesamt zieht es sich hier eher als in Deutschland durch alle Schichten.
        Wenn ein jüdisches Geschäft beschädigt wird, macht man hier keine Welle und ein paar KM weiter steht an den Fels in rot "Jews out" geschrieben, stört keinen.
        Ich betone aber, dass ich in ländlicher Gegend in der Zentralschweiz wohne, für andere Gebiete kann ich nicht wirklich sprechen, obwohl meine Vermutung dahingeht, dass es sich nicht wirklich unterscheiden wird.
        Ich dachte immer, die Schweizer sind uns Deutschen ähnlich und war heilfroh, hierher und nicht nach Norwegen zu kommen (war berufl.Möglichkeit für meinen Mann), aber schon die Vermittlerin, der er für Norwegen wegen der Schweiz abgesagt hatte, meinte "Selbst Schuld".

        Und ich vermisse Freunde so, hier wird mir jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und da ich gern sarkastisch und witzig/ironisch bin, kann das keiner verstehen ... die Frauen im Dorf verabreden sich, nur ich bin immer aussen vor und das tut so weh, das kenne ich von Zuhause nicht.
        Ich bin als Deutsche ein rotes Tuch und wenn ich mit einer Bekannten, die Moslem ist, durchs Dorf gehe, um die Kinder von der Spielgruppe zu holen, schliessen sicher einige die Türen ab :)

        Also, die Verdienste hier sind sehr hoch, die Kosten aber auch, man trägt Krankenversicherung selbst für die ganze Familie, mit Franchise und Miete zahlen wir 2000 Franken für 100qm.
        In Zug zum Beispiel würde die Wohnung aber sicher 3000-3500 Franken kosten. Kommt auf Kanton etc an.
        Die Schweizer sind sehr kinderfreundlich, das ist etwas sehr nettes, was ich unbedingt erwähnen muss, damits nicht allzu negativ wird :)
        Alle sagen den Kindern Hallo, im Einkaufszentrum stört es KEINEN, wenn die Kinder toben und den Weg versperren, es werden Luftballons und kleine Geschenklein in den Läden verteilt, unfreundliche Worte hab ich noch nicht gehört.
        Ganz im Gegensatz zu Deutschland, dort sind Kinder ja immer im Weg.

        Wenn Du also nicht viel Wert auf sozialen Status, Freunde oder Kontakte legst, Misstrauen und manchmal abwertende Bemerkungen zu Deiner Person als Deutsche erträgst und berufliche Chancen ergreifen willst, dann komm !
        Die Schweiz ist wunderschön, proper und sauber, die Berge und Seen und die sanften Hügel machen die Schweiz wirklich zu einem abwechslungsreichen und äusserst schönen Land.
        Nur zu Hause fühlen kann man sich hier nicht, weil man immer wieder bemerken muss, dass man Ausländer ist.

        Viele Grüsse
        Nina

        Hallo Nele,

        also jetzt muss ich auch mal was dazu schreiben. Wir, also mein Mann und unsere zwei Kinder wollten 2009 in die Schweiz auswandern. Wir haben dann ein halbes Jahr in der Zentralschweiz gelebt. Leider hat es bei meinem Mann mit dem Job nicht geklappt. Wir hatten die besten Nachbarn der Welt und haben in einer wunderschönen Landschaft mitten in den Bergen gewohnt. Diese Zeit war sehr schön bis auf die Jobsache. Ich habe die Schweiz so erlebt, dass man als Tourist willkommen ist aber nicht auf Dauer. unsere Nachbarn waren da aber eine echte Ausnahme und ich vermisse sie fast jeden Tag.

