Was ist für Euch ARMUT??

    • (1) 27.02.12 - 10:20

      Moin Ihr Lieben,

      da es hier ja seeeeehr oft darum geht, wie schlecht es einem doch geht, was man eigentlich haben muss, dann der Vergleich mit anderen "armen" Leuten hierzulande oder sonstwo kommt und ich am Schluss den Eindruck habe, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, frage ich Euch:

      Was ist für Euch Armut?

      Kann man in Deutschland arm sein?

      Sollte man sich weltweit vergleichen oder kommt es nur auf die Umgebung an?

      Ich bin da etwas zwiegespalten. Einerseits ist mir klar, dass Armut immer im Vergleich zur Umgebung entsteht. Wenn alle reich sind und einer ist mittelreich, dann fühlt derjenige sich arm.

      Andererseits sollte man doch über seinen Tellerrand schauen und sehen, wie gut es einem hierzulande geht im weltweiten Vergleich.

      Offizielle Definitionen mit Pro-Kopf-Vergleichen haben mich nicht weitergebracht.

      Für mich habe ich eine Definition gefunden bzw. zwei:

      1) Die "eigentliche" existenzielle Armut, also der Mangel von Nahrung, Wohnraum, Infrastruktur (Schule etc) = danach ist hier überhaupt niemand arm.
      Wenn es an diesen Dingen in Deutschland mangelt, dann aufgrund von Problemen mit der Lebensführung oder Suchtkrankheiten oder Schulden und und und. Nicht, weil man hier ohne Geld sitzt.

      2) Die zweite Armut, also im Vergleich zu den anderen wesentlich schlechter abzuschneiden, gibts hier dagegen recht viel.

      Da kommt man zu der Frage, ob man als Betroffener der zweiten Variante auf die erste gucken soll? Um sich dann besser zu fühlen? Oder um selbst aktiv werden? Oder sollte das untere Feld mehr unterstützt werden? Führt das dann aus der Armut oder schraubt es nur das Niveau höher? Kann Armut überhaupt abgeschafft werden?

      Und wenn ich als "Reicher" spende, dann für die Armen nach Definition 1).?? Oder für die zweite Gruppe?

      So, bevor es hier zu philosophisch wird, stell ich das mal zur Diskussion :-)

      Danke für die Antworten!

      LG, Nele

      • Hi Nele,
        nur kurz da ich wenig Zeit habe. Aber spontan sag ich mal dass in Deutschland keiner arm ist/sein muss. Reichtum ist für mich kein Haus, kein grosses Auto oder Markenklamotten.. Ich gebe zu - es macht sicher das Leben angenehmer, aber es kommt eben immer drauf an wie man seine Massstäbe setzt. Ich vergleiche mich nicht mit anderen und ich fühlte mich beispielsweise in meinem FordKa immer sauwohl (ist leider weg). Mein Nachbar kann 20 Porsche haben - mir wäre es so egal. Und: ich fahre übrigens auch sehr gern Bus (um mal beim Themal Mobilität zu bleiben). Kurzum - ich hab immer genug zu Essen, ein Dach über dem Kopf, gesunde Kinder, bin selbst gesund, mein Mann auch und wir sind glücklich. Eigentlich reicht das doch aus oder?

        Das auf die Schnelle meine Gedanken.
        Lieben Gruss!
        Britta

        • Hallo Britta, ich bin da sehr ähnlich veranlagt wie Du.

          Wir wohnen in einem sehr reichen Umfeld, Porsche/BMWs/große Audis vor der Haustür (natürlich hat jede Familie mindestens 2 Wagen) sind völlig normal und das, obwohl die allermeisten nur Ein-Verdiener-Familien sind. Bei uns um die Ecke hat tatsächlich einer sogar 2 Ferraris in der Garage stehen.

          Es ist mir total wurscht.

          WIr haben ein Auskommen, das ausreicht, unsere Kinder gut großzuziehen, ihnen Wärme, Essen, Bildung zukommen zu lassen und wir können sogar hin und wieder ins Kino gehen oder eine kleine Urlaubsreise machen (keine Fernreise, aber das brauch ich auch nicht). Wir lieben uns und sind einfach zufrieden, mit dem, was wir haben. Mein Mann könnte sich mehr abstrampeln und einen stressigeren Job annehmen, um auch mehr zu verdienen - (bei mir ist da gehaltlich im Moment nicht mehr drin) aber wir wollen das nicht. Wir wollen lieber weniger Stress und mehr Zeit füreinander. Das ist uns lieber als ein tolles Auto.

          Und da kann die ganze Ortschaft in Samt und Seide gekleidet auf Kreuzfahrt gehen, Kaviar essen, mit dem Ferrari ins Fitnessstudio fahren - wir sind mit Pizza und einem DVD-Abend hochzufrieden.

