Beerdigungen

    • (1) 08.05.12 - 09:36

      Hallo!
      Gestern ist die Tante meines Freundes gestorben. Nun muss die Tochter, der Vater hatte und wollte nie Kontakt, die Beerdigung organisieren.
      Mein Freund ist der Meinung, Beerdigungen müssen sein, man muss hingehen, um dem geliebten Menschen die letze Ehre zu erweisen.
      Ich bin der Meinung, ich muss das nicht auf diese Weise tun.
      Ich finde es schrecklich, das Trauernde durch gesellschaftliche Konventionen gezwungen werden, sich damit zu beschäftigen, zu kalkulieren, was kann ich mir gerade noch leisten, ohne dass es geizig wirkt, mich aber nicht komplett ruiniert. Was werden die anderen sagen, wenn die Urne nur das normale, günstigere Modell ist? Was, wenn nicht genug Trauernde da sind. War der Verstorbene nicht beliebt oder geliebt genug?
      In anderen Kulturen rennen die Frauen schreiend durch das Dorf um zu trauern.... Ich würde lieber schreien oder schweigen als zu kalkulieren, berechnen und planen.
      Mein Abschied sollte keine so große Bürde für die Hinterbliebenen sein. Aber ist man es den Verwandet schuldig, dass sie sich "anständig" verabschieden können?
      Ich finde es schrecklich, wie Trauernde in eine solche Lage gebracht werden, genau in so einem schwachen Moment genau den gesellschaftlichen Normen und Werten zu entsprechen!

      Ich würde gerne eure Meinung dazu hören!
      Danke!

      julia

      • ... Mein Freund ist der Meinung, Beerdigungen müssen sein, man muss hingehen, um dem geliebten Menschen die letze Ehre zu erweisen.....

        Müssen muß ich gar nichts, außer eines Tages zu sterben.

        Wenn mir der Verstorbene nahe stand, dann ist es eine Selbstverständlichkeit für mich, zu dieser Beerdigung zu gehen.

        Wenn ich zu dieser Person kaum oder gar kein Kontakt hatte, was bitte soll ich dann auf seiner Beerdigung ?

        Und wie ein Sarg oder Urne letztendlich aussieht, ist sowas von egal, denn unter der Erde sieht es sowieso keiner mehr.

        Ich werde nie verstehen, warum sich so viele Leute den Kopf darüber zerbrechen, was andere Leute Sagen - Denken - Meinen könnten.

        LG

        • Genau das ist ja meine Frage: Warum ist es zB. für dich selbstverständlich, auf die Beerdigung zu gehen? Ist es ja für viele Menschen.
          Aber für mich zB. nicht. Ich brauche das nicht als Abschied und ich denke auch nicht, dass es dem Verstorbenen "was bringt". Das Leben ist vorbei und alles, was ich bis dahin nicht mit meinem verwandten/Bekannten gemacht und erlebt hab, ist auch nicht mehr möglich oder aufzuholen.
          lg

      • Ich denke, auf die Beerdigung eines geliebten(!) bzw. nahestehenden Menschen zu gehen, hat weniger mit gesellschaftlichen Normen und Zwängen zu tun, als viel mehr mit Respekt dem Verstorbenen gegenüber. Die Beerdigung ist doch der zelebrierte Abschied von dem Menschen, der einst immer bei uns war.

        Klar hat derjenige nichts davon, ob Du nun da bist oder nicht, aber die Geste symbolisiert doch die Verbindung zwischen Dir und dem / der Verstorbenen.

Hallo,

als dieses "MUSS" geht garnicht! Man muss nicht auf eine Beerdigung gehen, wenn man nicht will bzw es einen einfach zu viel ist!

Und wegen dem Grab: als meine Mama starb haben wir uns ganz bewusst für eine Urnenbeisetzung entschieden, denn das Grab ist einfach kleiner und demnach pflegeleichter!

Ich verstehe gerade nicht, was Du uns sagen willst. Was hat das letzte Geleit, was ich einem Menschen gebe, mit dem finanziellen Aspekt einer Beerdigung zu tun?

  • Dass zB auf der Beerdigung meines Opas Menschen am Grab standen und deutlich hörbar fragten, ob er das wohl gewollt habe (diese Urne). Unter anderem. Dass ich mich gezwungen fühle, das letzte Geleit, so es das gibt, auf bestimmte Art und Weise abzuhalten. Weil es von mir erwartet wird.

    • Ah Okay, dies kann man vermeiden, indem man keine Traueranzeige, bzw eine Traueranzeige schaltet, wo kein Verabschiedungstermin benannt ist.

      Das wäre mir als Betroffene aber ziemlich egal.

      Bezüglich des letzten Geleits. Das muss jeder für sich selbst bestimmen. Ich bin allerdings der Meinung, wenn ich einen Menschen kannte und gar mit diesem Menschen mich eine Freundschaft, oder auch nur gelegentliche Worte verbanden, und ich es mir ermöglichen kann, dann erweise ich ihm das letzte Geleit. Es ist nicht nur für die Angehörigen beruhigend zu sehen, wie geliebt oder geschätzt der Verstorbene bei anderen war, sondern auch ich kann Abschied nehmen.

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