"Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" - Wie seht ihr das?

    • (1) 09.10.11 - 15:41

      Hallo!

      Folgenden TAZ-Artikel möchte ich euch nicht vorenthalten:

      http://www.taz.de/Kaffeehauschefin-ueber-Macchiato-Muetter/!79576/

      Ich gebe zu, er spricht mir aus der Seele (auch wenn meine Seele ein anderes Vokabular benutzt hätte ...)

      Ich bin selbst eine Mittdreißiger Mutter und wohne zwar nicht im Prenzlauer Berg, aber in einem Stadtteil, der eine ähnliche Entwicklung durchmacht.

      Deshalb bin ich von genau den angesprochenen Dingen genervt. Ist das ein Berlin-typisches Phänomen oder gibt's das auch in anderen, kleineren Städten?

      Wie nehmt ihr euch wahr? Völlig unironisch gemeinte Frage: Glaubt ihr, als Mutter hat man besondere Rechte (also Kinderwagen ins Café, Essen selbst mitbringen etc.)
      Und/oder könnt ihr "die Gegenseite" verstehen?

      Ich als Café- bzw. Kneipenbesitzerin hätte ehrlich gesagt auch keine Lust darauf, dass sich mein Laden zur Krabbelgruppe entwickelt und womöglich andere Gäste - die wahrscheinlich auch mehr ausgeben - nicht mehr kommen.

      Der Text polarisiert, dass ist mir klar, bietet damit aber auch Stoff für eine hoffentlich schöne Diskussion (vor allem hier, einem Familienforum :-))

      LG!

      • hallo,

        in berlin gibt es ja mittlerweile stillkaffee`s
        halt ich für eine wunderbare sache


        über den berliner service breiten wir mal wohlwollend den schweigemantel aus

        selbst als singelfrau wird man von der ein oder anderen servicekraft unfreundlich angemacht

        einige nennen das berliner charme
        ich nenns schlecht laune



        mit ist auch schon ein kinderwagen über den fuss gerollt beim brunch
        als entschuldigung hörte ich "kannst ja woanders essen"

        auch das berliner charme oder schlechte laune


        entweder man steht drüber
        meckert mit wie ein berliner waschweib
        oder geht tatsächlich dahin wo es keine macchiato mütter gibt


        lg manja (die lieber allein oder mit ner freundin ins cafe geht)

        • "oder geht tatsächlich dahin wo es keine macchiato mütter gibt"

          gibt's hier in der Ecke wirklich nicht mehr!

          Ja, diese besondere Auffassung von "Service" hat mir in meinem ersten Monat hier - ungelogen - schonmal die Tränen in die Augen getrieben (meine Nerven lagen blank, es war tiefster Winter, aber das ist eine andere Geschichte ...)

      Also, ich persönlich habe da eine Zweigeteilte Meinung.

      Sicherlich gibt es die Mütter, die "nur" weil sie ein Kind bekommen haben, denken, dass nun alle auf sie Rücksicht nehmen müssen. Zudem rechtfertigen sie jeden persönlichen Mangel z.B. nicht Pünktlich kommen zu können damit, dass sie ja schließlich ein Kind haben. DAS regt mich auch auf.

      ABER

      dieser Artikel spiegelt für mich einzig eine Meinung wieder, die ich sehr sehr häufig erfahre, nämlich das Mütter eigentlich zu viel Zeit haben, faul sind und sich auf ihren Kindern ausruhen und diese Meinung wird durch solche Artikel weiter forciert und spiegelt die kinderfeindliche Gesellschaft hier in Deutschland wieder.

      Man gehe nur mal in ein Cafe in Italien. Was meinen Sie, wie viele Kinder dort sind??Dort herrscht pures Leben. Hier darf ein Baby ja nicht mal schreien ohne schon unangenehm aufzufallen.

      Mittlerweile fällt man ja als Mutter schon deshalb in Deutschland auf, zumindest in kleineren Städten, weil dort das Stadtbild eher von Rentner und Singles oder Single Ehepaaren geprägt ist.

      Ich finde persönlich schon, dass eine Mutter etwas besonderes leistet und auch mehr leistet, als die meisten das im Arbeitsleben tun (obwohl sie häufig auch noch arbeiten). Sie sind nämlich rund um die Uhr für eine Person da, stellen ihre Bedürfnisse zurück und können alles, nur nicht egoistisch sein.

      Meiner Meinung nach erwartet man heute viel zu viel von Müttern. Sie sollen möglichst 2-3 Kinder haben, dabei aber in der Schwangerschaft und danach super aussehen. Sie dürfen am Besten nur 8 Wochen zu Hause bleiben, dann wieder einen Fulltime Job annehmen und nebenbei noch den Haushalt und die Kinder betreuen. Das ein Mensch das nicht schaffen kann ist doch klar. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke. Denn in Wahrheit kann man nur einem Herren wirklich dienen.