        Wir wohnen jetzt in Grenznähe und nutze die Vorteile beider Länder. Ich habe einen Job in der Schweiz gefunden, mit dem man in Deutschland gut leben kann aber in der Schweiz könnte man sich davon nicht unterhalten. Auch bei der Arbeit merke ich die Vorurteile. Wenn man dann aber ganz freundlich und höflich ist, dann schlägt einem auch viel Sympathie entgegen. Ich komme schnell mit den Leuten in Kontakt und habe keine wirklichen Probleme mit den Schweizern. Trotz dem glaube ich wird man immer Ausländer sein, wenn man in der Schweiz wohnt. Die Schweizer und die Deutschen sind von der Mentalität schon sehr verschieden. Mir persönlich gefällt die Schweizer Mentalität besser aber ich werde von der Mentalität immer deutsch sein. Nur den Vorteilen werde ich wohl nicht gerecht werden. Ich bin nicht unhöflich und arrogant.

        LG
        Carola

      • (7) 07.06.11 - 17:06

        Hi!

        Ich kenne einige Deutsche, die in der Schweiz leben und deren Erfahrungen sind extrem unterschiedlich. Einige klagen tatsächlich über mangelnden Anschluss, andere wiederum sind sehr gut aufgenommen worden.

        Aus meinen Erfahrungen und meinem persönlichen Erleben kann ich dir nur sagen, ja es gibt einen Mentalitätsunterschied und diejenige, die sich den "veränderten Bedingungen" in der Schweiz anpassen, haben zumeist keine Probleme.

        Als Grundregeln gelten Höflichkeit, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Unaufdringlichkeit. Ein Lächeln ist nie verkehrt und wirkt bei den meisten Schweizern Wunder. Nie das "Bitte" und "Danke" vergessen und bitte, bitte, bitte eventuelle Aggressionen nicht durch "laut werden" ausdrücken.

        Im Gespräch mit Schweizern empfiehlt es sich übrigens auch Kritik am schönen Schweizerland vorsichtig und gut überlegt zu äussern(wenn überhaupt). Die meisten Schweizer die ich kenne, sind da sehr empfindlich.

        Apropos empfindlich:

        @123ninni:

        "und das rührt meiner Meinung nach daher, dass die Deutschen einfach oft besser ausgebildet sind, also mehr Wissen haben (wenn man das im Beruf anbringt, ist man arrogant und weiss alles besser) und wir sagen unsere Meinung. Das macht hier niemand direkt, es ist alles immer tiotop, hintenrum regen sie sich aber enorm auf."

        Die Deutschen sind nicht besser ausgebildet als die Schweizer und auch Schweizer sagen ihre Meinung, sie benehmen sich nur nicht wie ein Elefant im Porzellanladen.

        Wie auch immer.... wo war ich#kratz...ach ja genau#aha:

        Meine deutschen Bekannten, die sich hier gut eingelebt haben, erzählten zwar auch von Startschwierigkeiten, da die Schweizer wohl eher ein reserviertes Völkchen seien, berichteten aber, dass sie sich Mühe gegeben hätten, sich anzupassen und mit ein bisschen Einfühlungsvermögen das auch gut gelungen sei.

        Fazit: Nichts wird so heiss gegessen, wie's gekocht wird und lass dir keine Angst vor den bösen Schweizern einjagen;-)


        Und zum Schluss noch ein kleiner Artikel z.Thema:

        http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-02/artikel-2010-02-schaetze-der-konsenskultur.html

        Der Autor ist Kabarettist, der Artikel ist also mit einem ;-) zu betrachten.

        • Hallo,

          Da möchte ich Dir ein bisschen widersprechen- meine Erfahrungen sind so, dass die jeweiligen Ausbildungen manchmal nicht so fundiert sind wie in D.
          Das liegt aber nicht an den Schweizern sondern am System. Der Standard ist ein anderer.Das merkt man als Privatperson auch im medizinischen Bereich.
          Aber positiv möchte ich vermerken, dass Schweizer sehr fleissig sind und i
          Gegensatz zu manchem Deutschen arbeiten wollen und Freude am Schaffen haben.

          Ist ok,aber ich höre das immer wieder.

