Feldpost

    • (1) 05.09.11 - 12:35

      Mahlzeit,

      Vor einigen Monaten verstarb meine Großtante (damals knapp 85J.).

      Jetzt hatten wir uns mal dran gemacht die alten Papiere und Fotos zu sortieren und dabei fanden wir Feldpost - einal aus dem 1WK an ihren Großvater, und einmal an ihre Mutter (von ihrem Vater geschickt)

      Beim Lesen wurde mir ganz anders.... man liest da hoffnungsvolle Worte, die Freude auf ein Wiedersehen... man liest den "Strohalm" heraus der Antrieb war um einfach in diesem Krieg weiter zu machen. Und zwischen den Zeilen liest man die Angst. In einem Brief wurde geschildert wie die Maschinen wiederfliegen... das es wieder heikel ist etc...

      Ganz ehrlich, aus unserer Familie kam einer aus dem Krieg wieder. Ich kenne meine Vorfahren also nicht. Es war ein mächtig seltsames Gefühl die Post in der Hand zu haben... es zu lesen.. und sich Gedanken zu machen wer mein Urgroßvater zb. war.

      Habt Ihr auch solche Dinge zu Hause?

      GlG

      Hallo,

      wir haben hier eine Postkarte aus dem 1. Weltkrieg, glaube 1918.
      Die Schrift kann man kaum lesen. War wohl vom Vater meines Opas.
      Das ist schon komisch so etwas in der Hand zu halten.
      Mein Opa hatte mal eine Kanonenkugel in der Garage, wohl auch aus dem Krieg. Die haben wir aber erst nach seinem Tod gefunden, in der hintersten Ecke. Weiß nicht wo die jetzt abgeblieben ist. Die war aber ziemlich schwer, hatte so ca. Fußballgröße.
      Eine alte Tageszeitung existiert auch noch. Bestimmt schon 50 Jahre oder noch älter.

      LG poca

    Wir haben nach dem Tod meiner Großeltern (sind schnell nacheinander gestorben) auch viele solche Dinge gefunden.
    Feldpost, Fotos und Liebesbriefe vom ersten Mann meiner Oma, der leider im Krieg gefallen ist. Dann von ihrem zweiten Mann, meinem Opa. Der hat aber auch immer viel erzählt aus der Zeit. Russische Gefangenschaft, mehrere Durchschüsse, sibirischer Winter etc. Er ist damit sein Leben lang nicht so richtig fertig geworden. Kann man ja auch verstehen.
    Orden, Belobigungen, ein Kriegsliederbuch und so waren auch dabei.
    Das war in der Tat sehr komisch, das alles zu lesen und zu sehen.
    Vor allem die Fotos von Omas erstem Mann. Zum einen, weil das ein wirklich richtig schicker Mann war und zum anderen, weil mir doch durch den Kopf ging "Es ist so schade, dass er gefallen ist, aber wenn das nicht passiert wäre, wären wir hier gerade allesamt nicht hier."

    Hallo!

    Ich habe auch sehr viele solcher Dinge von meinem Großvater bzw meinen Urgroßeltern.
    Einen Brief von einem Arzt, der meiner Uroma geschrieben hat, dass ihr Sohn gefallen ist, woran er gestorben ist und wo er beerdigt ist.

    Feldpost von meinem Opa, der seinen Eltern geschrieben hat ( damals kannte meine Oma noch nicht ). Er war bei der Schlacht von Stalingrad dabei, mehrere Durchschüsse, Granatsplitter etc.
    Er hatte auch sehr viele Orden und Abzeichnungen. Aber daraus hat er sich nichts gemacht. Für ihn war das alles unnützes Zeug und hatte keinerlei ideelen Wert für ihn.
    Er war durch die Verletzungen gezeichnet fürs Leben.

