In der Gegenwart leben

    • (1) 24.10.11 - 22:29

      Es würde mich interessieren ob es Euch gelingt, in der Gegenwart zu leben oder ob Ihr mehr in der Vergangenheit lebt oder in der Zukunft.

      Ich lese hier oft Beiträge bei denen ich das Gefühl hab dass der/die Betreffende total in der Vergangenheit hängen geblieben ist, da werden Beziehungen zu den Eltern reinszeniert, auf die eigenen Kinder übertragen die dann instrumentalisiert werden. Oder die (miese) Kindheit wird als Entschuldigung benutzt warum man sein Leben nicht auf die Reihe bekommt.

      Festkleben in der Vergangenheit anstatt sich klarzumachen dass man nun erwachsen ist, vielleicht selbst Familie hat und es Zeit ist die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, für das was mich heute ausmacht.

      Das soll übrigens kein Vorwurf sein, ich denke es ist eine (notwendige) Entwicklung und manch einer ist vielleicht noch nicht so weit oder in einer Situation (z.B. Trauerfall) in der es wichtig ist, für gewisse Zeit in der Vergangenheit zu verharren.

      Allerdings kann die Zukunft nur in der Gegenwart gestaltet werden.

      Dann ist da die andere Seite, die Menschen die ständig mit Plänen und Träumen beschäftigt sind ohne allerdings den notwendigen ersten Schritt in der Gegenwart zu gehen (eine ordentliche Ausbildung zu machen, Weiterbildung anzufangen, zu sparen, sich endlich vom Partner zu trennen der einem nicht gut tut etc).

      Mal von diesen eher grundlegenden Lebenseinstellungen abgesehen finde ich es sehr schwierig, in der Gegenwart zu bleiben (doch grosse Aenderungen fangen ja bekanntlich mit dem kleinen, ersten Schritt an...). Mich stets auf das zu konzentrieren was ich gerade tue. Mich im Stau nicht zu ärgern sondern die Zeit zu nutzen. Den Moment zu geniessen.

      Wie ist das bei Euch? Macht Ihr Euch auch solche Gedanken und gelingt es Euch im Alltag im Hier und Jetzt zu sein? Seid Ihr grundsätzlich in der Gegenwart?

      • Ich lebe mehr in der Zukunft.

        Das führt zu solchen Dingen wie frühzeitig private Altersvorsorge anlegen oder mich auf Eventualitäten vorzubereiten, die erst in einem halben Jahr kommen.

        Hin und wieder höre ich dann, dass ich das viel zu früh anpacken würde, auf der anderen Seite sind dann alle heilfroh, wenn die Sachen vom Tisch sind oder falls mal der Termin rangezogen werden muss.

        Das Hauptproblem bei mir liegt meist darin, dass ich Lösungen suche für Probleme, die noch gar nicht da sind oder niemals kommen werden.

        Kleines Beispiel: Sollte unsere Wohnung abbrennen, habe ich einem einzigen Ordner, in dem alle wichtigen Dokumente (Zeugnisse, Verträge) sind. Bargeld liegt im feuerfesten Tresor.

        Mein Bruder sieht so etwas gar nicht ein, denn wie oft kommt es vor, dass die Wohnung abbrennt und man nur 5 sek Zeit hat um seine wichtigsten Habseligkeiten mitzunehmen? Nahezu niemals. Somit lebt er natürlich einfacher, er hat solche Gedanken gar nicht.

        "Oder die (miese) Kindheit wird als Entschuldigung benutzt warum man sein Leben nicht auf die Reihe bekommt."

        Hört sich für mich schon ziemlich nach Vorwurf an.

        Ich bin kein Psychologe, aber ich glaube, dass gewisse Erlebnisse einen extrem prägen und man kann dann unter Umständen einfach nicht aus seiner Haut und kann gewisse Verhaltensweisen, Ängste etc. nicht einfach ablegen, selbst wenn man weiss, dass es doof und unsinnig ist.

        Du hast leicht Reden, wenn's dir nicht so geht.

        LG

        • Ja, die Kindheit prägt einen Menschen!