          Ich habe zwei schweizer Bekannte ( die sehr lieb sind,mich akzeptieren und ich mich sehr über den Kontakt freue ) und die sagen mir selbst,dass sie nicht offen kritisieren können und das eben anders regeln.
          Ich empfinde es als unglücklich formuliert, dass wir Deutschen uns wie Elefanten im Porzellanladen benehmen.
          Das ist sicher bei manchen der Fall, kann man doch aber nicht pauschal sagen.
          Ich passe sehr auf, niemandem zu nahe zu treten, möchte mitmachen und akzeptiert werden und dennoch klappt es nicht recht.

          Schönen Abend,LG
          Nina

          • "meine Erfahrungen sind so, dass die jeweiligen Ausbildungen manchmal nicht so fundiert sind wie in D.
            Das liegt aber nicht an den Schweizern sondern am System. Der Standard ist ein anderer.Das merkt man als Privatperson auch im medizinischen Bereich."

            Tja, meine Erfahrungen sind nicht so. Da werden wir wohl nicht auf einen Nenner kommen.:-)

            "Ich empfinde es als unglücklich formuliert, dass wir Deutschen uns wie Elefanten im Porzellanladen benehmen."

            Ich meinte mit dem "Elefanten", dass Schweizer sich normalerweise nicht so benehmen, behaupte aber nicht, dass Deutsche das grundsätzlich tun würden.

            Wie du siehst gibt es tatsächlich Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Deutschen und Schweizern;-)

            Aus reiner Neugier: Hast du (abgesehen vom anonymen Internet) schon mal in Gegenwart eines Schweizers die Bemerkung fallen lassen, dass schweizerische Ausbildungen nicht so fundiert sind wie die deutschen? Das wäre eine überaus plausible Erklärung für deine "Startschwierigkeiten":-)


            Grüsse

            serdes

            • (10) 08.06.11 - 19:57

              Hi,
              Also meine Erfahrungen oder Wahrnehmungen sind nicht allumfassend und daher konfrontiere ich keinen Schweizer damit-hier war nach Meinungen gefragt und daher habe ich das mit angeführt.
              Insofern kanns daran nicht liegen.
              Ich bin auch derzeit Hausfrau und habe das Problem nicht-es sind lediglich mein Empfinden und mitgeteiltes. Auch von Schweizern.
              Ich erhebe kein Recht an Vollständigkeit;)
              Ich weiss mich sicher zu benehmen und bin sehr an Integration interessiert, versuche mich einzuordnen.
              Zudem bin ich ja kein Einzelfall, der hier auch kritisch antwortet.

              Insgesamt belassen wir es doch dabei, dass es Unterschiede in der Mentalität gibt und es wünschenswert wäre, wenn beide Seiten das tolerieren würden. Und Ausländer sind hier eben Ausländer und sollten sich einordnen in bestehende Formen.
              Das macht man im Heimatland ja auch.

              Viele Grüße,
              Nina

      (11) 08.06.11 - 01:38

      Als Schweizer...
      Generell hat die Schweiz ein Problem mit Ausländerfeindlichkeit. Das ist vor allem in den ländlichen Gegenden, wo auch die Partei SVP stark ist, der Fall. Man sieht es sehr gut in den Abstimmungen, wenn die Städte wie u.a. Zürich eher liberal sind und dann die urschweizerischen Gebiete, die die Schweiz als grossen Bunker sehen. Ich sage auch ein Problem, weil viel polarisiert wird und ich habe Mühe mit manch' Engstirnigkeit hier.
      Es gibt aber immer Ausnahmen. Wir hatten in einer eher ländlichen Gegend zwei Deutsche Familien als Nachbarn, die sehr gut integriert waren. Auch der Freund meiner Tante ist Deutscher und meine Oma ist im Weltkrieg II hierher geflüchtet. Das heisst, es ist absolut möglich sich hier zu integrieren. Schlechte Erfahrungen sollte man auch nicht pauschalisieren. Wir hatten schon in den 90er Jahren auch Italiener als Nachbarn und in unserer Klasse auch türkische, brasilianische, griechische, russische, asiatische, US-amerikanische Kinder, die sich alle integriert haben.

