7 Monate ALG 2 und die Würde und Selbstachtung sinken immer mehr. Sehr lang.

    • (1) 30.01.06 - 11:12

      Einst waren wir eine „normale Familie“. 1 Kind, Hund, katze, mein Mann und ich jeder einen gut bezahlten Job. Es wurde ein altes Haus gekauft und aufs Land gezogen. Mein Mann machte sich selbstständig und ich bekam unser zweites Kind, alles lief bestens. Dann ging meine Firma während meiner Erziehungszeit pleite. Also fing ich nach den zwei Jahren eine Fortbildung IT-Bereich an. Fand auch sofort eine neue Arbeit, zwar nur mäßig bezahlt und nur ein Saisonjob für jeweils 8 Monate, aber es reichte trotzdem gut. Wir renovierten, machten einmal im Jahr mit den Kids Urlaub, viele Wochenendausflüge mit dem Zelt.

      Dann kam „Sie“ wieder in unser Leben. Eine alte Freundin meines Mannes vor unserer Zeit. Sie wurde von ihrem Mann verlassen wegen einer Anderen. Nun heulte sie sich tagtäglich bei ihm aus, was ich nicht wusste. Als ich es mitbekam kämpfte ich 6 Monate, dann löste er hier alles auf und ging. Zog 500 km fort zu ihr und ihren Kindern. Zurück blieben seine völlig verstörte 4 jährige und sein Sohn, damals 12 Jahre. Ich verstand die Welt nicht mehr, dachte immer meine Ehe wäre sehr gut. Wir hatten zwei tolle, gesunde Kinder, liebten uns nach 14 Jahren noch jeden zweiten Tag, hatten noch soviel Pläne und plötzlich war nichts mehr wie es war.

      Nach anfänglichem schweren Schock fing ich allein an weiter zu renovieren. Es war wie eine art Therapie. Ich arbeitete, war für meine Kinder da und das leben normalisierte sich einigermaßen. Unterhaltszahlungen kamen spärlich oder gar nicht, da er jetzt arbeitslos war und bis heute ist. Wir schränkten uns ein, aber es reichte noch immer. Ich konnte weiter das Haus abbezahlen, also wir konnten wohnen bleiben, was für mein Kids sehr wichtig ist An den We`s machten wir weiterhin Ausflüge, gingen schwimmen, zelten usw. die Kleine ging in die Musikschule, mein Sohn in den Sportverein. In den 4 Monaten Winterpause bekam ich mittlerweile Arbeitslosenhilfe, da ich ja nun seit ein paar Jahren nicht mehr durchgängig arbeitete. Da es aber von meinem früheren Gehalt berechnet wurde, war es sogar mehr, als in den Monaten, in denen ich arbeitete. War mir aber egal, da ich meine Arbeit liebte.

      Dann der nächste Schock. Mitte letzten Jahres musste mein Betrieb mich aus wirtschaftlichen Gründen entlassen. Ich rutschte sofort in ALG 2 rein. Plötzlich hatten wir nur noch die Hälfte. Ok, bestimmt nur eine Übergangslösung. Ich hatte immer gearbeitet, teilweise in Führungspositionen. Besitze beste Qualifikationen, super Zeugnisse, da wird sich schnell etwas anderes finden. Gott war ich naiv. Mittlerweile 41 Jahre alt, alleinerziehend mit zwei Kindern, eins das erst 7 ist, also für das man noch krankgeschrieben werden kann, bei hoher Arbeitslosigkeit in dieser Gegend.....6 richtige im Lotto sind wahrscheinlicher, als einen job zu finden.

      Nun leben wir seit 7 Monaten von ALG 2 und 200 Euro Unterhalt für beide Kinder. Das Haus ist nicht zu verkaufen. Hier im Dorf stehen schon 2 Häuser länger zum verkauf, alle ziehen weg, aber nicht hier her. Die Kinder musste ich von allem abmelden, sogar von der Nachhilfe für meinen Sohn. Das Geld reicht oft nur bis zum 20, da ständig etwas außergewöhnliches passiert. Den Kindern kann ich kein Essensgeld für die letzte Woche in der Schule mitgeben. Zweimal im Monat bekommen wir von der Tafel abgelaufene Lebensmittel und welkes Gemüse, ohne das es gar nicht mehr gehen würde. Ich drehe jeden Cent fünfmal um. Es geht, aber ein Leben ist es nicht mehr. Mir blutet das Herz, da ich meinen Kindern nichts mehr bieten kann. Keine Ausflüge, kein Geld fürs Schwimmbad, für Bastelsachen, Bücher usw. keine Geburtstagsgeschenke, wenn sie mal eingeladen werden, nichts. Ich bin froh, wenn ich täglich etwas auf den Tisch bekomme. In der Schule machen sich die Kinder über meine Tochter lustig, weil sie nicht so schicke Sachen trägt wie die anderen, sondern die verschlissenen Jungensachen meines Sohnes. Ich erkläre es den Kindern und wir lieben uns und sie verstehen es auch, aber tränen gibt es trotzdem oft. Letzten Monat ging die Heizung kaputt. 180 Euro, also gab es nichts zu Weihnachten. Daran zahle ich jetzt erst mal 4 Monate ab. Gestern ging mein Kühlschrank kaputt und bei meinem 15 Jahre alten Auto ist die Batterie kaputt, er fährt nicht mehr. Hier auf dem Land, wo nur zweimal am tag ein Bus in die Stadt fährt eine Katastrophe.

