"Abitur auf der Gesamtschule ist wie eine Rolex aus der Türkei" ?

    • (1) 05.03.12 - 11:09

      Hallo,

      welche erfahrungen habt ihr mit den beiden Schulformen im Vergleich? Ich war auf dem Gymnasium während einige meiner Freunde auf der Gesamtschule waren, also hatten wir immer einen ganz guten Vergleich. Meine Schwester ist auch dort als Schülerin und der Nachbar meiner Eltern als Lehrer, deshalb kann ich einige Punkte auch von offizieller Seite bestätigen.

      Und mir kam es tatsächlich so vor, dass man es auf der Gesamtschule ein gutes Abi viel leichter gemacht bekommt.

      Zum Beispiel zählten immer die Noten mehr die besser waren (mündlich vs. schriftlich) bei uns streng 40% mündl. und 60% schriftl. Man könnte auf der Gesamt mit 5 + 5 + 5 schriftlich und 3 mündlich also noch eine 3- bekommen. Bei uns wärs ne 4 gewesen.

      Ein weiteres Beispiel war in der Oberstufe während der Vorabi Klausuren, also den Klausuren, die schon einiges fürs Abi zählten aber noch nicht zentral gestellt wurden- Wir haben im Englisch Leistungskurs eine Interpretation geschrieben, die Gesamtschüler mussten einen Lückentext ausfüllen.

      Auch mit den Kopfnoten war es ein ähnlicher Fall: Bei uns war die Standartnote (für Schüler, ohne positive oder negative Auffälligkeiten) eine drei. Auf der Gesamtschule, und das hat der Lehrer auch bestätigt, eine eins. Ergo sieht es auf dem Zeugnis der Gymnasiasten im Vergleich zu den Gesamtschülern so aus, als ob sie im Sozialverhalten um einiges schlechter sind, obwohl die Note das Gleiche ausdrücken soll.

      Un obwohl es ja eigentlich das Zentralabi gibt, können Schüler natürlich durch solche Aktionen gepushed werden und ein gutes Abi bekommen ohne in den vergleichenden Zentralabiklausuren gut abzuschneiden.

      Wir haben immer gesagt, Abitur auf der Gesamtschule ist wie eine Rolex aus der Türkei.

      Habt ihr da auch Erfahrungen mit? Weiß jemand, wie ein Gesamtschul Abi im Personalwesen gehandhabt wird?

      Viele liebe Grüße!

      P.S. Generell finde ich die Schulform aufgrund ihrer Durchlässigkeit sehr gut vor allem die Möglichkeit der Ganztags- und Hausaufgabenbetreuung und auch, dass Sozialarbeiter und Schulpsychologen den Alltag erleichtern. Die Umsetzung, so wie ich sie erlebt habe finde ich allerdings ein bisschen seltsam.

      • Hallo!

        Ich kann Dir nicht aus meiner Erfahrung heraus antworten. Aber ich studiere Bildungswissenschaft und unter anderem wurde die "Wertigkeit" der Abschlüsse thematisiert.
        Es ist in Deutschland schon so, dass ein Abiturient vom Gymnasium von Personalverantwortlichen tendenziell bevorzugt ausgewählt wird im Vergleich zu Abiturienten von Gesamtschulen.

        LG Silvia

        (5) 05.03.12 - 18:23

        Ein Abiturient studiert doch in der Regel und der Hochschulsekräterin ist es wohl egal :-).

        ich war auf einem veruflichen Gymnasium und ich denke schon, dass es dort leichter war als auf dem allgemeinen Gymnasium. Man ist dann schon im Vorteil, wenn es um den NC geht.

        Liebe Grüße
        Luka

    Hallo,

    ich hab es so kennengelernt: "Abi ist Abi" völlig egal, ob vom Gymnasium, Gesamtschule oder Abendgymnasium...
    ABER: Abitur aus Süddeutschland ist mehr wert, als Abitur aus Norddeutschland !!!

    LG

    • "ABER: Abitur aus Süddeutschland ist mehr wert, als Abitur aus Norddeutschland !!!"

