Scheiße. Lieber ohne Hirn verrecken oder mit?!

    • (1) 02.03.12 - 23:21

      Mein lieber Nachbar ist wohl am Sterben.
      Ich hab nen Schlüssel zu seiner Wohnung, weil ich mich bzw. mein Mann um ein paar Sachen für ihn kümmer.

      Er ist schwer krank. Verweigert Ärzte, Pflegedienst (Krankenkasse macht eh nicht mit wegen Pflegestufe). Wir bringen ihm Post und Zeitung. Jeden Tag.

      Heute hatte er einen Anfall.
      Erst fand ihn mein Mann ihn Erbrochenem auf dem Boden.

      Ein Paar Stunden später wohl eingemacht.
      Mein Mann hat es nur eine Sekunde in der Wohnung ausgehalten, musste raus, sonst brechen.

      Die 'Geh-Frau' hat ihm geholfen - ich konnte nicht, weil ich geruchsmäßig ohne Maske total austicken würde.

      Der Mann verweigert alles an Hilfe. Ich habe eine Erklärung zu Hause, dass wir NIE einen Krankenwagen rufen dürfen etc.
      Gut, das nächste Mal werde ich das tun...
      Ich kann einfach grad nicht mehr.

      Mich hat das so fertig gemacht...
      Ich hab unsere Nachbarn (eh als Pflegepersonen eingetragen), hochgeschickt, damit sie nach dem Rechten sehen.
      Ihm geht es wohl schon besser. Laut beiden.

      Mein Nachbar ist im Kopf fit.
      Er macht viele unglaubliche Dinge. Liest z. B. mit 86 ne FAZ - die ich noch nichtmal so lesen würde.
      Dazu der körperliche Verfall.
      Scheiße.

      Was ich überlege: Wie gemein ist das, wenn der Körper nicht mehr kann, der Geist doch schon?!

      Ich blute innerlich... Ich hab heute so viele Bilder gesehen.
      Habe auch vor morgen früh Angst, wenn ich ihm seine Zeitung bringe.
      Ich hoffe, mein geliebter Nachbar ist noch!

        • Ist das nicht unterlassene Hilfeleistung?
          Man kann doch nicht zuschauen wie da ein Mensch evtl. stirbt.
          Und wenn er noch fit im Kopf ist, wie kann er das von Nachbarn verlangen ihn liegenzulassen?

          Mona

          • Hättest Du meine Beitrag richtig gelesen, wüsstest Du Bescheid.

            Aber Du machst Dir noch nichtmal die Mühe...

            • Huhu

              ich hab es auch nicht ganz verstanden, ich hab es mehrfach gelesen.

              Ein Zettel vom Nachbarn ist übrigens kein rechtskräftiges Dokument. keine Ahnugn wie das ankommt, wenn man "sowas" wie heute nicht meldet. Es gibt Hospize, es gibt Sterbebegleitung, es gibt Pflege. Aber das ist menschenunwürdig #schmoll

              LG

              • "Menschenunwürdig" ist es, jemandem seine Selbstbestimmung zu nehmen!

                • zum einen ist nicht alles was man auf ein Blatt Papier kritzelt eine Patientenverfügung. Zum Anderen sind die 5 Phasen des Sterbens einfach nicht geeignet um was auf ein Blatt Papier zu kritzeln.

                  Im eigenen Erbrochenen und im Kot und Urin zu siechen ist keine würdige Art zu sterben. Im Hospiz wird man würdevoll begleitet ohne das man die Selbstbestimmung verliert.

                  Da kann man bei Gelegenheit auch eine richtige Patientenverfügung verfassen.

                  • Nur leider sind Hospize nicht für Alte da. Dafür brauchen sie eine progressive Erkrankung, die zum Tod führt. Gut, wenn man spitzfindig ist, sagt man, dass das Leben eine progressive "Erkrankung" ist, die auf jeden Fall tödlich enden wird, aber das zählt nicht.

                    Die fünf Phasen des Sterbens sind auch weitesgehend überholt.

                    Durch meine Arbeit in einem Pflegeheim kann ich gut verstehen, dass man das nicht will.

                    Und schon ist man drin in dem Dilemma, nicht wahr?

