Seid Ihr tolerant?

    • (1) 08.10.11 - 00:27

      Toleranz ist ein richtiges Schlagwort geworden, jeder hat an sich selbst den Anspruch tolerant zu sein, bzw rühmt sich damit. Ich frage mich wie es denn wirklich mit der Toleranz steht und was dies eigentlich bedeutet.

      Hintergrund ist, dass ein Kollege und Freund, der schwul ist, extrem über die Kirche und das Zöllibat hergezogen hat. Nun bin ich ja nicht unbedingt ein Freund der Kirche doch seine Aeusserungen gingen mir definitiv zu weit, vor allem da er als Angehöriger einer "Randgruppe" selbst besonders viel "Toleranz" fordert.

      Ich selbst habe mich auch schon dabei erwischt dass ich meinen eigenen Grundsätzen der Toleranz widerspreche, indem ich z.B. eine sehr dicke Freundin habe, die ich sehr schätze, jedoch fremde, sehr fette Menschen häufig als Zumutung empfinde (sehr dicker Sitznachbar im Flieger). Meine Freundin ist also so okay, wie sie ist, der Fette im Flieger neben mir soll sich jedoch am besten Zuhause einschliessen. Nicht sehr tolerant.


      Wie steht es bei Euch, was bedeutet echte Toleranz für Euch und könnt Ihr guten Gewissens behaupten, wirklich tolerant zu sein?

      • (2) 08.10.11 - 00:33

        Hallo!

        Ich bin durschnittlich tolerant!

        Ich glaube, jeder hat eine Kategorie, die er bewusst oder unbewusst diskriminiert.
        Solange man Menschen die man innerlich nicht so akzeptiert aus dem Weg geht oder korrekt zu ihnen ist, finde ich das vollkommen ok.

        Am Ende hat man einen "Menschengeschmack", genauso wie man einen Kleidergeschmack oder Essensvorlieben hat.
        Menschen sind eben so!

        (3) 08.10.11 - 00:53

        Okay gleich fliegen Steine :-)

        Ich bin mäßig toleranz, je nach Thema.

        Thema Kirche:

        Ich glaube nicht an die Kirche, eventuell an Gott aber das mache ich mit dem Herrn da oben selber aus dazu brauche ich keinen kirchlichen Vermittler.
        Ich kenne tiefgläubige Menschen und lasse sie leben solange die nicht versuchen mich zu missionieren.

        Thema Homosexualität:

        Bin Kölnerin das sagt alles :-)

        Thema Ausländer:

        Aufgrund meines Jobs (Verkäuferin, Tankstelle) habe ich mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun und deshalb kann ich von mir sagen ich misstraue Menschen die nach Ausländern aussehen irgendwie generell. Bei Kreditkartenzahlungen lasse ich mir neben der Unterschrift auch den Ausweis zeigen. Macht mich das nun zu einem intoleranten oder einem misstrauischen Menschen? Eher beides. Meine Nachbarin ist Türkin und wir verstehen uns unglaublich super aber wenn ihr Mann tanken kommt bin ich sofort wieder misstrauisch das kann ich nicht abschütteln.

        Thema Behinderte:

        Das ist das große Knackthema bei mir. Sitzt ein Mensch im Rollstuhl, ist blind oder taub, also alle körperlichen Gebrechen machen mir nichts aus. Sobald ein Mensch aber entweder geistig behindert ist oder Spastiken hat (beispiel: die tochter einer freundin meiner schwägerin hat spastiken im gesicht und sabbert permanent sodass ihr wirklich so ein ekliger sabberfetzen vom mundwinkel hängt und sie lispelt dadurch ganz schrecklich) ekel ich mich regelrecht davor. Da bin ich der intoleranteste Mensch der Welt. Sobald im Bus oder sonstwo ein Mensch mit Down Syndrom sitzt muss ich mich wegsetzen.
        Ich weiss selber nicht genau woher das kommt, aber ändern lässt es sich nicht da kann der betreffende Mensch noch so nett, kinderlieb und tierschützer sein mich schüttelts.

        Ich könnte mir niemals niemals vorstellen ein behindertes Kind groß zu ziehen oder zu pflegen (obwohl ich es tun würde wenn ich müsste).

