gebrauchtes Rad verkauft, Käufer will evtl. Rücknahme wegen Mängeln

    • (1) 26.01.06 - 22:18

      Wer kennt sich da mit der Rechtslage aus?

      Ich habe vor einiger Zeit ein gebrauchtes Fahrrad verkauft, dass ich lange nicht genutzt hatte. Es stand im Keller nur rum. Gekauft hat es schließlich eine Teenagerin. Ihr Vater hat sich das Rad kurz angesehen, am nächsten Tag kam seine Tochter vorbei, ist kurz probegefahren und hat das Rad dann gekauft. Die Zahlung ist in bar erfolgt, einen Kaufvertrag gibt es nicht.

      Nun habe ich heute eine Mail bekommen, dass wohl bei der ersten längeren Fahrt die Kette gerissen sei und die Gangschaltung auch nicht funktioniere. Der Vater will das von einer Werkstatt anschauen lassen und ggf. den Kauf rückgängig machen, wenn die Repartaturkosten ihm zu hoch sind.

      Ich kann ihn schon verstehen, allerdings hatte ich keine Ahnung von den Mängeln, er wusste, dass ich sehr lange nicht gefahren bin und das Rad entsprechend lang nur im Keller stand und ich bin irgendwie auch nicht so recht bereit, das Rad in diesem Zustand zurück zu nehmen und den vollen Preis zurückzuzahlen.

      So habe ich ihm das auch erstmal geschieben, aber ich weiß gar nicht, wie die Rechtslage da ist... Muss ich das Rad tatsächlich zurücknehmen und den vollen Preis erstatten?

      Liebe Grüße
      Sabine

      • (2) 26.01.06 - 23:33


        Hallo Sabine,

        seit 01.01.2002 hat sich im BGB und damit in der Rechtsprechung etwas geändert. Ich kopier Dir mal was rein:

        Auch beim Kauf von neuen oder gebrauchten Waren von Privat an Privat gilt die gesetzliche Gewährleistung. Allerdings läßt es das Gesetz, anders als beim Verkauf von Unternehmern i.S.d. BGB zu, daß in diesen Fällen die Gewährleistung ganz oder teilweise ausgeschlossen werden kann. Ohne einen solchen expliziten Ausschluß gilt die allerdings die gesetzliche Gewährleistung (2 Jahre, sowohl bei neuen wie gebrauchten Waren). Dies wird sehr häufig bei Privatverkäufen (und auch Internetauktionen) übersehen und wer als Verkäufer vergißt, einen entsprechenden teilweisen oder vollständigen Gewährleistungsausschluß in den Kaufvertrag aufzunehmen, kann bei Lieferung mangelbehafteter Ware unter Umständen auch noch nach 2 Jahren Probleme bekommen.

        Da Du keinen schriftlichen Kaufvertrag abgeschlossen hat - ein mündlicher Kaufvertrag gilt ebenfalls - ist es in Deinem Fall eine Beweisfrage. Hast Du die Gewährleistung ausgeschlossen. Habt Ihr darüber geredet? In Deinem Fall handelt es sich um "versteckte Mängel", die jedoch auch unter die 2-jährige Verjährungsfrist fallen.

        Ich bin kein Jurist, aber vielleicht meldet sich "Mork" hier bei Urbia ja auf Deine Frage, der ist m. E. Jurist. :-)
        Der weiß, ob Du in die Pflicht genommen werden kannst, das Fahrrad zurückzunehmen.

        Ich würde das Fahrrad zurücknehmen und das Geld erstatten. Erspart Dir eine Menge Zeit und Ärger.

        Liebe Grüsse
        Marion

        • (3) 27.01.06 - 00:25

          Oh man, dass das mittlerweile so kompliziert sein kann, einfach nur ein Rad zu verkaufen #heul

          Tja, ein schriftlicher Vertrag mit Gewährleistungsausschluss ist nicht vorhanden; mündlich habe ich mehrfach darauf hingewiesen, dass ich das Rad mehrere Jahre nicht gefahren habe und auch, dass ich als ich noch gefahren bin keine Pobleme hatte.

          Der Vater hat sich das Rad im Keller angeschaut und am nächsten Tag seine Tochter vorbeigeschickt. Sie hat eine kurze Probefahrt gemacht (habe ihr noch gesagt, sie kann gerne auch länger fahren) und dann hat sie gleich gezahlt und ist mit dem Rad nach Hause gefahren. Das war vor drei Wochen und ich hatte es so verstanden, dass sie es zum Zeitungsaustragen braucht.

