Warum kann man über manche Themen scheinbar nicht sachlich diskutieren?

    • (1) 02.06.12 - 13:50

      Das ist mir bei einigen Diskussionen hier schon aufgefallen und auch im privaten Bereich habe ich damit schon Erfahrung gemacht.

      Beispiel 1: Die Todesstrafe!

      Die Stimmen werden immer lauter, die das fordern. Spricht man sich dagegen aus (wie in meinem Falle), dann wird man sofort auf eine Stufe mit dem Täter gestellt. Zudem wird einem sofort unterstellt eine gewisse Sympathie für den/die Täter zu haben.

      Meine Argumente, dass die vom Staat angeordnete Tötung genauso falsch wie die Tat ist, wird einfach übergangen. Das möchte man dann nicht hören und selbst die Ungläubigsten unter uns fangen dann an die Bibel zu zitieren. #kratz
      Auf sachlicher Ebene ist eine Diskussion nicht möglich. Selbst Beleidigungen a la "ich hoffe, einer aus Deiner Familie wird ermordet, dann kann der Täter ja mit Gnade rechnen..." wurden mir schon an den Kopf geknallt. Und nur weil ich sage - Ich bin gegen staatliches Töten!

      Beispiel 2: "Der Islam gehört zu Deutschland"

      Ist man anderer Meinung wird man sofort als Nazi betitelt. Ich habe nichts Menschen mit anderer Herkunft und würde mich selbst eher in die linke Ecke stecken. Aber ich habe das Gefühl, dass man in diesem Land langsam seine Meinung nicht mehr frei äußern kann, ohne sofort verurteilt zu werden - in welcher Schiene auch immer.

      Noch ein Beispiel aus der Politik, dass in meinem Kopf geblieben ist. Eine Politikerin (deren Name mir entfallen ist) sagt, dass die den FC Bayern sch**** findet. Sofort knüppeln alle auf sie ein. Sie hätte ja keine Ahnung, wäre ein Vollpfosten ect.

      Darf denn nicht jeder seine eigene Meinung haben?

      Ich habe immer gelernt, dass jeder Mensch nun mal eine eigene Meinung hat und diese sollte man eben respektieren. Zudem ist doch die eigene Meinung niemals falsch? Oder täusche ich mich da? #kratz

      Ein ziemliches SILOPO, ich weiß, aber mich interessiert eure Sichtweise dazu? Äußert ihr noch ohne Bedenken eure Meinung, auch wenn mit rauem Gegenwind zu rechnen ist?

      Und habt ihr auch die Erfahrung gemacht, dass Diskussionen zu manchen Themen einfach nicht sachlich geführt werden können? Woran liegt das eurer Meinung nach?

      LG Ruby

      • Das liegt daran, dass einige nur emotional aber nicht rational etwas beurteilen können.

        Und meine Meinung vertrete ich auch trotz Gegenwind. Den bekomme ich reichlich.

        Wenn beim Gegenüber dann jede Logik fehlt ist das traurig aber wohl nicht zu ändern.

        Hallo Ruby,

        Ich kann dir eigentlich soweit beipflichten. Gut ich kann bei einigen Leuten schon verstehen wenn man die Todesstrafe anwenden würde aber auch deine Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Aber mein Gott wenn du eben eine andere Meinung hast ist das eben so. Da seh ich das Problem nicht wenn jemand eines draus macht.
        In Sachen Politik ist es schon so das die immer nach der MEinung des Volkes reden müssen da darf man wohl über die Roten Bayern nichts sagen. Ich kann diese Kacksäcke auch nicht ab. Aber gut ich kann mich schließlich auch ganz normal mit Leuten unterhalten die den FCB eben mögen. Jeder hat schließlich eine andere Meinung.
        In Sachen Islam gehört der für mich nicht zu Deutschland. Islam ist Islam und Deutschland ist Deutschland. Wer aber für sich selbst und seine Familie den Islam IN Deutschland praktizieren will oder es tut das juckt mich nicht. SChließlich kann auch hier jeder glauben was er mag.
        Das ist Toleranz.

        Ela

        Hi!

        Du kannst gleich die Veganer-/Vegetarier-/Fleischesser-Diskussion dazu schreiben, da rollen gleich die Köpfe, könnte man meinen.
        Oder Stillen gegen Flaschennahrung
        Oder, oder, oder...

        Es gibt lebenswichtige Ansichten, die man wohl mit Leib und Seele verteidigen muss und jedes Gegenargument als persönlichen Angriff empfindet... man macht es richtig und die anderen falsch. Punkt.