      Ich bin 8 Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gegangen und mir wurde es super schwer gemacht, da ich nicht sofort super flexibel arbeiten konnte, das heißt morgens mal drei, abend mal zwei Stunden etc. Die Betreuung will ja gesichert sein.


      Naja ich könnte darüber noch ewig referieren. Mir ist klar, dass mittlerweile viele so denken, aber ich denke, dass kommt auch daher, dass sich viele Frauen den Luxus nicht erlauben können zu Hause zu bleiben. Dann schimpft man lieber über die, die das können. Eventuell spielt da auch Neid eine große Rolle.
      Denn im Prinzip kann es einem doch egal sein, wie Mütter leben?!
      Also ich arbeite momentan nicht mehr und genieße die Zeit zu Hause, gehe gerne ins Cafe und treffe mich mit Freundinnen. Wenn nicht jetzt wann dann??



      • Also ich glaube, dass der Vergleich mit dem kinderfreundlichen Süden ein bisschen hinkt, weil dort Kinder zwar dazugehören, aber nicht das ganze Bild bestimmen.

        Ich merke, dass ich mich immer dann ärgere/unwohl fühle, wenn das Straßenbild nicht heterogen ist. D.h. wenn neben der Mutter auch Ältere, Jugendliche, Kinderlose sind, ist alles ok für mich. Genauso geht es mir bezgl. Ausländern/Deutschen, Touristen, Jugendlichen ...

        Z.B. sieht man in unserem Kiez immer weniger Ausländer und Senioren, dafür immer mehr Jack-Wolfskin-Trägerinnen mit Geschwisterkinderwagen. Die Zusammensetzung stimmt nicht mehr und ich beginne auch, mich darüber zu ärgern und fühle mich nicht mehr so wohl wie vor ein paar Jahren.

        Und deine letzten Sätze bestätigen doch, was du anfangs abstreitest:

        "Also ich arbeite momentan nicht mehr und genieße die Zeit zu Hause, gehe gerne ins Cafe und treffe mich mit Freundinnen. Wenn nicht jetzt wann dann?? "

        LG!

        • "Also ich glaube, dass der Vergleich mit dem kinderfreundlichen Süden ein bisschen hinkt, weil dort Kinder zwar dazugehören, aber nicht das ganze Bild bestimmen. "

          Ja sie sind dort selbstverständlich und bedürfen deswegen wahrscheinlich nicht so einer Diskussion.

          Warum ärgerst du dich über Jack Wolfskin Jacken Trägerinnen mit Geschwisterwagen? Ich verstehe das Problem nicht. Das sind Frauen die scheinbar gerne Kinder haben und auch Zeit für sie haben wollen.
          Ich meine, wenn sich eine Mutter mit Kinderwagen rücksichtslos durch die Menge bewegt verstehe ich ja den Ärger aber so??
          Vielleicht braucht die Gesellschaft immer Gruppierungen auf die sie sich einschießen können. Erst waren es die Magersüchtigen, dann die Ausländer, die Dicken und nun sinds die Mütter.

          Warum ich mit meinem letzten Satz mein Geschriebenes widerlege verstehe ich nicht ganz, aber eventuell erklärst du es mir?!:-)

          Lg

          • Ich ärgere mich über diese Mütter, weil es ein Ungleichgewicht zu ihren Gunsten gibt.

            Warum stören sie mich? Wahrscheinlich,

            weil ich mich nicht mit ihnen identifizieren kann,

            weil es mich nervt, dass sie die Mietpreise in die Höhe treiben

            weil unser Kiez, der vor 5 Jahren sicherlich noch blankes Entsetzen bei genau diesen Frauen ausgelöst hat, auf einmal so "in" ist, aber wenn die Kinder in die Schule kommen, dann heißt es "aber nicht so ein hoher Ausländeranteil, bitte)

            weil auf einmal alles öko und bio sein muss (und damit auch teurer), selbst in der Eisdiele, wo du inzwischen nicht mehr weißt, ob es eine Kita oder ein Café ist

            weil sie die ehemals schöne heterogene Zusammensetzung hier kaputt machen:

            Die "Ur-einwohner", Männer und Frauen, die hier aufgewachsen sind, können sich hier keine Wohnung mehr leisten und finden auch in 3 Jahren keinen Kita-Platz für ihre Kinder.

            Alteingessene Geschäfte ebenso: teurere Mieten, also müssen sie raus, stattdessen eröffnet der zigste "Kinder-Design-Bio-Kaffee-und Kuchen-Laden" von Frauen, die einen Gutverdiener geheiratet und 2-3 Kinder bekommen haben und sich selbst verwirklichen.

            So. Das sind meine Gründe, warum mich diese Leute stören.

            Deshalb stören sie mich.


            • Sie stören dich also, weil sie einen offensichtlichen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen.

              Kein Vermieter ist gezwungen die Mietpreise höher anzusetzen, nur weil da plötzlich Familien wohnen. Da solltest du die Schuld mal woanders suchen.