      Ich mag nicht mehr. Alles bemühen, jeder Optimismus scheint zwecklos. Einst war ich eine lebenslustige gepflegte Frau. Heute.............von einem Friseur kann ich träumen, Make up kann ich mir nicht mehr leisten. Ich habe jede Selbstachtung und Würde verloren. Kämpfe und kämpfe nur frag ich mich langsam noch wofür. Ich hätte mir damals nie träumen lassen mit meinen Kindern mal so tief zu sinken.

      Wer diese Zeilen jetzt liest, soll mich jetzt nicht bemitleiden, das brauch ich nicht. Haltet nur kurz inne und werdet euch mal wieder bewusst, wie euer Leben ist. Ich habe es damals nicht „Bewusst“ geschätzt, es war halt so. Schön, warum sollte sich daran etwas ändern.

      Nur meine Kinder lassen mich noch weitermachen, ansonsten würde ich jetzt aufgeben.

      • (2) 30.01.06 - 11:24

        Hallo Du!

        Mir geht gerade soviel durch den Kopf, ich möchte dir soviel schreiben, aber ich kann es nicht in Worte fassen....

        Dein Text hat mich sehr berührt.

        Simone

        hi carmen,

        das leben kann so grausam zuschlagen. heute noch ganz oben im licht, morgen schon unten in der dunkelheit.

        hoffe, daß dein posting so einige selbstgefällige userinnen aufrüttelt wie schnell es gehen kann, da zu stehen wo du stehst.

        gebe nicht auf, hast du eine möglichkeit etwas selbst herzustellen und zu verkaufen?

        grüßle
        wolf

        • Hi Wolf,

          grausam..........eher Schicksal. Ich habe schon oft in meinem Leben die Dunkelheit gesehen und immer wieder das Licht gefunden. Nur jetzt scheint mich meine Kraft verlassen zu haben. Aber ich glaube das denkt man immer, wenn man vor einer schwarzen Wand steht und kein Licht kommen mag. Mal schaun.

          Ich lese oft hier, still und denke mir meistens meinen Teil. Einige sind wirklich manchmal zu sehr von sich und ihrem Leben überzeugt. Nur das kann sich schnell ändern, von einer Minute zur anderen. Aber ehrlich, ich war auch mal so, dachte nicht daran das es anders kommen kann. Dabei lebt man manchmal in einer Sicherheit, die am seidenen Faden hängt und merkt es nicht mal.

          Man sollte sich dessen was man hat, nur öfter bewußt werden und es auf keinen Fall als selbstverständlich hinnehmen in dem Glauben es wird immer so sein.

          Da wo ich jetzt bin kommt man schneller hin als man denkt, wenn sich das Rad einmal in Bewegung gesetzt hat. Und es wäre Arrogant zu sagen, mir kann das nicht passieren. Das dachte ich auch mal. Ein bisschen mehr Toleranz bei einigen User/innen wäre schön.

          Gruß Zoe

          • hi
            carmen,

            im "normalen" leben geht vieles auf und ab, die dunkelheit die man(n)/frau da gesehen hat, war noch nie so richtig dunkel.

            dann ein schicksalschlag und man ist so weit unten, daß man meint, da komme man nie wieder raus.

            du hast einige antworten bekommen, ob sie nun tröstend für dich sind, kann ich nicht beurteilen, doch im großen und ganzen wird dir mitgeteilt nicht aufzugeben, auch in dieser situation positiv zu denken.

            grüßle
            wolf

            • Hi Wolf,

              jede Zeile hat mir unendlich geholfen, das hätte ich nie gedacht. Es ist für mich sehr tröstend gewesen in einem Augenblick, wo ich zu verzweifeln drohte.

              Ich werde nicht aufgeben, versuchen alles wieder positiver zu sehen und weiter zu kämpfen.

              Dabei wollte ich schon ganz aufgaben.

              Danke

      Hallo

      Da fehlen mir auch die Worte.Lass Dich mal #liebdrueck.Pass auf Deine Kinder auf.Die brauchen Dich jetzt.

      lg

      • Danke für deinen Zuspruch. Ich weiß das meine Kinder mich brauchen. Genau das läßt mich noch jeden Morgen aufstehen und meine Pflichten erfüllen.