      Schweizer sind reserviert, zurückhaltend und höflich, aber in meinem Empfinden kommt es auch manchmal unfreundlich rüber. Das bleibt auch bei längeren Bekanntschaften. Es ist normal, dass Schweizer nicht unbedingt den ersten Schritt machen, aber es hilft auch nicht, sich aufzudrängen. Manchmal hilft es, den Schweizer zu ehrlich zu konfrontieren - findet der garantiert nicht toll, aber du bekommst am ehesten eine Antwort.
      Ich muss direkt sagen, wenn der Integrationsversuch nicht funktioniert hat, liegt das am ehesten an den Deutschen selber. Man kann vielleicht oberflächlich höflich etc. sein, aber die Körpersprache drückt etwas anderes aus oder man nimmt das eigene Auftreten falsch war. Fakt ist, dass sich sehr viele Deutsche erfolgreich integrieren - auf dem Land und in Städten und Deutsche von den Einwanderungen den grössten Prozentsatz ausmachen.

      Kinderfreundlich ist... mhm. Ab 5 Jahren geht es in den Kindergarten, der Pflicht ist, vorher kann die Spielgruppe wahrgenommen werden. Seitdem die 6-Tage Woche in der Schule abgeschafft ist, hat ein Kind bis zur 9. Klasse meistens nur noch ein Nachmittag frei. Hier gab es noch einen Thread, in dem eine Frage zum Schlüsselkind gestellt wurde - meine Schwester und ich waren beide Schlüsselkinder, ohne Taram-taram. Wir waren ziemlich früh selbstständig - auch gezwungenermassen.
      Was die Ausbildung angeht, bei uns gab es ein Notrezept auf dem Gymnasium: Wenn es auf unserem nicht funktioniert - wir gingen auf eines der Besten - dann auf ein alternatives Gymnasium in der Schweiz und notfalls nach Deutschland, dort schafft es auch jeder. Der Unterschied ist eher, dass auch Ausbildungen hoch angesehen sind, gerade mit berufsbegleitender weiterführender Schule und auch Gymnasien. Grundsätzlich würde ich sagen, Deutschland und die Schweiz nehmen sich beide nichts, kommt auf die Schule und Ausbildung an. :-)

      Weiterhin, ja, Schweizer finden unqualifizierte Kritik an der Schweiz nicht schön. Auch keine blöden Witze, wobei Schweizer eh keinen Humor haben - dafür gute Schokolade. Das ist ein Nesselnest, deshalb ist es hilfreich, wenn man da den Mund hält. Auch Aussagen wie "In Deutschland sind die Ausbildungen fundierter." behält man besser für sich - sonst heisst es schnell, dass man halt wieder zurück solle.
      Gar nicht gehen Deutsche, die die guten Löhne in der Schweiz einsacken und in Deutschland ausgeben - die Wirtschaft dankt.

      Da ich selber oft im Ausland bin, und zwar auf Einwohner- und Alltagsebene und auch selber ausgewandert bin, muss ich sagen, dass viele Probleme generell typisch sind - also nicht spezifisch die Schweizer Schuld sind, sondern dass die Art ist, wie Ausländer behandelt werden.
      Und Schweizer sind auch keine Maschinen, ich kenne genug laute, lustige, offene, unpünktliche Bürger, die so gar nicht in das Profil passen.