          LG; liki

          • bin völlig mit dir.

            ich glaube wir mit unserem einen auto sind hier auch die totalen exoten. ist mir aber ehrlich gesagt sehr egal. auf all das kommt es mir auch nicht an. das war auch irgendwie noch nie so.
            lg - britta

      Hallo,

      der Mensch wird sich immer nach oben orientieren. Das hat uns schon Maslow mit siener Bedürfnispyramide gezeigt. In dem Moment, wo ein Bedürfnis befriedigt ist, ensteht die Motivation, das nächste zubefriedigen und dieses bedürfnis auszugleichen. Von daher birngt es keinem was, wenn ich sage: "Aber schau doch, Menschen in anderen Ländern geht es viel schlechter als dir." Schon gar nicht kann das ein Kind verstehen.
      Mein Sohn war am Wochenende auf einen Fußballturnier, dort gab es Lose. Mein Schwiegervater konnte sich nicht bremsen und hat für 30 € irgendwelches Zeug gekauft, dass mein Sohn gerne wollte. Daneben stand ein kleiner Junge aus seinem Team. Die Eltern leben von ALG2. der hat die ganze Zeit mit großen Augen zugeschaut. Der Euiro für das Los konnten sich die Eltern einfach nicht leisten. Mein Schwiegervater hat ihm dann die Lose gekauft.
      Arm bedeutet in unserem Land für mich nicht, dass jemand nichts zu essen bekommt. Ich denke, diese Sicherheit haben die meisten, auch wenn "nur" durch wohltätige Organisation. Arm ist für mich in diesem Fall auch schon der kleine Junge, der nicht mal einen Euro bekommen kann, um sich dieses Los zu kaufen.

      vg, m.

      • Hi,
        ich weiss schon was Du meinst mit dem "Nach-Oben-orientieren" und ich hatte diesbezüglich bereits im zarten Alter von 17 eine rege Diskussion mit einem Freund. Nur, bin ich da anders? Ich führe mir oft vor Augen was ich alles habe, wie gut es uns geht, dass ich in erster Linie gesund bin.. Ich strebe nach keiner Villa und nach keinem schnellen Auto. Hängt es nicht auch damit zusammen wie zufrieden man mit sich selbst ist? Sind all die materiellen Dinge nicht lediglich eine Ersatzbefriedigung für was auch immer? Vielleicht für fehlende Emotionen? Ich stelle das hier nur mal zur Diskussion da ich mich das gerade gefragt habe.
        LG!
        Britta

        • Fährst du in denUrlaub? Gehst du auch mal Essen? Könnt ihr problemlos mit den Kindern in Vergnügungsparks? Kann sich jedes Kind zu Weihnachten wünschen "was es will" und bekommt es das dann auch zumeist? Wenn ja... würdest du darauf verzichten?
          Es gibt doch genug Sachen, die wir haben, aber nicht zum existieren gebrauchen. Z.B. dein Auto. Dennoch haben wir das. Aber wer will schon nur existieren?

          • Hallo,
            ehrlich es mag sein dass ich auf einem hohen Ross sitze. Wir schauen schon, müssen aber den Euro nicht unbedingt dreimal rumdrehen. Dennoch machen wir keine Fernreisen, gehen eher auf den Bauernhof 50 km weg ODER bleiben gleich zuhause. Ich kann meine Umgebung hier geniessen, mich zieht es (nicht mehr) in die Ferne. Wie oft sage ich zu meinem Mann dass wir auch in einer 2-Zimmer-Wohnung glücklich wären. Ich kaufe gern und oft auf Flohmärkten. Was Weihnachten angeht: ja es gibt Geschenke aber maximal 2. Auch diesbezüglich hatte ich bereits rege Diskussionen im Weihnachtsforum und meine Kinder wurden bemitleidet.. Sicher hätte meine Tochter gern alles rund ums FillyPferd etc.. Gibt es aber in der Form nicht und: Sie ist glücklich.

            LG!
            Britta

            • Cooler Spruch in der VK #hicks

              LG

              Ja, aber im Vergleich zu anderen Menschen bist doch dennoch reich. Zumindest die, die finanziell gesehen unter dir stehen. Und wenn es bei euch nur gerade so reichen würde und es öfters nur trocken Brot geben würde, dann würdest du und dein Mann euch noch mehr abstrampeln, damit es besser wird.
              Klar ist man irgendwann auch mal zufireden, vermutlich dann, wenn man feststellt, dass "noch mehr" mit erheblich mehr Anstrengungen verbunden ist. Aber nach unten orientiert man sich dennoch nicht. Und mehr Geld, würdet auch ihr nicht ablehnen (z.B. Gehaltserhöhung;-))

              • ja wir sind reich in dem sinne. ich sah erst letztens wieder eine reportage über indien. ehrlich, da komme ich mir schon fast blöd vor.. ich glaube jedoch dass in deutschland keiner mit trocken brot auskommen muss. man möge mich eines besseren belehren. nein eine gehaltserhöhung lehne ich nicht ab, das ist richtig, jedoch ist mir freizeit mittlerweile viel lieber als geld. von daher würde ich was das angeht schon auf dinge verzichten. und was mir auch aufgefallen ist, wenn ich mal mehr habe als meine freundin gebe ich sehr grosszügig ab.

        Moin,

        ich glaube, dass diese Einstellung "Geld ist nicht wichtig" nur auftritt, wenn man genug davon hat :-)

        Genauer gesagt, wenn man oberhalb einer bestimmten Grenze liegt. Ich glaube, wenn jeder Kita-Ausflug Dir Bauchschmerzen bereiten würde, wäre Geld und Besitz Dir auch wichtiger - eben weil der Mangel einen jeden Tag dran erinnert.

        LG, Nele

        • hm, ja, mag sein. und das fände ich ehrlich gesagt auch schlimm wenn meine kinder auf genau sowas verzichten müssten. ich dachte jetzt in erster linie an luxusartikel oder markensachen..

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