Wie vorgehen bei wahrscheinlich falscher privatärztlicher Abrechnung?

    • (1) 08.12.11 - 11:52

      Hallo,

      meine Mutter ist kürzlich verstorben :-(. Sie lebte in einem Pflegeheim, und dort übergab man mir die Visitenkarte des Arztes, der die Todesbescheinigung ausgestellt hatte mit dem Hinweis, dass der Arzt um Rückruf gebeten hätte.

      Nicht ahnend, was er wohl wollte, durfte ich mir ein paar Stunden nach dem Tod meiner Mutter von dem Arzt sagen lassen, dass die Todesbescheinigung eine privatärztliche Leistung sei und er wissen wolle, ob ich die Rechnung direkt bekommen wollte oder über den Bestattungsunternehmer. Ich war völlig sprachlos und habe - leider - gesagt, er könne sie dem Bestattungsunternehmer schicken.

      Gerade, weil ich dieses taktlose Telefonat führen musste, haben wir uns danach erkundigt, wie hoch die Gebühren überhaupt sein dürfen. Heute erhielten wir nun die Rechnung des Bestattungsunternehmens (wäre der Arzt am Telefon nicht so ätzend gewesen, wäre uns der Betrag wahrscheinlich gar nicht aufgefallen).

      Jedenfalls hat er nicht nur GOÄ 100 (Untersuchung + Bescheinigung) und § 8.1 Wegegeld abgerechnet, sondern zusätzlich GOÄ 50 (Hausbesuch) und GOÄ H (Sonntagszuschlag). Nach unseren Informationen ist das nicht zulässig:

      http://www.gds-bestattungen.com/totenschein.php
      http://de.wikipedia.org/wiki/Totenschein

      Nun wurde der Betrag aber ja bereits vom Bestattungsunternehmen ausgelegt.

      An wen soll ich mich jetzt wenden? Einerseits kommt es bei den Gesamtkosten im Grunde nicht auf 60 Euro mehr oder weniger an, andererseits ist es sicher genau das die Reaktion, mit der der Arzt rechnet, und ich finde es einfach nicht in Ordnung.

      Soll ich mich an das Bestattungsunternehmen wenden, an den Arzt direkt, an beide, an die Ärztekammer? Ich habe nicht wirklich Lust auf Stress, aber irgendwie ärgert mich das einfach...

      Was würdet Ihr tun? Es auf sich beruhen lassen, Augen zu und durch?

      #danke und LG
      Ally#klee

      • Hallo Ally,

        erst einmal mein Beileid wegen Deiner Mutter.

        Mir fallen dazu folgende Dinge ein:

        Die wenigsten Ärzte schreiben ihre Rechnungen selbst. Meist sind das die Helferinnen, wenn nicht sogar eine private Abrechnungsstelle. Soll heißen, das dieser taktlose Mensch evtl. gar nichts dafür kann und hier schlichtweg ein Fehler passiert ist.

        Es mag natürlich sein, das es eiskalt berechnend war, das Du in dieser Situation das einfach schluckst und zahlst.

        Im Normalfall würde ich auf jeden Fall nachfragen (hab ich auch schon gemacht, es ist unglaublich, was auf Privatrechnungen so alles "auftauchen" kann), in diesem speziellen Fall würde ICH für mich abwägen was ICH verkraften kann, sei das das Wissen, hier abgezockt worden zu sein oder eben nach dem Tod meiner Mutter über so etwas diskutieren zu müssen.

        LG Nina

        • Liebe Nina,

          vielen Dank. Also, ein Fehler einer Helferin - so er denn überhaupt eine hat - war es sicher nicht, denn schon die Rechnung spottet eigentlich jeder Beschreibung (handschriftlich auf einem allgemeinen Vordruck, der noch die Währung DM hatte).

          Ich weiß echt noch nicht, was ich machen werde. Eigentlich möchte ich endlich nur zur Ruhe kommen nach einem mehr als bescheidenen Jahr. Andererseits denke ich, falls es "Methode" ist, sollte man doch eigentlich was dagegen tun...

          LG Ally#klee

      (4) 08.12.11 - 12:13

      Liebe ally.

      Ich bin ehrlich. Auch wenn mir die Sache stinken würde, ich würde sie auf sich beruhen lassen. Die Gründe dafür sind zahlreich:

      - um Abschliessen zu können
      - weil der Arzt mit 60,-€ auch nicht wirklich reich geworden ist
      - weil du dir für 20,-€ mehr auf deinem Konto ziemlich viele Feinde machst

      Ich würde, wenn du in der Zukunft mit diesem Arzt nochmal einen Berührungspunkt hast, deine Meinung dazu sagen. Vielleicht hat er auch eine gute Erklärung.

      Ich könnte dir jetzt sicherlich den gesetzlichen Weg beschreiben und das du mit deinem Missfallen natürlich recht hast und das Gesetz auf deiner Seite.

      Aber weil ich dich so gern hab, rate ich dir einfach: Lass' es sein.

      #liebdrueck

      • (5) 08.12.11 - 13:34

        Liebes Blümchen,

        Danke auch Dir. Wahrscheinlich hast Du Recht, ich weiß es echt nicht im Moment. Ich würde die Gesamtrechnung (wo es wirklich auf diesen Betrag nicht mehr ankommt) einfach gern bezahlen und wissen, dass das nun die letzte Rechnung war, und dann einfach abschließen und auf eine Art "Neustart" im nächsten Jahr hoffen. Auf jeden Fall möchte ich so eine Streitigkeit nicht ins neue Jahr tragen.