    (10) 30.01.06 - 11:51

    :-( oh man wie ungerecht das wieder ist... der mann verpisst sich, u. frau kann wegen den GEMEINSAMEN kindern nicht arbeiten gehn.

    unglaublich das er euch nicht hilft!

    er müßte das lesen, u.sich schämen euch soetwas anzutun! er wollte schließlich auch diese familie.

    mir ging es vor 6 jahren ähnlich, ich bin hochschwanger ausgezogen mit ner tasche voll kleidung.

    ich bekam möbel vom sozialamt, u. bargeld vom sozialamt, da gar nixs mehr ging.
    ich war richtig richtig tief unten 3 jahre lang.

    ich habe am monatsanfang alles für mein kind an gläschen u. windeln u.so gekauft, damit ich das wichtigste bloß da hab.

    bis zum 30. bin ich nie gekommen.
    aber du hast recht, meistens ist man sich nicht bewußt wenn man gut lebt was für ein luxus das eigentlich ist.

    auch ich vergess das oft, obwohl ich auch das gegenteil von dem wie ich jetzt lebe erlebt habe.
    du erinnerst mich daran was für ein glück ich habe das es uns gut geht.
    ich wünsche dir das du dich mit deinen kindern über wasser hälst, solange bis es alles besser wird.

    und es wird besser, wirst du sehen! sei es das du doch einen guten jobfindest, oder villeicht eine neue liebe!

    versuch stark zu bleiben, u.halte durch!
    alles , alles gute !!



    • Danke für deine lieben Worte.

      Ich kann und will schon arbeiten, auch mit Kindern. Dies habe ich bis vor 7 Monaten auch getan. Hilfe kommt von ihm kaum, er hat ja, da arbeitslos selber nichts. Er wird mehr oder weniger von seiner Freundin ausgehalten oder arbeitet nebenbei, was ich auf diese Entfernung und dem wenigen Kontakt kaum nachvollziehen kann in welcher Art, wie oft usw. Er wollte seine Kinder, das stimmt. Und mittlerweile tut ihm das wohl auch leid, wie es gelaufen ist oder dass er überhaupt diesen Weg gegangen ist. Nur für mich gibt es kein zurück mehr. Ich habe zulange gekämpft und mich vielen Demütigungen damals ausgestetz. Das er jetzt merkt, was er hatte und ihn auch dort der Alltag eingeholt hat, ist nicht mehr mein Problem. Er ist kaputt, trinkt, mir mittlerweile völlig fremd. Lästert über seine neue Freundin und vor allem über ihre Kinder mit denen er nicht klar kommt. Würde sie jetzt wiederum sofort mit mir betrügen. Schon sehr erschreckend, wenn die rosarote Brille nicht mehr da ist und man nicht mehr liebt und den jenigen mit klaren Augen sieht. Und ich habe ihn mal sehr geliebt. Aber das ist jetzt Schnee von gestern.

      Wichtig ist das jetzt und das muß auf jeden Fall besser werden. Wir stellen ja kaum noch Ansprüche. Ich kann auch auf fast alles verzichten, nur tut es mir bei den Kindern so weh.

      LG Zoe

      • hi zoe,

        was ein toller mann...
        wer weis wofür es gut war das es so gekommen ist....
        gut das du weist was du willst, u. ihn nicht wieder nimmst.

        es ist hart allein mit kindern...
        ich weis noch wie mein drei jähriger zu mir sagte-mama hast du schon geld bekommen, dann können wir zum bäcker rein gehn.
        am ende sind wir auch wenns immer super eng ist mit geld noch vieeellll besser dran als eine hohe prozentzahl an menschen, die richtig hunger leiden müssen.

        ich wünsch dir sehr das sich deine situation bald bessert!!!

        meine hat sich durch meine neue liebe gebessert, u. seitdem spar ich alles was geht.für den fall irgendwann steh ich wieder vor dem nichts...

        sei stark für deine kidis!

(13) 30.01.06 - 11:50

Hallo Zoe-Carmen,

Dein Posting hat mich sehr berührt, ich hab direkt Gänsehaut bekommen.

Wirkliche Hilfe kann ich Dir nicht geben, obwohl ich Sachbearbeiterin in einer Arge bin.

Du als alleinerziehende Mutter mit Kindern, die bereits älter als 6 Jahre alt sind, bist in diesem System wirklich nicht besonders gut gestellt. Insbesondere die Regelsätze für die Kinder sind m. E. zu niedrig angesetzt.

Gib Dich nicht auf! Nimm Kontakt mit Deinem Sachbearbeiter in der Arge auf. Es gibt so viele Fördermöglichkeiten, angefangen mit 1€Jobs (die dir zumindest für einige Zeit ein kleines Zubrot bringen), bis hin zu Einstiegsgeld als Fördermöglichkeit für einen Arbeitgeber, der bereit ist, dich als Alleinerziehende einzustellen. Ich wünsche dir einen netten verständnisvollen Sachbearbeiter, der sich in deine Situation hineinversetzen kann und der dir bei der Findung weiterer beruflicher Perspektiven behilflich ist!

LG H. #klee

  • (14) 30.01.06 - 19:15

    Hallo H.,

    vieles habe ich in meiner "heilen Welt" auch nicht gewußt. Vor allem die Problematik mit Kindern über 12 Jahren, wenn man alleinerziehend ist, keinen Unterhalt bekommt, das Kind krank wird usw.

    In der ARGE war ich gerade vor 3 Wochen. Meine Sachbearbeiterin freute sich mich zu sehen und meinte..........Sie wissen ja es gibt hier nichts, wir müssen Sie nur regelmäßig einladen. Na dann in 3 Monaten wieder. Vergessen Sie nicht den Nachweis Ihrer Bemühungen. Ich habe gebohrt und gebohrt, bis sie völlig genervt war. Bewerben tue ich mich ja ständig.

