Wie geht man mit so einem Kind um?

    • (1) 09.01.12 - 10:09

      Guten Morgen Urbia,

      mir geht schon länger etwas durch den Kopf und ich möchte euch einfach fragen, was ihr dazu meint. Vor einiger Zeit ging dieser Vorfall durch die Medien:

      http://www.wz-newsline.de/home/panorama/junge-schubst-maedchen-vor-lastwagen-tot-1.840721

      Ich fand diese Geschichte einfach schrecklich und ich muss oft daran denken. Das Mädchen ist in ihrer Klasse gemobbt worden und als krönender Abschluss hat sie dieser Junge noch vor einen Lastwagen geschubst, sie ist gestorben.

      Was ich mich nun besonders frage ist, wie geht man damit um, wenn das eigene Kind ein anderes umbringt? Klar, hat der Junge in der Sekunde wahrscheinlich nicht daran gedacht, dass das Mädchen sterben kann, aber jemand an so einer Stelle auf die Straße zu schubsen, da muss man mit 13 schon wissen müssen, dass das extrem gefährlich ist.

      Der Junge ist noch nicht strafmündig, eine Jugendstrafe wird es nicht geben.

      Wie geht man als Eltern nun mit so einem Kind um?

      Selbst bestrafen (Taschengeld weg)? So weiter machen wie zuvor?

      Ich hoffe, ihr findet meine Frage nicht seltsam, aber das geht mir durch den Kopf, und ich kann es nicht beantworten.

      Was meint ihr denn?

      Grüße,
      Eure Manu

      • Hm... ich weiß nicht wie ich mit so einem kind umgehen würde. sicher gehört das kind und auch der rest der familie in therapie.

        dann muss natürlich geschaut werden in wie weit auch das kind anders auffällig geworden ist. ist es ein ganz normales kind was einfach nicht nachdachte: das kind ist gestraft genug.

        wenn das kind allerdings so ein rüpel ist und ständig mist macht: therapieren - wenns denn was bringt.

        ich weiß nicht wie ich zu meinem kind stünde... ob ich zu meinem kind stünde.

      Hallo,
      tjaa, sehr schwehre Frage!

      Ich würd mein Kind warscheinlich erstmal beim Psychologen durchcchecken lassen, irgendwas scheint im Sozialverhalten ja schief gelaufen zu sein....

      ... aber so... ich weiß es nicht, ich könnt ihm glaub keinen Vorwurfsfreien Umgang mehr bieten, denn ich würde warscheinlich selbst sehr unter der Situation leiden das ein Kind durch die Schuld von meinem Tod ist. Und ja, mit 13 sollte man wissen das man niemanden auf die Straße schubst weil es gefährlich ist... aber Teenes denken halt oft erst nachdem sie gehandelt haben (wenn überhaupt).

      Ich glaub was ich tun würde ist die Stadt zu wechseln, könnte aus Schuldgefühl nicht mehr in dem Umfeld wohnen.

      Taschengeld weg.... hmm... weiß nicht, stiftet vieleicht zu anderen Straftaten an wie Diebstal?

      Ich denke Internat wäre bei mir die einzige Lösung wenn ich so drüber nachdenke... klingt erstmal komisch aber vieleicht geht da nen anderes Gemeinschaftsgefühl um da sie auch mit den Mitschülern zusammen wohnen.

      LG

    • Hallo,

      das ist ein äusserst heikles Thema.

      Ich lese in dem Bericht nur die eine Seite, dass er das Mädchen geschubst hat.
      Aber was war die andere Seite?
      Hat sie ihn evtl auch provoziert?
      Haben andere Schüler aus der Klasse das Mädchen auch schikaniert und er wollte "dazugehören" (Gruppenzwang)?
      Haben die Lehrer von der Schikane gewusst?
      Haben andere (aussenstehende) Schüler mal eingegriffen?