        Mein Mann findet mich in der Hinsicht mega peinlich (womit er ja grundsätzlich auch recht hat) aber ich kann nicht aus meiner haut.

        lg cait

        • Hallo cait,

          also ich kann nachvollziehen, das du bei den Ausländern misstrauisch bist...das wäre ich auch.

          Was dein Kommentar zu den Behinderten Menschen angeht, das finde ich erschütternd und du solltest mal dein Verhalten überdenken.

          Jeder Frau kann es passieren, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen...das du es pflegen tätest, würde ich dir in dem Moment nicht abkaufen, weil du ja gewissen *Ekel* oder intolerant bist.
          Ich *unterstelle* dir jetzt einfach mal, das du das Kind überhaupt nicht lieben könntest. Bitte nicht böse auffassen. Sollte ich falsch liegen umso besser.

          Das mit der Tochter einer Freundin deiner Schwägerin...glaubst du sie hat sich das so ausgesucht? Ganz bestimmt nicht und dann gibt es so intolerante Menschen wie du das bist, die sich ekeln oder sich lustig drüber machen und die Kinder verspotten oder der Mutter irgendwelche Vorwürfe machen....ich meine dich jetzt nicht damit.

          Was die Menschen mit Down Syndrom angeht...was ekelt sich davor? Nur weil sie anders aussehen? hast du dich mal mit solchen Menschen beschäftigt? Hast du mal dir die Mühe gegeben, solche überhaupt mal kennen zu lernen?

          Ich habe die Erfahrung machen dürfen und soll ich dir mal was sagen? das sind die dankbarsten Menschen auf Erden.
          Freundlich und immer ein lächeln auf den Lippen, da könnte man sich eher eine Scheibe von abschneiden.

          Um deinen Ekel mal zu hinterfragen oder damit besser umgehen zu können, würde ich dir mal Raten dir professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

          Stell dir vor...dir würde etwas passieren...durch einen Autounfall oder oder oder, es gibt genug Krankheiten wo eine Behinderung auftreten können...wie wäre es für dich, von der Gesellschaft abgelehnt zu werden, wenn man sich vor dir ekelt? Sich von dir entfernt. Wie würdest du dich fühlen?

          Diese Leute haben sich das nicht ausgesucht...es gibt genug Erbkrankheiten die Behinderungen hervorgerufen und selbst du könntest ein Kind zur Welt bringen welches ein Down Syndrom haben könnte...willst du es dann zur Adoption frei geben weil du dich davor ekelst? Was wäre wenn du ein Kind zur Welt bringen tätest was schwer behindert zu r Welt käme...würdest du es abgeben?

          Was wäre wenn dein Mann oder dein Kind durch einen Unfall behindert werden könnte...würdest du deinen Mann oder dein Kind ins Heim geben, weil du damit nicht zurecht kommst?

          Ich wünsche es keinem und man kann von Glück sein, das man selber gesund ist und Familie ebenso...es könne auch anders kommen.

          Denk mal darüber nach.

          LG

          • (5) 08.10.11 - 01:28

            >>>Was dein Kommentar zu den Behinderten Menschen angeht, das finde ich erschütternd und du solltest mal dein Verhalten überdenken. <<<

            Das Gleiche denke ich, wenn du schreibst:

            >>>also ich kann nachvollziehen, das du bei den Ausländern misstrauisch bist...das wäre ich auch.<<<

            Grundsätzlich stimme ich dir ja zu.

            Ich mache mich auch nicht über diese Menschen lustig oder lasse es sie irgendwie spüren. Ich weigere mich allerdings näheren Kontakt zu pflegen.

            Ich habe eben mal drüber nachgegrübelt woher meine Abneigung gegen Menschen mit Down-Syndrom herkommt und mir ist eine Geschichte eingefallen.

            Ich musste mal in einem Ferienlager in der Schweiz mit einem Mädchen zusammenwohnen (3-er zimmer, nur wir beide) das unter dem Down Syndrom gelitten hat und 1. war sie unausstehlich nervig und 2. hat sie die ganze nacht entweder geschrien oder gekotzt oder beides und das hat mir, damals 12-jährigem kind irgendwie das ganze versaut.

            Natürlich hat sich das niemand ausgesucht aber ich glaube nicht dass ich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte nur weil mir ein gewisser Menschenschlag einfach zuwider ist.

            Eine Ergänzung: Ich kann auch nicht mit älteren Menschen an einem Tisch sitzen und essen da die es nicht hinbekommen mit geschlossenem mund zu kauen, nicht zu schlürfen oder nicht mit vollem mund zu reden denn das ekelt mich in etwa genauso an wie sabbernde menschen.

