Opferrolle im deutschen Rechtssystem - Am 1.9. gab es das Urteil!

    • (1) 04.09.11 - 21:21

      Guten Abend zusammen,

      ich schreibe hier für/an alle, die meine Geschichte etwas verfolgt haben (siehe Opferrolle im deutschen Rechtssystem Teil 1 und 2).

      Am letzten Donnerstag wurde das Urteil gegen den Vergewaltiger gesprochen. Ich kämpfte 4 quälende Jahre für die Verurteilung des Täters. Ich hatte 2 Urteile erreicht: 2 Jahre 3 Monate Gefängnisstrafe und Schadensanspruch. Das 2. Urteil lautete dann 2 Jahre 7 Monate Gefängnis plus Schadensersatz (das war dann die Berufungsverhandlung).

      Dann passiert das für mich immer noch unfassbare: Der Täter wird in dubio pro Reo (im Zweifel für den Angeklagten) freigesprochen. Als ich das Wort "freigesprochen" hörte, bin ich vor Gericht zusammengebrochen. Ich habe nichts mehr gehört und wahrgenommen. Ich saß auf der Nebenklagebank mit meinem Anwalt und meiner Betreuerin vom Weißen Ring. Nach Urteilsverkündung zogen sich der Richter und die Schöffen zurück und wollten etwas später die Begründung verlesen, damit ich mich beruhigen konnte.
      Ich sah noch ausm Augenwinkel, wie die Frau Staatsanwältin die HAnd vor dem Mund schlug und den Kopf schüttelte. Dann war Ende, habe den Saal mit meinem Mann verlassen.

      In der späteren Begründung sagte der Richter, er könne meinen Zusammenklapper und unsere Reaktion sehr gut nachvollziehen. Mein Vater blieb mit einer guten Freundin von mir dort, als verlesen wurde. Mehrfach hat der Richter meinen VAter direkt angsprochen, dass ihm dieses Urteil leid täte, er aber auf Grund unseres Rechtssystem so handeln musste.

      Das Gericht hält ihn in allen Punten für schuldig. Sie sind überzeugt davon, dass er die Tat begangen hat. Nur vermag das Gericht nun (obwohl schon zweifelsfreie Urteile und sämtliche Gutachten vorliegen) nicht mehr zweifelsfrei zu erkennen, ab welchem Punkt der Täter vorsätzlich gehandelt hat, bzw ob es evtl (nach Aussage des Angeklagten) einen einvernehmlichen Anfangsteil vorm Kerngeschehen gegeben haben könnte und eben dann beim Eindringen in der Körper erst der Widerstand kam. Da sie dies eben wegen seiner Aussage nicht abgrenzen können, müssen sie ihn nach deutscher Rechtslage freisprechen.

      Für mich ist der aller schlimmste Fall eingetreten - eben das dieser Dreckskerl jetzt wieder frei rumläuft. Er hat so widerlich gegrinst im Saal.

      Ich KANN es einfach nicht verstehen, ich will es auch nicht. Ich habe 4 Jahre die Hölle mitgemacht, nichts ist mehr, wie es einmal war. Ich musste durch die Traumatisierung und derern Folgen mein Medizinstudium abbrechen, auf welches ich 6 lange Jahre gewartet habe. Meine Person hat sich verändert. Ich habe beim Gericht zu allem Ja und Amen gesagt, alles mitgemacht, habe mich sämtlichen Gutachten unterzogen, die in der Gesamtschau zu meinen Gunsten gewerte wurden. Und wozu???? FÜR NICHTS. Wenn sie doch von seiner Tat überzeugt sind (und das haben sie ja selbst gesagt), warum nicht dann zumindest eine Bewährungstrafe, aber doch keinen Freispruch!!!!!

      Ich fühle mich hilflos, allein gelassen. Ich kann nichts mehr tun, um das abzuwenden. Es ist demütigend, ungerecht, traurig, qualvoll. Seit Donnerstag geht es mir permament schlechter, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich bin zwar wegen der Sache schon seit Anfang 2008 in Therapie, aber meist nur medikamentös. Gestern abend war ich an einem Punkt, wo ich meinem Mann sagte "ihr könnt mich einweisen, ich weiß mir grad nicht anders zu helfen". Aber ich habe einen kleinen Sohn, er braucht mich, nur merkt auch er, dass mit Mama was nicht stimmt zur Zeit. Ich habe keine Ahnung, ich brauche echt Hilfe. Ich bin nur noch am weinen, dann gehts 2 Stunden besser, dann wieder von vorn. Ich krieg diesen derben Rückschlag nicht verknust.