    Auf meine Frage der Selbstständigkeit mit ALG 2 konnte sie mir leider auch kaum etwas sagen. Damit war sie dann völlig überfordert. Tja, also das Glück einer verständnisvollen, netten Sachbearbeiterin habe ich, aber leider scheint sie nur auf kurze Durchlaufposten eingestellt zu sein. Meine Fragen konnte sie nicht beantworten.

    LG Zoe

(15) 30.01.06 - 13:31

liebe Zoe

Auch wenn zur Zeit alle Zeichen gegen dich stehen: gib nicht auf

du hast soviel durchgestanden und du hast auch in deiner "guten" Zeit soviel gepowert und geschafft:

du bist eine starke Frau. Eine sehr starke sogar.

Und deshalb glaube ich ganz bestimmt, dass du nicht verharren sondern die Karre aus dem Dreck ziehen wirst ! Irgendwie wirst du das schaffen - wie du schon so vieles geschafft hast !

#liebdrueck
ich wünsche dir ganz viel Mut, Stolz und Energie

Petra

  • (16) 30.01.06 - 19:51

    Hallo Petra,

    ich habe schon viel von dir gelesen. Unter anderem letztens die Bemerkung, wenn du mal arbeitslos werden würdest, du fändest immer wieder etwas. Hast dich immer schnell hochgearbeitet usw. So verlief mein Leben bis jetzt auch immer. Mir wäre nie der Gedanke gekommen, dass dies nicht der Fall sein könnte. Selbst während meines Studiums, als ich ab und zu mal über eine Zeitarbeitsfirma im Vertrieb gearbeitet hatte, war ich nach kurzer Zeit statt einfache Packerin, Maschinenführerin und direkt mit dreifachem Gehalt bei der Firma angestellt. Bisher bin ich immer eher die Treppe raufgefallen, statt runter. Dies lag mit Sichherheit an meiner ständigen Neugier neues zu lernen, Einsatz zu zeigen, Kompetenz und Power auszustrahlen. Mir wäre nie in den Sinn gekommen mit "41 Jahren" zu alt zu sein. Aber leider sprechen zuviel Dinge anscheinend gegen mich. Das Alter, alleinerziehend und Kind unter 12 Jahren. Dies hat man mir auch schon direkt gesagt. Ich hätte nie gedacht, bei Qualifikation, Einsatz, Willen usw. nur Ablehnungen zu bekommen. Es gibt hier einfach zu viele.

    Ich war stark, aber meine Kraft ist weg. Ich habe bisher sehr viel geschafft, auch viele traumatische Schicksalsschläge gemeistert. Ich will powern, aber bin nur noch müde.

    Manchmal mag ich gar nicht mehr.................

    LG Zoe

    • (17) 01.02.06 - 11:42

      hallo Zoe

      Klar denke ich, das ich jederzeit etwas wieder bekomme. Aber weniger weil ich davon wirklich sosehr überzeugt bin sondern allein deshalb, um besser schlafen zu können..... es ist so ähnlich wie ein Regentanz- eine Beschwörungsformel -

      denn was du beschreibst, ist mein wahrgewordener Albtraum, der immer näher rückt:

      Allein, wenn eine meiner Einkünfte ausfällt (Job, Kindergeld, Unterhalt) bin ich schon FAST da, wo du bist.

      Jede dieser Einkünfte hängt am seidenen Faden oder ist zeitlich absehbar: Job in der Baubranche/ Kinder sind fast groß/ Ex meldet private Insolvenz an.
      Es ist also nur eine Frage der Zeit.... dann BIN ich da. Deshalb braucht es eine Beschwörungsformel um schlafen zu können und nicht an morgen zu denken.....

      Ob ich- wenn es tatsächlich soweit ist- die Kraft haben werde zu kämpfen, weiß ich nicht. In meiner heutigen Verfassung würde ich wahrscheinlich eher denken, dass ich bisher so viel gekämpft habe das ich einfach nicht mehr kämpfen mag.... ähnlich also, wie es dir zur Zeit geht.

      In meinem Fall würde ich hoffen, dass sich irgendwann mein alter Kämpfergeist wieder einstellt, aber sicher wäre ich mir da nicht. Wahrscheinlich würde ich erst eine Zeit brauchen, um all das zu verarbeiten.

      Deshalb habe ich auch versucht, deinen Kämpfergeist in dir wiederzuerwecken....
      ( weil: DAS du den hast, davon bin ich überzeugt- nur sind zur Zeit deine Schlamassel wirklich übermächtig )

      Was ich- in meinem Fall- für wichtig hielte wäre trotzdem irgendeine Bestätigung zu bekommen. Irgendeine Mitarbeit irgendwo, Schule, soziale Dienste- irgendetwas.... um die Spirale nach unten von Nachdenken, Versagensgefühlen, Hoffnungslosigkeit, Verzagtheit, Selbstwertverlust usw.aufzuhalten.

      Ich glaube, ich bräuchte eine Aufgabe, und wenn auch nur eine kleine, die ich trotzdem "gut" machen könnte und auf die ich stolz sein könnte und die mein Selbstwertgefühl etwas aufpolieren würde.

