ich habe so eine Angst davor

    • (1) 08.06.11 - 14:25

      Hallo,

      ich brauche mal jemanden zum reden, mit einer eigentlich guten Freundin habe ich darüber schon gesprochen, aber sie macht sich eher lustig über mich.

      Ich bin Vollwaise, nein, fangen wir mal anders an.

      Ich wurde geboren, meine damals sehr junge Mutter und mein Vater waren beide drogensüchtig (heroin). Etwas mehr als 1 Jahr durfte ich vom Jugendamt aus bei ihnen bleiben. Misshandelt wurde ich und vorallem nicht geliebt. Wenn beide mal wieder drauf waren wurde ich abgeschoben, gerne zu einer Nachbarin. Das wurde in den Unterlagen erwähnt und ist leider das einzige was ich weiß. Sie hat mich wochenlang bei sich behalten und gepflegt, leider weiß ich heute nicht wer das war.

      Naja, ich kam dann in eine Pflegefamilie, meine Mama (Pflegemama) war immer für mich da, ich hatte immer Angst weg zu müssen, weil ich so oft hin und her gerissen war. Irgendwann war klar, nein meine Mama liebt mich und meine Mama lässt mich nie gehen. Sie hat immer für mich gekämpft, selbst als meine leibliche Mutter mit irgendwelchen Zuhältern zu uns gekommen ist und mehrfach versucht habt mich mitzunehmen.

      Irgendwann starb mein leiblicher Vater, trotzallem was passierte, tat es weh. Ich war sehr traurig, damals war ich 14 Jahre. Vor nicht allzulanger Zeit starb meine leibliche Mutter, ich hatte keinen Kontakt- sie hat es versucht, aber ich wollte es nicht- auch hier ging es mir irgendwie sehr Nahe. Ich habe geweint und getrauert.

      Ich war und bin so verdammt traurig über den Tod der beiden, egal was sie gemacht haben, sie haben mir das Leben geschenkt und ich weiß so gut wie nichts über die beiden.

      Jetzt ist meine Mama krank und aufeinmal bekomme ich Angst- Ansgst, dass sie sterben wird. Klar, sie wird irgendwann sterben, aber ich habe so Angst davor. Sie hat mich aus dem Dreck rausgeholt, sie hat mich immer beschützt, egal was war. Ich kann es gar nicht beschreiben, ich glaube, es würde eine Welt für mich zusammenbrechen.

      Ist die Angst normal? Wie gehe ich mit dieser Angst am besten um?

      viele Grüße

      • Hallo,

        also erstmal frage ich mich wie man sich darüber lustig machen kann? #nanana


        Ich kann deine Angst gut verstehen, auch ohne so eine schlimme vorgeschichte, würde wohl erstmal eine Welt für mich zusammenbrechen wenn meiner Mutti was passieren würde.
        Und so geht es sicherlich vielen.

        Lass dich aber jetzt nicht von deiner Angst überwälltigen. Was hat deine Mama denn?
        Verbring viel Zeit mit ihr,

        LG

        Deine Gefühle sind völlig normal - unter Berücksichtigung deiner Lebenssituation vermutlich noch nachvollziehbarer.

        Meine Situation ist anders. Ich hatte eine glückliche und behütete Kindheit. Meine Eltern waren allerdings nicht die Jüngsten, als ich auf die Welt kam (Mutter 38, Vater 55 Jahre alt). Mein Vater starb, als ich 13 Jahre alt war. Seitdem, habe ich Angst, meine Mama zu verlieren.

        Vor 3 Jahren hatte sie einen schweren Herzinfarkt, da musste ich sehr um sie bangen, sie hat sich wieder erholt, dennoch ist sie körperlich angeschlagen und immerhin 77 Jahre alt.

        Sie ist mein Fels in der Brandung, ich kann mit ihr über alles reden, sie ist eine überaus verständnisvolle und liebevolle Frau, die versucht, unsere Familie zusammen zu halten. Wenn sie nicht mehr ist, werde ich sicherlich in ein sehr tiefes Loch fallen. Ich wünsche mir so sehr, dass sie meine Tochter noch weiter aufwachsen sieht und dass meine Tochter sich später sehr bewusst an ihre Oma erinnern kann, dafür sollte sie gerne noch ein paar Jahre bei uns bleiben...

        Ich kann deine Ängste also absolut nachvollziehen. Dennoch ist meine Einstellung: Man muss das Schicksal annehmen, Menschen sterben nun einmal, das gehört zum Leben dazu.


        Ist sie denn schwer krank oder nichts derzeit lebensbedrohendes?

        FG
        H. #klee

        Hallo,
        ich finde das absolut nicht lächerlich.

        Auch ich lebe mit der gewissheit,dass mein Lebenspartner nicht allzu alt mehr werden wird.
        Am Anfang kam ich sehr schlecht damit zurecht,aber man "gewöhnt" sich daran damit zu leben.
        Auch wenn ich die Angst um ihn nicht ganz abschalten kann und auch immer sofort unruhig werde,wenn er mal nicht erreichbar ist (das heißt nicht,dass ich ihm hinterhertelefoniere o.ä.) kann ich damit mittlerweile anders umgehen,wie zu Beginn.
        Man wächst dort einfach hinein.
        Ich habe nichts besonderes getan,um damit fertig zu werden,von daher kann ich dir auch keine wirklichen Tipps geben.
        LG

      • #winke
        diese Angst finde ich völlig normal. Wir alle haben irgendwie Angst um das, was wir lieben. Du darfst dich aber nicht von der Angst beherrschen lassen, sondern die Zeit jetzt genießen, nutzen, na eben leben. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann tut das so verdammt weh. Aber es geht weiter. Ja klingt abgedroschen, is aber trotzdem so.