      Besonders in dem Alter kommt es oft vor, dass Kinder und Jugendliche sich untereinander fertig machen. Aber sie rechnen nicht mit solchen Folgen!
      Kinder sind untereinander manchmal grausam.

      Eine dicke Figur, rote Haare, eine Brille, eine Zahnspange können schnell zum k.O-Kriterium werden und dienen manchen als Grund, jemanden zu hänseln.
      Genauso werden Freundschaften mitunter daran ausgemacht, ob das Gegenüber die angesagtesten Sneaker oder Klamotten trägt oder sich mit Noname-Zeug ankleidet.

      Leider.

      Wie man mit einem solchen Kind umgeht?

      Ich denke, dass der Junge im Moment selber über den Vorfall geschockt ist.
      Ich denke, er hat das garantiert nicht gewollt, dass das Mädchen stirbt und er wird sich schon alleine deswegen genug Vorwürfe machen. Es sollte eine Rangelei, eine Frotzelei sein, aber nicht mit dem Tod enden.
      Von seinem seelischen Zustand möchte ich gar nicht sprechen.
      Auch wenn das Mädchen nicht mehr lebt, man darf ihn jetzt nicht fallen lassen oder bestrafen. Im äussersten Fall würde er nur noch mit Selbstmord reagieren.

      Am besten wäre es für Eltern und Kind, gemeinsam zu einem Psychologen zu gehen und über die Ereignisse zu sprechen.
      Ich würde nicht auch noch "hinterhertreten" und ihn mit Taschengeldentzug bestrafen.

      Aber ich würde auch nicht prompt zur Tagesordnung übergehen und mit Freizeit, Spaß und Tralala weitermachen, als sei nichts gewesen.

      Abgesehen davon gebe ich nicht nur alleine dem Jungen die Schuld.

      Wichtig ist, dass er (und auch die übrigen Klassenkameraden!!) aus dieser schlimmen Geschichte vor allem gelernt haben, dass man andere Menschen nicht mobbt, nur weil man sich dadurch interessant machen möchte oder mit anderen Schülern mithalten will.
      Dieser Unfall ist ein Thema für die ganze Klasse - eigentlich für die ganze Schule.
      Es gibt genügend andere Situationen, in denen man sich selbst beweisen kann - das muss nciht auf dem Rücken von Mitschülern gemacht werden.
      Und besonders durch so einen Vorfall sollten auch die Mitschüler und Lehrer aufwachen und ab jetzt besser durchgreifen, wenn sie mitkriegen, dass ein Schüler/Klassenkamerad schikaniert wird.
      Auch in der Klasse selber sollen die Kinder begreifen, dass kein Spaß der Welt es wert ist, dass jemand sein leben verliert. Die Großmäuler sollen sich selber reflektieren und mal in sich gehen und die, die nur zugeschaut haben, sollen sich beim nächetn mal überlegen, auch mal den Mund aufzumachen und einzugreifen.

      LG

      Hallo,

      "Was ich mich nun besonders frage ist, wie geht man damit um, wenn das eigene Kind ein anderes umbringt?"

      ich finde, von "umbringen" kann keine Rede sein. Der Junge hat den Tod des Mädchens verschuldet, keine Frage, aber "umgebracht" hätte er sie nur dann, wenn der Tod des Mädchens das Ziel seiner Aktion war, und das glaube ich nun nicht.

      Die eigentliche Frage ist doch:
      war der Junge immer schon in seinem Sozialverhalten auffällig oder war das eine ganz normale Schubserei unter 13Jährigen?

      Ich bin als Kind auch öfter an einer Bushaltestelle auf die Straße geschubst worden, nur dass mich danach kein LKW überfahren hat. Rangeleien an Schüler-Bushaltestellen sind nichts Ungewöhnliches.
      Wenn es also nur ein tragisches Unglück nach einer eigentlich harmlosen Rangelei war, würde ich mein Kind weder mit Liebesentzug oder sonstigem strafen, aber sehr viel mit ihm darüber reden (erstmal) und auch mit ihm zum Psychologen gehen - wenn der Junge eigentlich ein netter Kerl ist, ist er durch das Ergebnis seiner Rangelei schon gestraft genug.