        Die Menschen sind einfach so und wenn ich das merke, bleibe ich lieber weg von solchen Diskussionen ;-)

        LG

        • ... oder Abtreibung (oder den Gedanken daran).
          Wenn man einen Fehler zugibt, wird man verbal angegriffen.

          Obwohl man doch eigentlich verzweifelt ist und um Hilfe fleht.
          Ziemlich schade.
          Ich werde daher nicht mehr die Anonymität hier suchen und daher schweigen.

          Euch noch viel Erfolg.

          LG

          Pamstef

      Hallo

      also auf deine Meinungen gehe ich mal ein:

      Todesstrafe- naja, ich persönlich bin dafür. Allerdings muss da die Schuld wirklich ohne den geringsten Zweifel bestehen! Es gibt leider genug Straftäter, die grausame Taten (auch an Kindern) verübt haben, die kommen ins Gefänglis und werden da (meine Meinung) relativ verwöhnt!

      Islam und Deutschland - ich zähle mich politisch eher als etwas rechts. Jedenfalls wird mir das so gesagt. Ich bin selber nicht in Deutschland geboren, aber ich finde auch, dass Menschen anderer Herkunft sich hier integrieren müßen. Das würde ich ja auch in jedem anderen Land! Man hat die Sitten und Gebräuche des jeweiligen Landes zu achten und zu respektieren!

      Fußball: Ich bin keinesfalls Fußballbegeitert! Und wenn ein Politiker sich zu Sport äußert, dann ist das seine persönliche Meinung die man eben hinnehmen sollte. Die einen finden Bayern gut, die anderen eben Köln oder Schalke... jedem das Seine!

      Wieso man darüber nicht klar schreiben kann? - Ich denke, weil die meisten nach diesem Motto leben:

      "Ich stehe zu meiner Meinung, also konfrontiere mich nicht mit Tatsachen."

      Alleine im Babyforum wird man wegen der unterschiedlichsten Dinge in der Luft zerrissen.

      Fakt ist: Man kann sich alles anhören und seine Meinung auch äußern, doch die meisten Menschen werden zu schnell emotional und vergessen eben, dass jeder ein Recht auf seine Meinung hat.
      So habe ich in der Jugendpsychatrie (Habe Krankenschwester gelernt) auch viele Handgreiflichkeiten beobachtet - also jeder hat eine andere Meinung und anstatt zu diskutieren und auch die Meinung des anderen ruhig anzuhören, wird gebrüllt und geschlagen. Sowas deutet für mich dann auf einfache Dummheit hin. Anders kann ich es gar nicht ausdrücken.

      Theorie Nr. 2 : Man nutzt hier in den Foren und die Anonymität um sich richtig Luft zu machen, zu sticheln und auch mal sich über andere zu amüsieren.

      LG

      • "Allerdings muss da die Schuld wirklich ohne den geringsten Zweifel bestehen!"

        Wie soll das denn gehen?

        • Durch ein Geständnis! Man hat oft genug erlebt, wie Täter ihre grausamen Taten bei Gericht zum Besten geben. Leider habe ich da einige in der forensischen Psychatrie kennen gelernt. Und denen das Essen anzurichten und ihnen in der Psychiatrie noch Therapien anzubieten, halte ich persönlich für eine Beleidigung der Angehörigen. Aber unsere Gesetze sind nunmel so, und zum größten Teil auch wirklich gerecht, aber in meinen Augen eben nicht alle.

          Ich denke vielleicht etwas mittelalterlich, aber wer mit Absicht das Leben eines Menschen auslöscht, hat seines verwirkt!

          Jedoch gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, man darf nie die Grauzonen vergessen.

          Naja, selbst ein Geständnis ist kein eindeutiger Beweis für eine Schuld!
          Ich möchte nur an den Fall Rudi Rupp erinnern ...

          http://de.wikipedia.org/wiki/Todesfall_Rudolf_Rupp

          So eindeutig ist das mit der Schuld leider nicht abgetan. Gar nicht auszudenken wie verheerend ein Todesurteil in diesem Fall gewesen wäre.

          Außer dem Geständnis müssten mehrere Faktoren einfließen, aber ich denke selbst dann wären Irrtümer nicht ausgeschlossen.

          Wie die anderen schon geschrieben haben, ist ein Geständnis kein 100prozentiger Beweis. Außerdem ... dann muss der Angeklagte nur den Mund halten und schwupps ist er vor der Todesstrafe sicher. Das ist ein bisschen zu einfach.

          Und ja mittelalterlich ... sowas ähnliches habe ich auch gedacht.