    Sein Bruder ( er lebt nun bei uns in der Stadt im Pflegeheim ) wurde an Heilig Abend als er 18 Jahre alt war, eingezogen. Und er kehrte nie wieder zurück. Er hat seine Eltern nie wieder gesehn, ebenso seine Heimat.
    Er war bei der deutschen Wehrmacht, bei der Schlacht um Warschau etc und als Oberschlesien dann zu Polen gehörte, hätte man ihn dort sofort verhaftet oder gar schlimmer.

    Ohje, jetzt hab ich mich ganz schön verhuddelt ;)

    Also: Ja, ich habe viele solche Erinnerungen.

    LG!

    Die Briefe gibt es bei uns in der Familie auch- aber noch bei den Adressaten, bzw. deren Kindern.
    Ich bin erst die übernächste Generation.

    Oma (väterlicherseits) hat mir als Kind die Briefe von ihrem Vater gezeigt, der ist in Frankreich gefallen.

    Meine anderen Urgroßväter (beide mütterlicherseits) sind einmal in Russland (1948 in Kriegsgefangenschaft) und nochmal einer in Frankreich (1943 wo weiss ich nicht) geblieben.
    Von denen existieren aber wohl keine Briefe mehr, weil meine Stiefuroma diese meiner Mama und ihren Geschwistern zum spielen und anmalen gab :-(

    Es kam nur einer meiner Urgroßväter zurück und der hatte so ein Riesendusel, das hätte nichtmal Gutav Gans geschafft.
    Er ist mit dem letzten deutschen Rot-Kreuz-Flieger aus Stalingrad ausgeflogen worden.

    Und zwar nur, weil der Pilot beide Augen zugedrückt hat und er die Verletztenkarte eines Kameraden mit Bauchschuss bekommen hat.
    Dieser Verletzte war wohl ein guter Freund gewesen, aber ledig - mein Uropa hatte Bauernhof, Schreinerei, Frau und 5 Kinder.
    Er hat ihm die Karte gegeben mit den Worten - er würde den Flug eh nicht überleben - er soll heim zu seiner Familie.
    Opa ist dann im Frühjahr 1945 dessertiert und zu Fuss von der Front heimgelaufen - er hat fast 5 Wochen gebraucht durch die Wälder und nur nachts - sonst hätten sie ihn wohl noch erschossen.

    Er selbst hat Nie davon erzählt, dass weiss ich nur von meinem Opa, der jetzt diese Briefe verwahrt. Opa war damals 17 und wurde mit 16 eingezogen, kam aber nie zur Front - warum auch immer.

    Schon komisch wenn man heute dran denkt - unvorstellbar eigentlich.

    Heb die Briefe gut auf - villeicht mit einer Übersetzung dazu für deine Kinder.
    Ich würd die um nicht auf der Welt wegtun.

Ja wir haben auch einiges. Die Briefe meines Großvaters an und von seinen Eltern und Bruder nur leider hat seine Mütter so eine "schöne" Schreibschrift, die kann leider keiner übersetzen, meine Oma konnte sie nur Stellenweisen lesen.

Das was wir lesen konnten haben wir übersetzt abgeschrieben, meine Kinder haben das regelrecht verschlungen.
Mein Großvater und sein Bruder(ist auch im Krieg gefallen) sind durch Sibirien gelaufen nur mit Lappen an den Füßen(kann man sich gar nicht vorstellen)Auch hat er immer beschrieben wie er verwundet wurde oder seine "Kumpel" gestorben sind.
Er hat auch später sehr viel erzählt, so haben wir ein kleines Büchlein für meine Kinder, das hat auch im Geschichtsunterricht schon seine Runde gedreht.
Die Orden lagen immer im Schuppen, aber der Kranatsplitter der ihn getroffen hat, wurde gehütet wie ein Schatz.


VG 280869

Hallo!

Meine Mutter hat vor Kurzem angefangen eine Familienchronik zu erstellen. Mit Hilfe meiner Oma haben sie schon vieles niederschreiben können.

Es existieren viele Briefe, Orden und Dokumente aus unserer Familie aus dem ersten und zweiten Weltkrieg.

