Reaktion unter Schock

    • (1) 04.05.12 - 22:19

      Hallo Zusammen,

      wir hatten am Wochenende ein schlimmes Erlebnis und ich würde gerne mal hören, wie ihr reagiert hättet.

      Wir waren mit unserem 5 Jährigen Sohn, seinem besten Freund und seinen Eltern an einem See. Irgendwann kamen einige Bekannte aus dem Kindergarten dazu, so das wir insgesamt 6 Erwachsene und 4 Kinder waren.

      Die Kinder haben lange Zeit total ruhig im Sand gespielt und sind dann irgendwann mit hochgekrempelten Hosen bis zu den Knien ins Wasser gewatet.

      Mein Mann war so lieb und hat in der Zeit ein Auge auf die Kinder geworfen.
      Er stand vielleicht 4 m von den Kinder entfernt.

      Irgendwann hörte ich den Namen unseres Sohnes (wer auch immer ihn gerufen hat, vielleicht war es auch nur ein Instinkt), ich drehte mich um und sah wie mein Sohn nach hinten kippte, panisch mit den Armen ruderte und unterging.

      Ich bin wie eine Bekloppte ins Wasser gesprinntet und habe ihn da rausgezogen.
      Es ist zum Glück alles gut ausgegangen. Wir waren beide klatschnaß und ziemlich geschockt.

      Anfangs war ich etwas sauer, das niemand reagiert / geholfen hat.
      Mein Mann stand erst wie zur Salzsäure erstarrt da und kam dann in Zeitlupe hinter uns her.

      Den Bekannten habe ich mehrfach zugebrüllt, sie mögen mir bitte unser Handtuch und Decke reichen, da wir klitschnaß waren und gefroren haben.
      Waren nicht zum sonnen da, dementsprechend hatte ich Jeans, Shirt, Turnschuhe etc. an.
      Null Reaktion. Erst als ich unseren Bekannten wütend von der Decke geschoben habe, kam etwas Bewegung in die Runde.

      Die umstehenden Leute haben eh nur gegafft, bzw. noch blöde Sprüche gemacht.

      Habe das ganze Sacken lassen und für mich ist die Sache soweit "erledigt". Ich bin unendlich froh, das nichts schlimmeres passiert ist.

      Mein Mann, macht sich resige Vorwürfe "nicht reagiert" zu haben. Er hat jede Nacht schlimme Alpträume :-(
      Ich habe ihm so oft gesagt, das es eine völlig normale Reaktion ist. Will er aber nicht hören.

      Ich habe ja schließlich gleich reagiert. Er nicht. #schmoll

      Jetzt kommt meine Mutter vorhin und kommt mit blöden Bemerkungen, die mich tierisch ärgern und auch sehr traurig machen.

      Sie kann nicht verstehen, wie man so gar nicht reagieren kann ( auf meinen Mann bezogen).

      Wie kann ein Vater nur zusehen, wie sein Kind ertrinkt. Das ist doch nicht normal.
      Ich müsse unbedingt rausfinden, ob ein anderes Kind meinen Sohn geschubst hat. Ich soll meinen Sohn gleich morgen ausfragen.

      Wozu ? Die Kinder selbst waren ziemlich geschockt. Bin froh, wenn sie das ganze schnell vergessen.

      Und bei demjenigen, der laut gerufen hat, müsse ich mich noch bedanken.

      Ich weiß ehrlich gesagt nicht wer gerufen hat. Bin mir noch nicht mal 100 % ig sicher, ob jemand gerufen hat. War halt total durch den Wind.

      Wir verstehen uns sonst ganz gut. Aber vorhin ist mir echt der Kragen geplatzt.
      Ich habe sie ziemlich angeschnauzt, das nicht alle Leute perfekt sind und jeder Mensch anders reagiert.

      Unsere Bekannten haben sich übrigens den Tag danach bei uns entschuldigt. Es ging alles so schnell und sie standen unter Schock. Fand ich sehr nett. Niemand ist unfehlbar.

      Wart ihr schon mal in so einer ähnlichen Situation ? Oder könnt ihr Euch vorstellen, als Vater / Mutter nicht oder nicht so schnell zu reagieren ?

