HIV-Posting von gestern - Silopo

    • (1) 17.09.11 - 21:32

      Einen schönen guten Abend,

      mir geht das Posting aus dem Partnerschaftsforum nicht aus dem Kopf in dem es um einen HIV-infizierten Partner geht.

      Ich weiß gar nicht genau wieso aber es beschäftigt mich total obwohl ich nur mitgelesen habe.

      Ich wage mal zu behaupten, dass ich mir nicht vorstellen kann meinen Mann wegen irgendeiner gesundheitlichen Einschränkung zu verlassen (man weiß ja nie genau wie man reagiert aber ich glaube dass ich mit vielem zurecht kommen kann).

      Vielleicht auch weil ich zwei Menschen kenne (wir sind Freunde, aber keine so engen) die positiv sind bei denen ich irgendwie noch nie über ihren Alltag wirklich nachgedacht habe. Ich bin nicht so ignorant wie das vielleicht klingt aber den beiden merkt man irgendwie überhaupt nichts von Bedrückung und Einschränkung.

      Aber der Beitrag im Partnerschaftsforum klang ja schon anders und wenn ich dann die eine Antwort lese in der es darum ging dass es immer noch Menschen gibt die HIV-Infizierte nicht als Kollegen haben wollen gruselt mich das schon.

      Ich weiß auch nicht genau was ich gerade will, aber da mein Mann keine Lust hat auf Diskussion gerade wollte ich mal wissen ob ihr euch in dem Bereich für aufgeklärt haltet oder ob ein engerer Kontakt mit Infizierten für euch ein Problem wäre?

      Ich muss gestehen, bis zu der Antwort aus dem andern Beitrag die ich vorhin gelesen habe wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass jemand wirklich ein Problem damit hätte z.B. die Toilette zu teilen oder in einem gemeinsamen Büro zu sitzen. Ich habe wirklich gedacht das wäre wenigstens vorbei.

      Wie seht ihr das? Klingt alles ein bisschen durcheinander in meinem Beitrag aber ich würde gerne wissen was die "Mehrheitsmeinung" hier ist.

      LG Luise

      • Also ich kenne keine Menschen die HIV-positiv sind. Daher weiß ich auch gar nicht, wie ich reagieren bzw. mich verhalten sollte.
        Doch bin ich aber aufgeklärt und weiß wie man sich ansteckt und wie nicht und hätte daher kein Problem damit mit ihnen eine Freundschaft etc. zu führen.
        Ganz ehrlich, wenn mein Mann auf einmal schwer an einer hochansteckenden Krankheit erkranken würde, würde ich ihn mit Sicherheit (jedenfalls schätze ich mich so ein) nicht verlassen.
        Anders stelle ich mir das vor, wenn ich als Single jemanden männliches kennenlernen würde, der -positiv- ist. Ich glaube, auch wenn ich KEINE Vorurteile habe, keine Beziehung führen könnte. Da bin ich ganz ehrlich.

        • Glaubst du, dass man das so trennen kann? Sagen kann: ich verliebe mich nicht obwohl mich ein Mann fasziniert, weil er infiziert ist?
          Bis einem so etwas erzählt wird ist hat es doch sicher schon ein paar Treffen gegeben, oder?

          LG Luise

          • Sicher, irgendwo hast du auch Recht. Die Situation ist absolut schwierig einzuschätzen, weil man noch nie in einer solchen war.

            Allerdings muss man auch sagen, dass nach ein paar Treffen die Liebe ja noch nicht so groß ist. Auf der anderen Seite... hmm ... wenn man verliebt ist, ist man halt verliebt...

            Wie war es dem in dem Posting, von dem du schriebst? Wusste es da die Partnerin von vornherein oder ist der Partner erst während der Beziehung daran erkrankt?

      Hi!

