Demenz

    • (1) 20.04.12 - 22:01

      Guten Abend,

      uns ist heute Abend was passiert, was mich irgendwie total nachdenklich macht.

      Wir fahren durch eine kleine Stadt im Taunus, aufeinmal stellt sich ein älterer Herr auf die Straße und hält uns an. Er fragt, ob wir ihn mitnehmen können- Als ich ihn frage wohin, nennt er uns eine Straße, wusste aber nicht, wo diese Straße liegt.

      Er machte direkt einen verwirrten Eindruck, also bin ich erstmal rechts rangefahren. Ich habe ihn gefragt, was er denn hier machen würde, darauf antwortete er, dass er hier arbeiten würde und jetzt nicht mehr weiß, wie er nach Hause kommt.

      Mein Mann ist dann ein Stück weiter weggegangen und hat die Polizei informiert, während ich mit ihm gesprochen habe. Er erzählte über seine Frau, war so lieb, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er Angst hatte sein zu Hause nicht zu finden.

      Die Polizei kam und kannte den Mann, er wohnte nicht in der genannten Straße, sondern ganz wo anders. Sie erzählten uns, dass sie ihn fast täglich irgendwo "aufgabeln", er unter demenz leiden würde, bis zu diesem Zeitpunkt die Pflegekraft noch nicht genehmigt wurde und er ganz alleine sei. Sie nannten uns seine Straße und sagten, dass er diesmal wirklich weit gelaufen sei und bedankten sich, dass wir ihm geholfen haben, da er alleine nicht nach Hause finden würde.

      Mir tut der Mann so leid. Alleine, dass man in einen hohen Alter völlig alleine ist, finde ich schrecklich, dann aber noch nicht mal sein zu Hause zu finden ist doch echt zum weinen.

      Ich habe mir überlegt, ob ich ihn mal besuche, aber macht man das einfach? Er wird mich bestimmt nicht mehr kennen, oder vielleicht doch? Einfach mal klingeln?

      Würdet ihr ihn mal besuchen?

      Gruss

      • Sowas macht mich sehr sehr wütend......man lässt diesen Menschen einfach alleine ? Die Pflegekraft ist nicht bewilligt ? Wo leben wir denn ? Jeder Straffällige hat einen Haufen Leute zur Verfügung, die ihm helfen, Psychologen, Bewährungshelfer, Berufsberater und was weiß ich und dieser Mann ist alleine - hat nicht mal was angestellt, sondern ist nur einfach alt und krank.
        Hilf ihm ! Informier einen Pfarrer - oder am Montag sofort das Ordnungsamt, die Caritas oder was auch immer es bei euch gibt. Caritas, Pfarrer usw haben oft eine Nachbarschaftshilfe, die weitere Schritte einleiten können. Lieber eine Stelle zuviel informieren als eine zuwenig - dann ist eine Art Gegenkontrolle vorhanden.
        Er tut mir sehr sehr leid. Ich überlege gerade, ob nicht die Polizei auch die Pflicht hätte, hier Behörden einzuschalten ???? Ich denke doch. Wenn der alte Mann so dement ist, irrt er vielleicht demnächst nicht "nur" in der Kälte rum, sondern lässt seinen Herd an oder stürzt wo runter und liegt hilflos da oder ähnliches.....
        Besuchen kannst Du ihn freilich auch - aber wichtiger wäre es nun, schnell jemanden einzuschalten, der ihm richtig helfen kann. Denn es ist für mich klar, dass er nicht mehr alleine leben kann und darf.

        Schön - dass ihr nicht weggeschaut habt - solche Leute sollte es mehr geben #herzlich
        LG Moni

        • Da hast du ganz sicher Recht, Moni.

          Aaaaaaber------ so ein dementer Mensch ist ja nicht nur hin und wieder dement, sondern Tag und Nacht.
          Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester meinen Vater gepflegt.
          Er hatte Alzheimer und Parkinson. Dazu kamen 2Schlaganfälle und ein Herzinfarkt.

          War meine Mutter mal imKrankenhaus, war für uns Tag und Nachtschicht angesagt.
          Mein Vater erkannte uns zeitweise nicht und auch den Unterschied von Tag und Nacht nicht.

          Aber irgendwann musste auch unsere Mutter mal schlafen.
          Und in der Zeit hat er dann z.B. mehrfach die Wohnung unter Wasser gesetzt.

          Wir wären froh über etwas mehr Hilfe gewesen. Aber wer soll das bezahlen ?

