Ist Bescheidenheit heute nicht mehr "aktuell"

    • (1) 22.03.12 - 11:19

      Ich weiß, ich habe diese Woche viiiiieeel Zeit, weil ich den ganzen Tag zu Hause mein krankes Kind betreue... Auch viel Zeit zum Lesen (gerne hier) und nachdenken.

      Was mir immer wieder auffällt (und das zieht sich durch alle Foren), dass die Ansprüche und Darstellungen Vieler immer größer und utopischer werden.

      Ich habe mit Erstaunen und bisweilen auch Erschrecken so manche Schilderungen gelesen (und betrachte sie auch ab und zu in meinem Umfeld).

      Da wird berichtet, dass geschenkte Klamotten fürs Baby in den Müll (!) geworfen werden, wenn sie von einer bestimmten Marke sind oder die falsche Farbe haben. Dass für jedes Kind ein neuer Kinderwagen, ein neuer Maxi Cosi etc. angeschafft werden. Da werden Klamottenmarken für Kleinkinder genannt, die Otto-Normalverbraucher im Leben noch nicht gehört hat.

      Oder propagiert, dass Männer doch bitteschön so viel Geld wie möglich mit heim bringen sollen. Um eben die ganzen gehobenen Wünsche zu erfüllen, die FRAU so hat.

      Luxus ist, wie ich finde, ein ganz großes Thema. Überall. Da werden andere Kindergartenmütter begafft und anschließend darüber diskutiert, welche Jeansmarke sie tragen oder ob ihr Haaransatz raus gewachsen ist. Wichtigstes Thema scheint zu sein, ob die künstlichen Nägel "up to date" sind und welche (teuren) Marken andere haben oder nicht haben.

      Ich frage mich schon lange: Ist Bescheidenheit eine Eigenschaft, die heutzutage nichts mehr wert ist?

      Ja, ich halte mich selbst für bescheiden. Und ich muss sagen, dass es mir immer wichtiger wird. Vor allem, seit ich Kinder habe.

      Ich möchte meinen Kindern nicht vorleben, dass es wichtig ist, teure Marken zu tragen. Ich möchte ihnen nicht vorleben, andere Menschen nur nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Und ihnen vorleben, dass es völlig unwichtig ist, ob man in einem kleinen Häuschen lebt oder in einer Nobelvilla.

      Ich möchte, dass sie später wissen, dass man für Dinge, die man haben will erstmal arbeiten muss. Sparsam sein soll. Sich überlegen, ob man dieses oder jenes wirklich so dringend braucht, wie man meint. Ob man nicht doch schon genug Klamotten (odere andere Gegenstände) hat. Ob man sich nicht doch mit weniger zufrieden geben und trotzdem glücklich sein kann

      Zählt nur noch, dem großen Geld hinterher zu jagen? Der Vergleich, wer den besseren Job, das dickere Auto, das größte Haus und das am Besten eingekleidete Kind hat? Ist DAS wirklich so wichtig im Leben?

      Wenn ich mich z.B. mit einer Bekannten unterhalte, die durch Zufall an einen gut verdienenden Anwalt gekommen ist, schlackere ich oft nur mit den Ohren. Die Gespräche sind oft an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten. Ihr Freund hat eine neue Küche gekauft. Inklusive der und der Fliesen und dieser speziellen Spüle. Am Wochenende war man in dem und dem Shop usw. Mir fällt es immer wieder schwer, interessiert zu tun.

      Oder wenn ich so manche Facebook-Beiträge sehe. Einer versucht, den anderen zu übertreffen. Wo war man? Wo war man mit wem? Wo hat man gespeist, eingekauft etc.?

      Sind das die wichtigen Themen im Leben?

      Ich finde nicht.

      Und bevor Stimmen kommen, die Neid unterstellen. Gewiss nicht. Ich könnte mir, eben weil ich sparsam bin, so manche Dinge leisten. Aber meist mach ich es nicht. Weil es mir dann doch zu unwichtig erscheint.

      Ich habe kein Problem damit, meine Kinder in Secondhandläden oder auf Basaren einzukleiden. Ich habe kein Problem damit, stinknormale Allerweltsmarken zu kaufen und in den Discounter zu gehen. Und ich habe keine Angst, dass meine Kinder deshalb ausgegrenzt werden oder jemand mit dem Finger auf mich zeigt.