      Kostenmässig: Schweiz ist grausam teuer. Höhere Löhne aber auch höhere Preise, passt sich an. Der Standard ist höher, ja, aber du hast nicht automatisch mehr Geld. Essen in der Schweiz ist so ziemlich auf dem teuersten Preisniveau, sicher mal in Europa. Öffentlicher Transport nach Grossbritannien auf dem zweiten Platz. (Dafür bei Schnee und Regen immer pünktlich.)
      Ausserdem sind Schweizer eher sparsam - Kredite und ähnliches, das Konto überziehen wird sehr skeptisch betrachtet. Man fördert die finanzielle Selbstverantwortung. Finde ich vor allem als Schweizer in Grossbritannien sehr befremdlich, wo meine Mitstudenten den monetären Rahmen, mit dem sie auf dem Konto ins Minus gehen können, immer voll ausnutzen.
      Kinder kriegen und Hausbau in der Schweiz sind ein Privileg. Und damit wächst der Schweizer auch auf, die Entscheidung für Kinder ist eine sehr bewusste und damit sollten keine Nachtteile für Mitbürger entstehen, die keine möchten.
      Es ist sehr toll als Kind in der Schweiz aufzuwachsen, wenn die Eltern sich das leisten können. Aber es ist sauber und sicher und das ist viel Wert.

      Ich denke, es liegt vor allem an dir - was erwartest du von der Schweiz, was kannst du bringen. Gefällt dir die Schweiz auch sonst, warst du oft da, findest du sie schön? Solche Motivationen helfen ungemein, in der Schweiz Fuss zu fassen, weil die Begeisterung über das Land geteilt werden kann. Ich meine jetzt keinen Patriotismus, sondern die Vorzüge auf einer ästhetischen und angenehmen Ebene. Willst du nur in die Schweiz um finanziell zu profitieren? Damit wirst du dich schwer tun, weil ein Land ganz viele Gesichter hat und Geld und Kinderbetreuung nur eines ist.
      Und Gründe wie "Wegen der tollen Schokolade!" sind zu oberflächlich. Damit wird man auch nicht glücklich.

      • (12) 08.06.11 - 06:04

        Ich sehe zwar nicht alles genauso, kann man aber grundsätzlich so stehen lassen.:-)


        Ich habe z.Bsp. noch nicht bemerkt, dass die Schweiz ein "generelles" Problem mit Ausländerfeindlichkeit hätte. Und auch der Aussage "wobei Schweizer eh keinen Humor haben" kann ich mich nicht ganz anschliessen. Ich habe nirgends soviel gelacht, wie im Kt.Uri:-D

        Ansonsten#pro


        Grüsse

        serdes



        (13) 08.06.11 - 09:44

        >>Es ist normal, dass Schweizer nicht unbedingt den ersten Schritt machen, aber es hilft auch nicht, sich aufzudrängen.<<

        Ernstgemeinte Frage: Wie datet man in der Schweiz? Meine Schwester meinte nämlich auch, dass aus den von Dir genannten Gründen ein Eiertanz ist, und wundert sich inzwischen, wie Schweizer sich kennenlernen - den Geheimcode kriegt sie als Deutsche nicht geknackt ;-)

        • Tja...gute Frage....wie habe ich all meine Liebschaften, Affairen und Partner kennengelernt?

          Hauptsächlich in Vereinen, bei der Arbeit, während der Ausbildung etc. Über Internet ist so gar nicht mein Ding und abends in der Disco höchstens mal für eine Nacht.

          Meinen Mann habe ich übrigens beim Vereinsleben entdeckt. War ein guter Griff;-)

    (15) 08.06.11 - 11:22

    Hi,

    vielen Dank für Eure Beiträge... so richtig vertrauenserweckend klingt das ehrlich gesagt nicht.

    Man muss mir ja nicht die Füße küssen, aber so eine gewisse Gastfreundschaft fände ich schon ganz angebrach - zumindest wenn der Gast freundlich und offen auf die Leute zugeht.

    Klar, dass man keine blöden Sprüche machen sollte (gilt ja überall), aber hinterherbetteln um normal behandelt zu werden, möchte ich auch nicht. Ich zumindest gehe hier in Deutschland auch nicht so mit Einwanderern um.

    Liebe Grüße
    Nele


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