      Denn gerade solch gestrickte Personen wie du und ich (und auch Juni zBwie ich sie bisher kennengelernt habe) brauchen diese Art von Bestätigung um powern zu können ( oder: eine gute Portion Wut und "euch werde ich es schon beweisen" )

      ich bin sicher, das du das eine oder das andere davon wiederfinden wirst. Dauert vielleicht noch etwas, aber es wird kommen.

      Vielleicht kannst du dich auch auf deine Eigenschaft besinnen, in allen Dingen immer etwas positives zu entdecken?
      Irgendwo hier fiel das Wort von "Genuß" wieder schätzen zu lernen. Du hast jetzt zwar kein Geld, aber dafür mehr Zeit für deine Kinder. Du hast das Haus auf dem Land? Was hälst du von Hühnern und Gemüsegarten- nicht nur für die Versorgung sondern einfach, weil es Spaß macht, produktiv ist und -auch den Kindern- ein urbanes Lebensgefühl gibt?
      Und vielleicht ist das alles tatsächlich zu etwas gut?

      Ich weiß. Schreibt sich leicht, wenn man nicht in dieser Situation ist.

      Aber deine Geschichte bewegt mich sehr weil ich, wie gesagt, diese Situation täglich wie ein Damoklesschwert über mir habe- und mir daher viele Gedanken über das: was wäre WENN und was würdest du dann tun müssen um nicht in dieses Loch zu fallen... mache.

      Es ist sowas wie eine Trockenübung für mich damit ich weiß was ich zu tun habe wenn die Wellen über mir zusammenschlagen und ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

      Noch etwas fällt mir dazu ein. Ich bin mir SICHER das du finanziell wieder auf die Beine kommst. So wie es jetzt ist, wird es nur eine begrenzte Zeit lang sein.

      Wenn du diese Zeit positiv mit den Kindern verbringst (nicht: wir sind arm und alle zeigen mit dem Finger auf uns sondern:
      Abenteuerurlaub Robinson Crusoe- wir müssen jetzt eine kurze Zeit mit GANZ WENIG auskommen- das ist spannend, ziemlich hart, aber auch lustig ab und zu
      -und ab morgen backen wir unser Brot selber- wer hat Lust, mitzumachen? (ich weiß- hört sich blöd an- ich hoffe aber, du verstehst was ich meine)

      Wenn du es also schaffst, den Kindern die positive Seite der Situation zu zeigen,
      dann geht ihr gemeinsam gestärkt (und jedes Kind für sich stark) aus der Situation heraus:
      wissend, das es IMMER weitergeht, das man nicht aufgeben darf, das NICHTS selbstverständlich ist und das Familie und miteinander Lachen können wertvoller sein kann als Nutella auf dem Brot.

      dann war das alles wirklich zu was gut.

      lass dich mal ganz doll von mir drücken
      du schaffst das weil du du bist.
      vielleicht nicht heute. Aber morgen. Spätestens übermorgen !

      #liebdrueck

      Petra


      • (18) 01.02.06 - 20:23

        Hallo Petra,

        auch dein Beitrag hat mir eben wie Junis/Christines die Tränen in die Augen getrieben. Und auch dir, wie Christine kann ich nur Danke sagen.

        Lies dir mal, falls du diese Antwort liest den an Christine durch, da steht schon vieles. Ich bin eine starke Frau, das habe ich duch viele Schicksalsschläge gemerkt, aber meine Kraft war plötzlich weg. Und gerade deine Antwort, auch eine starke Frau wie ich duch viele Beiträge von dir gelesen habe, gibt zu in ähnlicher Situation erstmal zu verzweifeln oder ohne Kraft zu sein, tut unendlich gut.

        Bei mir kam, als ich die ersten Zeilen schrieb einfach zuviel zusammen. Ich fühlte mich so unendlich alleine und ohne Perspektive und einfach nur müde weiter zu kämpfen. Mein Selbstwertgefühl im
        Keller und das Gefühl.."ich habe versagt" wurden einfach übermächtig. Und es stimmt, ich muß powern um richtig etwas zu schaffen. Hier auf meinem Hof gibt es so viel zu tun, aber auf Dauer erfüllt mich das einfach nicht. Die erste Zeit habe ich mich ja gefreut hier endlich mal alles wieder ins reine zu bekommen. Mir fehlt nur der Kontakt zu anderen. Meine beiden letzen Jobs waren mit viel Menschenkontakt verbunden. Nun rede ich die meiste Zeit nur noch mit meinen Kids. Von 7.30 h bis 15.00 h bin ich ganz allein und es ist sooooooo schrecklich ruhig, in einer Zeit wo ich früher viel Kundenkontakt und Probleme lösen musste.

        Robinson Crusoe-Club spielen wir schon lange. Ich habe Hühneer und Gänse. Wir backen unser Brot selber und auch mittlerweile die Pizza (schmeckt auch viel besser).
        Die Kinder ziehen im großen und ganzen auch toll mit. Sicherlich gibt es öfter Tränen, aber mehr durch hänseleien anderer besonders bei meiner Kleinen. Bei mir sind nicht umsonst die ganzen jugendlichen seitens meines Sohnes. Hier ist ein Kommen und Gehen. Trotz allem ist jeder willkommen. da deiemeisten Jungs sich allein überlassen sind fühlen sie sich hier sehr wohl. Keiner meckert, das es statt Cola nur selbstgemachten Früchtetee gibt und wenn ich Hilfe brauche packen alle mit an. Darauf bin ich stolz und das ist mir auch jetzt wieder klar geworden. Statt Computerspiele gibt es bei uns noch die "einfachen Brettspiele" die aber mehr als beliebt sind.

