Freundin - Lehrerin - jammert - wie reagieren

    • (1) 25.09.11 - 20:05

      Hallo!

      Meine (gute) Freundin ist Lehrerin am Gymnasium, sie hat ein Kleinkind und arbeitet 15 Schulstunden, kann 45 std. in die Kita, Großeltern sind alle ortsnah und gerne/oft einsatzbereit. Sie hat Haus und Garten und auch einen Mann, der mithilft.

      Nun waren hier gerade 1,5 Wochen die Sommerferien vorbei und sie jammert schon wieder. Dass alles so anstrengend ist und sie (Zitat) "endlich mal eine Auszeit bräuchte". #kratz

      Ich mag sie wirklich gerne, aber ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren soll. Mit meinen beiden Kindern hatte ich in den Sommerferien gerade mal 4 Tage frei und musste ganz schön routieren, um sie unterzubringen.

      Wie soll ich reagieren? Bisher habe ich nie etwas gesagt, aber nachvollziehen kann ich es einfach nicht und irgendwie möchte ich ihr mal sagen, wie leicht sie es hat mit der Ferienbetreuung.

      Ich gönne ihr die Ferien wirklich und sicher hätte ich auch gern mehr Urlaub. Aber wir haben beide unseren Traumberuf - deswegen bin ich auch nicht missgünstig, schließlich hätte ich ja auch Lehrerin werden können, was ich aber nicht wollte. Aber mit Ihrem Gejammere komme ich irgendwie nicht zurecht.

      Nun meine Frage: ist sie realitätfern oder muss ich mehr Verständnis haben?
      Was meint ihr?

      Jeder Mensch hat eine andere Streßtolleranz!

      Es ist auch erwiesen, dass Lehrer schnell Burn-out haben, also einfach ausgelaugt sind.

      Ich weiß was du meinst.... ich bin auch oft am Ende mit meinen Kräften, aber irgendwie und irgendwo sind immer Reserven :-)

      Manche frauen sind einfach Löwinnen, dazu gehört auch meine Mutter. 3 Kinder und Mann, Haus und Arbeit und Ausbildung! Und sie hatte trotzdem Zeit und Geduld für uns.
      Andere Frauen sind nur mit einem Kind und Haushalt überfordert.

      Wenn ihr super befreundet seid, dann kannst du ehrlich zu ihr sein, ansonsten sag einfach nichts weiter dazu-

      LG

      • Wir sind sehr gut befreundet, aber meinst du, man darf sagen, dass man nicht verstehen kann, wie man nach 6 Wochen Unterrichtsfrei eine "Auszeit" braucht?
        Das ist doch schon eine starke Kritik, ich weiß nicht, ob das nicht einen Knack in der Freundschaft bringt.

        • 6 Wochen Unterrichtsfrei ist es ja schon, aber trotzdem nicht 6 Wochen Urlaub. Es muss sich auf das kommende Schuljahr vorbereitet werden und und und. Da steckt mehr Arbeit drin als man denkt.

          Wenn du willst, kannst du auch mal jammern und schauen was sie sagt.

          Ansonsten., wenn du dich nicht traust oder eben Angst hast das eure Freundschaft einen Knacks bekommt, sage was ich mir selber oft sage:

          "Auch das ist bald geschafft und dann hab ich etwas Ruhe und Zeit für mich!" Die Kunst ist es, sich jeden Tag mal 10 Minuten nur Zeit für sich selber zu nehmen, das gibt Kraft!

          Ich mache das immer wenn meine Kleine einen Mittagsschlaf macht, einfach nur TV schauen oder auch schlafen und mal so richtig faul sein, auch wenn es, wie gesagt, nur kurz ist.


          • Das ist es ja - ich hatte erzählt, dass ich mit meinen paar Tagen Urlaub und 2 Kindern über die 6 Wochen Ferien echt ko war - und da jammert sie mir nach 6 Wochen unterrichtsfrei (von denen sie nach eigener Aussage 4 Wochen Urlaub gemacht hat) einen vor, anstatt mir zuzuhören.

            • Ok, das ist schon sehr komisch dann für dich. Wenn du mich fragst hat doch somit die Freundschaft einen leicten Knacks, der aber sicher schnell zu reparieren ist :-)

              Wenn sie erneut jammert, sage einfach, dass du davon träumst mal 4 Wochen urlaub machen zu können, DICH würde es erholen und DU würdest wie neu geboren sein.....

              Vielleict erkennt sie es dann.

              Aber hoffentlich jammert sie nicht erneut und das ganze wird eben totgeschrieben und vergessen?!

    Hast du einen Beruf mit viel Menschenkontakt und hohem pädagogischen Anspruch?! Nein? Dann bist du in der Hinsicht wohl realitätsfern!

    Ich habe einen Job, dem ich mit schwierigen Menschen (die führen sich teils auch auf wie Pubertierende) zu tun habe. Ich habe beraterische und im Grunde auch sozialpädagogische Aufgaben. Und ich kann sagen, dass ich an manchen Abenden denke, dass ich selbst in meinen schlimmsten Hilfsjobs während der Studienzeit nie so fertig war nach der Arbeit.

    Alle Welt denkt immer "Hach, Lehrerin, süß, ellenlang Ferien und alles wunderbar." Aber dem ist nicht so.

    Ch.
    ...deren Cousine ebenfalls Lehrerin ist (ohne eigene Kinder) und die nach einigen Jahren auch ziemlich fertig war und zur Kur fuhr.

    Laut der Untersuchung, [...], weisen die Hälfte der Lehramtsstudenten und Referendare Verhaltensmuster auf, die ihn zur Bewältigung der psychischen Anforderungen des Lehrerberufs ungeeignet machen.
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/berufswahl-zum-lehrer-nicht-geeignet-1.350804

    Denkst du, dass die psychischen Anforderungen an deinen Beruf zu deiner psychischen Stabilität passen?

    BTW: mir hat mal jemand erzählt, dass er im Jobcenter arbeitet, weil er mit seinem BWL Studium nichts anderes bekommen hat.
    Was soll man jetzt davon halten.

    Was hattest du studiert?
    Ach ja.

Hallo,

hast du schon jemals als Lehrerin gearbeitet? Ich arbeite auch "nur" 18 Stunden und kann dir sagen, dass ich mit 2 Kindern (1 Baby) abends fix und alle bin. Schließlich ist man nach 18 Stunden nicht fertig, sondern muss Eltern beraten, Arbeiten kontrollieren, Konferenzen und Fortbildungen besuchen, Zeugnisse schreiben und Stunden vorbereiten - diese Zeit bekommt man nicht bezahlt und muss sie trotzdem leisten und auch in den Ferien kann man nicht 6 Wochen daheim sitzen. Jede Unterrichtsstunde verlangt volle Konzentration und man kann nicht mal eben kurz Pause machen oder mal schnell eine rauchen.

Übrigens ist gerade die erste Zeit besonders stressig, weil viele Konferenzen stattfinden und man sich auf eine neue Klasse einstellen muss.

Haus und Garten? Die habe ich auch - also noch mehr Arbeit!

LG



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