      Nur im Alltag zeigt sich davon nix... Bin nach BW gezogen und regelmäßig entsetzt, welches Wissen (grade Allegmeinbildung) in BW nicht vorhanden ist. Unsere Azubis können nichtmal nen einfachen Dreisatz und von Kopfrechnen sprechen wir mal garnicht....
      Nach meinem Gefühl haben hier auch deutl. mehr Leute Abitur - liegts an der Luft #kratz

      Hallo

      ich selber habe keine Erfahrungen gemacht, wir haben keine Gesamtschulen - allerdings bin ich schon lange hier im Forum und es wird - wenn die Möglichkeit besteht, immer zum Gym geraten und nur im "Notfall" zur Gesamtschule.

      Dass das Abi in Süd-D mehr wert ist, habe ich auch schon gelesen. Allerdings ist es auch schon von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Wir wohnen an der Grenze zu Rheinland-Pfalz und dort wird ein Gym Abschluß schlechter gewertet als bei uns.

      lg bambolina

      naja.
      die uni interessiert nur der notendurchschnitt. den ist es egal, ob der aus hessen, brandenburg oder bayern kommt. und ein personalchef schaut nur bedingt auf das abi. das zählt natürlich. aber der persönliche eindruck udn wie man sich dann verkauft ist wohl min. gleichwertig, wenn nicht sogar wichtig.
      und wenn der personalchef aus brandenburg kommt, seine heimat liebt, wird er wohl emotional auch eher in richtung brandenbruger tendieren. vrstehst du? ist alles relativ.
      ich weigere mich anzuerkennen, dass mein abi weniger wert sein soll als das aus bayern. ich musste sehr für meinen sehr guten notendurchschnitt arbeiten, ich bezweifle, dass das in bayern mehr gewesen wäre.

      lg

      Hi,

      das stimmt so nicht.

      Du kriegst mit nichtbayerischem Abitur einen Malus auf deinen NC, wenn du an einer bayerischen (bayrischen?) Uni studieren möchtest.

      Was tut der kluge NRW'ler? Er lässt Bayern bei der Uniwahl außen vor.

      Abgesehen davon, muss man auch einfach mal schauen, welche Kompetenzen in länderübergreifen Schulvergleichen abgefragt werden. Meines Wissens ist es ja so, dass bayrische Schüler u.a. deswegen sehr gut abschneiden, weil im Unterricht viel Wert auf Wissensinput gelegt wird. In anderen Bundesländern liegt der Fokus (erzählte mal einer meiner Lehrer) auch auf 'soft skill' wie Teamarbeit und selbstständige Problemlösungen (die dadurch vom 'Lehrerweg' abweichen können). Die können allerdings in einem reinen "Vergleichen-wir-mal-das-Wissen-Test" schlecht abgefragt werden.
      Klar hast du ein ganz dickes Problem angesprochen, der Föderalismus im Bildungssystem scheint mir auch nicht das A und O, aber die Problemlage finde ich komplexer.

      Gruß
      Sneak

Guten Morgen!
Ich habe vor vielen, vielen Jahren mein Abitur auf einer Gesamtschule gemacht ;-). Damals gab es noch kein Zentralabitur. Ich würde jetzt nicht generell behaupten, dass das Abitur auf der Gesamtschule einfacher zu bekommen ist. Es kommt immer auf die Schule an. Einige Gymnasien in meiner Umgebung haben es den dortigen Schülern schon einfacher gemacht. Ich war in einem der ersten Jahrgänge in denen gerade eine Gesamtschule aus einem Gymnasium entstanden ist. Die Lehrer waren zum großen Teil noch die selben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man am Lernstoff groß etwas geändert hat. Ich habe meine Schulzeit genossen und fand die Schulform damals optimal.

Heute kann ich sagen, dass ich meine Kinder ungern auf eine Gesamtschule in unserer Umgebung geben würde, da es keine Hauptschulen mehr gibt. D.h. die Schüler, die vor einigen Jahren noch eine Hauptschule hätten besuchen müssen, nun auf eine Gesamtschule gehen. Dementsprechend wurde der Unterricht wohl angepasst.

Aber wie schon geschrieben, man kann nicht generell sagen, dass einem das Abi auf einer Gesamtschule nachgeworfen wird. Und mal ganz davon abgesehen, interessiert es nach der Ausbildung oder dem Studium niemanden mehr, wo man sein Abi gemacht hat.

Und die Schüler, die immer abfällig von einer Gesamtschule gesprochen, waren nur neidisch darauf, dass wir samstags nicht zur Schule mussten :-D

LG
Katinka

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