          Aber mit ü30 sollte jeder Mensch in der Lage sein, die Verantwortung für sein eigenes Tun selbst zu übernehmen und nicht mehr die Ursache in der Vergangenheit zu suchen.

          Das nennt sich Reife. Und es ist vollkommen sekundär ob man dies allein oder mit fachkundiger Hilfe realisiert.

          Schafft ein Mensch das nicht, hat er im Bereich der persönlichen Entwicklung versagt.

          Ich selbst weiß wovon ich rede, habe in meiner Kinder schlimmste Mißhandlungen ertragen müssen und auf meinem Weg viele Menschen mit weit weniger traumatischen Erfahrungen scheitern sehen. Die sind heute um die 50 und geben immernoch ihren Eltern und Ex Partnern die schuld für ihr vermurkstes Leben

          Agathe

          • Bist du arrogant.

            Jeder MEnsch ist anders. Jeder verarbeitet Erlebnisse anders. Manche verarbeiten NIE. Du kannst nicht von dir auf andere schließen.

            Du bist ein engstirniges Etwas. Reife bedeutet auch, andere so zu nehmen und zu akzeptieren wie sie sind. Und das kannst du nicht.

            Und so wie du schreibst, hast du in deiner menschlichen Entwicklung versagt.

            • Ja, Menschen die troz aller Therapiemöglichkeiten und Hilfen die es heutzutage gibt ihr Leben nicht selber in den Griff bekommen die gibt es.

              Das sind die, die am Leben gescheitert sind.

              Denn es ist sehr anstrengend die Verantwortung für sein Leben selbst zu übernehmen.

              Das ist tragisch, wenn dies nicht gelingt, aber niemandes Schuld.

              Es ist in meinem Augen der Sinn des Lebens , an Schicksalschlägen zu wachsen. Der liebe Gott gibt einem Menschen nur immer soviel auf, wie dieser auch bewerkstelligen kann

              Aber mir ist nicht klar, warum Du Dich so aufregst: Du bist doch gerade erst 30 -

              Agathe

              • <<<Es ist in meinem Augen der Sinn des Lebens , an Schicksalschlägen zu wachsen. Der liebe Gott gibt einem Menschen nur immer soviel auf, wie dieser auch bewerkstelligen kann>>>

                Das so ziemlich ekelhafteste was ich hier jemals las!

                Mein Vater ist nach jahrelanger Arbeit vor einem Jahr an 2 Herzinfarkten fast gestorben, nimmt Medikamente die mehr Raum einnehmen als Essen und trinken.

                Meiner Mutter wurde vor 2 Wochen Knochenschwund diagnostiziert und gestern wurde sie ebenfalls mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert, Verdacht auf Vorhofflimmern!

                Beide sind auf einen Schlag Berufsunfähig geschrieben worden, beide Rentenbescheide aus Behördenwillkür abgelehnt, sie leben, nach jahrelanger Plaquerei nun am Existenzminimum und der letzte Satz den ich von meinem Vater gestern hörte war: "Vielleicht ist es besser, wenn ich nicht mehr da wäre, dann hätte eure Mutter wenigstens noch Witwenrente"
                Meine Eltern sind gerade 47 und 58 Jahre alt!

                Und nun sag mir ob das alles für einen normalen Menschen, aus dem Stehgreif und auf einen Schlag "EINFACH SO" zu bewerkstellen geht.

                Nur weil du dich mit Gott auf eine Stufe stellen willst, können und machen das andere Menschen nicht!

                • Nein, keiner redet von "einfach so"

                  Es ist schwer! Manchmal bedarf es Hilfe von außen.

                  Aber: jeder, und wirklich jeder Mensch, strauchelt im Leben. Jedem einzelnen haut das Schicksal in die Fresse. Egal ob alt oder jung, arm oder reich. Aber damit bist Du in deinen jungen Jahren wohl noch nicht konfrontiert gewesen.

                  Die Kunst ist es wieder aufzustehen!

                  Auch in ausweglosen Situationen.

                  Das ist auch nicht zynisch, sondern Lebensrealität. Und ich habe mich nie mit Gott auf eine Stufe gestellt, geht gar nicht denn ich bin Atheist.

                  Villeicht ließt du nochmal richtig.

                  Agathe

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