      Würde meinem Mann gerne helfen, weiß aber nicht wie. Er frißt alles in sich hinein und tut so als ob alles i.O. wäre. Wenn da nicht die rotgeränderten Augen wären...
      #heul

      LG
      schokili

      • Deinem Mann wird vielleicht helfen, wenn er einen Erste-Hilfe-Kurs macht. Diese gibt es auch speziell für Eltern, um bei Kindern in typischen Situationen richtig handeln zu können. Da gehts dann um Verbrennungen/Verbrühungen, Fieber-Krampfanfälle (kommen bei Kindern bis etwa 6 Jahre schon mal vor), Giftstoffe, Wasserunfälle natürlich etc.

        Es gibt mehrere Möglichkeiten, warum er in dem Moment starr war. Einer davon könnte eben sein, dass er nicht gewusst hätte, wie er richtig handeln muss. Das ist nämlich eine der Hauptursachen für diese Erst-Unfall-Glotzer: Sie handeln nicht, weil sie gar nicht wissen wie. Und weil sie Angst haben, beispielsweise etwas falsch zu entscheiden.

        Die Idee jetzt wäre: Du sagst ihm, dass Du beschlossen hast, so einen Kurs zu machen. Auch um eventuell ein anderes Kind retten zu können und eben um Dich sicherer zu fühlen. Lass ihn aber selbst drauf kommen, dass er das vielleicht auch möchte. ;-)

        • Hallo Witch !

          Die Idee mit dem Erste Hilfe Kurs hatte ich vor einigen Jahren schon mal.

          Und dann folgte. " Wann ist der Kurs ? Dann und dann ? Paßt eigentlich gar nicht.
          Brauchen wir überhaupt einen Kurs ? Unwahrscheinlich das UNS etwas passiert. "
          So ist das ganze in "Vergessenheit" geraten, bzw. vor sich her geschoben worden.

          Nach dem Vorfall werde ich definitiv einen machen. Ich habe ja auch nur instinktiv gehandelt.

          Wiederbeleben etc. könnte ich auch nicht mehr. Den Rettungsgriff, bzw. die stabile Seitenlage bekomme ich gerade so noch hin #schwitz.

          Vielleicht hast Du recht und er hatte einfach Angst vor der Situation oder er war überfordert.

          Vielen Dank für Deine Gedankenstupser :-D

          LG
          schokili

      Hi schokili,
      es war Juli/August 2008, das letzte Treffen von der Krabbelgruppe auf einem Spielplatz.

      Der Spielplatz ist schon groß und auch in mehrere Bereiche aufgeteilt. In dem Bereich wo ein Teil von uns standen, kann man z. B. nicht rausgehen, man muß über eine Holzbrücke (tiefer Graben) in den anderen Bereich.

      Thilo war grad noch nicht 2 Jahre und tollte darum, die Mütter und ich standen darum und schwätzten. Thilo spielte schön und die ersten Jungs liefen über die Holzbrücke. Thilo hinterher. In dem ganzen 4-5 Jungs gewirr sah ich nicht, daß Thilo nicht mehr dabei war und Richtung Ausgang lief.

      Ich sah genauer in den Jungsklüngel, entdeckte ihn nicht. Scannte den Platz ab und dann sa ich ihn außerhalb des Spielplatz Geländes, ganz dicht an der Straße, aber noch auf dem Bürgersteig und von einer Anhöhe kam ein Baustellen LKW.

      Ich stand wie versteinert da und schaute zu, wie eine Mutter, Nina, die Beine in die Hand nahm und Thilo vom Bürgersteig zog.

      Wir waren 5 Mütter die da standen wie "Lots Frau", es war mucksmäuschen still und ich fiel Nina und Thilo um den Hals und weinte.

      Ich habe auch die ersten Tage nicht geschlafen, daß muß man erstmal verdauen.

      Wir hätten nicht mal so schnell zu Thilo gekonnt, Nina stand schon auf dem anderen Bereich, aber so was, vergess ich nie wieder und ich hasse Spielplätze wo die Ein-/Ausgänge nur aus "asymetrischen" Brettern bestehen und nicht mit einem Türchen gesichert sind.

