Zum Stand der Generation. Ein Bericht aus der Mitte.

    • (1) 08.06.12 - 12:10

      Sie sind faul, haben keine Prinzipien und Werte, kämpfen für nichts und sind verschult, konsumorientiert und karrieregeil, der Berufswunsch variiert zwischen Prinzessin, Hartz IV und 'irgendwas mit Medien'.

      Spielkonsolen und Koma saufen bestimmen den Tagesablauf, echte Kommunikation ist ausgestorben und Computer, Smartphones und soziale Netzwerke sind die einzigen Freunde. Verantwortung und Aktivismus sind Fremdworte und die, die mit 16 noch keine Kinder haben, werde nie welche bekommen und ihr dasein entweder einsam oder als eiskalter, verhärmter Teil eines 'double income'- Paares fristen.

      So hört man zumindest über die jungen Leute von heute. Ich habe mich mal umgeschaut und auf die Suche nach diesen Leuten gemacht, zu denen ich altersgemäß dazugehöre und diese Woche bei mir selbst angefangen.

      Montag.
      Aufstehen, fertig machen, Uni. Präsentation lief gut, obwohl wir uns nie in der Gruppe getroffen haben.Dropbox machts möglich. Blick aufs Smartphone. Bei What's App sehe ich, das das Treffen mit den Mädels steht. Mittagessen mit den Mädels. haben uns das Wochenende nicht gesehen weil alle unterwegs waren.es gibt viel zu erzählen. Einkaufen. Mit der Einkaufszettel App habe ich gesammelt was ich brauche. Mein Freund hat über sein Smartphone hinzugefüht was ihm im Laufe des Tages eingefallen ist. Bin schnell fertig, treffe aber noch ein Kommilitonin. Bin spät zuhause, haben uns verquatsch. Schnell Gemüse schnippeln und Dipps anrühren. DVD Abend mit Freunden und Mitbewohnerin. Breaking Bad. Gute Serie. Bett. Facebook checken. Bin genervt. Ein Idiot postet schon wieder sein Abendessen. Stelle Neuigkeiten von ihm ab. Nachrist an meine alten Schulfreundinnen. Sehen uns selten aber schreiben oft. Immer noch gute Freunde.Schlafen.

      Dienstag.
      Aufstehen um 6. von 8 bis 17.30 arbeiten. Mittelmäßig bezahlter Job, tolle Kollegen und der Bringer für meinen Lebenslauf. Nächsten Samstag gehen wir alle zusammen aus. In meinen Liebslingsclub. Wird komisch, ich kenne dort so viele. Außentermin, die Kollegin fährt. Gespräche über Familie, Männer, Bücher. Lesen beide viel und teilen uns Buchreihen auf. Kaufe leider doch immer alle Teile irgendwann selbst. Sieht im Regal besser aus. Großbestellung bei Amazon. Auf der Fahrt rufe ich meine Mails ab und schreibe Freunden zurück, die ich im Auslandssemester in England kennengelelernt habe. Engländer und Spanier. Gut, dass es Facebook gibt. Angekommen, Termin läuft gut, zurückfahren. Zusammenfassung auf der Rückfahrt auf dem Tablet getippt und direkt zum Chef geschickt. Reden wir drüber wenn wir zurück sind. What' App. Meine kleine Schwester schickt mir Bilder vom neuen Familienhund. Süß! Kann leider nicht hinfahren, wohne zu weit weg. War aber dieses Jahr bei allen Familienfeiern, ist also ok. Nach Hause. Bad News: Kühlschrank ist kaputt. Mitbewohnerin pleite, Vermieter will, dass wir das Geld vorstrecken. Gut, dass ich ein paar Reserven hab. Ab zum Elektromarkt. Energieklasse A++ ist Voraussetzung. Alles viel zu teuer. Mist. Gut dass man online bestellen kann, große Auswahl, gute Preise und wer nicht ganz dumm ist fällt auch nicht auf Betrüger rein. Gut. Ab zu ner Freundin, Weinchen auf dem Balkon und dann ins Bett.