        Mit dem Arzt hatte ich noch nie Berührungspunkte und werde es wohl auch nie wieder haben, ich hatte vorher noch nie von ihm gehört. Da meine Mom auf einem Sonntag gestorben ist, war es halt nicht ihre Hausärztin, die vorbeigekommen ist.

        Vielleicht - als Kompromiss - zahle ich einfach, melde aber dennoch den Verstoß, soll die Ärztekammer dann sehen, wie und ob sie weiter verfährt...

        #liebdrueck

        GLG Ally#klee

    (7) 08.12.11 - 12:23

    Liebe Ally,

    erstmal mein Beileid zu Deinem Verlust.

    bezüglich der Frage ob Du die Angelegenheit auf sich beruhen lassen solltest, denke ich, dass es von Dir abhängt, was für ein Typ Du bist. Mich selbst ärgern solche Sachen ungemein und mir geht es erfahrungsgemäss besser wenn ich etwas unternehme.

    Ich würde dem Bestattungsunternehmen anrufen und mitteilen dass ich ihre Rechnung kürzen werde und dann absprechen ob sie sich selbst an den Arzt wenden oder ob ich ihn kontaktiere. Das Unternehmen arbeitet doch sicherlich öfter mit dem Arzt und sollte auch ein Interesse an korrekter Abrechnung haben.

    Wäre ich betroffen, ich würde dem Arzt anrufen und dann an seiner Reaktion sehen ob es sich um ein Abrechnungsfehler handelt oder tatsächlich Abzocke. Entsprechend wäre meine Reaktion.

    Wie gesagt, es kommt darauf an ob Du die Angelegenheit leicht ad acta legen kannst oder ob es Dir guttut wenn Du aktiv wirst.

    Alles Gute !

    • (8) 08.12.11 - 13:39

      Liebe Ashwini,

      vielen Dank auch Dir.

      Ich glaube, ich bin eher der Typ, der eine Sache schnell erledigt haben will. Eigentlich habe ich keinen Nerv auf Streit oder ggfs. noch -zigfachen Schriftverkehr.

      Dennoch finde ich die Idee gar nicht schlecht, das Bestattungsunternehmen mit einzubeziehen. Ich kann ja den Betrag zahlen und das Institut auf den Fehler des Arztes aufmerksam machen. Vielleicht führt das wenigstens dazu, dass man dort selber etwas
      drauf achtet bei zukünftigen Fällen. Mal sehen, was die dazu sagen... Die sind eigentlich ganz nett und haben unsere Familie - leider - schon bei diversen Beerdigungen betreut.

      Mit dem Arzt persönlich zu sprechen, widerstrebt mir total, ich glaube, das könnte ich gar nicht, da würde ich ggfs. noch in Tränen ausbrechen - wie peinlich.

      Ach, ich weiß es immer noch nicht.

      #danke und LG

      Ally#klee

(9) 08.12.11 - 12:25

Hallo,

Recht hast Du auf jeden Fall, es ist ein Abrechnungsfehler. Die richtige Anlaufstelle für eine Beschwerde wäre die Ärztekammer.

Ich verstehe aber durchaus auch die andere Seite. Ich war bei mehreren Leichenschauen dabei. Wenn man alles zusammenrechnet, also Hin- und Rückfahrt, Untersuchung, Dokumentation, Ausstellung des Totenscheins, kommt man locker auf 2 bis 2 1/2 Stunden Arbeitszeit. Dafür bekommt der Arzt wenn er "ehrlich" abrechnet ca. 35 Euro. Also wird die Rechnung mit allen Tricks gepusht, was im Normalfall den Angehörigen nicht auffällt.

Ich wünsche Euch alles Gute.

  • (10) 08.12.11 - 13:41

    Hallo Jerk,

    ja, da hast Du sicher Recht. Ist nicht gerade viel, was sie für diese Arbeit bekommen.
    Aber gibt einem das das Recht, die Rechnung mit etwas Kreativität zu pushen? Ich finde, das ist eigentlich der falsche Weg, zu Lasten der Trauernden, die meistens in dieser Phase nichts so genau anschauen und einfach nur zahlen...

    #danke.

    LG Ally#klee

(11) 08.12.11 - 13:20

Hallo Ally,

mein aufrichtiges Beileid.

Ich würde mich an die Arztpraxis wenden und freundlich daraufhin weisen, dass bei der Abrechnung wohl versehentlich ein Fehler gemacht wurde. Dann würde ich durchblicken lassen, dass ich weiß, wieviel tatsächlich hätte abgerechnet werden dürfen und würde um eine entsprechende Gutschrift bitten.

Es muss ja auch gar keine böse Absicht vom Arzt gewesen sein. Wenn aber doch, so schiebt ihm da wenigstens jemand einen Riegel vor.

Gruß
Sassi

  • (12) 08.12.11 - 13:45

    Hallo Sassi,

    das ist keine schlechte Idee, aber ich weiß, dass ich das nicht könnte. Da müsste ich dann meinen Mann vorschicken, der hat da mehr diplomatisches Geschick und auch den nötigen Abstand.

    Dass "irrtümlich" falsch abgerechnet werden, kann ich mir bei aller mir eigenen Gutgläubigkeit in diesem Fall nicht vorstellen.

    #danke und LG,
    Ally#klee

    • (13) 08.12.11 - 17:46

      Hallo Ally,

      ich gebe zu, dass das nicht leicht ist. Durch meinen Beruf habe ich das gelernt und es hat auch ein wenig gedauert, bis ich das ordentlich hin bekommen habe #schein.

      LG
      Sassi

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