              Es gibt nunmal immer Ecken, die man sich nicht leisten kann

              • ""Es gibt nunmal immer Ecken, die man sich nicht leisten kann ""

                Du solltest manchmal vorm Schreiben nachdenken.

                • ????

                  Wo ist das Problem?

                  Es gibt immer Wohnorte, die man sich nicht leisten kann. So ist das nunmal. Ist doch total egal ob das nun Berllin XY ist oder München Innenstadt.

                  • Ja und in den Großstädten gibt es den Trend, dass die Ecken, die mal erschwinglich waren, aufgemotzt und dann auch verteuert angeboten werden. Dafür werden aber nicht bestehende Nobelgegenden "runtergestuft"...

                    LG,

                    W

                    Ich weiß nicht, ob du genauso gleichmütig reagieren würdest, wenn du wegen dieser Entwicklung plötzlich 20% mehr Miete zahlen müsstest. Eine Familie in unserem Haus zieht jetzt aus, weil sie das nicht mehr bezahlen können.

                    Und ja, dass liegt an der gestiegenen Nachfrage durch junge Familien in der Zusammensetzung Frau in (Dauer-)Elternzeit, gutverdienender Ehemann, 2-3 Kinder. Gerne mit akademischem Abschluss und gehobenem Bio-Grünen-Piraten-Wähler-Lifestyle.

                    • Das sind Dinge, mit denen man im Leben rechnen muss. Die Schuld ist da aber nicht bei den Müttern zu suchen, sondern bei den Vermietern, die das Dollarzeichen in den Augen kriegen.

                      Da wird die Schuld auf die falsche Gruppierung geschoben.


                      Ja, wir hatten das auch schon, das wir umziehen mussten, weil etwas zu teuer wurde. Es war der Entwicklung sehr ähnlich und blöde fand ich da höchstens den Vermieter.

            Hi.
            Meine Schwester war immer ein "linker Vogel" - in HH immer eher in den alternativen Ecken zu finden... Bin immer gerne mit und dann war ich ein paar Jahre nicht mehr da (Umzug in eine andere Stadt) - und war dann wieder zu Besuch in unseren alten Ecken...
            Ehrlich gesagt, ein wenig erschrocken über die sog. Yuppieisierung war ich schon.... Früher waren es Ecken, wo man jede Art von Mensch traf, "exotische" Geschäfte hatte - und jetzt? Filialen von Bekleidung, Kaffee usw - aber die "anderen" Geschäfte verschwinden. Es sieht dort "austauschbar" aus...
            Das die Mieten steigen, ist da normal - wenn ein Viertel eine Nachfrage hat, können Vermieter natürlich andere Preise verlangen und dann ändert sich eben auch die Bevölkerung.
            Nur schade, dass die Durchmischung dann fehlt; Mieter/Bewohner, die die Preise eben nicht mehr tragen können, werden abgedrängt und ich finde es schade, da eine bunte Mischung eben ihren Reiz hat...
            Und die Alteingessenen haben (wie die Wirtin im Artikel) das Problem, dass sie sich entweder anpassen müssen oder verschwinden werden.
            Aber so ist es, nennt man das nicht Stadtentwicklung?
            Und diese wird doch auch immer vom Geld bestimmt...

            Zur Ausgangsfrage: Ich fordere keine besonderen Rechte, weil ich Kinder bekommen habe - weder im Restaurant, Cafe, Bus, Bahn oä ...

      ***Also ich glaube, dass der Vergleich mit dem kinderfreundlichen Süden ein bisschen hinkt, weil dort Kinder zwar dazugehören, aber nicht das ganze Bild bestimmen.***

      Sehe ich auch so. Kinder gehören zwar dort zum Leben dazu und sind gern gesehen. Aber sie sind nicht der Nabel der Welt und es dreht sich nicht alles ausschließlich um die Kinder. Aber in Deutschland ist es leider oft so, dass viele Mütter ihr Kind für den absoluten Mittelpunkt halten. Nur leider verstehen sie dann oft nicht, dass Außenstehende anderer Meinung sind. Mal ganz ehrlich: Was interessiert mich das Kind anderer (fremder) Leute?

      Ich mag Kinder gern und kann auch gut mit dem Lärm klar kommen, den Kinder beim Spielen machen. Aber rücksichtslose Mütter, die denken alles muss sich nur noch um sie und ihre Kinder drehen, finde ich furchtbar. Und für einen Cafebetreiber ist es mitunter schon geschäftsschädigend, wenn z. B. 5 Kinderwagen den Innenraum versperren und kinderlose Gäste wegen Platzmangel ein anderes Cafe aufsuchen.

      Sicher ist es eine herausragende Leistung, Kinder zu erziehen. Aber es gibt auch kinderlose Menschen, die genauso viel leisten - nur eben auf einem anderen Gebiet.

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