      Wir leben in einem kleinen, geerbten Haus und wenn ich die Äußerungen so mancher Frauen höre, weiß ich, dass die wenigsten von ihnen so leben würden. Nicht schick genug. (Wenn ich an die Beiträge von vor einigen Wochen zurück denke, wo naserümpfend diskutiert wurde, dass Häuser aus den 50er oder 60er-Jahren ja nun wirklich nicht mehr bewohnbar wären...) #rofl

      Wie seht ihr das? Eine Freundin unterstellt mir gerne, dass ich zu lange unter alten Leuten gelebt hätte. Ja, vielleicht ist was dran. Mein Opa, Jahrgang 1926, war im 2. Weltkrieg gezwungenermaßen bei der Waffen-SS. In russischer Gefangenschaft fast verhungert und schwer verwundet. Ich glaube, das hat mich geprägt. Seine Schilderungen davon. Seine Freude an einfachen Dingen und sein anspruchsloses Leben. Aber ich bin überzeugt davon, dass er, trotz vieler Entbehrungen und schlimmer Schicksalsschläge, ein zufriedeneres Leben hatte als viele andere, die nur materiellen Dingen hinterher hecheln. Da lasse ich mir gerne unterstellen, spießig oder wie ein alter Mensch zu sein.

      Also was meint ihr: Gibt es heute noch Bescheidenheit oder ist das inzwischen unwichtig? (Vielleicht auch unter dem vermeintlichen Druck der Gesellschaft).

      • Hallo!
        Ich denke, es kommt darauf an, warum man bescheiden ist!
        Auf der einen Seite brauche und möchte ich keine sogenannte Markenware, allerdings möchte ich mich bzw meinen Sohn auch nicht bei Kik einkleiden. Denn andere Menschen (wenn auch indirekt) auszubeuten hat nix mit bescheiden zu tun!
        Genauso ist es beim Essen. Da spare ich nicht! Ich kaufe viel Bio, aus Überzeugung, nicht weil es "in" ist.

        Die Haare und erst recht die Nägel anderer sind mir völlig egal! Für sowas ist mir mein Geld zu schade!
        lg julia

        Hallo

        ich denke da so wie du.
        Aber ich glaube nicht alles was im Internet (auch hier) geschrieben wird,gerade im Netz ist es einfach sich als wer auszugeben der man garnicht ist.Wer möchte das auch überprüfen.

        Vieles pumpt sich durch Neid so hoch das es schon nicht mehr normal ist.

        LG Denise

        Ich bin nicht bescheiden. Nein, gar nicht. Mein Kind traegt ueberwiegend Markenklamotten, niemals gebrauchtes, wir fahren 2 schicke Autos, wir haben ein grosses Haus, fahren regelmaessig in den Urlaub und Essen kommt vom Biobauernhof und hier siehts teilweise aus wie der Apple-Showroom (das liegt aber an meinem Mann ;-))

        Auf der anderen Seite spende ich monatlich einen hohen Betrag, arbeite ehrenamtlich in 2 Vereinen und helfe wo ich kann (und es noetig ist) - egal ob finanziell oder durch "selbst anpacken".

        Ich finde diesen Mittelweg gut. Ich moechte nicht auf unseren "Luxus" verzichten, aber ich sehe auch nicht weg wenn Hilfe gebraucht wird.

        Mir ist es allerdings vollkommen egal ob die Spielpartner meiner Tochter in Kik gekleidet sind oder was die anderen Muetter fuer Klamotten tragen. Darueber urteile ich nicht, das empfinde ich als anmassend. Ich habe Glueck gehabt im Leben - andere nicht und es steht mir nicht zu mir darueber das Maul zu zerreissen.

        LG

        Biene

        • Das ist schön!

          Wer Geld hat, darf es auch gerne ausgeben und wer wo die Prioritäten setzt (Autos, Markenkleidung, Urlaube, Uhren, Personal Trainer, Pferd....), sollte anderen doch völlig wurscht sein. Wichtig dabei ist meiner Meinung nach, dass man andere, die nicht so viel Glück hatten, nicht verurteilt oder auf sie herabblickt. #pro

          Hallo

          da hast du recht.

          Wir haben innerhalb von nicht mal 4 Monaten 5 Freunde an Krebs verloren.

          Seitdem ist uns wichtig zwar Geld zu sparen, aber wir haben auch kein Problem Geld für Dinge die uns gefallen auszugeben (natürlich ohne Schulden zu machen).

          Warum soll ich mir eine billige Jeans die ich eigentlich nicht mag kaufen obwohl mir z. B. eine andere die teuerer ist besser gefällt?

    Hallo!

    Materieller Luxus ist mir sowas von schnurz! Das ganze Gedöns bleibt nämlich hier, sollte ich eventuell morgen über den Jordan gehen.

    Hi!

    Ich persönlich finde Bescheidenheit wichtig.

    Bescheidenheit, Verzicht und Genügsamkeit.

    Wichtige Worte.

    Die Frage ist natürlich....worauf verzichtet man, womit begnügt man sich und wann legt man Bescheidenheit an den Tag?