      Oder aber war der Junge in seinen 13 Lebensjahren schon immer etwas "brutaler", aggressiver, verhaltensauffälliger als seine Altersgenossen? Falls ja, würde ich spätestens jetzt psychatrische Untersuchungen und Therapien machen lassen, am besten stationär.

      LG,
      J.

    • Hi ihr,

      danke für eure Antworten. Wahrscheinlich gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort, wenn man nicht selbst in der Situation ist.

      Ich denke, ich würde, wie jemand auch geschrieben hat, wegziehen, denn wahrscheinlich weiß jeder (Nachbarn, Freunde, die Schule), was passiert ist. Einen neutralen Neustart also.

      Es kommt wohl wirklich auf das Kind an: wie war es vorher? Schon immer aufällig? Oder vorher nie etwas gewesen?

      Es ist wirklich nicht einfach, aber zur Tagesordnung übergehen, das könnte ich wohl nicht.

      Alles Liebe und noch einmal danke für eure Antworten,
      Eure Manu

      • Nun, ich bin eher der Meinung dass ein Umzug dem Kind deutlich zeigt: Schei*e bauen und dann verpissen ist die richtige Lösung.

        • Naja, so ein Umzug heißt ja auch, dass die Freunde zurückbleiben, Schule wechseln usw. So einfach ist das nicht. Einfach verpissen ist es nicht, dafür hängt da zu viel dran.

          Wenn man da bleibt, wo man wohnt, dann wird es aber immer so sein, dass egal, was man macht, die Leute reden. Beim Einkaufen, beim Arzt, egal wo man ist. Dann heißt es: "Ach, das ist doch der!"

          Ich weiß nicht, das würde ich nicht wollen.

          • nun, klar würde das sehr sehr schwer sein. aber das gehört ja eigentlich zu konsequenz. und vorallem finde ich: es gehört zur verarbeitung. das kind und die eltern würden während einer therapie durchaus lernen damit umzugehen.

            das wegziehen (ich denke da mal eben an 50km... nur so als zahl) bringt wie du sagst sehr viel veränderung mit. wäre es dann richtig einem eh schon "verstörten" kind den anker wegzunehmen, die einzig vertrauten dinge?

            ich glaube einem 13j. ist es dann durchaus zu zumuten sich der situation zu stellen. und ich rede hier von einem normal entwickelten 13j. kind.

            aber selbst hier bei dieser frage würde ich es davon abhängig machen ob es ein dummer unfall war - oder ob das kind schon viel länger auffällig ist.

            • Grundsätzlich würde ich einen Wegzug auch kritisch sehen, zumal der Junge seiner Schuld auch auf einem anderen Kontinent nicht entfliehen kann.

              Die Frage ist aber, wie das Umfeld der Familie reagiert. Werden die Familienmitglieder immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert? Hat der Junge eventuell Geschwister, die ja nun gar nichts für das Verhalten ihres Bruders können, aber trotzdem immer wieder negativ darauf angesprochen werden? Dann müsste man einen Wegzug überlegen.

              Ansonsten denke ich aber auch, dass es Teil einer Therapie/Traumabewältigung sein sollte, dass der Junge in seinem normalen Umfeld lernt, mit seiner Schuld zu leben und nicht durch einen Wegzug die Chance bekommt, die Ereignisse einfach so zu verdrängen.