                    • Huhu

                      ich wusste nichmal, dass er alt ist. Wie gesagt, ich hab das Ausgangsposting nicht verstanden. Wichtig ist nur, dass ein handgeschriebener Zettel keine Verfügung ist. Und wenn man meint, so klar bei Verstand zu sein, dann sollte man doch wissen, dass DAS auch andere in diefes leid stürzt. Ich würde völlig verzweifeln, wenn mein Nachbar so leiden würde :-(

                      Gut, er ist alt, dann gibt es aber häusliche Pflege (oder ist das die Geh-Frau? Hab ich auch nicht verstanden?!). Gibt es denn keine Angehörigen, die ihn begleiten möchten? Kein Mensch möchte alleine sterben #schmoll

                      Die 5 Phasen des Sterbens sind überholt? gut, du hast da sicher mehr Erfahrung aber alle, die ich kenne (oder kannte #heul) die haben genau diese Phasen durchgemacht. :-(

                      Ist halt blöd. Schnell den Gedanken wegschieb :-(

                      • Ich wollte dir gar nicht auf die Füße treten. Ich weiß nur, dass das alles nie einfach ist. Mit oder ohne Verfügung.

                        Ja, sicher, es gibt ambulante Pflege und Pflegeheime und frag mich nicht. Dennoch gibt es Menschen, die das ablehnen un dich kann das sogar auf eine Art verstehen. Da kommen dann fremde Leute in dein Leben und in deine Wohnung. So ganz angenehm finde ich den Gedanken auch nicht.
                        Ich bin sehr für Selbstbestimmung. Das ist sozusagen mein zweiter Vorname. Mir fällt es deshalb schwer, Alten und Kranken etwas überzustülpen, weil ich auch nicht will, dass mir mal jemand was überstülpt.

                        Ich persönlich wäre im Alter lieber versifft zuhause als satt und sauber im Heim. Ganz sicher.

                        Die fünf Phasen des Sterbens mag es geben, aber nicht in der festen Regel wie Frau Kübler-Ross sie beschrieben hat. Sie laufen nicht linear ab und nicht in einer festen Reihenfolge. Manche Phasen werden auch übersprungen oder doppelt erlebt. Außerdem macht es einen Unterschied, ob ich plötzlich an einer unheilbaren Krankheit leide oder ob ich mittlerweile 86 Jahre bin und den Gedanken ans Sterben schon längst in meinen Alltag integriert habe.

                        Alle Zettel und Verfügungen ersetzten nicht das REDEN. Ich hätte das längst mit diesem Nachbarn besprochen. Ich hätte erklärt, dass ich ihn gut verstehen kann, dass es mir aber unmöglich ist, den Notarzt nicht zu rufen, wenn er sich in einer hilflosen Situation befindet, aus der ich ihn allein nicht befreien kann. Normalerweise verstehen die Leute so was ganz gut. Diese Diskussionen hatte ich mit meinem fast 90jährigen Bekannten auch immer wieder. Ich habe verstanden, dass er nicht um jeden Preis gerettet werden will und ich habe ihm erklärt, dass mir nicht an Rettung gelegen ist, sondern darum, dass er versorgt ist und in Würde gehen kann. Am Ende haben wir gemeinsam dafür gesorgt, dass er einigermaßen würdevoll gehen konnte. Im Krankenhaus, weil es anders nicht möglich war.

                        Gruß
                        Susanne

                        • Jetzt haben sich unsere Antworten überschnitten.

                          Ich finde deine Einstellung gut, so sehe ich das auch. Wenn jemand stirbt, dann ist das eben so. Aufhalten kann man den Mist ja nicht.

                          Nur würde ich mich nicht an so einen zettel halten können, wenn ich sowas sehen müsste. Da bräuchte ich eine Therapie danach (das ist nicht nur dahingesagt, das wäre wirklich zu belastend). Und was, wenn er eine Lungenentzündung bekommt. Leben retten kann ich nicht, auch kein Arzt und auch nicht in dem Alter... Aber ich könnte es für mich nicht verantworten, dass jemand mehr leidet als nötig. Das würde ich dem Nachbarn auch sagen.

                          Das mit den 5 Phasen in deiner Erklärung klingt logisch. Ich bewunder deine Stärke. Altenpfelge wäre der beruf, der mich emotional am meisten kaputt machen würde. Das wusste ich schon bevor vor einigen Monaten bei einer verwandten Krebs diagnostiziert wurde.

                          Sie wurde auch toll umsorgt (von meiner Schwiegermutter) und gepglegt. Sie wurde immer bis auf die Toilette begleitet und und und. Unglaublich, wie das meine Schwiegermutter geschafft hat - über ein halbes Jahr. zum Schluss kam eben die Lungenentzündung und dann schlief sie ein.

                          Und bitte... So möchte ich auch sterben. Alleine will keiner sterben!

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