      Sorry fürs lange bla bla, ihr seid ja auch keine Therapeuten, ich weiß. Kam nur grade mal wieder alles raus.

      Eigentlich wollt ich nur das Urteil preisgeben für diejenigen, die sich auch schwer an der Sache taten und mit denen ich teilweise PN-Kontakt hatte.

      Melanie

      • Hallo,

        wir leben nunmal nicht in einem Staat in dem das Auge-um-Auge Zahn-um-Zahn-Prinzip gilt sondern in einem Rechtsstaat. Was ich nicht verstehe: Warum gab es überhaupt eine dritte Verhandlung wenn in den ersten beiden bereits ein Urteil gefällt wurde? Hat der "Täter" die Berufung eingelegt oder du? Man muss Verständnis für den Richter haben. In Deutschland gilt nunmal in dubio pro Reo. Wir können froh sein mit unserem Rechtssystem. Wenn ich deinen Text so lese frage ich mich ob du nicht nur Rache willst. Naja auch egal. Komm darüber weg du kannst leider nichts dagegen machen.

        Liebe Grüße


        • Oh nein, glaub mir, ich habe keine "Rache" gewollt. Ein drittes Urteil wurde gefällt, weil der Täter beim 2. Revision einlegte. Das Urteil wurde nur deshalb aufgehoben, weil der zuständige Richter einen Verfahrensfehler ( er hat vergessen, einen Beschluß in Anwesenheit des Angeklagten zu verlesen) gemacht hat. Nur deshalb musste das Urteil aufgehoben werden.

          Ich habe das Schwein damals in derselben Nacht noch angezeigt und glaub mir, seitdem fing die Hölle an. Nicht das die Tat an sich schon schlimm genug war, nein, alles was danach bis heute passiert ist und zugemutet wurde, das setzt dem ganzen noch eine Krone auf. In der ersten Verhandlung war es mir scheiß egal was er kriegt, ich wollte nur, dass er überhaupt bestraft wird für das, was er getan hat (das hat nichts mit RAche zu tun). Er schwieg im gesamten Prozess. Dann der 2. Anlauf, weil ER und Staatsanwaltschaft Berufung einlegten. Alles wieder neu augerollt, alles von vorn. Das zog sich jetzt durch ingesamt 4 Hauptverhandlungen über 2 JAhre. Hauptverhandlung-Berufung-Unterbrechung-Berufung-Revision.

          Rache?? Nein HASS und Verachtung empfinde ich als Opfer für den Täter.

          Und wenn man als Opfer im Gerichtssaal sitzt, der Täter einen dämlich angrinst, so nach dem Motto "ich komme mit meiner version schon durch", DANN entwickelt man Hassgefühle - ja das kann man nicht anders nennen.

          Rache?? Wie soll die denn aussehen? Dass ich das gleich mit ihm mache? Nein! Definitiv nicht. Eine Strafe (welchen Ausmaßes auch immer) wäre ausreichend gewesen.

          kann es sein, dass du bisher noch nie wirklich ein problem hattest und daher auch keine ahnung wie belastend und schlimm das in unserem rechtssystem werden kann?

          >>>Wenn ich deinen Text so lese frage ich mich ob du nicht nur Rache willst. <<<
          kennst du den unterschied zwischen rache und gerechtigkeit? wie kann es sein, dass ein täter für seine taten nicht bestraft wird und das alles, obwohl schon urteile vorliegen und auch der jetzige richter in eigentlich für schuldig erachtet? ich finde es eine riesige sch**** was hier abgeht und vorallem was man den opfern damit antut!


          ich möchte dich mal sehn, wenn man sowas mit dir oder auch deiner frau machen würde. würdest du dann auch noch sagen >>> Komm darüber weg du kannst leider nichts dagegen machen. <<< ?

      • Wenn man dich als Freund hat, braucht man keine Feinde....

        Total daneben dein Geschwafel....

        Und sowas schreibt jemand der selber Frau und Kinder hat.

        Ich möchte dich mal erleben, wenn deiner Frau so etwas passiert und sie von heute auf morgen zu nichts mehr fähig ist und plötzlich völlig anders ''tickt''.

        Dann wird so ein Mensch wie du es zu sein scheinst, seine Frau sofort verlassen, weil man muss ja auch nach vorne schauen und sich nicht von solchen Nichtigkeiten beeinflussen lassen.

        Denkst du manchmal bevor du schreibst, oder bist du immer so drauf?

      • und genau solche Urteile sind es, die Opfer daran hindern zur Polizei zu gehen und die Täter anzuzeigen.