      Mittwoch.
      Wieder arbeiten. Noch mehr schelchte Neuigkeiten. Der Vermieter übernimmt die Rechnung. Er hat nur nicht gesagt wann. Bin dann wohl pleite. Blöd. Blick aufs Konto. Mehr als blöd. Mobilvertrag abgebucht, Internet abgebucht, Unicef abgebucht und der doofe Kühlschrank. Fahre das am Wochenende zu Freunden nach Düsseldorf. Muss wohl sparen. Schreibe ne Rundnachricht bei Facebook. Können wir Samstag statt shoppen sight seeing einplanen? Bin pleite. Zustimmung. Gut. Bin froh, dass wir keine Studiengebühren mehr bezahlen müssen. Hat was genützt dagegen auf die Strasse zu gehen. Morgen ist frei. Wer macht heute abend was? Weiß über Facebook Bescheid. Werde von meinem Freund abgeholt. Hausparty. Belustigung des Abends: Chatroulette. Komisch, die ganzen 50 jährigen alten Säcke, die da vor der Kamera blank ziehen. Wer's braucht. Mittlerweile 24 Stunden wach. Müde. Schnell ne Taxinummer gegoogelt und ab nach Hause.

      Donnerstag.
      Ausschlafen. Putzen. Aufräumen. Joggen. Verschwende Zeit mit iPhone Spielen. E-Mails. Die Facebook Erasmusgruppe upgedated. Leute, ich geh nach Hamburg. Praktikum, möchte was Neues sehen und Erfahrung sammeln. 30 Minuten später ist das Wohnproblem gelöst. Hatte mir Sorgen gemacht. Hatte bei wggesucht.de geguckt, sauteuer. Danke, Hamburger Freunde. Ich revanchiere mich. Habe letztens noch Hamburger auf ner Party kennengelernt. Sympathisch. Gleich online vernetzt. Ob wir was unternehmen, wenn ich da bin? klar. Wollte eigentlich bald nochmal ein paar Tage nach Berlin. Freunde besuchen. Muss leider absagen um für Hamburg zu sparen. Blöde Sache, klär ich am Telefon, ist persönlicher. Koffer packen fürs Wochenende. E-Mails. Kochen mit Freund. Topmodel mit den Mädels. Ist Tradition. Per Live Stream auf dem Balkon diesmal. Es hat geregnet und die Luft ist grade so gut. Nach Hause.Schlafen.

      Freitag.
      Koffer nochmal umgepackt. Was trägt man in Düsseldorf? Hab nen ganzen Schwung Klamotten online aus England bestellt. Was nehm ich nur mit? Sind das Wochenende im Hotel. Online verglichen und ein Schnäppchen gemacht. Auto ist voll. Dank mitfahrzentrale.de. So können wir uns den Sprit teilen. Bevors losgeht nochmal ins Büro. Nicht allzuviel los. Gucke kurz bei Urbia. Soll ich was schreibe? Warum nicht.

      Freitag 12: 00.
      Warte auf antworten.

      • >>>So hört man zumindest über die jungen Leute von heute. <<<

        Hört MAN das? Ich höre und vor allem SEHE das nicht.

        • Ich höre bzw. lese das zuhauf.

          • Meistens ex nagativo in der Glorifizierung der alten Zeiten, in der die Leute viel bessere Menschen waren und ohne den neumodischen Kram ausgekommen sind, von dem heute alle abhängig sind.

            Vor allem in Diskussionen und Artikeln über Facebook und Co. , über die Bachelorstudenten, über den demographischen Wandel und naja, hier bei Urbia, wo so oft betont wird, dass man auch ohne alles Neue auskommt und dadurch ein besserer Mensch ist.

            vlg.

    Ich finde es normal, daß neue Techniken zunächst sehr leicht von Jüngeren angenommen wird.
    Der Anteil von 70-80-Jährigen, die eigenständig mit einem Computer umgehen, ist ja eher niedrig.

    Und was soll das nun aussagen / beweisen?

    Deinem Beitrag könnte man nun auch entnehmen, dass Du zu viel Freizeit hast, und gegen Deinen Geldmangel nicht das tust, was Du nebenbei noch tun könntest, damit am Geldende nicht so viel Monat übrig ist.

    Du wirst immer und überall irgendwelche Extrembeispiele finden wenn Du suchst, in die eine wie in die andere Richtung.

    Dass sich nie alle Leute einer Altersschicht über einen Kamm scheren lassen, sollte ebenso klar sein.

    Und nimm das bitte nun nicht persönlich wenn ich die Qualifikation einer Studiengöre anzweifle, die (ausser in ihren weit verteilten Stunden auf der Uni und evtl. in einem Schnupperkurs bei einem gewillten Arbeitgeber mit Herz) in ihrem Leben noch nie wirklich produktiv und leistungsbezogen mit viel Stress im Nacken gearbeitet hat.

    Aber darum ging es ja auch nicht....insofern das nur am Rande.

    Vorurteile sind schnell aufgebaut, und halten sich ganz gerne hartnäckig.....so what?

    Boaaah, bist du toll! #verliebt

    Willst du mit mir gehen?

    __ ja

    __ nein

    __ vielleicht

    °cd

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