            So bin ich, manche mögen es als Makel bezeichnen aber es gibt nunmal Grenzen...

            lg cait

          • (7) 08.10.11 - 10:31

            Das nennt sich scheinheilige Doppelmoral. Misstrauen gegen Ausländer ist in Ordnung, aber Kontaktmeidung zu behinderten nicht? Das macht dich nicht besser und vielleicht solltest du auch mal darüber nachdenken. Immerhin ist die Userin vor dir ehrlich gewesen ^^

      (8) 08.10.11 - 01:14

      Hallo!

      Oft ist es leider so, dass die Menschen die am meisten Toleranz verlangen, am wenigsten besitzen!

      Ich für meinen Teil bin tolerant in dem Sinne, das ich nicht mit jedem Menschen auskommen oder der gleichen Meinung sein muss.

      Es kann also jeder machen was er will, soll mich aber damit nicht nerven.

      Ausgeschlossen sind natürlich meine Freunde und Familie. Allerdings habe ich auch da eine Grenze. Wenn jemand immer wieder den gleichen Fehler begeht oder sich wegen immer dem gleichen Thema bei mir ausheult, endet meine Toleranz.

      LG Eva

      • (9) 08.10.11 - 01:16

        Dazu möchte ich noch sagen dass ich on meinen Freunden das gleiche erwarte! Denn ich möchte lieber das mir jemand ehrlich sagt das etwas zu viel ist, als im Stillen die Augen zu verdrehen und nichts zu sagen.

    (10) 08.10.11 - 01:31

    Ich glaube nicht, das ich besonders tolerant bin.
    Ich bin es nur bei bestimmten Dingen und das spricht ja nun nicht für besonders große Toleranz, oder?

    Ich bin sehr tolerant bei sexuellen Orientierungen, Menschen mit Handikaps (bei dem Post eben weiter oben mit den "Behinderungen" kriege ich schon beim Lesen einen Affen...), religiösen Orientierungen.

    Ich bin nicht sehr tolerant bei extrem dünnen Menschen. So wie andere auf dicke reagieren, so reagiere ich auf extrem dünne. Nicht besonders tolerant.

    Ich versuche allerdings immer jedem seine Meinung zu lassen und nur zu diskutieren, nicht zu belabern. Das mag ich auch für mich selbst nicht.

    Wirklich tolerant würde ich mich nicht nennen.

    (11) 08.10.11 - 01:34

    Hallo,

    nein, ich bin häufig nicht tolerant.
    Ich sehe es beispielsweise nicht ein, warum der Hund meiner Nachbarn sich unbedingt dann austoben muss, wenn meine Kinder auf dem Rasen spielen (wir teilen uns einen Teil des Hofes), weil meine große Tochter Angst vor Hunden hat. Und diese Angst ist den Nachbarn bekannt.
    Genauso sehe ich es so, dass Hunde sich frei bewegen müssen, aber doch bitte nicht auf dem normalen Gehweg und wenn sie dann noch direkt da hinscheißen, ist Toleranz am Ende.

    Meine Toleranz gegenüber fremden Kulturen endet auch, wenn in meinem Büro ein islamisches Mädchen sitzt, die wissen will, ob sie im Falle einer "gewollten" Heirat ihren deutschen Ausweis behalten darf.

    Und meine Toleranz endet komplett im rechten Sektor, Ausnahmen bilden die Aussteiger. Da weiche ich nicht von meiner Position ab, rechts sein, geht bei mir eigentlich nicht, jedenfalls privat.

    Und die absolute Intoleranz beweise ich, wenn ein Mann Flip Flops und rosa Hemden trägt. Wenn er schwul ist, ist es ok. Bei einem Hetero ist das bei mir ein absolutes No-Go.

    Das ist jetzt so das, was mir spontan einfällt.

    In diesem Sinne
    M.

    • (12) 08.10.11 - 01:36

      Du solltest dich mal informieren, was das Wort "Toleranz" bedeutet.:-)

      • (13) 08.10.11 - 01:37

        Warum?

        • (14) 08.10.11 - 01:42

          Weil Toleranz z.B. nichts damit zu tun hat, ob dir ein Hetero im rosafarbenem Hemd und mit Flipflops gefällt.

