Die Opferrolle im deutschen Rechtssystem - Teil 2 ....Neuigkeiten

    • (1) 19.08.11 - 20:21

      Hallo zusammen,

      wollte mich nach einiger Zeit mal mit neuen Fakten zurück melden. Hatten heute wieder einen Prozesstag, und wir erwarten am 1.9. ein Urteil (nunmehr ja schon das dritte). Vielleicht hat der ein oder andere meine Geschichte etwas verfolgt.
      Zur Erinnerung hier nochmal der letzte link dazu:

      http://www.urbia.de/archiv/forum/th-3152272/Die-Opferrolle-im-deutschen-Rechssystem-was-geht-hier-blos-ab.html

      Also, an unserem letzten Verhandlungstag am 29.6. hat die Gegenseite beantragt, ein Obergutachten einzuholen. Und zwar deswegen, weil die das Glaubwürdigkeitsgutachten der Frau Prof.Dr. xy anzweifeln. Schon komisch, denn die GEGENSEITE hat genau diese Frau vorgeschlagen. Nun kommt ein Ergebnis, was für mich spricht und gegen den Angeklagten, dann zweifelt man das eben doch an. Das Gericht mochte dem nicht folgen, hat den Antrag sehr gut begründet abgelehnt.
      Danach hat die Gegenseite beantragt, ein forensisch-psychiatrisches Gutachten über mich erstellen lassen zu wollen. Ziel sollte sein, festzustellen, ob der seelische Schaden, wie er ja bereits diagnostiziert wurde, tatsächlich vorhanden ist, und bei bejahung, ob er auf die Vergewaltigung zurückzuführen sein.
      Dem stimmte das Gericht zu, aber auch wohlwissend, dass es bei Ablehnung des Antrags dem Angeklagten einen möglichen Revisionsgrund einheimsen könnte.
      ICH als Opfer habe keine befriedigende Wahl. Sage ich "Nein, ich kann einfach nicht mehr, es muss mal ein Ende haben" gibt es einen Freispruch. Also schön weiterhin zu allem JA sagen und über sich ergehen lassen. Wie dann auch geschah.
      Das forens-psych. Gutachen bestätigte die Posttraumatische Belastungsstörung und führte es nach Auswertung meines bis Dato gelebten Lebens auf den Vorfall zurück.

      Heute dann die Schlammschlacht auf dem Gericht.

      Als Opfer im deutschen Rechtssystem müsste man strohdoof sein, damit man nicht mit folgenden Aspekten beworfen wird:

      1. Wurde mir seitens der Gegenpartei zum Vorwurf gemacht, ich könnte mir die Symptome einer PTBS angelesen haben und quasi vorspielen, denn ich sei ja vom Fach (Krankenschwester) und wisse über sowas Bescheid. Ja, ist schon klar, dass man sich freiwillig 4 Jahre lang damit belastet. Schade, dass ich nicht einfach einen anderen Beruf habe, der mir nicht zum "Verhängnis" werden könnte.

      2. Ich hätte auf Grund meiner intellektuellen Fähigkeiten und Begabung die Möglichkeit, mir solch einen Vorfall auszudenken. Wer Abitur gemacht hat und auch in der Lage ist ein Medizinstudium zu führen, der ist dann auch in der Lage, sich so etwas auszudenken. Ja, warum hab ich bloß nicht den Weg in die Gosse gewählt ? Ironie off...

      3. Auf Grund der Intelligenz und meines medizinischen Fachwissens hätte ich den Vorgang der Penetration detailreicher beschreiben können. Ein "er ist in mich eingedrungen" reiche bei meinem Vorwissen nicht aus. Schade, dass ich nicht Möbelfachverkäuferin geworden bin (ohne diesen Zweig negativ zu werten).

      4. Wäre der Vorfall einvernehmlich gewesen, hätte ich auch einen an der Klatsche kriegen können, auf Grund des schlechten Gewissens meinem Mann gegenüber. Dazu sag ich jetzt mal garnichts mehr, weil das nur noch lächerlich ist.

      Diese ekelhaften Dinge kamen NICHT vom Gericht, sondern vom Anwalt des Ar.....

      Jetzt warten wir ab, wie das Gericht das sieht. Plädoyers und Urteil sind am 01.09.

      Ach ja....der gegenerische Anwalt machte mir auch zum Vorwurf, dass es so schlimm ja garnicht sein kann, wenn ich der Verhandlung beisitze.
      Ich hab es hinreichend damit begründet, dass meine Therapeutin es als wichtig für die weitere Verarbeitung des Traumas sieht, es zwischendurch immer noch Fragen gibt an mich, die, wenn ich nicht anwesend bin, logischerweise nicht beantworten kann, was zur Folge hätte, das ein Termin neu anberaumt werden müsse (verfahrensverzögerung, habe ich absolut kein Interesse daran). Und dass, wenn ich nicht anwesend bin (ich bin Nebenklägerin) auch nicht Mißverständnisse oder falsche Fakten der Gegeseite aufklären kann - und das will ich.


      So, ich hör jetzt einfach mal auf, denn es gibt noch soooo viele Dinge, aber ich mag nicht mehr. Der heutige Tag hat mal wieder gezeigt, dass man als Opfer total dumm da steht, egal in welcher Hinisicht. Bist du zu blöd, bist du nicht Aussagegeeignet, bist du zu schlau, wird es dir zum Verhängnis wegen Unterstellung deiner kognitiven Fähigkeiten.

      In diesem Sinne ein schönes Wochenende und passt auf euch auf!