          Glücklicherweise nimmt der Staat keine Rache, das steht ihm nämlich nicht zu!

          Ach so, und haben dann der Richter und der Henker ihr Leben auch verwirkt?

    (15) 02.06.12 - 21:49

    Du illustrierst wunderbar, was die TE ausdrücken möchte:

    "Meine Argumente, dass die vom Staat angeordnete Tötung genauso falsch wie die Tat ist, wird einfach übergangen."

    und wieder das gleiche...

    • Es geht doch nur um seine eigene Meinung, und dass man diese Äußern darf. Ich höre mir auch gerne andere Argumente an und akzeptiere diese.

      Jeder hat seine Meinung und die Wenigsten werden von ihrer eigener abspringen.

      Wie gesagt, zuhören und seine eigene Meinung äußern.

      Und manchmal - bei einigen Dingen, muss man eben einsehen, dass man sich eben nicht einig werden kann.

      • (17) 02.06.12 - 22:58

        In einer Diskussion geht es eben nicht darum, dass zwei Gruppen mit kontroversen Ansichten immer und immer wieder nur die eigene Meinung wiederholen, sondern dass man Argumente bringt, die die eigene Meinung untermauern. Eine Meinung entsteht ja nicht zufällig, sondern ist das Produkt von verschiedenen Einflüssen wie Informationen, Auffassungen Für-und-wider-Abwägungen usw. und erst am Ende steht die eigne Meinung. Folglich sollte man also in der Lage sein, die eigne Meinung auch zu begründen. Und auch die Gegenseite kann Gründe dafür aufführen, weshalb sie diese Meinung vertritt.
        Und dann geht man gegenseitig auf die Gründe und Argumente ein und so entsteht im Idealfall eine Synthese aus beiden Positionen.

        Du begründest deine Befürwortung der Todesstrafe nicht, sondern schreibst lediglich, dass es deine Meinung sei. Das Argument der TE, dass jede Tötung, auch die vom Staat angeordnete, falsch sei, wird von dir nirgends aufgegriffen. Was sagst du also zu diesem Argument? Würdest du darauf eingehen, es widerlegen können oder du würdest hier direkte Einwände machen, dann gäbe es eine gute Chance, dass sich eine Diskussion entwickelt. Stattdessen ignorierst du dieses Argument und gibst einfach nur deine Meinung Preis und niemand kann wissen, weshalb du dieser Auffassung bist. Das aber ist keine Diskussion, sondern nur ein Meinungsaustausch, der im Gründe zu gar nichts führt.

(18) 03.06.12 - 11:28

Hallo,

ich antworte jetzt mal bewußt unter deinem Thread und nicht unter dem der TE.

Todesstrafe - Bin ich dafür, wenn man den Täter zweifelsfrei feststellen kann. Aber genau da sehe ich das Problem. Es haben schon Leute Taten gestanden, die sie gar nicht begangen haben. Und ebenso wurden schon falsche Leute hingerichtet. Wie macht man es dann richtig?

Gefängnisstrafe - Klar geht es den Leuten in deutschen Gefängnissen zu gut (Zitat eines Nachbarn aus Kinderzeiten, der knapp 20 Jahre nur im Knast saß: "Was soll ich draußen? Hier drin gehts mir doch viel besser. Ich habe alles, muss nichts dafür tun. Und an meine Drogen komme ich hier auch viel leichter.") Das könnte man aber auch ändern.

Islam und Deutschland - Da teile ich deine Meinung. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn jemand seine Religion auch ausübt. Aber die Forderung, dass sich das Land an seine Gäste anpassen soll, finde ich absurd. Wer in ein fremdes Land zieht, hat sich dort anzupassen und einzugliedern.

Fußball - Interessiert mich nicht die Bohne und ich finde, das kann auch jeder wissen. Für mich sind Fußballer nur ein Haufen völlig überbezahlter Menschen, die selbst dann nicht zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie scheiße spielen. Dann rollt immer nur der Kopf vom Trainer.

Kindererziehung - Das Thema erhitzt nicht nur hier die Gemüter. Grundsätzlich nervt es mich, wenn dann das Argument kommt "Ihr habt aber keine Kinder.". Darf man deshalb keine Vorstellung davon haben, wie man mit Kindern umgehen würde? Und vor allem bedeutet das nicht, dass man noch nie im Leben mit Kindern zu tun hatte. Ich selber habe (leider) keine, bin aber ein gern "gebuchter" Babysitter und mir wurde bereits mehrfach gesagt, wenn ich mal den Job wechseln möchte, solle ich doch Erzieherin werden. Ich maße mir also an, dass ich durchaus in der Lage bin, die ein oder andere Situation bzgl. Kindererziehung beurteilen zu können. Mal ganz davon abgesehen war ich auch mal Kind und kann mich auch noch dran erinnern.