          Nun mache ich mir so meine Gedanken: Ich hatte nie Schwierigkeiten mit der Gangschaltung und das die Kette nun auch schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, sah man ihr an und ich habe gesagt, das Rad ist schon älter und eben lange nicht genutzt.

          Der Vater hat kein Interesse an einer Probefahrt gezeigt und ihm hat der eine Besuch offenbar gereicht, um seiner Tochter den Kauf zu empfehlen.

          Im Grunde geht es ja auch nicht ums Geld, aber ich wollte das Rad nicht länger rumstehen haben und meiner Laienansicht nach war es noch gut zum Nutzen. Und nun kriege ich es vielleicht unfahrbar zurück und darf das dann noch bezahlen. Wenn es so kommt: Wäre das zu vermeiden gewesen, hätte ich einen Vetrag gemacht und geschrieben, dass ich jede Gewährleistung ausschließe? Gekauft wie gesehen, alles ohne Gewähr?

          Würde mich natürlich sehr über eine Juristen-Meinung freuen, aber auch noch über vielleicht persönliche Erfahrungen. Sowohl von Verkäufern, als auch von Käufern.

          Etwas traurige Grüße
          Sabine, die Sachen wie solche total stressen und verunsichern. Wollte keinem was böses und ganz sicher niemanden über den Tisch ziehen, aber wie soll ich das beweisen... #schmoll

          • (4) 27.01.06 - 07:59

            Vor 3 Wochen?
            Und dann wurde erst angeblich die erste Runde gedreht wobei das alles passierte?
            Denk mal nicht das er damit durchkommt, denn er wusste das des Rad gebraucht ist, und längere Zeit im Keller stand, also eine "Generalüberholung" braucht. Das heisst dann müsste Kette neu gefettet werden, evtl. Schläuche ausgetauscht werden weil porös und sowas.

            Bei gebrauchter Ware die auch noch "probegefahren" wird denk ich kann er nix mehr verlangen. Weiss ja nu auch nich um welche Summe es da ging.

          • (5) 27.01.06 - 08:37

            Falls Du Mitglied beim ADAC bist, frag dort nach. Die müssten genau wissen, wie es sich verhält.

            Gruß

            Manavgat

            (6) 27.01.06 - 11:28

            Mitglied beim ADAC bin ich nicht und das Rad habe ich für 65 Euro abgegeben. Weder Vater noch Tochter haben versucht, den Preis zu verhandeln; da ich es einfach nur nicht länger rumstehen haben wollte, wäre ich auch mit dem Preis runtergegangen. Hatte sogar überlegt, es einfach zum Sperrmüll an die Straße zu stellen und mir den Aufwand mit der Anzeige usw. zu ersparen, aber da es ein Markenrad ist, was mal sehr teuer war und wirklich in seinen Jahren bei mir nicht viel gefahren wurde, habe ich es drauf ankommen lassen. Und das habe ich nun davon :-(

            Liebe Grüße
            Sabine

      (7) 27.01.06 - 13:03

      Hallo,

      es ist richtig, dass auch ein privater Verkäufer für Sachmängel haftet. Sachmängelansprüche verjähren erst in zwei Jahren.

      Als privater Verkäufer sollte man daher immer (nachweisbar) Sachmängelansprüche ausdrücklich ausschließen.

      Um zu einem Sachmangelanspruch zu kommen muss das Fahrrad zum Zeitpunkt der Übergabe einen Sachmangel aufgewiesen haben.

      Gem. § 434 BGB ist eine Sache unter anderem frei von Sachmängeln, wenn sie sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann.

      Bezüglich der Kette sehe ich keinen Sachmangel vorliegen, da

      "..er wusste, dass ich sehr lange nicht gefahren bin und das Rad entsprechend lang nur im Keller stand..."

      Bei der Gangschaltung würde ich darauf abstellen, ob diese defekt ist oder nur eingestellt werden muss.

      Im ersteren Fall sehe ich wohl einen Sachmangel gegeben. Im letzteren Fall wohl eher nicht.

      Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass obige Auslegungen das Ergebnis meiner Schlussfolgerungen sind.
      Ein Gericht kann dies natürlich anders sehen.

      Ein Urteil aus der Praxis ist mir aber nicht bekannt.

      Sollte die Gangschaltung tatsächlich defekt sein würde ich mich an Deiner Stelle versuchen mit dem Käufer dahingehend zu einigen, dass Du dich an den (angemessenen) Rep.Kosten beteiligst, wenn dadurch aber alle wechselseitigen gegenwärtigen und zukünftigen Anspüche aus dem Kaufvertrag abgegolten sind.

      mork


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