          Eva

          • Im Posting stand, dass er "ganz alleine sei"......also ist er nicht nur seiner Familie entwischt. Und ganz alleine kann er wohl definitiv nicht mehr bleiben, egal, wie die finanziellen Verhältnisse seiner Familie sind.
            Demente sind mir nicht fremd, meine Schwägerin ist knapp 95 und im Pflegeheim, rast dort zwar nocht topfit mit dem Rollator durch die Flure, aber alleine sein könnte sie eben nicht mehr.
            Mein Mann ist 76 und Gottseidank (noch) nicht dement, aber ich hab mir auch schon überlegt, was ich täte, wenn......
            Traurig finde ich nur eben, dass jemand vollkommen alleine und dement irgendwo in unserem "Sozialstaat" vor sich hin lebt, der andererseits für jeden Hinz und Kunz Geld übrig hat, der einfach nur stinkend faul ist (habe ich leider einige Fälle in der direkten Nachbarschaft) Das ist für den alten Herrn menschenunwürdig und da hoffe ich doch sehr, dass die TE die Caritas oder jemanden motivieren kann, was zu tun.
            LG Moni

      hallo,
      der staat deutschland macht mit mich wirklich wütend.es ist traurig,wenn der man doch schon "stadtbekannt" ist,das ihm die pflegekraft verwehrt wird bisher.
      wie dir schon geraten wurde wende dich an den pastor,caritas,die können sich mit der nachbarschaft zusammen setzen.
      wenn die demenz schon so weit fort geschritten ist,denke ich nicht,das er sich noch an dich erinnern wird,und du könntest ihm auch angst machen!!
      geldr für jeden scheiß wird aus dem fenster geworfen,aber für arme, alte, kranke menschen ist kein geld da,und wenn wird er eines tages in einem"pflegeheim"enden wo das personal überfordert ist und keine zeit für ihn da ist.PFUI DEUTSCHLAND!!(und ja in anderen europäischen ländern,läuft es anders,ich spreche aus erfahrung!!)
      lg
      tokessaw

    • Hallo,

      das ist nett gemeint. Du kannst das auch versuchen.

      Aber ich befürchte mal, der Mann kann sich weder daran erinnern, dass er da auf der Straße stand noch, dass Du mit ihm gesprochen hast.

      Der Vater meines Freundes ist dement und lebt in einem Seniorenheim.

      Es gibt Tage, da erkennt er seinen eigenen Sohn nicht mehr und weiß auch kaum noch etwas aus seinem eigenen Leben.

      Er freut sich dann zwar, dass jemand ihn besuchen kommt, aber so richtig was mit uns anfangen kann er nicht.

      An guten Tagen erinnert er sich an viele Dinge aus der Vergangenheit. Aber das abzupassen ist schwierig :-(

      GLG

      Ich finde es erstaunlich, dass euch die Polizei so detailliert über die Umstände in Kenntnis setzt. Ich habe auch mal eine ältere Dame aufgegabelt, die ihr zu Hause gesucht hat und sich sicher war, in der richtigen Straße zu sein.

      Nach kurzer Zeit habe ich dann auch die Polizei gerufen und denen die Sachlage geschildert. Die kamen auch gleich, wollten dann noch meine Personalien und haben die Dame soz. an sich genommen. Ich habe denen auch gesagt, dass ich nicht in ihrer Tasche oder Geldbörse nachsehen wollte wg. Ausweis oder so und die meinten, ich hätte vollkommen richtig gehandelt.

      Ich weiß bis heute nicht, wie die Sache ausgegangen ist, also wer die Frau war und wo sie "ausgebüchst" ist.

      Er wird dich - je nach Stand der Demenz - nicht mehr erkennen. Was würdest du außerdem tun wollen? Nur mal nach ihm sehen oder dich dauerhaft kümmern i.S.v. ihn regelmäßig besuchen? Es wäre sinnvoll, sich das vorher klar zu machen.

      Hallo, ein Problem sind die Gesetze für die Pflegeversicherung. Da sind Demenzkranke sehr schlecht vertretten.Da geht es nur um Körperliche Pflege nicht um die Schwirgkeiten die mit Demzkranken auftreten. Es gib zwar die Pflegestufe 0 die bringt Finazell aber nicht viel. Der Mann sollte eigendlich einen Betreuer haben. Der müßte sich um die Probleme kümmern.

      Alles sehr schwirg, mein Vater ist auch Demenz es war schon sehr schwirg in vom Autofahren abzuhalten. Wir Kinder haben sogar das Auto versteckt.

      Ich finde es toll, das ihr geholfen habt. Klingele doch einach, da bekommst du auch einen Eindruck ob der Mann generell verwalost ist.

      Vorweg: Eure Reaktion war richtig.

      Ich persönlich würde aber nicht bei dem Herrn vorstellig werden, sondern wenn man tätig werden will, bei der Polizei und Ämtern nachhaken, weshalb er noch nicht in einer betreuten Einrichtung ist.

      Gruß
      parzifal

Top Diskussionen anzeigen