      Also, ich persönlich hätte überhaupt kein Problem damit mit HIV-positiven Menschen ein und dieselbe Toilette zu benutzen.
      Und ich finde diese Panik, die in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft stellenweise immer noch um sich greift, total bekloppt.
      Würden diese Menschen ihre Angst vor HIV dazu nutzen sich anständig über mögliche Infektionswege zu informieren, dann hätte sie wenigstens einen Sinn. So dient sie nur dazu Menschen unnötig auszugrenzen!

      Gute Nacht,

      v.

      Ich würde mich von meinem Partner nicht trennen, sollte er sich infizieren. Sollte er allerdings fremd gehen, sähe die Sache ganz ganz anders aus. Es wäre vorbei. Auch ohne HIV.

      Ansonsten finde ich eine Haltung, mit HIV-Positiven das Büro oder die Toilette nicht teilen zu wollen, dumm, ignorant, von mangelnder (Herzens)bildung gekennzeichnet.

      In meinem Klientenkreis (ALG II) sind einige HIV-infizierte Menschen - sollte ich nun jedes Mal panisch werden, ihnen nicht mehr die Hand reichen, mit ihnen sprechen ohne sie anzusehen?!

      Ich zücke schon mal das Sagrotan-Spray, wenn ein Klient mein Büro verlassen hat. Aber das eher bei total versifften, sich teils wunder was auf ihr ach so tolles Deutschtum einbildenden, aber reichlich asozialen Menschen. Menschen, die nach sämtlichen ungewaschenen Problemzonen stinkend und mit widerwärtig schmutzigen Fingernägeln, Klamotten, Haaren vor mir sitzen, halte ich für eine weit "sicherere" Infektionsquelle mit allem Möglichen Siff als HIV-Positive.

      LG
      Ch.

      Hallo,
      mein Onkel ist HIV positiv,und das jetzt seit fast 15 Jahren.Er ist damals nach Berlin gezogen,raus aus seinem kleinen Ort,weil er gehofft hat dort auf Grund seiner Neigung mehr Anschluss zu finden.Mittlerweile ist er einer der einsamsten Menschen die ich kenne.ALLE haben sich von ihm abgewandt.Freunde die mit ihm durch dick und dünn sind haben ihn fallen gelassen,und haben sich einfach nicht mehr gemeldet als sie von der Krankheit erfuhren.Seine ehemalige beste Freundin wechselt die Straßenseite wenn sie sich durch Zufall begegnen.Es tut mir weh jedes mal wieder aufs neue zu hören wie sehr er durch die Unwissenheit und Angst anderer Menschen behandelt wird.Leider ist es so das die Menschen immer noch zu schlecht aufgeklärt sind,in allen Aspekten die diese Krankheit betreffen.

      Wollte dir nur kurz als Angehörige eines HIV'ler davon berichten..

      Viele Grüße

      • Das hätte ich heute auch nicht mehr vermutet.
        Vielleicht habe ich gut reden, weil ich keinen Fall im näheren Umfeld kenne aber ich kann mir nicht vorstellen, mich so - dämlich - zu verhalten ohne ein ernsthaftes Infektionsrisiko.

        Alles Gute für Deinen Onkel,

        W

    liebe luise,

    ich habe gestern den threat eröffnet.
    du schreibst es sei gruselig dass es noch immer menschen gibt die hiv-positive meiden? das stimmt absolut.

    mein freund hatte gehofft, zumindest im engsten freundeskreis mit ein wenig verständnis und offenheit rechnen zu können aber wir wurden sehr enttäuscht und haben nach unserem umzug in eine andere stadt niemandem irgendetwas erzählt. und trotzdem entstehen immer wieder situationen in denen es schwierig wird.
    mein freund läuft halbmarathon und im letzten jahr kam es an einem verpflegungsstand zu einer kleinen stolperei mit mehreren läufern und einige fielen hin. mein freund schürfte sich auf dem asphalt die hände und knie auf und es blutete kräftig. es kamen gleich leute zum helfen, nicht nur zu ihm auch zu den anderen aber er war der einzige, der alle helfer wegstieß und darauf bestand, bestehen musste sich selbst zu versorgen. es war nur ein kleiner lauf, nicht sehr professionell organisiert so dass es nicht die üblichen erste hilfe teams an jeder ecke gab. ich holte dann aus meiner tasche plastikhandschuhe die ich immer dabei habe und versorgte die stellen. fast alle haben sehr erstaunt geschaut und bei einigen hat man regelrecht sehen können wie es im kopf ratterte. ich war mit einer gruppe von freunden dort und es war nur eine dabei die den mut hatte, mich später auf den vorfall anzusprechen aber an dem veränderten verhalten einiger merkten wir ganz schnell dass sich fast alle zusammengereimt hatten was los sein muss.