Diskutieren - Diskutieren will gelernt sein und erfordert die Bereitschaft, sich auch auf andere Meinungen einzulassen und mal über den Tellerrand zu schauen. Jedoch gerade hier bei Urbia werden viele User sofort persönlich, pampig und ausfallend, wenn eine Antwort nicht so ausfällt, wie erwartet oder erhofft. Da frage ich mich immer wieder, was diese User dann überhaupt in einem Diskussionsforum machen. Wenn ich mich nur auskotzen oder ausheulen will, kann ich auch Tagebuch schreiben. Da widerspricht dann auch keiner.

Ansonsten sehe ich das wie Parzifal. Ich habe eine Meinung und stehe da auch zu. Dennoch interessiert es mich auch, wie andere Leute die Dinge sehen.

Gruß
Sassi

Hallo,

es ist ganz einfach: Man kann nicht sachlich diskutieren, weil es immer mehr Ebenen in der Kommunikation gibt als die sogenannte Sachebene! Die Sachebene ist der geringste Teil der Kommunikation.

lg die hinterwäldlerin

  • Ist das jetzt allgemein gemeint (also das eine sachliche Diskussion gar nicht möglich ist) oder eine Erklärung warum ein bestimmter Personenkreis nicht sachlich diskutieren kann?

    • Das ist allgemein gemeint.

      • Dann würde es aber nie eine sachliche Diskussion geben können. Und dieser Ansicht kann ich mich nicht anschließen.

        Nur weil es "verschiedene Ebenen gibt" heißt das doch nicht, dass man keine Fähigkeit hat sachlich zu diskutieren.

        • hmm...also nonverbal und paraverbal sehen und hören wir hier nicht im Forum. Dann bleibt nur das geschriebene Wort. Wenn man sich dann noch klar macht, dass der nonverbale Teil bei 55 % und der Paraverbale Teil bei 38 % liegen in jeder Kommunikation, dann ist der verbale Anteil doch sehr gering.

          (Leider verpacken viele ihre Emotionalität in Worte, so dass es schlichtweg unsachlich wird)

          Ich für meinen Teil stelle mir dann immer diese Menschen vor wie frustriert sie doch vor ihrem PC sitzen und dann amüsiert mich das eher. ;-)

          Ich geb dir aber Recht parzifal, mit den richtigen Teilnehmern kann man auch sachlich diskutieren.

          :-)

          • Hi,

            die Prozentzahlen sind ja irre...kannst du bitte den Beleg dazu mal verlinken?

            "...Leider verpacken viele ihre Emotionalität in Worte, so dass es schlichtweg unsachlich wird.."

            Wieso leider? Das ist zutiefst menschlich, das ist es ja gerade! #aha

            Du selbst kannst ja auch nicht frei von Gefühlen diskutieren, immerhin schilderst du dein Amüsement...das ist auch "Emotionalität".

            Die meisten Menschen verstehen unter "Sachlichkeit", wenn sie nicht mit negativen Gefühlen ihrer Gesprächspartner konfrontiert werden. Das kann man sicher hinkriegen. Aber dennoch sind die Gefühle, das Unbewusste, die Beziehungsebene da.

            Es gibt keine "reine" Rationalität, daher gibt es auch keine "reine" Sachlichkeit.

            Einfach mal lesen:

            http://www.amazon.de/Selbst-ist-Mensch-menschlichen-Bewusstseins/dp/3886809242

            und

            http://www.amazon.de/Descartes-Irrtum-F%C3%BChlen-Denken-menschliche/dp/3548604439

            Ich habe über "Descartes Irrtum" mal einen Vortrag gehalten. Und die Theorie der somatischen Marker lässt mich seitdem nicht mehr los.

            lg die hinterwäldlerin

            • www.transkulturelles-portal.com/.../verbale-nonverbale-paraverbale-...

              Allerdings bin ich wohl nicht in der Lage einen Link richtig einzustellen. Ich musste erstmal suchen, denn das Habe ich aus dem Kopf abgerufen ;-)

              Ich beschule Erwachsene im Bereich Kommunikation.

              Du hast natürlich recht, ich bin genauso emotional, wenn ich mich amüsiere. ;-)

              Vielleicht hätte ich mich besser ausdrücken sollen. Ich meinte damit diese extreme Emotionalität die unkonntrolliert in Worte umgesetzt wird.

              LG...

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