        Du magst es nüchtern sehen, aber kennst du Opfer?
        Kennst du welche? Hast du erlebt wie Opfer an einer Tat kaputt gehen??
        Ich ja.....

    Hallo Melanie,



    ich habe nur diesen Beitrag gelesen und kenne daher nicht den ganzen Verlauf.


    Ich bin auch oft verwundert welche Urteile es in unserm " Rechtsstaat" öfter gibt.

    Das Urteil war für dich wie ein Schlag ins Gesicht und hat dir den Boden unter den Füßen weg gezogen.
    Urteile wie diese tragen dazu bei das Betroffene oft Angst vor einer Anzeige haben.

    Das es dich auch in der Verarbeitung sehr zurückgeworfen hat ist für mich verständlich.

    Eine intensive Therapie könnte dir bestimmt ein wenig helfen. Da du einen kleinen Sohn hast kann ich verstehen das du nicht in eine Stationäre Therapie möchtest. Vielleicht kann dir eine Tagesklinik helfen, dann könntest du auch für deinen Sohn da sein.


    Fg

    Liebe Melanie,

    ich habe deine Beiträge hier verfolgt und ich kann es nicht fassen. Über die Rechtssprechung in Deutschland darf man wirklich nicht nachdenken, da bekomm ich in den meisten Fällen nur noch das Kotzen.

    Zu der Antwort von papa...
    Die Sprüche, vor allem die letzten zwei, hättest du dir sonst wo hin stecken können. Ich hoffe, deinem Nick nach, bist du wirklich ein Mann, und dann durch deine Aussagen genau so ein A...loch wie der Täter, solltes du eine Frau sein, weiss ich momentan gar nicht mehr, was mir dazu einfallen sollte.

    Melanie, ich hoffe, dass du die Kraft haben wirst, die Tat, wie auch immer zu bewältigen. Zum Glück hast du schon einen Therapeuten und Unterstützung durch den weissen Ring. Ich wünsche dir alles Liebe und Gute und viel, viel Kraft.

    LG sylter-welle

    • Hallo,

      was genau hast du denn gegen die Antwort von mir einzuwenden?

      Ich verstehe nicht wie man ein Urteil eines studierten Juristen so diskutieren muss?!

      Es gibt nunmal ein Urteil und es gibt "in dubio pro Reo".

      Das in unserem Rechtssystem noch einiges getan werden muss ist kein Geheimnis.

      Liebe Grüße



      Die TE hat bestimmt auf so eine Antwort gewartet. Und wenn du glaubst, dass ich dir deine Gefühlslosigkeit erkläre, bist du auf dem Holzweg.

      Mit 34 Jahren, verheiratet und Kinder, sollte sogar ein Mann ein bischen weiter denken können.

      Schönes Restleben noch.

      Sicherlich mag indubio pro reo stellenweise zutreffen. Hier jedoch seh auch ich keinen Grund weil die Tat hat er ja begangen. Wenn er auch an einem gewissen Punkt nicht mehr verantwortlich zu machen gewesen ist laut Richter weil man die Beweggründe nicht mehr zuordnen konnte hat er die Tat doch auch begangen. So oder so. Punkt ist für ich also der, wenn es keine Absicht gewesen ist was dann? Freiwillig hat sich die Frau ganz sicher nicht vergewaltigen lassen. Und ein Fehler hat er begangen so oder so. Und dann sollte er auch Konsequenzen dafür tragen müssen. So aber bekommt er gar keine, das kann also auch nicht richtig sein.
      Ela

      • der richter versuchte zu erklären, warum er in dubio pro reo sprechen muss. ich kann es aber einfach nicht verstehen, dass er dann sagt "wir sind von der schuld des angeklagten in allen punkten überzeugt. das gericht ist ebenfalls davon überzeugt, dass er die tat auch so begangen hat".
        dann kann man doch nicht freisprechen!! das ist zu hoch für mich und es ist die schlimmste niederlage, die mir in diesem prozess widerfahren konnte. wozu die ganzen gutachten? wozu noch und nöcher immer wieder aussagen? zu sagen, sie können auf grund seiner aussage nicht mehr sicher abgrenzen, ob er vorsätzlich gehandelt hat, bzw das anfangsgeschehen einvernehmliche anteile hatte, ist für mich unbegreiflich. die körperlichen verletzungen (und diese sind im verlauf natürlich weniger schlimm gewesen als die seelischen) sind ebenfalls auf seine gewaltsame handlung zurückzuführen gewesen. warum nicht dann zumindesr eine teilstrafe?? ich werde es nicht verstehen können.

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