              • stimmt, bis zu den eventuellen geschwistern habe ich noch gar nicht gedacht :-)

                mein bruder hatte auch mist gebaut - ich war damals 15 oder 16 und wurde drauf angesprochen. kleinstadt eben ^^

                nun, mein bruder war 18/19, es war dummheit, naivität... aber er hat aufrichtig bereut. also hieß es für mich: augen zu und durch, blut ist dicker wie wasser.... und wir haben seinen mist den er verzapfte als familie durch gestanden.

                heute.... 15 jahre später spürt man das noch immer: durch seinen fehler sind wir zusammen gewachsen. und meine 2 FREUNDE von damals sind noch immer meine FREUNDE.

                es ist also sehr situationsabhängig. es war zwar damals nichts weltbewegendes... nicht zu vergleichen mit dem fall hier....aber für unsere kleinstadt eine absolute sensation ^^

    Hallo, Manu,

    die Geschichte ist einfach nur grausam, ohne Frage. Bei uns in der Nähe hat sich vor Jahren ein ähnlicher Fall zugetragen: Jugendliche haben am Bahnsteig etwas gerangelt, dabei ist ein Schüler so unglücklich gestürzt, dass er leider verstorben ist. Die Eltern des verstorbenen Jungen bewiesen Größe und schrieben explizit in die Todesanzeige, dass sie dem "Schubser" absolut keine Vorwürfe machen, da dieses Unglück mit Sicherheit nicht gewollt war.

    Wir waren bei der Schubserei des Mädchens nicht dabei und wissen nicht, wie es sich zugetragen hat. Aber mir kommt jedesmal das Grausen, wenn ich meine Tochter von der Schule abhole und diese Horden von übermütigen Kindern sehe, die auf die Busse warten und auch schubsen und "raufen" - völlig aggressionslos. Wie leicht kann es passieren, dass aus dieser harmlosen Schubserei ein Unglück entsteht wie in dem von Dir genannten Fall. Dass das betroffene Mädel schon vorher gemobbt wurde, habe ich übrigens nicht gelesen.

    Aber um auf Deine Frage zu antworten: Ich würde meine Tochter genauso lieben wie jetzt auch und würde versuchen, ihr weiterhin ein normales Leben zu ermöglichen. Das würde allerdings - wie andere auch schon schrieben - einen Wegzug voraussetzen.
    Linda

Sehr interessante Frage, dass Selbe frage ich mich öfter bei "Amokläufern" z.B. Teenies an SChulen. Der eine, der sich dann z.B. im Autohaus erschossen hat - alles schön detailliert in sämtlichen Zeitungen, Nachrichten etc.... der dann schnell unschöne, spektakuläre Namen von der Presse bekommt - hetzerisch, damit ihn bloß jeder hasst.

DA denke ich mir auch immer: aber SOLCHE Menschen sind doch auch immer die "Kinder" von irgendwem. Alles immer nur auf´s Elternhaus zu schieben....nein das finde ich zu einfach. Ab einem gewissen Alter "erziehen" mehr die Freunde / Klasse / Umfeld, wie die Eltern. Ich habe Angst vor dem Moment, wo ich als Mutter einfach nicht mehr "durchdringe" zu meinem Kind, weil die Eltern ja eh keinen Plan haben und die Freunde einen ja viel eher verstehen. Natürlich muss was schief gelaufen sein, auch im Elternhaus, aber wissen WIR denn (alle mit kleineren Kindern) ob wir wirklich alles so richtig machen? Das sieht man doch eigentlich erst zu 100% wenn die Kinder erwachsen sind?!

Wie geht es solchen Eltern? Sie machen sich sicher Vorwürfe, die Frage was sie falsch gemacht haben und (was ich am schlimmsten finde) sie dürfen ja nicht trauern. Immerhin war es IHR Kind, was unzähliges Leid angerichtet hat, was ganz Deutschland hasst und dessen Tod man in sämtlichen Nachrichten detailliert verfolgen konnte....aber trotz allem war es ihr KIND, dass auch mal ein süßes Baby / Kind war, in das man Hoffnung gesteckt hat etc...

Über SOWAS mache ich mir manchmal Gedanken und mir tun solche Eltern unsagbar leid. (Ich rede jetzt nur von INTERESSIERTEN Eltern, nicht solche, wo die Kinder eher Statistenrollen spielen und im Alltag kaum Interesse bekamen)

wua da bekomm´ich Gänsehaut...

LG
Physa

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