      Da bei Euch auch alles gut ausgegangen ist, wird Gras drüber wachsen, aber Ihr schaut bei Ausflügen in Gewässer nähe, noch genauer nach den Kindern!!

      Gruß Claudia

    Ich hätte den Mann verlassen.
    So viel Dummheit bzw. Gefahrengut könnte ich nicht ertragen.
    Ich kann schwimmen, sogar sehr gut, mein Mann weniger. Ok.
    Ich hab dafür gesorgt, dass meine Kinder einen Schwimmkurs machen, bzw. auch mit 2 Kleinkinder, die Kinder inder Lage sind, sich zu versorgen.

    Wer hat da von Euch versagt?

    Ein Fake bei Urbia, weil ihr zu viel Zeit habt?!

    • Hallo Schwarzesetwas!

      Bin weder ein Fake, noch würde ich meinen Mann deswegen verlassen.

      Er ist im Moment bestraft genug.
      Er stand doch fast daneben.

      Konnte warum auch immer nicht sofort reagieren.

      Ich finde es toll, wenn Deine Kinder in dem Alter schon gut schwimmen können und sich aus so einer Situation selbst helfen können. Das meine ich ehrlich. Wie es im Ernstfall aussieht ist ' ne andere Sache.

      Unser Sohn ist nach hinten gekippt (im Sand weggerutscht oder über die Füße seines Freundes gestolpert) und dann hat er wie wild um sich geschlagen. Was ja verständlich ist.

      Wie gesagt, die Kinder standen in etwa bis zu den Knien im Wasser. Vielleicht 40 cm tief. Durch die ruckartigen Bewegungen hat er sich nur schneller ins tiefere Wasser bewegt.

      Bei uns kann mit 5 Jahren den " Wasserfloh" machen.
      Das heißt aber nicht, das die Kinder dann schon sicher schwimmen können.

      Viele Grüße
      Schokili

    Wenn dein Posting nicht ironisch gemeint ist, solltest du dich schämen.

#contra

Bitte, sowas blödes, denn Mann zu verlassen.

Manchmal läuft es nunmal nicht so wie 1000mal vorher im Kopf überlegt.

Jede Situation ist anders und wir sind alle Menschen und reagieren nicht immer wie Roboter!

Bist du vielleicht eine hohle Nuss,echt#augen

Hallo!

Wir hatten einmal ne ähnliche Situation, allerdings war bei uns kein Wasser sondern ein Stück Fleischwurst im Spiel.
Meine Tochter hatte sich an einem Stück Fleischwurst verschluckt, hustete, wurde schon ganz rot im Gesicht, bekam regelrecht Panik. Mein Mann stand daneben, hat überhaupt nicht reagiert, und ich musste ihn regelrecht anbrüllen, dass er mir die Sachen, die ich in der Hand hatte und nicht einfach wegwerfen konnte (weiß gar nicht mehr, was es war, war beim Einkaufen) abnahm, er hat einfach überhaupt nicht geschaltet. Für mich war es ne gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich mein Kind von dem Stück Wurst befreien konnte.
Und ich glaube, mein Mann hat den Vorfall längst wieder vergessen und bis heute nicht realisiert, dass die Kleine fast erstickt wäre...

Nun ja, ich bin verhältnismäßig firm in erster Hilfe und habe irgendwie anscheinend auch ein Talent dafür in Situationen, in denen andere total hilflos sind, intuitiv richtig zu reagieren. Das können Kleinigkeiten sein, aber auch größere Dinge.
Andere sind in solchen Situationen vollkommen überfordert und können gar nicht mehr reagieren (wie dein Mann), das ist nicht ungewöhnlich, wobei ich denke, dein Mann hätte vielleicht anders reagiert, wenn du nicht die Lage schon gerettet hättest. Und ich denke, er wird darüber hinweg kommen, dass er nichts getan hat, großartig helfen kannst du ihm nicht, das wichtigste ist, dass du ihm keine Vorwürfe machst, aber dem ist ja eh nicht so.

Liebe Grüße!

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