          Deine Beipiele sind etwas an den Haaren herbeigezogen.

          • (15) 08.10.11 - 01:57

            Falsch, denn ich meinem kleinen privaten Weltbild tragen Hetero-Männer keine Flip-Flops und rosa Hemden. Das tragen Schwule.

            Klischees haben auch etwas mit Toleranz zu tun.

            Und ich bin mir meines Klischee-Denkens eben teilweise sehr bewusst.

            • (16) 08.10.11 - 02:00

              >>>Und ich bin mir meines Klischee-Denkens eben teilweise sehr bewusst.<<<

              Und du tust nichts daran, das zu ändern in deinem "jugendlichen" Alter?

              • (17) 08.10.11 - 02:12

                Für mich bezog sich die Frage im Ausgangsfred auf den Ist-Zustand.
                Woraus schließt du, dass ich nicht an mir arbeite.
                Ich habe den momentanen Zustand meiner Sichtweise dargestellt.

                • (18) 08.10.11 - 02:15

                  Ich schließe das daraus, dass du nichts darüber geschrieben hast.

                  Für mich kam das so rüber: Ich habe mein Klischeedenken und fertig.

                  Ich verstehe auch nicht, wie man so eingeschränkt denken kann.

                  • (19) 08.10.11 - 02:26

                    Ich sage ja, es ging um den Ist-Zustand, da sah ich jetzt keinen Anlass, einen Roman über Veränderungen zu schreiben.
                    Und ich verstehe jetzt auch nicht, warum du mir ein eingeschränktes Denken unterstellst, wenn du nur so wenige Beispiele hast.

    Wieso sollte man seinen Ausweis abgeben nur weil man jemanden heiratet? Und was hat die Religionszugehoerigkeit mit der Nationalitaet zu tun? Und was musst du da tolerieren?

    • Weil ich mit Mädchen gearbeitet habe, die "zwangsverheiratet" wurden.
      Und da kommt man in einen Konflikt zwischen dem Leben, das man Leben kann und dem, was man leben muss.

(24) 08.10.11 - 01:48

Hallo,
ich glaube bei bekannten Sachen fällt Toleranz leichter.Wenn man z.B. mit Behinderten und/oder Ausländern gearbeitet hat ,ist man eher tolerant.Zurückgezogen lebende Menschen in ländlicher Umgebung sind da mehr gefordert.
So ist das wohl auch mit persönlich bekannten Menschen einer Gruppe ( wie deiner dicken Freundin ), der man sonst skeptisch gegenübersteht.
Grundsätzlich habe ich an mich den Anspruch weitgehend Toleranz zu zeigen, was mir natürlich oft nicht gelingt.
Besonders schwierig wird es für mich mit Religionen oder Lebensformen in denen Frauen massiv unterdrückt werden.Mein Mann bemerkte schon oft, das ich in diesen Diskussionen wenig Toleranz zeige.
L.G.

(25) 08.10.11 - 02:08

Wie soll ich es sagen?
Vom Herzen her bin ich tolerant, ich muss nicht alle Meinungen, Sitten und Gebräuche von anderen verstehen oder nachvollziehen können, aber ich lasse sie als gleichberechtigt stehen.

Grenzen findet meine Toleranz in den Bereichen, die andere verletzen oder gefährden.
So ist es mir komplett egal, auf welchen Traditionen die Genitalverstümmelung namens Beschneidung bei Mädchen beruht und ich werde in dem Bereich niemals tolerant sein und sagen, ja, das sind eben die Bräuche, das kann man nicht mit westlichen Maßstäben sehen.

Bei mir ist es mit der Toleranz wie mit dem Freiheitsbegriff: In dem Augenblick, wo jemand negativ in das Leben eines anderen eingreift, fehlt mir das Verständnis.

Und ich bin etwas fassungslos, dass Leute den Umgang mit Homosexualität und Behinderung unter den Toleranzbegriff sammeln.
Das sind für mich einfache Lebenswirklichkeiten, ich würde nicht auf die Idee kommen, dass die ganz normale Akzeptanz ein Zeichen von Toleranz ist.

Kommt mir vor, als würde man sagen, man sei dem Himmel gegenüber tolerant..oder der Schwerkraft...oder dem Tag- und Nachtwechsel.

Keine Ahnung, ob ich mich verständlich ausdrücke, es ist ja auch schon spät.

Grüße, Jette

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