      Lg Melle

      • Ich war 9 als ich von 2 Jugendlichen Vergewaltigt wurde.
        Hätte ein Mann nicht meine Schreie gehört, wer weiss wie es ausgegangen wäre.

        Ich hab es meiner Mutter nie erzählt weil ein paar Monate vorher mein Vater durch einen Arbeitsunfall gestorben ist und es ihr schlecht ging. Ich wollte wohl einfach nicht das es ihr noch schlechter ging.

        Wenn ich deine Geschichte lese, dann denke ich, war es gut früher nie davon erzählt zu haben. Was hätte ich meiner Mutter mit sowas angetan.

        Ich habe es meiner Mutter erst letztes Jahr erzählt.

        Ich wünsche dir alles Gute und hoffe das dieses Dreckschwein bekommt was es verdient.

        Wenn ich könnte würde ich aber wahrscheinlich heute deinen Weg gehen. Leider ist das alles zu spät.

        • Das ist schlimm, was dir widerfahren ist.

          Ich weiß nicht, ob ich heute nochmal diesen Weg gehen würde. Er kostet soviel Kraft und man fühlt sich teilweise wie der letzte Dreck, während er da sitzt und grinst. Er spielt auf Zeit und wartet nur auf einen Verfahrensfehler, damit er damit wieder punkten kann. Mir geht echt die Galle hoch. Glücklicherweise haben wir jetzt einen erfahrenen Strafrichter dort sitzen, der wirklich sehr sehr genau ist.
          Ich kämpfe seit 4 Jahren, nichts ist mehr so, wie es mal war. Mein ganzes Leben hat sich dadurch verändert. Nicht nur durch die Tat an sich, sondern auch durch alles, was es nach sich zog. Meine berufliche Laufbahn wurde zerstört, mein ruhiges, offenes Wesen gibt es nicht mehr. Tägliche Ängste, Albträume, Intrusionen, Flashbacks....Es kehrt immer wieder....

          • Ja das glaube ich und ich hoffe das mit dem "hoffentlich" entgültigen Ergebniss du endlich abschliessen kannst.

            Ich kenne die Träume und Ängste. Ich war bis heute nicht in Therapie.

            Aber jetzt kommt langsam alles ins Rollen. Möchte meinen Kindern ja auch endlich mal eine ausgeglichene und fröhliche Mama sein. Möchte gerne in eine Reha.

            Aber ich find es toll das du den Kampf nicht aufgibst und stark bleibst.

        Nein- es ist nicht zu spät.
        Durch §78b StGB wurde gesetzlich festgelegt, daß die Verjährung bei Taten nach §176-179 ruht, bis das Opfer achtzehn geworden ist.

        Die Verjährungsfrist bei Vergewaltigung beginnt also mit dem 18. Geburtstag und dauert 20 Jahre. Du hast also bis zu deinem 38. Geburtstag Zeit, die Typen heute noch zur Verantwortung zu ziehen.


        sparrow

        • Ja aber was bringt mir das ? Ich weiss keine Namen und ob ich die beiden jemals wieder erkennen würde ? Ich hab es ja nie jemanden erzählt.

          Ich war am überlegen die Schulfreundin die mich damals in den Wohnwagen gelockt hat zu suchen. Ich dachte vielleicht kann sie sich an mehr erinnern, aber dann hab ich mir gedacht was mache ich mit ihr wenn ich sie finden würde?!? Ich meine OK sie war genauso alt wie ich, aber naja.

          Und wie sollte ich das heute Nachweisen ?

          Deswegen sage ich es ist zu spät :(

          • aus meiner sicht würd ich dir nach so vielen jahren davon abraten, auch wenn es falsch ist. die schweine müssen dafür betraft werden, gar keine frage. nur wie du schon schreibst, ob du sie wiedererkennen würdest, dich an jedes detail erinnern kannst, nicht in therapie warst - das alles wird dir negativ ausgelegt, ist leider so. hab es ja selbst erleben müssen, was hier abgeht und die kripo erschien bei mir noch in der selben nacht, also nichts mit später oderso....

            was hat deine mutter denn im nachhinein dazu gesagt?

      >>>Ich habe es meiner Mutter erst letztes Jahr erzählt. <<<

      Warum? Kannst du dir auch nur ansatzweise vorstellen, was du deiner Mutter damit angetan hast?

      Du hast so lange geschwiegen, nicht versucht, das zu verarbeiten mit professioneller Hilfe und dann haust du das nach Jahren deiner Mutter um die Ohren?

      • Lach du bist gut.. um die Ohren hauen.

        Ich lag im KH weil ich zusammen gebrochen bin und dabei kam es raus. Ich hätte es meiner Mutter sonst nie erzählt.

        Woher willst du denn wissen das ich meiner Mutter damit was angetan habe ? Kennst du sie ? Nein.

        Nicht jede Mutter-Tochter Beziehung ist für immer mit Liebe geprägt !!

        Aber ich denke ich muss hier auch nicht jedes Detail aufzählen. Dafür gibt es passende Foren mit Menschen die das gleiche durch gemacht haben.

        Und da muss man sich nicht so einen Mist anhören.

      ich finde deine antwort nicht passend. du kennst die umstände in der familie nicht. ich unterstelle dir jetzt einfach auch mal, dass du so etwas nicht erlebt hast. aus diesem grund wäre ich sehr vorsichtig mit den aussagen.
      wie es in dem fall zur sprache kam, hat die te ja bereits beantwortet.

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