        Du hast recht. Eigentlich vermittel ich meinen Kinder JETZT mehr als vorher. Ich bin nur oft so traurig das ich keine Ausflüge mit ihnen mehr machen kann oder oft einfach nein sagen muss.

        Ich persönlich fühle mich nur zu oft einsam, nicht mehr richtig gebraucht und Kontakt fehlt mir. Aber durch eure lieben Zusprüche merke ich, dass es weiter geht.

        Dir persönlich wünsche ich keinen Albtraum. Und wenn bin ich mir sicher eine Frau wie du, selbst wenn sie einknicken sollte, rafft sich wieder auf und schafft es. Ich wünsche dir alles Liebe und Gute und hoffe, dass deine Ängste nicht wahr werden.

        Bei mir wird es bestimmt noch einige Tränen und Verzweifeln geben, aber all diese Antworten haben mich wieder gestärkt und Hoffnung gegeben und mir wieder eine andere Anschauung gegeben. Ich werde es schaffen, nicht heute auch nicht morgen aber dann.............

        Ich drücke dich zurück.

        Zoe

(19) 30.01.06 - 13:59

Lass dich mal drücken#liebdrueck

Ich wünsche dir viel Kraft, für mehr fehlen mir auch die Worte, nur die Wut das solche Menschen wie ihr mit den ALGII Empfängern gleichgestellt werden, die gar nicht arbeiten wollen und ihr leben so ganz toll finden

  • (20) 30.01.06 - 20:00

    Danke für das drücken, das tut gut.

    Bis jetzt kommen oft nur ehemalige Sozialhilfeempfänger die schon am Boden waren als ALG 2 Empfänger über die Medien. Dies wird sich aber über kurz oder lang ändern. Dann nämlich, wenn "Hans und Franz usw" die bis vor kurzem Arbeit hatten, arbeitslos wurden und nach der Übergangszeit in ALG 2 kommen.

    Dann werden neue Schicksale gezeigt. Ehemalige "Normallebende" wie du und ich. Ich hatte nur das Pech wegen meiner Saisonarbeit in den letzten Jahren, dort gleich hineinzugeraten.

(21) 30.01.06 - 15:11

Hallo!

Das ist echt erschütternd, wie sich die Geschichte für dich entwickelt hat. Wir leben auch von ALG2, hoffentlich nicht mehr lange, weil mein Mann heute sein Diplom erfolgreich verteidigt hat und jetzt nach Arbeit suchen wird... Aber es ist wirklich ein Unterschied, ob man davor schon mal einen höheren Lebensstil aufgebaut hatte (Haus, Vereine für die Kinder...) oder nicht. Wir kommen eben beide vom Studium, und dann kam gleich ein Kind, das zweite im Juli. Da sind die Ansprüche noch klein genug (auch die des Kindes), dass wir gut auskommen. Wir wohnen eh zur Miete, wenn hier ne Heizung kaputt geht, kostet das uns nichts... Da kann man gut mit ALG2 auskommen. Wir hatten uns eh noch keine großen Urlaube angewöhnt und die Einrichtung ist nichts besonderes.

Ich verstehe dein Gefühl der Aussichtslosigkeit und warum du am Haus festhältst... Aber du musst abwägen: geht es euch besser in einem Haus, auf dessen Kosten euer Leben geht, oder in einer Mietwohnung, dafür mit einem halbwegs vernünftigen Lebensstandard? Ich würde wirklich einen Umzug ins Auge fassen. Ist das nicht der kleinere Übel?

Ich wünsch euch alles Gute
Steffi

  • (22) 30.01.06 - 20:19

    Hallo Steffi,

    großen Lebensstil haben wir auch nie gelebt. Ich kenne durch meine Studienzeit auch die andere Seite, was mich heute mit ALG 2 so gut wirtschaften läßt. Unser Urlaub war Campingurlaub. Was die Kinder gemacht haben, war hier normal eher weniger als bei den anderen. Nur das jetzt nichts mehr geht, gar nichts mehr von Weihnachtsgeschenken bis vernünftige Kleidung usw ist bitter. Ich vermittel zwar meinen Kindern, dass dies alles nicht so wichtig ist, was sie auch verstehen im großen und ganzen, aber Tränen kommen trotzdem oft. Kinder sind untereinander grausam.

    Das Haus ist alt und unverkäuflich, kein Interesse. Vor allem nachdem auch jegliche Förderungen Eigenheim zu bauen oder zu erwerben gestrichen wurde. Meine Schulden würden bleiben und eine Miete käme noch hinzu. Außerdem, dass einzige was ich den Kindern an Sicherheit noch bieten kann ist dieses Haus, ihr Umfeld und ihre Freunde, die trotz allem hier immer willkommen und reichlich sind. Das würden sie auch noch verlieren. Aber genau deswegen habe ich kaum Probleme mit meinem 15 jährigen Pupsi. Er würde mich übrigens zum Finanzminister wählen.