        Ja, auch wenn ein geliebtes Tier stirbt, denkst du, so aus die Maus, jetzt kommt nix mehr. Und trotzdem gehts weiter.

        Freu dich über das, was du hast. Die Erinnerung daran wird nie sterben.

        #liebdrueck ich hab Tränen in denn Augen.

        Ich denke das,deine Angst normal ist.Du bist deiner Mutter eben sehr dankbar und du liebst sie.Du bist ein gefühlsvoller Mensch andre verträngen es einfach.Ich hoffe für euch das deine Mama wieder gesund wird.#klee


        Lg J. (die seit März auch zwei Zwerge in Obhut hat,und ganz arg hoffe das die Kinder nicht wieder nach hause zurück müssen.)



      • Vielleicht hilft dir auch ein ganz Fremder, ein Psychologe, der mit dir das alles aufarbeiten kann ?!

        alles Gute

        Ja ich schätze das ist normal.
        Du hast von Anfang an mit Verlusten zu tun gehabt und hast jetzt ganz klare Verlustängste.
        Was du mitgemacht hast wünscht man seinem ärgsten Feind nicht, umso glücklicher bin ich dass es Pflegeeltern gibt die sich einem doch fremden Kind so annehmen können als wär es das eigene.
        Ich hatte auch immer Angst meine Mutter zu verlieren, bis heute hab ich diese Angst wenn auch nicht mehr so stark wie früher.
        Ich hatte eine ganze Zeit Angst selber zu sterben da ich mit vielen Todesfällen nacheinander in der Familie klar kommen musste...unter anderem im Jänner 08 mein leiblicher Vater und obwohl ich seit damals 12 Jahren schon keinen Kontakt mehr zu ihm hatte ( er mochte mich nicht ich ihn nicht er hat mich geschlagen ) tat es irgendwie weh.
        Das Einzige dass wir lernen können ist mit den Ängsten umzugehen, entweder wir lernen es selber oder wir suchen uns professionelle Hilfe dafür.
        lg carrie

        Hi,

        ich wurde zur Hälfte adoptiert.
        Meine Mama verließ meinen leiblichen Vater, als ich 2 Jahre alt war.
        Ebenfalls Drogen.
        Meine Mama hatte danach einen Freund, welcher darauf bestand, dass sie Donnerstags heiraten, damit er gleich am Freitag die Adoption für meinen Bruder und mich beantragen kann.
        Will heissen, auch ich habe einen Papa und einen leiblichen Vater.
        Ich war schon fast erwachsen als ich erfuhr, dass mein leiblicher Vater gestorben ist.
        Einige Jahre später machte ich mich auf die Suche nach seinem Grab und fuhr hin.
        Es hat mich völlig umgehauen, ich habe Rotz und Wasser geheult.
        Dabei kannte ich ihn gar nicht, hatte nur dunkle Erinnerungen.
        Aber es war trotzdem --- einfach schlimm.

        Ich habe keine Angst vor dem Tod meines Papas.
        Er wird sterben und es wird ein großer Verlust.
        Zu Lebzeiten sage ich ihm aber, dass ich ihn liebe und er mein liebes, gutes Papili ist.

        Verbringe Zeit mit Deiner Mama.
        Unternehmt Dinge, die ihr schon lange vor habt.
        Das wird Deine Mama nicht schützen, aber Dich eventuell trösten und Dich wissen lassen, ihr hattet eine tolle Zeit.

        Alles Liebe und nein, dass ist nicht lächerlich. #winke



        ich finde, all meine Vorschreiberinnen haben schon gasagt, was wichtig war. :-)

        eins ist mir persönlich aber noch wichtig: versuche anzunehmen, dass es Dinge gibt, die du nicht ändern kannst. Dass es kommt wie es kommt, egal ob du die Zeit mit Angst oder mit einem Lachen verbracht hast.

        was ich damit meine: deine Mama wird sterben. irgendwann. ist es nicht sinnvoll die Zeit (womöglich noch 20 Jahre?) glüchklich mit Erinnerungen zu füllen, anstatt jeden Tag in Angst zu leben?

        fühl dich unbekannterweise gedrückt und schäme Dich nicht, dir womöglich Hilfe bei einem Psychotherapeuten zu suchen, wenn die Angst überhand nimmt!

        gruß, die bina

        Ja, ich denke es ist normal, dass man Angst hat, seine Eltern zu verlieren. Egal, ob es die leiblichen oder die Pflegeeltern sind.
        Als meine Eltern noch lebten, dachte ich immer, dass es nicht weiter gehen könnte, wenn sie mal sterben werden und mich allein zurück lassen. Allein der Gedanke daran bewirkte, dass ich mich einsam, verlasssen und verloren fühlte. Und das, obwohl das Verhältnis zu ihnen bestimmt nicht konfliktfrei war.

        Am besten du versuchst, diese Angst vor dem Verlust zu akzeptieren. Sie gehört dazu. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir jeder Zeit jeden Menschen, der uns etwas bedeutet, verlieren könnten.

        Ich habe mit Erstaunen die Erfahrung gemacht, dass es immer weiter geht - egal was passiert.

        Ich wünsche dir alles Gute
        umsche

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