Der Bruder meiner Oma fiel im zweiten Weltkrieg kurz nach seinem 18. Geburtstag. Von ihm gibt es noch handgeschriebene Feldpost. Die ist sogar mit Bleistift geschrieben und sogar noch lesbar.

Sehr beeindruckt und traurig emacht hat mich folgende Geschichte: Die Oma meines Opas hat in einem Gesangsbuch vermerkt, dass ihr der liebe Gott im Jahre 1889 innerhalb von nur fünf Tagen alle ihre drei Kinder genommen hat. Die Kinder waren 5, 3 Jahre und 8 Monate alt und verstarben alle an Diphterie. Später bekam sie dann nochmal drei Kinder, wovon auch wieder zwei verstarben und der überlebende Sohn war mein Urgroßvater.

Leider zieht sich das Thema Suizid wie ein roter Faden durch unsere Familie. Von den Schicksalen zu lesen hat mich sehr traurig gemacht. Die Großmutter meiner Oma legte ihren Kopf auf die Gleise und aus Trauer nahm sich ihr Sohn zwei Jahre später ebenfalls das Leben.

Mein Urgroßvater ( das einzig überlebende Kind von dem ich eben schrieb) erhängte sich als mein Opa (sein Sohn) drei Jahre alt war...

Ich finde es toll, dass meine Mutter sich die Mühe macht und das alles zusammen mit meiner Oma niederschreibt. Sie hat ihm Zuge ihrer Recherchen sogar zwei Familienmitglieder wieder gefunden, mit denen seit dem zweiten Weltkrieg kein Kontakt mehr bestand. Ein Wunder das beide noch leben...

LG
Susi

Mein Elternhaus wurde im 18. Jahrhundert erbaut, im Flur hängt eine Gedenktafel von meinem Ur-Großvater der damals im 1. Weltkrieg in Verdun/Frankreich (schreibt man das so?#kratz) gefallen ist.

Und wir haben eine Christbaumkugel (also in Glockenform), wo das Eiserne Kreuz drauf ist.

Lg, eumele

Wir haben ein altes Buch daheim, dass dem Bruder meiner Oma das Leben gerettet hat. Er war auf dem Weg zur schule und hatte das Buch in seinem Ranzen. Eine Kugel traf ihn, aber blieb in dem Buch stecken. Das Buch mit Loch haben wir immer noch.

Schon heftig, wenn man dran denkt, wie knapp er dem Tod davon gekommen ist.

Hallo,

ich selbst nicht, aber:

Der erste Mann meiner Oma ist im Krieg gefallen und ich habe als vorwitziges Mädchen einmal die Post gefunden, die er geschrieben hat.
Ich wußte zwar sehr wohl, das meine Oma vor meinem Opa einen anderen Mann hatte und dieser tot ist, aber warum, wieso und weshalb nicht bis zu dem Tag.

Was ich sehr makaber fand: Es war zusätzlich zu der Marke und Sterbeurkunde auch ein Foto des Toten dabei (wurde bei einem Überfall auf einen Versorgungszug durch Kopfschuss getötet).

Nach der Geburt meines ersten Kindes habe ich mit Erlaubnis meiner Oma die Briefe sortiert und abgeheftet, meiner Tante zuliebe (war ihr leiblicher Vater, meine Oma hatte mit ihrem ersten Mann 2 Kinder und mit meinem Opa 2 Kinder) habe ich auch beim Bund deutscher Kriegsgräberfürsorge eine Anfrage gestartet, der Ort war zwar bekannt, man wusste aber weiter nichts über den Verbleib des Toten.
Dabei stellte sich herraus, auf der Sterbeurkunde war ein Schreibfehler beim Ort und er wurde wohl mit seinen Kameraden in einem Massengrab beigesetzt.

Alles in allem ein seltsames Gefühl zumal aus den Briefen teilweise Angst, Hoffnung und Trauer zu lesen ist.

Meine Oma hat auch oft von der Flucht erzählt, den Koffer der sie dort begleitet hat, habe ich heute.

LG

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