    Ich beispielsweise verzichte darauf, bei Discountern einzukaufen. Und ich begnüge mich damit, nicht jeden Rappen zweimal umzudrehen, damit auch andere etwas von dem Geld bekommen und die Wirtschaft floriert.

    Desweiteren bin ich der Meinung, dass Übermass nie gut tut, egal in welche Richtung.

    Die Balance... immer an die Balance denken.

    Grüsse

    serdes

    Ich glaube, dass viele Leute, die mit materiellen Gütern protzen, in Wirklichkeit gar nicht soo viel Geld haben - aber gerne "dazugehören" möchten (und sich evtl. sogar dafür verschulden). Traurig, sowas.

    Uns geht es zum Glück finanziell sehr gut, aber sowohl mein Mann als auch ich wurden zu Bescheidenheit und Sparsamkeit erzogen und das möchten wir unseren Kindern gerne weitergeben.

    Allerdings "gönnen" wir uns schon so manche schöne/teure Dinge, warum auch nicht? Auf der anderen Seite haben wir kein Problem mit Second Hand-Kleidung für die Kinder, sind keine Markenfetischisten (auch für uns selber nicht), kaufen unseren Kindern höchstens Kleinigkeiten zwischendurch und zu Geburtstagen auch mal Gebrauchsgegenstände (z.B. ein neues Bett zum 3. Geburtstag des Großen), man findet bei uns genug Sachen von IKEA oder Tchibo, wir können uns auch an kleinen Dingen erfreuen. Und wir haben viele Freunde/Bekannte, die ähnlich denken.

    Hallo,

    ich habe nicht unbedingt den Eindruck, dass es viele von den Menschen gibt, die du beschreibst, weder bei Urbia noch im realen Leben. Natürlich gibt es immer jemanden, der besser sein möchte, aber das gab es schon immer! Wir haben mehr Geld, als wir ausgeben, da wir uns immer überlegen,ob und was wir brauchen, trotzdem leisten wir uns auch Dinge, die wir eigentlich nicht unbedingt brauchen, ganz einfach um zu geniessen;-)! Ausserdem achten wir auch auf die Qualität nach dem Motto "wer billig kauft, kauft zweimal"! Jeder lebt so, wie er möchte, der eine konsumorientierter, der andere "bescheidenener". Wir leben in einer Gegend und haben meistens Kontakt zu Menschen, die genug Geld haben, um sich keine Sorgen machen zu müssen, allerdings sind die wenigsten von ihnen konsumorientiert und vergleichen sich mit anderen, wahrscheinlich, weil sie etwas anderes zu tun haben:-)!

    LG #sonne

    Hallo!

    Wir selber leisten uns das, was wir uns leisten möchten. Ob andere das vermessen oder anspruchsvoll finden, ist uns Wurscht.

    Wir leben nicht über unsere Verhältnisse und schlagen den Kindern erfüllbare Wünsche selten aus.

    Trotzdem ist es mir auch total egal, wie andere leben, ob sie Markenkleidung tragen oder nicht. Wir tragen sie, genauso wie günstige oder Second Hand.

    Mir ist wichtig, was IM Menschen ist, nicht, was er nach außen dar stellt.

    LG

    Ariane

    Ich finde Deine Threads sehr anstrengend weil Du vieles einfach zusammen würfelst und irgendwas unterstellst.

    Was hat Bescheidenheit mit Lästern zu tun?

    Wir wohnen bescheiden, dafür ziehe ich mir und meinen Kindern an was mir gefällt und was wir uns leisten können, egal was drauf steht - Kik gibt es allerdings nicht, ich bekomm schon Kopfschmerzen sobald ich da durch die Tür gehe.

    Ich spare auch nicht am Essen, ich mag gern Fleisch von glücklichen Tieren und Gemüse das nach Gemüse schmeckt und nicht nach Wasser.

    Wir haben zwei Autos weil wir sie brauchen, eins davon ist (vermutlich) ein dickes Auto - und? Ich liebe den Fahrkomfort!

    Nur weil ich mir von meinem hart erarbeitetem Geld etwas gönne, bin ich doch kein schlechter Mensch. Ganz nebenbei tue ich sogar was für die Gesellschaft. Ich läster auch nicht über Andere weder weil sie Billigklamotten tragen noch weil sie ihren Reichtum zur Schau stellen.

    Ich lebe meinen Kindern auch vor das man erstmal Arbeiten gehen muß bevor man sich was leisten kann, ich versteh Deine Aussage daher umso so weniger.

    • (15) 22.03.12 - 15:01

      ***Ich finde Deine Threads sehr anstrengend weil Du vieles einfach zusammen würfelst und irgendwas unterstellst.

      Was hat Bescheidenheit mit Lästern zu tun?***

      Deshalb bin ich auf das Lästern in meiner Antwort auch gar nicht eingegangen. Das hat mit dem Thema nichts zu tun.

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