    es gibt wirklich menschen, die nach dem händeschütteln sich selbst die hände desinfizieren, die den körperkontakt sogar vermeiden.

    aber was mindestens genauso belastet ist die ewige heimlichkeit. das verstecken müssen z.b. von medikamenten im bad wenn wir etwas feiern und gäste auch die obere toilette nutzen. das ewige aufpassen auf ernährung, ruhe und möglichst wenig stress, dass es länder gibt in die wir nicht reisen können weil hiv-positiven menschen die einreise verboten ist, das wissen, dass jeder zustand von ruhe im nächsten moment vorbei sein kann, immer und ausschließlich safer-sex.
    das alles sind im einzelnen keine dramen aber zusammengenommen erinnert es immer wieder an eine belastung die über allem liegt.
    und trotzdem leben wir glücklich. die hohlköpfe die sich nicht informieren und in ihrer angst leben versuchen wir zu ignorieren.
    wir werden nächstes jahr im sommer heiraten und sind glücklich miteinander.
    aber ich möchte jedem hier mut machen, sich zu informieren, auf betroffene zuzugehen und zur not einfach zu fragen. ehrlich gemeinte, interessierte fragen sind immer der beste weg.
    viele grüße
    s.

    • Hallo,

      du schreibst dass Fragen in Ordnung sind. Mich würde interessieren: wollt und könnt ihr Kinder haben? Wie funktioniert das wenn der Virus über das Sperma übertragen wird.
      Das würde ich wirklich gerne wissen. Danke und Grüße Luise

      • hallo luise,
        ja wir wollen eine familie gründen und sind dabei natürlich auf hilfe angewiesen. das männliche sperma wird gereinigt, von den hi-viren befreit und anschließend findet eine künstliche befruchtung statt. das ist das übliche verfahren wenn der mann hiv positiv ist.
        liebe grüße s.

(14) 18.09.11 - 10:18

<<<Ich weiß auch nicht genau was ich gerade will, aber da mein Mann keine Lust hat auf Diskussion gerade wollte ich mal wissen ob ihr euch in dem Bereich für aufgeklärt haltet oder ob ein engerer Kontakt mit Infizierten für euch ein Problem wäre? >>>

Ja, für aufgeklärt halte ich mich und ja ich kenne 2 positive Menschen in meinem Umfeld. Ich habe damit keinerlei Problem und die Krankheit steht keineswegs im Vordergrund.

Ablehnung heißt in diesem Fall meist, dass der Ablehnende nicht ausreichend aufgeklärt ist und dementsprechend eine Abwehrhaltung einnimmt. Schade nur, wenn Aufklärungsversuche dann aber ins Leere laufen weil derjenige resistent dagegen ist.

(15) 18.09.11 - 11:47

Ich hatte in meinem weiteren Bekanntenkreis einen HIV-Kranken, der sich gegen Ende das Leben nahm. Ich persönlich hatte keine Probleme mit ihm und auch keine Angst vor Ansteckung. Beim Kartenspielen steckt man sich ja auch nicht an, wer aufgeklärt ist, weiß das.

Aber die Ausgrenzung von anderen war deutlich zu merken, auch am Arbeitsplatz. Gibt halt jede Menge Bescheuerter.

Gruß

Manavgat

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