    LG Zoe

Ich hab' leider auch keinen rechten Rat für Dich, nur - villeicht #gruebel - einen Trost: Ich habe es nun schon zum zweiten Mal in meinem Leben geschafft, von "vor dem Schreibtisch" auf die Position "hinter dem Schreibtisch" zu kommen, sprich vom Sozialhilfebezug als allein erziehende Mutter über die Ausbildung auf eine Sachbearbeiterstelle im Sozialamt, später woanders bei der Stadtverwaltung. Dann (lange Geschichte) nach einigen Jahren Job wg. Krankheit aufgeben müssen, dann der mittlerweile vorhandene Ehemann ohne Job -> ALG II-Bezug, nun über Zeitarbeit wieder - na rate mal: Sachbearbeiterin in der ARGE (mit bis vor ganz kurzem ergänzendem ALG II-Bezug). *schiefgrins*

Will sagen, so schnell wie man manchmal VOR dem Schreibtisch landet, so schnell kann man auch wieder davon wegkommen, auch wenn es in manchen Momenten aussieht, das höre das nie mehr auf - das Gekrebse und Geknappse. Monatelang tat sich bei uns auch nichts, es ging immer weiter bergab und wir dachten, es geht ganz bitter für uns aus, wenn das so weitergeht. Aber nun kamen von jetzt auf gleich und ohne Vorwarnung ein paar Dinge zusammen, es geht wieder aufwärts. Gerade, als es uns am Miesesten ging (Weihnachten 05), liefen im Hintergrund Dinge und Entscheidungen, die uns jetzt erst zu Gute kommen. Ich spreche in Rätseln, ich weiß. Will sagen, bei meinem AG und beim zukünftigen AG meines Mannes wurden kurz vor Weihnachten Entscheidungen getroffen, die wir erst vor kurzem erfahren haben und die positiv sind.

Will vor allem sagen: Gerade, wenn Du denkst, es geht nun ganz und gar beschissen (warum das Kind nicht beim Namen nennen, nicht wahr?! ;-)), gerade dann sendet man vielleicht unbewusst den lautesten Hilferuf ans Universum und es kommen Dinge in Bewegung, die man bald erfahren wird und die einem gut tun werden. Oh Gott, ich höre mich mit meinem mystischen Blafasel sicher an wie eine Heilsverkünderin.... #hicks Ich meine: Du und Deine Kinder, Ihr WERDET wieder bessere Zeiten haben! Du und Deine Kinder WERDET bald wieder ein schöneres Leben haben! Du WIRST mit Deiner Tochter einen Hunni nur für ein paar schöne Kleider und für Make-up ausgeben, einfach so, nur weil's gut tut! Dein Sohn WIRD sich die neueste Game-CD kaufen, noch bevor ein anderer Kumpel sie hat! Ihr WERDET in Urlaub fahren! Und das Auto, die olle Möhre, WIRD auch wieder in Schuss kommen. Wenn Du diese Bilder wieder und wieder aktivierst und wieder und wieder trotzig denkst "Und wir WERDEN das alles haben!", dann bekommt Ihr es auch! Weil Du nämlich dann in Dir (und woanders) Kräfte mobilisierst mit diesen Bildern, Gedanken und Wünsche aussendest, die irgendwo ankommen.

Der alte Omi-Spruch "Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.", der ist so falsch nicht! Nur: Wenn man die Hände verzweifelt vors Gesicht schlägt, kann man das Licht nicht sehen!

Ich weiß, es ist so verflucht schwer und ich kenne die Gedanken, die Dich umtreiben zu gut, aber es wird werden, ganz sicher. Du bist noch nicht alt, Deine Kinder sind noch sehr jung - das KANN doch gar nicht alles gewesen sein, was das Leben Euch noch zu bieten hat, findest Du nicht?!

#liebdrueck
Christine

  • Danke Christine,

    mir fehlt wirklich der "Trotz" zur zeit, der mich bisher aus sehr vielen traumatischen Lebenslagen herausgeholt hat.

    Ich war schon oft genug total am Boden und habe es immer durch meinen grenzenlosen Optimismus, Willen und Überzeugung geschaft.

    Ich bin nur so schrecklich müde geworden zu kämpfen. Es wirkt so aussichtslos, erniedigend wie einem in letzter Zeit offenbart wurde das man "zu alt" sei. Ok ich bin, für mich eigentlich verwunderlich schon 41 Jahre, fühlte mich aber immer jung und energiegeladen wie mitte zwanzig. Zur Zeit bin ich vom Herzen auf 60 gealtert.

    Ich wünsche mir so sehr mal ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Nur jagt eine schlechte Hiobsbotschaft die nächste. Ich erkenne mich selber gar nicht wieder.

    Ich war immer soooooooo stolz aus all den Löchern wieder nach oben gekrochen zu sein. Mein Platz zwischenzeitlich an der Sonne, war auch hart erkämpft.
    Der Fall wohl zu tief.

    Ich möchte so gerne, will und alles scheint wie gelähmt.

    Deine Worte haben mich sehr berührt und ich hoffe du hast recht. DAS KANN NICHT ALLES GEWESEN SEIN.

    LG Zoe

    • Liebe Zoe,

      wie gesagt, ich kann Dir nur zu gut nachfühlen! Es geht ja auch gar nicht darum, dass man seine Kinder über die Maßen verwöhnen möchte, aber wenn man schon bei "Marken"lebensmitteln (unser Pubi fährt total auf Nutella ab, das "echte") sagen muss "Das geht im Moment nur selten.", das ist bitter. Oder wenn man dem eh schon schmächtigen Kind, dass in diesem Alter (15 wie Deiner) mampfen könnte 24/7 sagen muss, dass es nicht mehr an Schnitzel/Kuchen/Sahnepuddigng was weiß ich gibt... Klar, andernorts auf der Welt hungern sie, immerhin können wir unseren Kinder etwas zu essen geben, etwas, dass hunterttausende Eltern an diesem Tag nicht konnten... und ein Gutes hatte die ganze Sache - das Kind hat ein Bewusstsein für Genuss entwickelt, für "sich was gönnen" und ist kein gedankenloser Konsumjunkie, der ohne Sinn und Verstand alles, was ihm gegeben wird, als selbstverständlich hinnimmt. Wird nie ein Kind werden, dass andere mobbt, weil sie nicht so coole Klamotten haben oder weil sie nicht so coole Spielsachen haben. Wird immer eher teilen, statt zu raffen. Sicher, Frauen wie wir hätten unsere Kinder eh in der Richtung erzogen, aber das hätten wir dann doch gern getan, ohne dem Kind die Erfahrung am eigenen Leibe zuzumuten.

      Auch deshalb habe ich oft abends geweint, alleine im Bad. Wenn die Selbstverständlichkeiten plötzlich so gar nicht mehr selbstverständlich waren. Wenn man sich schämt, weil das Kind sich schämt. Wenn man sich vor dem Kind schämt, dass man nicht "Mutti macht das schon" sagen kann, sondern weil man das Kind fast zwangsläufig an den Sorgen und Nöten teilhaben lassen muss... Wenn man rechnet, noch drei Jahre, dann ist er 18 - und? Hast Du ihm 'ne schöne Kindheit geboten? Und sich sagen muss, sie hätte schöner sein können... #schmoll Wie unzulänglich man sich fühlt: Nicht mal das haste hinbekommen, Du taube Nuss.

      Wie Du siehst, ich kann Dir nachfühlen. Und ich sah es an meinem Mann, der mit Mitte dreißig in seiner Branche schon zu den "Alten" zählte, wie es anfrisst. Im Kopf und körperlich total jung (fühlen uns manchmal auch nicht älter als 25), aber die Welt da draußen scheint auf twentysomethings ausgrichtet. Und wie Du - immer Stehaufmännchen bzw. -frauchen gewesen und plötzlich feststellen müssen, das allein bringt es nicht und man mag auch nicht immer aufstehen. Man mag auch mal einfach liegen bleiben und die Bürde abgeben. Aber das geht nicht, das weiß Du ja selbst.

      Auch wenn es wie leeres Geschwätz klingt und eine Frau wie Du das alles vom Verstand her sicher weiß: Es ist für etwas gut, diese Zeit jetzt! Das habe ich mir zumindest immer wieder gesagt. Und mich teils manchmal nur von Tag zu Tag gehangelt, oft mit dem Horoskop als Krücke, wenn es für die nächste Woche "Aufschwung" versprach. ;-) Was mir auch geholfen hat, war hier anderen zu helfen, die Rat suchten und die teils noch desolater dran waren als wir.

      Vielleicht wäre das auch was für Dich? Bei der Tafel helfen zum Beispiel. Oder hier, in Finanzen und Beruf. Es hilft, wenn man sieht, man ist nicht alleine, viele andere kämpfen zurzeit ganz genauso.

      So, genug Gelaber von mir (eh schon wieder soooviel #hicks) - "So, Rotz von der Nase wischen, kaltes Wasser ins Gesicht, weiter geht's." (Ich zu mir in Momenten, in denen es mir ging wie Dir.)

      Ganz lieben Gruß, Ihr seid nicht alleine!
      Christine

      P.S. Ich war an Depressionen erkrankt und habe in der Therapie ganz gute Gedankenmuster regelrecht erlernt, mit denen ich mich auffangen kann, wenn ein Loch kommt. Vielleicht wäre das auch etwas, was Du für Dich tun könntest? Mal reden, sich von einem anderen reflektieren lassen, allein das kann schon aus der Kräfte zehrenden Gedankenfalle heraushelfen. "Sorgen Sie für sich." war ein wichtiger Satz. Und meinte "Schau, was Dir im Moment gut tun würde, was Du JETZT tun kannst, damit es Dir ein bisschen besser geht." Das kann ein Spaziergang sein, ein heißes Bad oder einfach mal 20 Min. liegen und schön (!) tagträumen. Ich dachte das erst auch nicht, aber man kann das regelrecht lernen, das "für sich sorgen". Also: Sorge für Dich! #liebdrueck

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